Gartenhausbrauerei

Bitte beschränkt Euch auf das Wesentliche, die Bilder. Nach Möglichkeit langatmige oder ausführliche Textpassagen vermeiden. In der Kürze liegt die Würze.
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Brandergartenbier
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Gartenhausbrauerei

#1

Beitrag von Brandergartenbier » Sonntag 20. Dezember 2020, 10:24

Guten Morgen und einen schönen 4. Advent allen Zusammen!

Ich habe schonmal eine Braudoku geschrieben mit meinen Anfängen in der Küche. Seit dem habe ich hier sämtliche Artikel rauf und runter gelesen und viele Dinge die ich so niemals gedacht hätte umgesetzt.

In erster Linie soll das hier keine Braudoku sein wie ich arbeite, sondern eher ein upgrade zu meiner anderen Doku mit den interessantesten Neuerungen die ich alle am letzten Brautag (12.12.2020) umgesetzt habe.

Das wären:

- Hefe selber in NaCl eingelagert und einen Starter gemacht
- Magnetrührer selber gebaut und eingesetzt
- Brauwasser das erste mal aufbereitet
- Läutervorgang als Batch Sparge mit Treber auf links drehen gemacht.


Dank JackForst hier aus dem Forum, der mir 5ml seiner W34/70 zugesendet hat konnte ich mir 20ml in NaCl einlagern und habe daraus dann wiederum 20ml in einem Starter bis auf 2L aufgezogen. Während ich auf die Hefe gewartet habe habe ich mir nach Anleitung des Forums aus einem DN200 Rohr einen Magnetrührer gebaut.
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Die Würze habe ich von MMUM von "DerDerDasBierBraut" Rezept im Thermomix hergestellt, leicht gehopft und eingefroren, sodass ich täglich meine Würzemenge im Starter vergrößern konnte.


Am Brautag selber ging es dann ins Gartenhaus
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Es gibt noch viel zu erledigen, aber im Winter ist das nicht ganz so schön und solange ich schon so ordentlich brauen kann kann ich damit leben.

Das Thema Brauwasser ist auch für mich ein nicht ganz einfaches Thema, ich habe aber das Glück, dass mein Wasser schon relativ ordentlich ist.
1608454971008.jpg
Da ich ein Helles gebraut habe habe ich dann rumgespielt mit Calciumsulfat, Calicumchlorid und Milchsäure
Das ganze sah dann so aus und für mich erstmal akzeptabel.
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Der eigentliche Brauprozess geht mir schon sehr gut von der Hand und mit dem INKBIRD habe ich alle Rasten durchlaufen lassen und dabei schön gefrühstückt. Natürlich war die ganze Zeit das selbstgebaute Rührwerk an.
1608455197518.jpg
Das Läutern lief bei mir mit dem Läuterfreund eigentlich immer viel zu gut, dafür fande ich meine SHA mit ca. 60% nicht als super optimal und habe hier viel gelesen, durch Zufall bin ich dann auf das Thema Batch Sparge getroffen, indem Olibaer (glaube ich) erklärt wie er Läutert und dann nach dem die Vorderwürze raus ist, den kompletten Nachguss draufgibt und den Treber neu durchmischt.

Mein Malz schrote ich selber, und weil es nie Probleme gab habe ich meine Walzen MAXIMAL ZUSAMMEN gestellt. Mein Schrotbild ist demnach sehr fein, den Läuterfreund juckt das aber mal so gar nicht.

Ich habe das genauso gemacht und hatte schon beim Läutern das Gefühl, dass ich wesentlich mehr Extrakt auswaschen konnte, was die Messungen nachher definitiv bestätigen.
1608454237359.jpg
Hier seht ihr die Vorderwürze mit der Vorderwürzhopfung.
Dazu habe ich sogar eine Frage:

Wenn der Hopfen jetzt die ganze Zeit schon in der Pfanne ist und ich versuche die Würze schon zum Kochen zu bringen, damit es nachher schneller geht. Geht dann nicht sehr viel Bitterkeit die ganze Zeit in die Würze die so im Rechner die IBU verfälscht?


Zum Thema ausbeute mit Brauwasseraufbereitung und Batch Sparge:

67% SHA! Das sind 6-7% mehr als ich bis jetzt erreicht habe und freut mich unglaublich. Ich wollte 22 Liter anpeilen mit 11,8°P und habe 24,5 Liter rausgehabt, die dich dann noch auf 11,8°P verdünnen musste.

Das Abkühlen ging dank der Außentemperaturen relativ gut mit meiner Doppelkupferspirale auf ca. 9-10°C ohne Eiswasser! Das Wasser aus dem Gartenschlauch war so verdammt kalt:D
1608455639062.jpg
Die Hefe hatte in der Zeit schon ca. 8°C im Starter erreicht, sodass diese in der etwas wärmeren Würze direkt loslegen konnte.
Und jetzt hieß es warten. Nach 24h würde ich sagen, kam die Hefe an aber sehr langsam. Mein Starter hätte größer sein können, und dann habe ich auch noch 4Liter mehr gebraut als geplant. Ich hatte wirklich Angst, dass das voll in die Hose geht weil ich soviele Dinge auf einmal in meinem Prozess geändert oder versucht hatte.

