Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

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Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#1

Beitrag von gulp » Samstag 11. November 2017, 15:44

Heute vor 175 Jahren wurde zum ersten Mal Pilsener Urquell ausgeschenkt. Ich habe mir mal ein paar Gedanken dazu gemacht:
https://biergrantler.de/pilsener-urquel ... der-zufall
Pilsener Urquell.jpg
Gruß und Prost
Peter
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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#2

Beitrag von docpsycho » Samstag 11. November 2017, 16:12

Gude,

das sind die Momente wo ich mir doch einen "Danke-Button" wünsche, denn ich habe nicht mehr zu sagen als: super, danke.

Grüße, der Doc
"Die erste Pflicht der Musensöhne,
ist, dass man sich ans Bier gewöhne."

Wilhelm Busch

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#3

Beitrag von Bierwisch » Samstag 11. November 2017, 16:29

Hut ab - schöner Artikel!

Gruß,
Bierwisch
Der Klügere kippt nach!

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#4

Beitrag von Mediterror » Samstag 11. November 2017, 17:30

Biergeschichte die man gelesen haben sollte!!
Erstaunlich wie sich Geschichte wiederholt. Gerade heute werden doch die Craft-Urgesteine für Ihre Obergärigen, Estrigen und Aromatischen Biere gefeiert!

Vielen Dank für die Arbeit Peter!

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Johnny H
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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#5

Beitrag von Johnny H » Samstag 11. November 2017, 17:58

Schön geschrieben, Peter! Und meine Signatur aus dem Jalowetz hat auch Eingang in den Artikel gefunden :)

Was war nun Zufall, Fügung, Können? Die Erfolgsfaktoren, die Du aufzählst, sind alle richtig: das helle Malz, das weiche Wasser, der edle Saazer Hopfen, die böhmische Glasindustrie (nur bei der Hefe bin ich mir nicht sicher). Ob man die erfolgreiche Kombination all dieser Faktoren aber so voraussehen konnte?

Ich erzähle die Geschichte vom böhmischen Pilsner ja auch oft und gern im Rahmen von Führungen. Meist zähle ich die obigen Faktoren auch auf und sage dann, der Herr Groll hat auch ein wenig Glück gehabt mit den Umständen und wie sie da vor Ort zusammenkamen.

Zum Thema ist heute auch bei der FAZ wieder ein Blogbeitrag erschienen:

Die Erfindung des Pils? Reiner Zufall!

PS: Wir gehen heute ins Restaurant, Martinsgans essen. Ich hatte das Datum gar nicht auf dem Schirm, werde mir aber vor Ort mindestens ein Urquell vom Fass ausschenken lassen. Die Fügung will es nämlich, dass das Restaurant Urquell am Hahn hat!
Zuletzt geändert von Johnny H am Samstag 11. November 2017, 18:41, insgesamt 1-mal geändert.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#6

Beitrag von fg100 » Samstag 11. November 2017, 18:41

Hallo Peter,
wunderbar schöner kurzer aber durchwegs faktenreicher Artikel.
Super Peter. Und gerne weiter so.

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#7

Beitrag von Alt-Phex » Samstag 11. November 2017, 18:51

Mehr davon Peter. Schön zu lesen.
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#8

Beitrag von Beerbrouer » Samstag 11. November 2017, 19:02

Sehr lesenswert! 1+ :thumbup

Gruß

Gerald
Die Würze des Bieres ist unantastbar!

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#9

Beitrag von M0ps » Sonntag 12. November 2017, 09:10

Schöner Artikel - danke dafür!

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#10

Beitrag von grüner Drache » Sonntag 12. November 2017, 11:05

Hallo!

Super geschrieben! Danke dafür!
Ein netter Artikel für alle, die nich selber in so dicke Wälzer schauen wollen !
Ich denk schon, dass es gewollt war, also weniger dem Zufall überlassen wurde.
Da wurde ja in der Brauerei schon einiges angestellt um "im Trend" zu bleiben ...
Allzeit gut Sud!
:Drink
Ciao, Alex!
Der grüne Drache zu Wasserau - Dort brauen sie ein Bier so braun, dass selbst der Mann im Mond kam schauen ...

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#11

Beitrag von Horsti » Sonntag 12. November 2017, 11:33

Danke Peter.
Schöner Artikel.

Hier noch ein Artikel über Fehler in Oxford Companion to Beer:
http://www.beerculture.org/2011/12/13/c ... n-to-beer/

U.a. ein paar Bemerkungen zur Pilsener Brauerei.
Facebookseite meiner Brauaktivitäten: Waldkircher Hugenbräu

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#12

Beitrag von gulp » Sonntag 12. November 2017, 15:06

Vielen Dank für die vielen positiven Kommentare. Da bekommt man in der Tat Lust darauf weiterzumachen. Und es gibt noch sehr viel zu erzählen!

