Maischen mit Infusion - Grenzen oder Denkfehler

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Sylex
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Maischen mit Infusion - Grenzen oder Denkfehler

#1

Beitrag von Sylex » Sonntag 3. September 2017, 18:26

Ich habe bisher nur mit Aufheizen gerastet. Nachdem ich mir einen Thermoport angeschafft habe, habe ich mich mal mit der Infusion beschäftigt.

Rechne ich die Wasserzugaben zusammen, komme ich auf eine Hauptgussmenge, die wohl nicht richtig sein kann.
Insbesondere um in die Dextroserast zu gelangen, brauche ich viel kochendes Wasser.

Kann eine Maischeführung nur mit Infusion überhaupt gelingen? Oder braucht man zwangsläufig immer noch eine Dekoktion dazu?

Rezept nach Hanghofer Theresien Ur-Märzen
Schüttung 10 kg
Hauptguss 30 ltr, NG 31 ltr
Rasten: Einmaischen 61 Grad
Maltose 63 Grad
Verzuckerung 72 Grad
Abmaischen 78 Grad

Berechnet:
Einmaischen 18 Liter, ergibt 26 Liter Maische
Um auf 63 Grad zu kommen: 4,2 ltr. Wasser
Um auf 72 Grad zu kommen: 13,1 ltr.
Zum Abmaischen: 18 Liter

Zugegebenes Wasser somit 53 Liter

Bin ich zu doof?

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Ladeberger
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Re: Maischen mit Infusion - Grenzen oder Denkfehler

#2

Beitrag von Ladeberger » Sonntag 3. September 2017, 18:38

Ich hab die "Infusionen" nicht nachgerechnet, aber wenn die 53 L Hauptguss stimmen, funktioniert das doch offensichtlich - und das sogar mit vier Temperaturstufen. Es wäre eben der Nachguss enstprechend kleiner zu bemessen.

Gruß
Andy

Sylex
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Re: Maischen mit Infusion - Grenzen oder Denkfehler

#3

Beitrag von Sylex » Sonntag 3. September 2017, 18:44

Das sind dann nur noch 8 Liter für den Nachguss. Ist das nicht zu wenig?

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Sura
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Re: Maischen mit Infusion - Grenzen oder Denkfehler

#4

Beitrag von Sura » Sonntag 3. September 2017, 18:59

Du musst bei der Heisswasserinfusion ein paar Sachen hinterfragen, und vielleicht von den einen oder anderen Abstand nehmen was nach Schema X durchgefahren wird.

- Dein Maischprogramm bestimmt auch mit, was du insgesamt brauen oder sinnvoll maischen kannst. Das Verhältnis der ersten Rast sollte mindestens etwas größer als 2:1 ein. Wenn du drunter bist, nimm weniger Malz oder passe das Maischprogramm an.
- Brauchst du wirklich eine Läuterrast? Um vielleicht weniger Viskosität zu bekommen, vielleicht. Ansonsten, wenn du das nicht brauchst, wozu? Und wenn du die ums verrecken machen willst und der Platz fehlt, dann mache halt den letzten Schritt als Dekotion.
- Was soll das einmaischen bringen? Die Verkleisterungstemperatur ist meistens sowieso wenigstens die Maltoserast. Und wenn du hoch modifiziertes Malz gekauft hast, kannst du sowieso zur Maltoserast einmaischen. Die Eiweissrast bringt da nicht mehr viel.
- Die Menge an Nachguss wird beim läutern festgelegt. Und zwar wenn in deinem Topf die Stammwürze ist die du wolltest. Das ist sowieso schon immer so gewesen.

Ehrlich gesagt: Mach eine Kombirast, rühre nach 15min einmal um, heize nach 30min mit nem Liter Wasser nach, und ansonsten mache nichts weiter bis du nach 60-70min den Hahn aufmachst und läuterst.
In den meisten Fällen ist ein Post von mir genau so zu verstehen wie er geschrieben ist.

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Re: Maischen mit Infusion - Grenzen oder Denkfehler

#5

Beitrag von Ladeberger » Sonntag 3. September 2017, 19:06

Das sind dann nur noch 8 Liter für den Nachguss. Ist das nicht zu wenig?
Naja, manche brauen mit Begeisterung Vorderwürzesude, da wird gar kein Nachguss aufgetragen. Es wird wohl die Sudhausausbeute etwas leiden, dafür mehr Edelextrakt gewonnen

Unter einem Infusionsverfahren versteht man heute im Grunde alles, was kein Dekoktionsverfahren ist, d.h. den Abbau rein enzymatisch vorantreibt. Das Hanghoferrezept dürfte für das gängige Hobbybrauer-Szenario "Maischepfanne" geschrieben sein, bei dem die ganze Maische in einem Einkocher o.ä. direkt aufgeheizt wird. Wenn du das auf deiner Seite durch einen "Maischebottich mit Zubrühen" ersetzt, können sich eben Abweichungen in der Rezeptur ergeben. Da müsstest du für kleineren Hauptguss dann gegebenfalls Rasten rausschmeißen, zusammenfassen oder doch noch andere Heizquellen zuschalten.

Gruß
Andy

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Re: Maischen mit Infusion - Grenzen oder Denkfehler

#6

Beitrag von schlupf » Sonntag 3. September 2017, 22:29

Lass einfach die Eiweißrast und das Abmaischen weg und gib dafür 80°C Nachgüsse, dann passt das. Oder du machst das Abmaischen als Dekoktion mit Dünnmaische.

Gab es nicht mal von Bierjunge so ein Excel Sheet, wo man gucken konnte, ob man beim Zubrühen mit seinem Bottich auskommt?!

Außerdem schlägt Hanghofer doch sein "Münchner Zweimaischverfahren" für das Rezept vor. Ich habe das mal so gebraut und es war bisher mein beliebtestes Bier.

Was spräche denn gegen Dekoktion? Wenn du eine Möglichkeit hast, mal eben 30 Liter kochendes Wasser vorzuhalten, kannst du doch auch die Teilmaischen kochen. Gibt auch eine grandiose Sudhausausheute...

Viele Grüße,
Sebastian

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Re: Maischen mit Infusion - Grenzen oder Denkfehler

#7

Beitrag von Bierjunge » Sonntag 3. September 2017, 22:34

Kennst du schon folgenden Thread:
Grenzen der klassischen Infusion ?
Da sollte das m.E. alles bereits beantwortet und vorgerechnet sein.

Moritz

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Re: Maischen mit Infusion - Grenzen oder Denkfehler

#8

Beitrag von Sylex » Mittwoch 6. September 2017, 20:37

Vielen Dank an Euch für den neuen Input. Hier kriegt man echt immer tolle Hilfestellung.

Im verlinkten Forumsbeitrag wurde ja ein Wasser-Malz-Verhältnis von 1:1 auch schon positiv angewandt. Ich ging bisher nach meinen Studien immer von mind. 1,8 aus.
Nun gut, ich denke, ich werde die Einmaischtemperatur mal höher nehmen. Und außerdem öfters mal zur Dektoktion (hab ich schon mehrmals angewandt) wechseln. Kann ja wenig schief gehen - Bier wird's immer.

Danke!

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