Erfahrung mit Übernachtmaischen im Thermoport

Erfahrung mit Übernachtmaischen im Thermoport

Post Nr.:#1  Beitragvon Schlafwagenschaffner » Sonntag 8. Januar 2017, 11:33

Guten Tag!
Ich brau heute erstmalig einen Doppelsud und habe gestern Abend schon den ersten Sud eingemaischt im Thermoport.
Einmaischwasser hatte 72 °C um 23.00 Uhr. Macht mit dem Malz eine Kombirast bei 68°C. Heute morgen um 8.00 waren noch 58 °C im Thermoport zu messen.
Schüttung ist 80% PiMa und 20% CaraRed.
Nun meine Frage: Hat die lange Rast unter 60 °C Auswirkung auf den Schaum?
Grüße,
Jens
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Re: Erfahrung mit Übernachtmaischen im Thermoport

Post Nr.:#2  Beitragvon schollsedigger » Sonntag 8. Januar 2017, 12:23

Hi,

ich maische auch öfter über Nacht ein, üblicherweise geg. 20:00 Kombirast, abmaischen geg. 8:00 am nächsten morgen, Temperaturabahme 67°C -> 58-59°C im TP 25l. Wichtig ist, den TP randvoll zumachen und gut einzupacken, so dass die Temperatur über 50-55°C bleibt. Darunter fühlen sich diverse Mikroorganismen wohl und feiern Party.

Zu Deiner Frage: Ich konnte bisher keinen schaummindernden Effekt feststellen, gebe jedoch auch ca. 100g Haferflocken pro 5kg Schüttung zu. Weiterhin kann ich mir vorstellen, dass die Proteasen nach der Kombirast weitestgehend kaputt sind und nicht mehr allzuviel ausrichten können. Du fährst ja sozusagen eine "absteigende Eiweißrast".

Grüße

Matze

Edit: Ich hab da noch was zum Thema gefunden: http://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?f=3&t=10707, speziell Post #37 von olibaer.
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Re: Erfahrung mit Übernachtmaischen im Thermoport

Post Nr.:#3  Beitragvon Schlafwagenschaffner » Sonntag 8. Januar 2017, 13:01

Oh Dank der ausführlichen und beruhigenden Auskunft!
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Re: Erfahrung mit Übernachtmaischen im Thermoport

Post Nr.:#4  Beitragvon tacitus » Sonntag 8. Januar 2017, 14:07

Hallo ihr 2 und Mahlzeit.

Interessant, hab das zum ersten mal gehört, resp. gelesen mit einer so langen Kombirast. Hat dies irgendwie vorteile oder so?
Gruss
Tacitus
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Re: Erfahrung mit Übernachtmaischen im Thermoport

Post Nr.:#5  Beitragvon Schlafwagenschaffner » Sonntag 8. Januar 2017, 14:48

Na man kann Früh gleich mit dem Läutern beginnen und hat die Zeit des Maischens über Nacht erledigt.
Spannenderweise hatte ich beim Zweiten Sud (100% PiMa) eine höhere Ausbeute bei sonst gleichen Mengen an Malz und Wasser und nur 1 Stunde Kombirast.
Sud 1 (der über Nacht) hatte 12,7°Plato und Sud 2 14,2° Plato.
Jens
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Re: Erfahrung mit Übernachtmaischen im Thermoport

Post Nr.:#6  Beitragvon schollsedigger » Sonntag 8. Januar 2017, 15:45

Hi,

das ist wohl bei Hobbybrauern in USA nicht unüblich (overnight mash) und stellt im Prinzip eine Form der in früher England gebräuchlichen "absteigenden Infusion" dar. Insofern alter Hut.

Der Vorteil ist, dass ich den Brautag splitten kann, wenn die Zeit knapp ist. Es geht mir nicht darum, möglichst lange zu rasten! Ich erhitze das Wasser im TP mittels Tauchsieder auf ca. 73 - 75°C während ich das Malz einwiege/einwäge (???) und schrote. Anschließend rühre ich mit einem Farbmischerquirl das Malz unter, warte, bestimme die Endtemperatur und dosiere ggf. heißes oder kaltes Wasser zu, das ich 67-68°C erreiche. Deckel drauf, Decke drum und ab ins Bett oder so.

Am nächsten Morgen geht es dann mit dem Abläutern weiter. Spätestens um 12:00 bin ich dann fertig und kann den Rest des Tages für andere Dinge nutzen.

Ich meine, dass ich eine bessere Ausbeute hätte, aber das ist mehr Gefühl als reproduzierbar gemessen.

Nachteile sehe ich keine, solange man die 50 - 55°C nicht unterschreitet, sonst wird möglicherweise Maische sauer. Geschmacklich kann ich keinen Unterschied zur normalen Kombirast feststellen.

Grüße

Matze
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Re: Erfahrung mit Übernachtmaischen im Thermoport

Post Nr.:#7  Beitragvon tacitus » Sonntag 8. Januar 2017, 17:03

Interessante Ausführungen
Wieder was neues erfahren danke
:Greets
Tacitus
Saluto Romano
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Re: Erfahrung mit Übernachtmaischen im Thermoport

Post Nr.:#8  Beitragvon Hopfen-Q » Sonntag 8. Januar 2017, 17:52

Spannende Option. Ich hätte aber gedacht, vor dem Abläutern müsste man die Temperatur deutlich erhöhen - gibst du da noch heißes Wasser zu?
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Re: Erfahrung mit Übernachtmaischen im Thermoport

Post Nr.:#9  Beitragvon schollsedigger » Sonntag 8. Januar 2017, 18:04

Hi,

nein, muss man nicht. Ich heize im TP nicht mehr auf. Ich mache normalen Nachguss mit einem Wasserkocher. 1,7l kochendes Wasser werden mit 1,3l auf ca. 60 - 65°C "verdünnt". Je nach Lust und Laune erhitze ich den kompletten Nachguss auf max. 80°C.

Es geht ja prinzipiell beim Aufheizen auf 78°C nur darum, dass man besser Abläutern (Viskositätserniedrigung) kann bzw. möglich viel Extrakt rauslöst, d.h. aber nicht, dass man bei <60°C nicht abläutern kann. Teilweise komme ich auf SHA um 70% brechnet auf Pfanne voll. Aber da ist der Einfluss des Schrotens nmE größe als der Einfluss der Nachgusstemp..

Grüße

Matze
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Re: Erfahrung mit Übernachtmaischen im Thermoport

Post Nr.:#10  Beitragvon Bierwisch » Montag 9. Januar 2017, 07:48

Habe ich auch schon ein paar mal gemacht und festgestellt, daß dabei sowohl die Sundhausausbeute, als auch der Endvergärgrad deutlich über meinem üblichen Durchschnitt liegt.
Vermutlich entstehen auf diese Weise vermehrt Einfachzucker, da die Enzyme ja viel mehr Zeit haben... Das kann natürlich auch den Charakter des Bieres verändern - es wird trockener.
Der klügere kippt nach!
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