Gruß
Peter
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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#13

Beitrag von gulp » Sonntag 12. November 2017, 15:15

Was war nun Zufall, Fügung, Können? Die Erfolgsfaktoren, die Du aufzählst, sind alle richtig: das helle Malz, das weiche Wasser, der edle Saazer Hopfen, die böhmische Glasindustrie (nur bei der Hefe bin ich mir nicht sicher). Ob man die erfolgreiche Kombination all dieser Faktoren aber so voraussehen konnte?
Die haben eben nichts dem Zufall überlassen. Das Bier musste bei der Vorbereitung gut werden. Nur Groll selbst, der damals grade mal 29 Jahre alt war, hätte noch Mist bauen können. Wenn der nicht gut gewesen wäre, hätten sie ihn aber nicht geholt.

Gruß
Peter
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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#14

Beitrag von §11 » Sonntag 12. November 2017, 15:18

Ich will auch nochmal auf das Thema eingehen Groll sei ein schwieriger Charakter gewesen. Das würde ich so nicht sagen, er war Niederbayer und für einen Niederbayern absolut typisch :thumbsup

Jan

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#15

Beitrag von gulp » Sonntag 12. November 2017, 20:07

Mediterror hat geschrieben:
Samstag 11. November 2017, 17:30
Biergeschichte die man gelesen haben sollte!!
Erstaunlich wie sich Geschichte wiederholt. Gerade heute werden doch die Craft-Urgesteine für Ihre Obergärigen, Estrigen und Aromatischen Biere gefeiert!

Vielen Dank für die Arbeit Peter!
Servus Christian,

damals ging es halt in erster Linie darum ein bekömmliches Nahrungsmittel für jeden Tag herzustellen. Mit der Erfolgsgeschichte des Pilsener Bieres wird es kein Craftbeer jemals aufnehmen können, wobei z.B.: Sierra Nevada recht gut im Geschäft ist: https://www.finanzen100.de/finanznachri ... 614_76888/
Außerdem waren die Pioniere des Pilsener und Lagerbier für mich die wahren Handarbeiter im Sinne von Craft...
Aber wer will schon jeden Tag Craftbeer? Ich nicht. :Smile

Gruß
Peter
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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#16

Beitrag von Bierokrat » Sonntag 12. November 2017, 20:17

gulp hat geschrieben:
Sonntag 12. November 2017, 20:07
Aber wer will schon jeden Tag Craftbeer? Ich nicht. :Smile

Gruß
Peter
KETZER! :P

Ich gönn mir etz a echtes Grafdbiiier.
15,4°P. A Anständige Farbe und gwiss ka Pils. :Pulpfiction

Aber danke fürn netten Bericht. :thumbsup Irgendwann läuft bestimmt auch mal so ein herbes, helles Bier aus meinen Flaschen. :Wink
Prost!

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#17

Beitrag von Kajo73 » Sonntag 12. November 2017, 21:38

Sehr schöner Bericht Peter, deine Belgien-Triologie hat mir auch schon super gut gefallen.
Immer gerne mehr davon!

Gruß
Kay
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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#18

Beitrag von gulp » Montag 13. November 2017, 13:04

Kajo73 hat geschrieben:
Sonntag 12. November 2017, 21:38
Sehr schöner Bericht Peter, deine Belgien-Triologie hat mir auch schon super gut gefallen.
Immer gerne mehr davon!

Gruß
Kay
Vielen Dank! Da macht man doch gerne weiter. :Smile

Gruß
Peter
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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#19

Beitrag von gulp » Dienstag 14. November 2017, 08:46

Hab grade erst erfahren, dass es nach dem Artikel auf Biergrantler.de nicht möglich war, Kommentare abzugeben. Das sollte jetzt möglich sein. Habs mal überarbeitet.

