Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

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Eikonal
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Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#1

Beitrag von Eikonal » Freitag 5. Juni 2020, 17:16

Hallo Zusammen,

zuletzt wurde mir der Spaß an unserem Hobby ein wenig dadurch getrübt, dass ich bei (fast) allen Bieren mit dunklen Malzen einen Geschmack im Bier warnehme, der mich stört :thumbdown

Bei folgenden Bieren von mir konnte ich dieses Aroma warnehmen:
- Münchner Dunkel (S: Münchner Malz 80,9 % CARAAROMA® 5,1 % Melanoidinmalz 5,0 % Weizenmalz hell 9) - 56EBC
- Dry Stout (S: Pilsener Malz 68,0% Haferflocken 23,0% Röstgerste unvermälzt 6,9% Chocolate Malt) - 115EBC
- Chocolate Stout (S:Pale Ale Malz 78 % Haferflocken 10 % Pale Chocolate 4 % Black Malt 4 % CARAAROMA® 4 %) - 106EBC
- Alt (Münchner Malz 58.4 % Wiener Malz 31.1 % CARAMÜNCH II 10 % CARAFA II 0.5 %) - 46EBC
Diese Biere waren alle irgendwie enttäuschend und hatten mit den kommerziellen Vertretern wenig gemein.

Bei allen in der Zeit gebrauten anderen Bieren (Weizen, Wit, Gewürzbier, Fruchtweizen, Pale Ale, Dark Impact (auch mit dunklen Malzen)) konnte ich das Problem nicht herausschmecken. Jetzt weiß ich nicht so recht weiter, wo ich anfangen soll mit der Analyse.
Vorrangig sind ja (bis auf das Dark Impact) nur Biere mit dunklen Basis- oder Röstmalzen betroffen.

Den Geschmack kann ich auch nur schwer beschreiben: Im Geruch und im Antrunk schmeckt es noch normal, aber mit der Zeit macht sich im Mund immer mehr dieser störende Geschmack breit, der auch alles andere überlagert und im Abgang lange nachhängt. Nur nach langer Zeit kommen im Mund wieder die für diese Biere üblichen Röstgeschmäcker durch. Dabei ist der Geschmack keine wirkliche Bitterkeit, aber auch nicht unherb, teilweise würde ich ihn als pappig, penetrant vielleicht auch ein wenig phenolisch beschreiben.
Weiterhin ist mir aufgefallen, das bei den betroffenen Bieren die Schaumhaltbarkeit schlecht ist, obwohl, im Falle des Stouts, ein hoher Anteil Haferflocken verwendet wurde, aber das kann ja diverse Ursachen haben.

Folgende Sachen habe ich im Verdacht:

Flaschen
Bei dem gebrauten Dunkel habe ich beobachten können, dass dieser Geschmack beim Abfüllen des Jungbieres noch nicht warnehmbar war. Die Flaschen, die ich eine Woche nach dem Abfüllen gekostet habe, schmeckten gut, erst mit zunehmender Zeit war dieses Aroma eindeutig warnehmbar. Deshalb habe ich vermutet, dass es was mit den Flaschen zu tun haben könnte, aber dann würde ich das ja bei den anderen Bieren auch warnehmen.
Die Flaschen spüle ich nach dem Benutzen heiß aus, lasse sie kopfüber trocknen und räume sie dann auf den Dachboden wo sie kopfüber warten, bis sie vor dem Abfüllen nochmals heiß ausgespült werden. Ich fülle mit dem Abfüllröhrchen ab und karbonisiere mit Zuckergabe auf.

Infektion
Ich habe natürlich auch vermutet, dass ich eine Verunreinigung / Infektion im Equipment habe. Deshalb habe ich für das dunkle Bier einen neuen Plastik-Gäreimer verwendet. Aber ich glaube nicht an ein Hygiene Problem, weil wie beschrieben der Geschmack erst mit der zunehmenden Flaschenreifung auftritt und die anderen Biere aus der gleichen Brauanlage schmecken.

Wasseraufbereitung
Das Wasser hier bei uns hat eine RA von 8°DH, meine Wasseraufbereitung sieht idR so aus, dass ich mit Milchsäure aufsäure um den Maische PH einzustellen. Gerade bei den dunklen Bieren ist hierbei wenig Korrektur notwendig. Könnten ggf. weitere Werte im Wasser zu einem solchen Fehlgeschmack führen?

