Orval überlagert

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Bierwisch
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Orval überlagert

#1

Beitrag von Bierwisch » Montag 26. Juni 2017, 14:38

Hallo Hobbybrauer,

stellt euch vor, da habe ich in meinem Vorratskeller doch tatsächlich zwei Flaschen überlagertes Orval gefunden:
IMG_5319k.jpg
Weiß gar nicht, wie mir das passieren konnte...

Zum Vergleich habe ich dann gleich noch eine Flasche aus dem Januar 2013 aufgemacht und muß sagen, daß ich ziemlich enttäuscht war.

Das von 2010 enthielt keinerlei Brett - irgendjemand hatte hier mal erzählt, daß die Belgier eine Zeit lang auf Brett verzichtet haben. Und das jüngere war halt ein Bier mit Brett. Nicht mehr und nicht weniger, aber ziemlich langweilig. Meine 100%Brett-Biere schmecken schon nach wenigen Monaten so und haben dann wenigstens noch ein paar interessante Hopfenaromen...

Irgendwie hatte ich mir hier mehr versprochen.

Die restlichen Flaschen werde ich jetzt wohl mindestens zehn Jahre wieder vergessen, vielleicht passiert ja in der Zeit noch was interessantes.

Gruß,
Bierwisch
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Re: Orval überlagert

#2

Beitrag von Unbewegter Beweger » Montag 26. Juni 2017, 16:12

Hallo Bierwisch,
ich trinke seit 2009 relativ regelmäßig Orval. Ich wohne in der Grenzregion zu Belgien und halte mich auch häufig dort bei Freunden auf, die ebenfalls Fans von Orval sind. Wenn dort in den letzten acht Jahren Chargen ohne Brett gebraut wurden, hätte ich das merken müssen ;-)
Mit dem 2010er muss irgendwas anderes passiert sein.
...oder deine Papillen sind nicht mehr empfindlich für den Brett-Geschmack ;-)
Liebe Grüße, Sven

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Boludo
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Re: Orval überlagert

#3

Beitrag von Boludo » Montag 26. Juni 2017, 16:41

Doch, ganz sicher, es gab mal ein paar Chargen ohne Brett.
Und den entsprechenden Aufstand.
Seither machen sie es wieder mit Brett.
Hab grad nur keine Zeit zum recherchieren. Das muss so um 2010 rum gewesen sein, bin mir aber nicht mehr sicher.
Ich hatte auch mal eine geagtes Orval ohne Brett. Das ist scheußlich. Schmeckt halt einfach total durchoxidiert.

Stefan

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Re: Orval überlagert

#4

Beitrag von tbln » Montag 26. Juni 2017, 17:00

Brett-frei ist es laut Brew like a monk 1950 nur für kurze Zeit gewesen. Allerdings ist das Buch ist von 2005... Gelagert find ich das auch nicht so spannend.

Von De la Senne gibt es das Bruxellensis mit einer "lokalen" Wildhefe. Die haben es zwar noch nicht so richtig mit der Karbonisierung raus, aber das Brettaroma ist ne Wucht. Sehr fruchtig mit floralen Noten, weniger Leder. Der Bodensatz eignet sich super zur Weiternutzung.

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Re: Orval überlagert

#5

Beitrag von Unbewegter Beweger » Montag 26. Juni 2017, 18:14

...da bin ich ja froh, dass ich diese Charge verpasst habe. Der Aufstand war völlig gerechtfertigt...

KremerUlrich
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Re: Orval überlagert

#6

Beitrag von KremerUlrich » Mittwoch 28. Juni 2017, 14:16

Hallo Orvalisten,

in den 50ern hat man die Kühlung von einem Baudelot umgestellt auf Plattenkühler, also konnte über die Luft kein Brett mehr in die Würze gelangen,
das haben die allerdings Kunden moniert und man hat aus alten Chargen den Brett kultiviert, d.h. kein Orval ohne Brett mehr.
Allerdings wollte man die Kapazität der Brauerei erhöhen und erweitert wurde wegen der Mönche nicht, also andere Lösung. Initiiert vom alten Braumeister Jean-Marie Rock wurden Experimente gemacht mit weniger Brett-Zugabe. Was letztlich geschehen ist kann ich nicht beurteilen, es ist aber was passiert, denn die Produktion konnte gesteigert werden.
Oktober 2013 trank ich in einer Pizzeria in Arlon ein Orval und schob es meinen Freunden zu zwecks Vergewisserung meines Eindruckes: das Aroma war weg! Wenig später im Biershop Mi orge mi houblon hab ich den Chef gefragt was mit Orval los ist und der meinte nur: they destroyed my bier and it is out of my shop. Mitte der 90er hat Rock schon einmal Orval angepaßt, denn es war außergewöhnlich parfümiert davor.

Nun ist es ein gewöhnliches Bier was man nicht unbedingt haben muß, Orval hat auch nicht immer gleiche Qualität, z.B. manchmal zu platt und dann sogar leicht gushing. Daher ist es mit dem Lagern so eine Sache, bis 2012 produziert locker bis zu 7 Jahren aufzubewahren, dann wird Orval muffig, manchmal auch schon vorzeitig, d.h. 10 Jahre alt kannste gleich wegschmeißen. Da mittels dry-hopping mehr Hopfen in Orval gelangt als normal oxidiert dieser leider auch sehr gut - leider nicht unbedingt lecker-. Kleiner Tipp, Orval wenn er nicht mehr top sein sollte mit einer halben Flasche Geuze trinken, so wird er wieder aufgepept.
Bei den batches ab 2013 bekommt Orval immer mehr einen leichten Brett-touch, also unbedingt selbst lagern
Meiner Einschätzung ist das auch die Veränderung in der Brauerei, denn das Bier reift nicht mehr in der Brauerei und kann somit schneller auf den Markt geschmissen werden. Der Brett macht ein Bier trockener und das kommt dem Hopfenaroma entgegen, was jetzt aber nicht mehr da ist.

Ich würde Euch zum heutigen Preis jedoch alle batches vor und mit 2012 abnehmen, also fast ein Tausch von altem und neuem Orval. Den Austausch könnte man organisieren über Jürgen von den Bierhistorikern aus Köln denn ich bin meistens in Belgien unterwegs. Mein Plan ist ein blend von Orval mit Lambik, das geht immer

h.

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Re: Orval überlagert

#7

Beitrag von Bierwisch » Mittwoch 28. Juni 2017, 14:26

Danke für die Aufklärung!
Schade, daß ich die früheren Biere von Orval nicht kenne, aber die aktuellen (mehr oder weniger aktuell) schmecken jetzt nicht besonders interessant. Wie bereits geschrieben, braue ich selbst Biere mit 100% Brett und die schmecken mir persönlich besser...
Ich nehme das Risiko in Kauf und lagere die restlichen Flaschen mal noch ein paar Jahre.

Achso und ich bleibe dabei - die Abfüllung von 12/2010 enthält kein Brett (mehr). Eine Flasche davon habe ich noch da, die können wir gerne in Gundelfingen verkosten.

Gruß,
Bierwisch
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