Das obligatorische Anfänger SNPA

Bitte beschränkt Euch auf das Wesentliche, die Bilder. Nach Möglichkeit langatmige oder ausführliche Textpassagen vermeiden. In der Kürze liegt die Würze.
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rjd
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Das obligatorische Anfänger SNPA

#1

Beitrag von rjd » Sonntag 3. Februar 2019, 09:30

Nachdem mir das Forum bei der Herstellung meines zweiten Sudes (der erste wurde Essig, was mich mit dem zwischenzeitlich dazugewonnen Wissen auch nicht verwundert) eine große Hilfe war, möchte ich, aus zwei Gründen, meine Vorgehensweise an dieser Stelle gerne dokumentieren:

Der uneigennützige Teil: ich weiß, der alte running gag, aber es wurde nicht nur Bier daraus, sondern, zumindest soweit ich das beurteilen kann - ich kenne das Original nicht -, ein gutes Bier. Gebraut habe ich das obligatorische Anfänger SNPA von MMuM: https://www.maischemalzundmehr.de/index ... tte=recipe. Es wurde sehr herb, sehr fruchtig, wie man sich ein IPA halt so vorstellt. Fantastischer Schaum (gut, bei der Hopfenmenge wahrscheinlich keine große Kunst)! Will sagen: ich habe sicher einiges richtig gemacht, vielleicht bietet es für andere Anfänger an der einen oder anderen Stelle eine Hilfestellung.

Aber, und da sind wir beim uneigennützigen Teil, gibt es sicher auch noch viel zu lernen und zu verbessern. Um dezidiertes Feedback von erfahrenen Brauern wäre ich deshalb sehr dankbar!

Hinweis: getrübt wird die Freude durch Rückstände im Fermenter des Herstellers Klarstein (Foto weiter unten), die beim Abfüllen sichtbar wurden. Dieses „Phänomen“ ist hier im Forum gut bekannt und wird in zwei Threads kontrovers diskutiert (https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?f=22&t=19533, https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... 45#p259445). Ich habe Klarstein vor über vier Wochen kontaktiert mit der Bitte mir zu bestätigen, dass der schwarze Schmodder nicht auf Produktionsrückstände zurückzuführen sein kann, wie von dem einen oder anderen Foristen vermutet. Trotz mehrfacher Nachfrage habe ich von Klarstein aber kein qualifiziertes Feedback bekommen. Eine Flasche musste ich dann aber doch probieren (wobei ich keine Fehlnoten herausschmecken konnte), da siegte das Herz über den Verstand. Und auch wenn ich es überlebt habe, bleiben die anderen Flaschen vorsichtshalber erst einmal zu.

Here we go:

1. Das angepasste Rezept:
sudii.PNG
2. Das Meenzer Wasser, aufgrund der Restalkalität für ein IPA ungeeignet:
wasseranalyse.PNG
Aufbereitet wie folgt, um eine Restalkalität von <=0 zu erreichen:
sudii_wasser.PNG
Das bestimmen von 4 ml Milchsäure war die erste Herausforderung (nein, ich habe keine Laborausstattung zu Hause…):
IMAG1403.jpg
3. Einmaischen nach Rezept:
IMAG1406.jpg
Erste Rast:
IMAG1407.jpg
Zweite Rast:
IMAG1412.jpg
4. Läutern:
IMAG1415.jpg
Nach Läuterruhe kommt der Strainbuddy von Amihopfen zum Einsatz. Ca. 4 Liter gingen wieder zurück, bis eine ausreichende Klarheit gegeben war.
IMAG1421.jpg
Ist diese Schaumentwicklung normal? Könnte ein längerer Schlauch bis auf den Boden des Einkochers (siehe vorheriges Bild) helfen, den Sauerstoffeintrag zu minimieren? Zudem lief die gesamte Würze innerhalb weniger Minuten durch, obwohl der Hahn nicht ganz aufgedreht war. Dies ist nach gängiger Praxis (http://braumagazin.de/article/laeutertechnik/) zu schnell. Deshalb fiel der Treber auch einmal trocken, hier liegt sicher Verbesserungspotential.
In der Zwischenzeit habe ich den Nachguss vorbereitet und zugegeben, bis ca. 10,5° Plato erreicht bzw. 2,5°Plato Glattwasser unterschritten waren (wie im Rezept angegeben):
IMAG1429.jpg
5. Erste Messung der Stammwürze:
IMAG1437.jpg
Die Spindel zeigt etwas mehr als 12° Plato, also im grünen Bereich.

6. Würzekochen
IMAG1434.jpg
Die Hopfengaben wurden nach Rezept zugefügt. So ein Tauchsieder ist übrigens eine tolle Sache.