Ich hoffe ich habe nichts wesentlich vergessen jetzt. Das Thema treibt mich jetzt schon solange um, dass ich mir schon viele Gedanken gemacht habe und diesen Post hier schon oft in meinem Kopf entworfen habe :Bigsmile

Vielleicht hat ja von euch jemand noch eine Idee oder es bietet sich jemand mit geeichtem Geschmack an, dem ich vielleicht mal eine Flasche zum Probieren zukommen lassen könnte.

Gruß
Tim

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#2

Beitrag von Unbewegter Beweger » Freitag 5. Juni 2020, 19:32

Hallo Tim,
es ist natürlich immer schwierig, bei einer subjektiven Beschreibung, das Problem zu analysieren.
Ich stocher aber einfach mal im Nebel.
Die betroffenen Biere hatten alle entweder Röstmalze oder im ersten Fall Cararoma. Solche Malze geben oft einen harschen bitteren Geschmack, der sich aber auslagert.
Meine Stouts, die ich gebraut habe, waren nach mindestens einem halben Jahr Lagerung erst rund und sie wurden dann noch besser.
Du hast den Geschmack auch als pappig beschrieben. So würde ich den harschen phenolischen Geschmack nicht beschreiben. Weil du aber alle Biere mit Röstmalzen gebraut hast, kannst du ja vielleicht mit der Antwort was anfangen. Gerade Cararoma und Pale Chocolate Malt sind da verdächtig. Siehe auch den Artikel über „The harsh Zone“
http://beersmith.com/blog/2017/08/31/ha ... r-brewing/
Hoffe, das hilft dir!
Liebe Grüße, Sven

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#3

Beitrag von Roger » Freitag 5. Juni 2020, 19:39

Vielleicht liegt es (unter anderem) auch an der Hefe?
Für welches Bier hast Du denn welche Hefe genommen?

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#4

Beitrag von Bilbobreu » Freitag 5. Juni 2020, 19:55

Moin Tim,
wenn Du bei Dir in der Gegend keinen geeigneten Verkoster findest, könntest Du eine Flasche an mich und eine an Jens alias DerDerDasBierBraut nach Ahrensburg schicken. Wir würden das dann jeweils in einer kleinen Runde verkosten. Das hat schon dem einen oder anderen geholfen und meist sind wir uns auch einig. Wir lieben ekliges Bier :P .
Gruß
Stefan

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#5

Beitrag von Düssel » Freitag 5. Juni 2020, 20:45

Eikonal hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 17:16
...
Bei dem gebrauten Dunkel habe ich beobachten können, dass dieser Geschmack beim Abfüllen des Jungbieres noch nicht warnehmbar war. Die Flaschen, die ich eine Woche nach dem Abfüllen gekostet habe, schmeckten gut, erst mit zunehmender Zeit war dieses Aroma eindeutig warnehmbar. Deshalb habe ich vermutet, dass es was mit den Flaschen zu tun haben könnte, aber dann würde ich das ja bei den anderen Bieren auch warnehmen.
...
Möglicherweise kommt noch eine weitere Fehlerquelle - Oxidation.
Gruß Heiner

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#6

Beitrag von Michael Wendt » Freitag 5. Juni 2020, 22:24

Düssel hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 20:45
Möglicherweise kommt noch eine weitere Fehlerquelle - Oxidation.
Aber gerade dunkle und Caramalze sollen doch vor Oxidation schützen. :Grübel
Vgl. https://braumagazin.de/article/oxidatio ... ralterung/
„Ah, das schmeckt wie ein richtiges Vierzehnzwanziger“

Meine Anlage: viewtopic.php?f=20&t=12052
Meine Vorstellung: viewtopic.php?f=50&t=11885
Haus, Auto und Frau zeig ich nicht.

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#7

Beitrag von Unbewegter Beweger » Freitag 5. Juni 2020, 23:13

...dunkle Malze „schützen“ vor Oxidation z. B. durch Anthocyanogene, indem die halt vor anderen Molekülen abreagieren und kaum wahrnehmbare Substanzen ergeben.
Allerdings profitieren auch dunkle Biere von einer leichten Oxidation. Ein leichter Sherry- oder Honigton ist manchmal genau das, was ein Stout noch braucht.
Liebe Grüße, Sven

Düssel
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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#8

Beitrag von Düssel » Freitag 5. Juni 2020, 23:53

Michael Wendt hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 22:24
Düssel hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 20:45
Möglicherweise kommt noch eine weitere Fehlerquelle - Oxidation.
Aber gerade dunkle und Caramalze sollen doch vor Oxidation schützen. :Grübel
Vgl. https://braumagazin.de/article/oxidatio ... ralterung/
Hallo Michael,
Oxidation war lange Zeit für mich ein Problem, ohne zu wissen das es Oxidation ist was mich an meinen (und anderen) Bieren störte.
Meine Biere wurden durch fast alle Tester als ok bewertet. Oxidation schmeckt wohl nicht jeder?
Durch Umbau meiner Anlage im Heißbereich konnte ich mein Problem lösen.