Das Ergebnis sah dann aber zum Glück nach 2 Tagen so aus:
1608454237346.jpg

Ich weiß, dass ich da am Gärbottich nichts zu suchen habe aber ich musste einfach reinschauen!
Aktuell steht alles seit einer Woche im Gärkühlschrank mit Inkbird und ich habe es auf 10°C kommen lassen.

Danke für Eure Aufmerksamkeit
Gruß Florian
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Re: Gartenhausbrauerei

#2

Beitrag von guenter » Sonntag 20. Dezember 2020, 19:08

Danke für die Dokumentation.

Zu deiner Frage wegen der Vorderwürzehopfung:
Programme wie der kleine Brauhelfer berücksichtigen das.

Es ist so, dass der Hopfen bei Temperaturen unter 80° keine Bitterstoffe abgibt. Aber Aromen, die dann auch dauerhaft in der Würze bleiben. Das ist das Prinzip. Ab 80° gehen dann etwas Bitterstoffe ein, das muss eingerechnet werden.
Zuletzt geändert von guenter am Sonntag 20. Dezember 2020, 22:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gartenhausbrauerei

#3

Beitrag von BrauSachse » Sonntag 20. Dezember 2020, 21:18

:thumbup Coole Doku, danke! Du hast ja beste Bedingungen geschaffen. :Smile

Viele Grüße
Tilo

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Re: Gartenhausbrauerei

#4

Beitrag von Alt-Phex » Montag 21. Dezember 2020, 01:35

Brandergartenbier hat geschrieben:
Sonntag 20. Dezember 2020, 10:24
Hier seht ihr die Vorderwürze mit der Vorderwürzhopfung.
Dazu habe ich sogar eine Frage:

Wenn der Hopfen jetzt die ganze Zeit schon in der Pfanne ist und ich versuche die Würze schon zum Kochen zu bringen, damit es nachher schneller geht. Geht dann nicht sehr viel Bitterkeit die ganze Zeit in die Würze die so im Rechner die IBU verfälscht?
Nein. Denn die Bittergabe hast du ja vorher berechnet. Nach max. 60min Kochzeit hat jeder Hopfen sein Soll erfüllt. Mehr Bittere kann nicht abgegeben werden, ganz gleich wie lange der Hopfen jetzt in der Würze verweilt oder diese gekocht wird. Anders sieht es bei späten Hopfengaben aus, die können noch ordentlich nachbittern bis die Würze unter 80°C abgekühlt wurde. Stichwort: Nachisomerisierungszeit.
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Re: Gartenhausbrauerei

#5

Beitrag von Brandergartenbier » Montag 21. Dezember 2020, 06:45

Alt-Phex hat geschrieben:
Montag 21. Dezember 2020, 01:35
Brandergartenbier hat geschrieben:
Sonntag 20. Dezember 2020, 10:24
Hier seht ihr die Vorderwürze mit der Vorderwürzhopfung.
Dazu habe ich sogar eine Frage:

Wenn der Hopfen jetzt die ganze Zeit schon in der Pfanne ist und ich versuche die Würze schon zum Kochen zu bringen, damit es nachher schneller geht. Geht dann nicht sehr viel Bitterkeit die ganze Zeit in die Würze die so im Rechner die IBU verfälscht?
Nein. Denn die Bittergabe hast du ja vorher berechnet. Nach max. 60min Kochzeit hat jeder Hopfen sein Soll erfüllt. Mehr Bittere kann nicht abgegeben werden, ganz gleich wie lange der Hopfen jetzt in der Würze verweilt oder diese gekocht wird. Anders sieht es bei späten Hopfengaben aus, die können noch ordentlich nachbittern bis die Würze unter 80°C abgekühlt wurde. Stichwort: Nachisomerisierungszeit.
Hi,

vielen Dank, dass mit der Nachisomerisierung war mir bewusst, die 60 Minuten kannte ich aber noch nicht.
Gruß Florian
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Re: Gartenhausbrauerei

#6

Beitrag von BrauSachse » Montag 21. Dezember 2020, 09:41

Bild
Brandergartenbier hat geschrieben:
Sonntag 20. Dezember 2020, 10:24

Hi,

vielen Dank, dass mit der Nachisomerisierung war mir bewusst, die 60 Minuten kannte ich aber noch nicht.
Hier gibt es dazu ein schönes Diagramm:

https://www.maischemalzundmehr.de/bilde ... agramm.png das zu diesem Artikel https://www.maischemalzundmehr.de/index ... burechner gehört.

Viele Grüße
Tilo

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Re: Gartenhausbrauerei

#7

Beitrag von Brandergartenbier » Montag 21. Dezember 2020, 12:31

Hätte ich auch mal drauf kommen können auf MMUM... DANKE.

Ist mir bei der Doku nur wieder eingefallen, dass da noch was offen war.
Gruß Florian
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