Bleibt noch zu sagen, dass es mir auch wichtig war, mit dem Artikel darauf hinzuweisen, welch ein Aufwand das damals war gutes untergäriges Bier zu brauen. Vielleicht geht ja der Eine oder Andere mal mit mehr Achtung an das Brauen von Untergärigem heran und zieht das nicht irgendwie bei halt gegebenen 16 - 20° Raumtemperatur durch. Aber das ist vermutlich schon wieder zu vermessen. :Grübel

Gruß
Peter
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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#20

Beitrag von hyper472 » Dienstag 14. November 2017, 09:09

gulp hat geschrieben:
Dienstag 14. November 2017, 08:46
... welch ein Aufwand das damals war gutes untergäriges Bier zu brauen. Vielleicht geht ja der Eine oder Andere mal mit mehr Achtung an das Brauen von Untergärigem heran und zieht das nicht irgendwie bei halt gegebenen 16 - 20° Raumtemperatur durch.
Gibt es da nicht ein Rezept für ein Original-Pilsener obergäriger Brauart?
Im Ernst, bemerkenswert finde ich, dass das erste Pils nur 37 Tage brauchte vom Brautag bis zum Ausschank. Das ist eine Aussage in "Lager-mad Germany" (R. Mosher)!
Viele Grüße, Henning

P.S. Ich beantworte meine Eingangsfrage selber: Ein Rezept gab es bestimmt. Nämlich das Rezept für das Zeug, das auf dem Marktplatz in Pilsen verklappt wurde :Greets
Ich braue getreu dem Nürnberger Gerstengebot von 1303 - meistens :Wink

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#21

Beitrag von ctiedtke » Dienstag 14. November 2017, 13:54

gulp hat geschrieben:
Sonntag 12. November 2017, 15:06
Vielen Dank für die vielen positiven Kommentare. Da bekommt man in der Tat Lust darauf weiterzumachen. Und es gibt noch sehr viel zu erzählen!

Gruß
Peter
Ja bitte Peter. Mehr davon! Echt Klasse Dein Bericht übers Pilsener und nach 3 Suden Untergärig habe ich echt Respekt davor bekommen sowas zu brauen. Das die dass damals gut hinbekommen haben zollt mir noch mehr Respekt ab. Danke für den Bericht :thumbup
------------------
Gruß Christian

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#22

Beitrag von muldengold » Mittwoch 15. November 2017, 15:33

Sorry bin jetzt erst dazu gekommen den Artikel zu lesen.

Vielen Dank, Peter, sehr schön recherchiert und geschrieben! Erinnert mich vom Stil ein wenig an die sehr unterhaltsamen "History" Kapitel in Ray Daniel's "Designing great beers"

Ich glaube neben Genialität kommt bei Groll noch eine weiterer Wesenszug hinzu - oder muss zwangsläufig hinzukommen: Draufgängerei! Wenn ich zum Beispiel den Job in Pilsen bekommen hätte, ich würde erst einmal ein halbes Jahr kleine Probesude machen usw. So wie es im Artikel rüber kam war es eher eine Frage von Kam, sah, siegte - einen ordentlich großen Sud gemacht und innerhalb weniger Wochen (man muss ja auch noch die Reifezeit bedenken!) von der Öffentlichkeit überschwenglich applaudiert. Aber das klingt mir trotzdem alles zuuu waghalsig, insbesondere hinsichtlich der hohen Bittere, die er so nie im Leben aus seinem Erfahrungsschatz aus Bayern mitbringen konnte.

Vielleicht ist ja noch nicht die ganze Geschichte erzählt?! Ein bisschen Mysterium wird wohl immer bleiben und das ist gut so! Auf alle Fälle hole ich mir jetzt auf dem Heimweg eine Flasche...na ihr wisst schon :Bigsmile

LG und danke noch mal für den Artikel
Sandro

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#23

Beitrag von muldengold » Mittwoch 15. November 2017, 15:54

Vielleicht war es ja auch eine Sprachbarriere die uns das Pils geschenkt hat:
(Disclaimer: diese Geschichte ist reine Fiktion und deckt sich wahrscheinlich nicht mit den tatsächlichen Begebenheiten. :Greets )

Groll (mit nicht landestypischem Akkzent) zum Brauereigehilfen: "Hau zwoa von den Eimern Hopfen rrrein!"

Böhmischer Brauereigehilfe: "Was vier?"

Groll (genervt): "Ja, zwoa!"

Nachdem Groll dann gesehen hatte wie der Brauereigehilfe vier volle Eimer in den Sud gekippt hatte konnte er 6 Wochen lang nicht schlafen und so ist dann das 40 IBU Pilsner entstanden. Es lebe die Sprachvielfalt!

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#24

Beitrag von §11 » Mittwoch 15. November 2017, 16:10

muldengold hat geschrieben:
Mittwoch 15. November 2017, 15:54
Vielleicht war es ja auch eine Sprachbarriere die uns das Pils geschenkt hat:
(Disclaimer: diese Geschichte ist reine Fiktion und deckt sich wahrscheinlich nicht mit den tatsächlichen Begebenheiten. :Greets )

Groll (mit nicht landestypischem Akkzent) zum Brauereigehilfen: "Hau zwoa von den Eimern Hopfen rrrein!"

