Eisbock nach Brau!magazin-Art

Bitte beschränkt Euch auf das Wesentliche, die Bilder. Nach Möglichkeit langatmige oder ausführliche Textpassagen vermeiden. In der Kürze liegt die Würze.
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Eisbock nach Brau!magazin-Art

#1

Beitrag von BrauSachse » Samstag 6. März 2021, 20:37

Vor einigen Jahren bekam ich von Freunden zum Geburtstag eine Flasche Eisbock geschenkt. Der hatte mich total fasziniert. Ich glaube, er war von Faust und hatte 15 Vol%, weiß es aber nicht mehr genau. Ein umwerfend gutes und außergewöhnliches Getränk, wie ich fand.
Und dann stand im Herbst letzten Jahres ein Artikel im Braumagazin, in dem eine Eisbock - Anleitung für Hobbybrauer veröffentlicht wurde. Von Frank Orthmann wurde dort alles haarklein beschrieben. Da konnte ja nichts schiefgehen, dachte ich, und machte mich sofort ans Werk.

Für einen Eisbock benötigt man zunächst einen Bock als Grundlage. Da es sich um ein Experiment handelte, habe ich es recht einfach gehalten:

Stammwürze 16,5 °Plato
Bittere 27 IBU
Farbe 11 EBC
Alkohol 7 Vol%

Schüttung:
Wiener Malz 53%
Pilsner Malz 43%
Haferflocken 4%

Geplante Ausschlagwürze-Menge waren 8 Liter.

Kombirast 90 Minuten begonnen bei 68 Grad – Temperatur am Ende: 65 Grad – es war wenig Maische im Maischebottich, da kühlt es etwas ab.

Hopfen: Hallertauer Perle Kochzeit: 60 Minuten (50% des Hopfens 60 Minuten gekocht, die andere Hälfte 50 Minuten)

Hefe: Fermentis W34/70 Anstellen bei 10 Grad, Gärung bei 15 Grad – bewusst so gewählt, damit es keine Gärstockung gibt, da das Bier ja noch weiter zu Eisbock verarbeitet werden sollte und daher noch einen langen Weg vor sich hatte.

Nach 12 Tagen war die Gärung durch und ich habe den Sud halbiert. Das war natürlich ein Fehler. Die eine Hälfte des Sudes habe ich für wissenschaftliche Vergleichszwecke :Bigsmile direkt abgefüllt - als normalen Bock. Die andere Hälfte wurde eingefroren, jeweils 0,66 Liter Bock in 1 Liter Gerolsteiner-Flaschen.

Kühltruhe.jpg

Tja, und davon bleibt natürlich nach Einfrieren, Auftauen und Abfüllen nur noch die Hälfte übrig. Falls man also am Ende zwei gleich große Mengen Bock und Eisbock haben möchte, muss der Sud 2/3 (für den Eisbock) und 1/3 Bock gesplittet werden.
Ich hatte nun leider nur 5 Flaschen a 0,33 Liter Eisbock gezaubert, aber was soll´s. :redhead
In die Flaschen für den Eisbock hatte ich Haushaltszucker zum Karbonisieren vorgelegt und habe dann den aufgetauten Bock dort hineinlaufen bzw. –träufeln lassen:

Flaschen beimm Auftauen.jpg

Die Flaschen habe ich bis 1 cm unter den Rand gefüllt und wider alle Regeln direkt aus der Tüte CBC-1-Hefe in den Flaschenhals gekrümelt. Das waren ca. 0,25 Gramm Hefe pro 0,33-Liter-Flasche.
Nach 14 Tagen Warmstehen im Wohnzimmer kamen die Flaschen in den Keller zur Reifung bei 15 Grad. Das war Ende Oktober 2020.
8 Wochen später dachte ich, jetzt wird mal gekostet.

Zuerst der Bock:
Heller Bock.jpg
Karbonisierung gut, Malzigkeit: stark - sehr lecker, fast schon süß, Bittere: mild, Klärung: mäßig, Farbe: siehe Bild. Schon im Antrunk ein tolles Bier, malzig, süffig, lecker. Wird wieder gebraut – so steht es in meinen Notizen.