Ich habe viel zu wenig Ahnung um weiter mitreden zu können, aber immer wenn ich sowas lese wie vom TE kommt mir Oxidation in den Sinn.
Gruß Heiner

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#9

Beitrag von gulp » Samstag 6. Juni 2020, 09:04

Wo hast du denn das Rezept für das Münchener Dunkel her?

Mit Verlaub, aber da stimmt gar nichts. Der von dir beschriebene Geschmack, "pappig, penetrant vielleicht auch ein wenig phenolisch", musste ja bei der Malzmischung so kommen.

5,1 % Caraaroma? 5 % Melanoidin? Daher kommt pappig, penetrant, auch mastig genannt. Phenolisch ist eher eine Eigenschaft von obergärigen Hefen. Die Schneider Hefe könne man so bezeichnen.

9 % Weizenmalz? Ein Münchener Dunkles braut man mit 100 % MüMa. Da hat Weizen nichts verloren. Nach dem Märchengebot nicht und aus ästhetischen Gründen auch nicht.Wenn man es noch etwas vollmundiger haben will, kann man 2-3 % Carairgendwas mitlaufen lassen, nicht 10 %.

Nix für ungut!

Gruß
Peter
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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#10

Beitrag von Eikonal » Samstag 6. Juni 2020, 11:35

Hallo Zusammen,

danke schonmal für eure Antworten.
Was ich vielleicht noch vergessen habe ist, dass ich irgendwie auch Reinigungsmittelrückstände als Ursache vermute.
Ich reinige mit Geschirrspülreiniger und OXI, danach dann noch Behandlung mit 80%igem ISO. Spüle aber alles immer relativ gut nach.
Unbewegter Beweger hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 19:32
Gerade Cararoma und Pale Chocolate Malt sind da verdächtig. Siehe auch den Artikel über „The harsh Zone“
http://beersmith.com/blog/2017/08/31/ha ... r-brewing/
Hoffe, das hilft dir!
Liebe Grüße, Sven
Das habe ich auch schon in Betracht gezogen. Ich schaue es mir mal an.
Danke dir!
Roger hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 19:39
Vielleicht liegt es (unter anderem) auch an der Hefe?
Für welches Bier hast Du denn welche Hefe genommen?
Das würde ich fast ausschließen. Ist ja von UG (mit frischer Brauereihefe) bis zur #1084 und der Notti durch die Bank weg vorhanden.
Bilbobreu hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 19:55
Moin Tim,
wenn Du bei Dir in der Gegend keinen geeigneten Verkoster findest, könntest Du eine Flasche an mich und eine an Jens alias DerDerDasBierBraut nach Ahrensburg schicken. Wir würden das dann jeweils in einer kleinen Runde verkosten. Das hat schon dem einen oder anderen geholfen und meist sind wir uns auch einig. Wir lieben ekliges Bier :P .
Gruß
Stefan
Danke Stefan für das Angebot :thumbup , ich glaube da komme ich mal drauf zurück. Ich schicke euch mal eine PN.
Düssel hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 23:53
Michael Wendt hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 22:24
Düssel hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 20:45
Möglicherweise kommt noch eine weitere Fehlerquelle - Oxidation.
Aber gerade dunkle und Caramalze sollen doch vor Oxidation schützen. :Grübel
Vgl. https://braumagazin.de/article/oxidatio ... ralterung/
Hallo Michael,
Oxidation war lange Zeit für mich ein Problem, ohne zu wissen das es Oxidation ist was mich an meinen (und anderen) Bieren störte.
Meine Biere wurden durch fast alle Tester als ok bewertet. Oxidation schmeckt wohl nicht jeder?
Durch Umbau meiner Anlage im Heißbereich konnte ich mein Problem lösen.

Ich habe viel zu wenig Ahnung um weiter mitreden zu können, aber immer wenn ich sowas lese wie vom TE kommt mir Oxidation in den Sinn.
Die Oxidation war früher mit anderer Abfülltechnik auf jeden Fall ein Problem bei meinen Bieren. Aber dadurch dass ich den Efekt bei hellen, deutlich empfindlicheren Bieren nicht so habe, habe ich Oxidation erstmal nicht weiter verdächtigt. Aber vielleicht ist da auch was dran.
gulp hat geschrieben:
Samstag 6. Juni 2020, 09:04
Nix für ungut!