Böhmischer Brauereigehilfe: "Was vier?"

Groll (genervt): "Ja, zwoa!"

Nachdem Groll dann gesehen hatte wie der Brauereigehilfe vier volle Eimer in den Sud gekippt hatte konnte er 6 Wochen lang nicht schlafen und so ist dann das 40 IBU Pilsner entstanden. Es lebe die Sprachvielfalt!
Dazu noch die nicht nicht genormten und sehr regionalen Masseinheiten der damaligen Zeit.... Vielleicht war ja der Pilsner Eimer doppelt so gross wie der Straubinger Eimer :Grübel

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#25

Beitrag von Johnny H » Mittwoch 15. November 2017, 18:24

Da können wir in der Tat lange spekulieren und werden es vermutlich doch nie herausfinden, aber den Gesellen soll Groll selbst mitgebracht haben (lt. Jalowetz "seinen Oberknecht Johann Eisner"). Somit ist es zumindest wahrscheinlich, dass sprachliche Missverständnisse keine Rolle gespielt haben. Eisner blieb auch sehr lange in Pilsen und hat noch unter den Nachfolgern Grolls Dienst geschoben (auch lt. Jalowetz).

Zur Hopfenmenge ist es aber durchaus denkbar, dass Herr Groll den Leuten vor Ort zugehört oder zumindest in Erfahrung gebracht hat, dass das Pilsner Wasser mehr Hopfen verträgt.

Dann soll er ja laut Jalowetz nicht sehr sparsam gewesen sein ("hau rruich no an Eimer von dem Hopfa nei"), hatte womöglich ein wenig Angst vor den vormaligen Hygieneproblemen in Pilsen und dürfte natürlich über die antimikrobiellen Eigenschaften des Hopfens Bescheid gewusst haben ("wer woaß, was die Buben mit dem Bier mocha, wenn I grad net hinschau"), und schon war das Pilsner Bier geboren :D

Spaß beseite: neuartig dürfte dennoch für alle Beteiligten das helle Malz gewesen sein. Weiterhin sei das erste Bier "von gelbgrüner Farbe" gewesen :o

Jalowetz spricht übrigens auch in höchsten Tönen vom im Artikel ebenfalls aufgeführten Nach-Nachfolger Grolls, dem Braugesellen und späteren Braumeister Jakob Blöchl (ebenfalls aus Niederbayern), unter dessen Zeit als Braumeister und technischer Leiter von 1852 bis 1879 Technologie, Ausstoß und Qualität enorm gesteigert werden konnten.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#26

Beitrag von gulp » Mittwoch 15. November 2017, 19:47

Merci Sandro! :Smile
Ich glaube neben Genialität kommt bei Groll noch eine weiterer Wesenszug hinzu - oder muss zwangsläufig hinzukommen: Draufgängerei! Wenn ich zum Beispiel den Job in Pilsen bekommen hätte, ich würde erst einmal ein halbes Jahr kleine Probesude machen usw. So wie es im Artikel rüber kam war es eher eine Frage von Kam, sah, siegte - einen ordentlich großen Sud gemacht und innerhalb weniger Wochen (man muss ja auch noch die Reifezeit bedenken!) von der Öffentlichkeit überschwenglich applaudiert. Aber das klingt mir trotzdem alles zuuu waghalsig, insbesondere hinsichtlich der hohen Bittere, die er so nie im Leben aus seinem Erfahrungsschatz aus Bayern mitbringen konnte.
Der Groll war 29 und hat sicher sein ganzes Leben bis dahin in der väterlichen Brauerei verbracht. Klar war das nicht einfach in der damals modernsten Brauerei den ersten Sud zu fahren, aber so ein niederbayerischer Sturschädel hat schon ein gewisses Selbstbewusstsein.
So wie es im Artikel rüber kam war es eher eine Frage von Kam, sah, siegte - einen ordentlich großen Sud gemacht und innerhalb weniger Wochen (man muss ja auch noch die Reifezeit bedenken!) von der Öffentlichkeit überschwenglich applaudiert. Aber das klingt mir trotzdem alles zuuu waghalsig, insbesondere hinsichtlich der hohen Bittere, die er so nie im Leben aus seinem Erfahrungsschatz aus Bayern mitbringen konnte.
Bis ins 19. Jahrhundert war der bayerische Brauer überzeugt allein der böhmische Hopfen aus Saaz könne die Qualität seines Bieres garantieren.
Quelle: http://www.bierundwir.de/geschichte/bier-in-bayern.htm

Er wird ihn also gekannt haben, den Saazer. Das war damals der Modehopfen schlechthin. Auch wie man ihn in einigermaßen guten Wasser verwendet: http://stwvof.de/wp-content/uploads/w_haerte.pdf wird er gewusst haben. Leider sind das aber nur Spekulationen, Belege dafür, dass der Groll das alles wusste finden sich nicht, oder fand ich nicht. In meinem Artikel steht also nur belegbares. Überhaupt ist der Groll auch in der Recherche ein schwieriger Kunde, man findet einfach nicht viel.