Dann der Eisbock:
Eisbock 1.jpg
Farbe etwas dunkler als der Bock, stark, viel Alkohol, wenig Aroma, ausgeprägte Bittere, keine Karbonisierung – nun ja, ein Fehlschlag. Zum Glück gibt es aber das Forum hier, in dem immer und immer wieder Geduld erbeten wird. Gut, dachte ich, erstmal 8 Wochen warten, dann wieder probieren und notfalls nochmal Hefe zugeben.

Und was soll ich euch sagen, heute, 4 Monate nach dem Abfüllen, gab es dieses Bild:
Eisbock 2.jpg
Ich bin total happy, denn der Geschmack ist einzigartig gut. Alle Nuancen des Bocks sind hier stärker vorhanden: Malzigkeit, Alkohol - aber nicht sprittig, andere unbeschreibbare Aromen und auch die sehr dezente, nur im Abgang spürbare Bittere. Man hat einfach mehr vom Bier. Meines Erachtens erfüllt der Eisbock genau die Kriterien, die Frank Orthmann in seinem Beitrag im Brau!magazin beschreibt:

Zitat:
  • Voller bis sehr voller Körper.
  • Geruch und Geschmack werden dominiert von der Balance zwischen schwerem, intensivem Malzaroma und einer spürbaren Alkoholpräsenz.
  • Der Alkohol sollte weich und wärmend sein und nicht scharf oder brennend.
  • Kein Hopfenaroma. Die Hopfenbittere soll nur die Süße des Malzes soweit ausgleichen, dass keine unangenehme Süße entsteht.
  • Der spürbare Alkohol soll der Hopfenbittere helfen das starke Malzaroma auszubalancieren.
  • Eisböcke sind nicht einfach stärkere Doppelböcke. Der Name beschreibt den Prozess des Einfrierens und Auftauens und die Konzentration des Bieres und er ist keine Aussage zum Alkoholgehalt. Es gibt auch Doppelböcke, die stärker sind als Eisböcke.
Zitat Ende

Das hätte ich mir damals beim Trinken meines ersten Eisbocks nicht träumen lassen, dass ich einmal selbst welchen brauen werde - und dass der auch wirklich gut wird.

Danke an Frank Orthmann für diesen tollen Artikel: https://braumagazin.de/article/eisbock- ... bbybrauer/

Viele Grüße
Tilo

Edit: Tippfehler
Zuletzt geändert von BrauSachse am Samstag 6. März 2021, 22:22, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Eisbock nach Brau!magazin-Art

#2

Beitrag von Braufex » Samstag 6. März 2021, 21:00

Servus Tilo,

danke für Deine interessante Doku :thumbup

Hat Spass gemacht zu lesen, der Artikel im Braumagazin hat mir damals auch gut gefallen

Wie lange hat es denn gedauert, bis die 0,33 Liter heraus"getaut" waren?
Hast Du die Flaschen vor dem Öffnen antauen lassen oder direkt nach der Entnahme aus dem Gefrierschrank über die Trichter gestellt?

Gruß Erwin

PS: Hat eigentlich der Ouzo auf den Flaschen beim Gefrieren geschmacklich was gebracht? :Wink

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Re: Eisbock nach Brau!magazin-Art

#3

Beitrag von BrauSachse » Samstag 6. März 2021, 21:16

Braufex hat geschrieben:
Samstag 6. März 2021, 21:00
Wie lange hat es denn gedauert, bis die 0,33 Liter heraus"getaut" waren?
Das kann ich nicht mehr genau sagen - ich denke so ca. 30-40 Minuten. Etwas Aufmerksamkeit ist da angebracht, damit die Flaschen nicht überlaufen.
Braufex hat geschrieben:
Samstag 6. März 2021, 21:00
Hast Du die Flaschen vor dem Öffnen antauen lassen oder direkt nach der Entnahme aus dem Gefrierschrank über die Trichter gestellt?
Die hatte ich vorher antauen lassen, bis ca. 10 oder 20 ml Flüssigkeit drin waren. Dann habe ich sie über die Trichter gestellt.
Braufex hat geschrieben:
Samstag 6. März 2021, 21:00
PS: Hat eigentlich der Ouzo auf den Flaschen beim Gefrieren geschmacklich was gebracht? :Wink
Den Ouzo hatte ich zur Absorption des sprittigen Alkoholgeschmacks draufgelegt, und in der Tat, der Ouzo schmeckt sprittig, das Bier nicht. :Wink

Viele Grüße
Tilo

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Re: Eisbock nach Brau!magazin-Art

#4

Beitrag von Braufex » Samstag 6. März 2021, 21:51

Danke für die Infos.
Vielleicht probier ich das auch mal, wenn mal ein Bock auf dem Brauprogramm steht.
Ein paar Fläschchen für einen Versuch abzweigen ist ja kein Aufwand.