7. Whirlpool
IMAG1441.jpg
Nach Rezept auf 80° abkühlen gelassen, und die letzte Hopfengabe (50g Cascade) verabreicht.

8. Hopfenseihen:
IMAG1442.jpg
IMAG1443.jpg
9. Zweite Messung:
IMAG1444.jpg
Mit 15,5° deutlich zu hoch, bei nur 16,5 Liter Ausschlagwürze. Deshalb mit 2,5 Liter abgekochtem Wasser gestreckt, dadurch sollte ich auf 13,5°-14° Plato gekommen sein. Weshalb ich auf nur 16,5 Liter gekommen bin erschließt sich mir nicht. Es war zwar recht windig, aber jetzt auch nicht übermäßig. Vielleicht hätte ich doch mehr nachgießen sollen, obwohl die Kennzahlen ja eigentlich gestimmt haben.

10. Vergärung:

Zu dem Thema habe ich diesen Thread erstellt: https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?f=7&t=19640. Ich habe nämlich einen Tag vor dem Weihnachtsurlaub gebraut, also am Tag der Abreise die US-05 aufgestreut (ich weiß (mittlerweile), wird nicht mehr passieren…Stand halt so auf der Packung, und auch in der in diesem Forum propagierten Brauanleitung), und musste die Gärung somit zwei Wochen sich selbst überlassen. Blöderweise war kurz nach unserer Abreise ein Wintereinbruch, weswegen auch die Temperatur in unserer Küche abfiel und die Gärung wohl nicht ganz planmäßig ablief. Jedenfalls zeigte die erste Messung nach eben jenen zwei Wochen noch gut 8° Plato (hier hätte mir der oben erwähnte schwarze Rand bereits auffallen können/sollen):
IMAG1458.jpg
Also, wie auf anraten von @hyper472, wärmer gestellt und noch eine Woche weitervergären lassen, bis ich bei gut 3,5°Plato angekommen war:
IMAG1461.jpg
Nachdem sich dieser Wert über zwei Tage nicht weiter verändert hat, habe ich abgefüllt.

11. Abfüllen:

Leider habe ich versäumt, hier vernünftige Fotos zu machen. Jedenfalls habe ich einen abgekochten Silikonschlauch auf den Hahn gesteckt und direkt in die ungebackenen Bügelflaschen abgefüllt. Hier kann man es zumindest erahnen:
IMAG1468.jpg
Danach mit dem Portionierlöffel direkt in die Flasche folgendermaßen mit Haushaltszucker carbonisiert:
carbonisierung.PNG
Zwei Wochen bei 18°C, und nochmal zwei Wochen bei gut 3°C gelagert, bis ich gestern die erste Flasche öffnete. Wie gesagt, ich finde, es ist ein sehr gutes Bier geworden. Das ist natürlich ein Grund zur Freude, die Lex Klarstein trübt selbige aber, wie gesagt, beträchtlich. Hier noch ein Foto des Fermenters nach dem abfüllen:
IMAG1470-20190123-194701738.jpg
Vielen Dank fürs lesen, über Feedback würde ich mich sehr freuen.

Schönen Sonntag, Tobias
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sudii.PNG
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wasseranalyse.PNG

charles911
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Re: Das obligatorische Anfänger SNPA

#2

Beitrag von charles911 » Montag 4. Februar 2019, 07:27

Dieses Klarstein Problem habe ich auch. Ich finde das unglaublich, besonders, dass sie nicht antworten. Hatte mir auch überlegt die anzuschreiben, aber das kann ich mir aber bestimmt sparen. So schade um das Bier.

Schöne Doku, das mit dem Trichter beim Läutern finde ich ist eine gute Idee. >Werde ich auch einmal versuchen.

Viele Grüße, Charles

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coyote77
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Re: Das obligatorische Anfänger SNPA

#3

Beitrag von coyote77 » Montag 4. Februar 2019, 16:31

Zur Dosierung der Milchsäure ist kein Labor-Equipment nötig, ich habe mir dazu aus der Apotheke eine 5ml-Spritze besorgt :Wink
Schöne Doku! Längerer Schlauch beim Läutern kann helfen, vor allem aber die Geschwindigkeit drosseln!
Die "Kennzahlen" im Rezept, v.a. zum Nachguss, musst du durch Erfahrung an deine Anlage anpassen. Wobei das Verdünnen, um nach dem Kochen auf die angestrebte Stammwürze zu kommen, ja kein Beinbruch ist. Manche nehmen an dieser Stelle sogar Eiswürfel, um den Kühlprozess zu beschleunigen.
Grüße, Andreas :Drink

Zum Biere drängt, am Biere hängt doch alles.
(Frei nach J. W. von Goethe)

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Re: Das obligatorische Anfänger SNPA

#4

Beitrag von rjd » Mittwoch 6. Februar 2019, 01:19

Danke für Deine Tipps, Andreas. Das mit der Spritze ist in der Tat eine gute Idee.

Charles, ja, aber was will man machen? Mittlerweile antworten sie schon gar nicht mehr. Werde das Bier wohl wegschütten.

Grüße, Tobias

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