Eine Spekulation gibt es aber noch, die alles erklären würde, warum der so cool war:
Über den Erfinder der Pilsner Brauart gibt es noch eine andere Geschichte. Demnach soll er schon 1839 als Lohnbrauer in Pilsen tätig gewesen sein und 1840 seinen ersten Sud kredenzt haben, bevor er wegen unflätigen Benehmens sein Aufenthaltsrecht verwirkt und 1842 schließlich wieder geholt worden ist. Und so streitet man in Pilsen bis heute darüber, wo er das erste Pilsner gebraut hat: in der Weltbrauerei Prazdroj oder in einer kleinen, unscheinbaren Gasthausbrauerei am Rande der Altstadt. Die Besitzer derselben jedenfalls sind von ihrer Sicht der Dinge so überzeugt, dass sie ihr Haus nach ihm benannt haben: Pivovar Josef Groll.
Das halte ich aber für einen Werbegag, so muss halt jeder der sich für Groll interessiert beide Brauereien besuchen, in Pilsen.

Gruß
Peter
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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#27

Beitrag von Dyrdlingur » Mittwoch 15. November 2017, 19:57

Hallo Peter,

auch ich bin erst besonders verspätet dazu gekommen deinen Artikel und auch die Beiträge in diesem „Faden“ zu lesen. Vielen Dank dafür.
Toll was hier alles zu finden ist.

Klaus

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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#28

Beitrag von Johnny H » Mittwoch 15. November 2017, 20:34

Hier habe ich noch eine interessante Quelle mit einem späteren Foto von Josef Groll gefunden (Bier in Bayern. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2016), hab ich mir gleich bestellt.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#29

Beitrag von gulp » Mittwoch 15. November 2017, 20:49

Dyrdlingur hat geschrieben:
Mittwoch 15. November 2017, 19:57
Hallo Peter,

auch ich bin erst besonders verspätet dazu gekommen deinen Artikel und auch die Beiträge in diesem „Faden“ zu lesen. Vielen Dank dafür.
Toll was hier alles zu finden ist.

Klaus
Servus Klaus, Merci!

Johnny H hat geschrieben:
Mittwoch 15. November 2017, 20:34
Hier habe ich noch eine interessante Quelle mit einem späteren Foto von Josef Groll gefunden (Bier in Bayern. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2016), hab ich mir gleich bestellt.
Danke für den Tipp! Das Buch kenne ich aus der Stadtbücherei, war mir aber zu Märchengebot lastig. Aber jetzt juckts mich wieder das zu bestellen. Das wird nie aufhören..
Überhaupt bin ich vor ein paar Jahren durch deine Signatur auf den Jalowetz aufmerksam geworden. Merci!

Gruß
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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#30

Beitrag von Johnny H » Mittwoch 15. November 2017, 21:00

gulp hat geschrieben:
Mittwoch 15. November 2017, 20:49
[...]
Überhaupt bin ich vor ein paar Jahren durch deine Signatur auf den Jalowetz aufmerksam geworden. Merci!

Gruß
Peter
Gern geschehen. Wir haben sogar mal hier über den Jalowetz diskutiert. Ich hab das Buch jetzt natürlich wieder vor mir liegen. Ist schon eine sehr fundierte Quelle in Bezug auf das Pilsner Bier.

Er soll ja auch ein ähnlich tiefschürfendes Buch über das Pilsner Malz geschrieben haben. Das findet sich immer mal wieder als Orignalausgabe. Das Mälzen war wohl auch Jalowetz' Spezialgebiet.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
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Re: Pilsener Urquell Erfindung oder Zufall?

#31

Beitrag von t3k » Donnerstag 16. November 2017, 08:17

Moin Peter,

Auch von mir nochmal vielen Dank für den Artikel.
Irgendwie sind bei mir im Kühlschrank auch mal wieder ein paar Pilsener Urquell aufgetaucht ;)

Cheers
der Nils

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