2019 auf der BrauBeviale haben sie an einem Stand einen Dunklen Andechser Doppelbock eingefroren und live auftauen lassen.
Immer wenn ein Gläßchen mit dem Eisbock voll war, wurde er mit einer glühenden Stahlkugel gestachelt, so dass sich zusätzlich Karamellnoten bildeten.
Hab selten so was feines gekostet ...

Gruß Erwin, der heut leider keinen Ouzo nach den Biftekis zu Hause hatte ...

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Re: Eisbock nach Brau!magazin-Art

#5

Beitrag von HubertBräu » Sonntag 7. März 2021, 09:06

Kleiner Tipp .. den Ouzo besser nur in den Kühlschrank stellen und die Gläser ins Eisfach packen oder mit einem Eiswürfel im Glas eingießen.

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Re: Eisbock nach Brau!magazin-Art

#6

Beitrag von coyote77 » Sonntag 7. März 2021, 15:44

Cool, ich habe das gleiche gemacht im letzten Jahr und mich ebenfalls am Artikel orientiert. Der Bock ist schonmal sehr gut, der Test des Eisbocks steht noch aus!
Grüße, Andreas :Drink

Zum Biere drängt, am Biere hängt doch alles.
(Frei nach J. W. von Goethe)

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Re: Eisbock nach Brau!magazin-Art

#7

Beitrag von BrauSachse » Sonntag 7. März 2021, 16:41

coyote77 hat geschrieben:
Sonntag 7. März 2021, 15:44
Cool, ich habe das gleiche gemacht im letzten Jahr und mich ebenfalls am Artikel orientiert. Der Bock ist schonmal sehr gut, der Test des Eisbocks steht noch aus!
Cool, ich wünsche gutes Gelingen. :Drink

Viele Grüße
Tilo

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Re: Eisbock nach Brau!magazin-Art

#8

Beitrag von Mozart » Mittwoch 17. März 2021, 23:40

@BrauSachse:

Vielen Dank für deinen Artikel! Hab zwar neulich 50liter abgefüllt, und "warte" noch, bis die flaschengärung beendet ist - hab momentan recht viel zu trinken - und werd erst in 2-3 Monaten wieder Bier brauen.

Trotzdem, hätte riesen Bock auf eisbock, und dein Artikel ist meine Inspiration 😊 hab ich noch nie gemacht.


Was hast du eigentlich mit dem restlichen Bier aus den 0,66l Flaschen gemacht, die du aufgetaut hast?

Also die eine Hälfte der 0,66er Flasche wurde als eisbock abgefüllt - und die restlichen 0,33l, die gefroren waren in der 0,66l Gerolsteiner Flasche - hast du die ganz normal abgefüllt?

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Re: Eisbock nach Brau!magazin-Art

#9

Beitrag von BrauSachse » Donnerstag 18. März 2021, 17:46

Mozart hat geschrieben:
Mittwoch 17. März 2021, 23:40
Was hast du eigentlich mit dem restlichen Bier aus den 0,66l Flaschen gemacht, die du aufgetaut hast?

Also die eine Hälfte der 0,66er Flasche wurde als eisbock abgefüllt - und die restlichen 0,33l, die gefroren waren in der 0,66l Gerolsteiner Flasche - hast du die ganz normal abgefüllt?
Den Rest habe ich mit Zucker karbonisiert abgefüllt, Resultat war ein dünnes "Bier" mit wenig Alkohol und Geschmack, was halt übrigbleibt, wenn man die leckeren Bestandteile von einem Bier loseistTM. :Wink

Beim nächsten Mal schütte ich das weg, es ist schade um die Arbeit. Jetzt weiß ich es. :Bigsmile

Viele Grüße :Greets
Tilo

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Re: Eisbock nach Brau!magazin-Art

#10

Beitrag von Mozart » Donnerstag 18. März 2021, 21:20

Danke dir für die Antwort :Smile

Eisbock, reizt mich extrem. 😊

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