Gruß
Peter
Hallo Peter,
danke für deinen Kommentar. Das Rezept habe ich mir aus dem Braumagazin abgeleitet, mir ist natürlich klar, dass das so kein "authentisches" Münchner Dunkel ist, war aber auch garnicht mein Ziel :Wink .
Und als Mastigkeit würde ich das Fehlaroma defintiv nicht einordnen, das würde ich erkennen. Außerdem sind andere Biere mit deutlich weniger oder garkeinem Cara oä. Anteil auch betroffen.

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#11

Beitrag von Michael Wendt » Samstag 6. Juni 2020, 16:47

Düssel hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 23:53
Michael Wendt hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 22:24
Düssel hat geschrieben:
Freitag 5. Juni 2020, 20:45
Möglicherweise kommt noch eine weitere Fehlerquelle - Oxidation.
Aber gerade dunkle und Caramalze sollen doch vor Oxidation schützen. :Grübel
Vgl. https://braumagazin.de/article/oxidatio ... ralterung/
Hallo Michael,
Oxidation war lange Zeit für mich ein Problem, ohne zu wissen das es Oxidation ist was mich an meinen (und anderen) Bieren störte.
Meine Biere wurden durch fast alle Tester als ok bewertet. Oxidation schmeckt wohl nicht jeder?
Durch Umbau meiner Anlage im Heißbereich konnte ich mein Problem lösen.

Ich habe viel zu wenig Ahnung um weiter mitreden zu können, aber immer wenn ich sowas lese wie vom TE kommt mir Oxidation in den Sinn.
Mir geht es genauso. Freunde bemängeln nix, ich habe diesen (Oxidations-?)Geschmack am Gaumen - allerdings eben nur bei meinen hellen Bieren, nicht bei den dunklen.
„Ah, das schmeckt wie ein richtiges Vierzehnzwanziger“

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#12

Beitrag von Astir » Samstag 6. Juni 2020, 20:28

Wasseraufbereitung
Das Wasser hier bei uns hat eine RA von 8°DH, meine Wasseraufbereitung sieht idR so aus, dass ich mit Milchsäure aufsäure um den Maische PH einzustellen. Gerade bei den dunklen Bieren ist hierbei wenig Korrektur notwendig. Könnten ggf. weitere Werte im Wasser zu einem solchen Fehlgeschmack führen?



Ich hatte auch schon mit Fehlgeschmack zu kämpfen, gerade am Anfang. Bei mir lag es an zu viel Nitrat in meinem Leitungswasser, seit ich das Wasser verschneide und genügend Hefe nehme ist dieser verschwunden. Ich denke die Hefe war durch das Nitrat zu sehr gestresst, und hat den Fehlgeschmack produziert. Damals hat die ein oder andere Gärung auch mal gestockt. Meine Weizenbiere waren damals aber wie bei Dir nicht davon betroffen..

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#13

Beitrag von Astir » Samstag 6. Juni 2020, 20:29

Wasseraufbereitung
Das Wasser hier bei uns hat eine RA von 8°DH, meine Wasseraufbereitung sieht idR so aus, dass ich mit Milchsäure aufsäure um den Maische PH einzustellen. Gerade bei den dunklen Bieren ist hierbei wenig Korrektur notwendig. Könnten ggf. weitere Werte im Wasser zu einem solchen Fehlgeschmack führen?



Ich hatte auch schon mit Fehlgeschmack zu kämpfen, gerade am Anfang. Bei mir lag es an zu viel Nitrat in meinem Leitungswasser, seit ich das Wasser verschneide und genügend Hefe nehme ist dieser verschwunden. Ich denke die Hefe war durch das Nitrat zu sehr gestresst, und hat den Fehlgeschmack produziert. Damals hat die ein oder andere Gärung auch mal gestockt. Meine Weizenbiere waren damals aber wie bei Dir nicht davon betroffen..

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#14

Beitrag von Eikonal » Montag 8. Juni 2020, 11:15

Astir hat geschrieben:
Samstag 6. Juni 2020, 20:29
Wasseraufbereitung
Ich hatte auch schon mit Fehlgeschmack zu kämpfen, gerade am Anfang. Bei mir lag es an zu viel Nitrat in meinem Leitungswasser, seit ich das Wasser verschneide und genügend Hefe nehme ist dieser verschwunden. Ich denke die Hefe war durch das Nitrat zu sehr gestresst, und hat den Fehlgeschmack produziert. Damals hat die ein oder andere Gärung auch mal gestockt. Meine Weizenbiere waren damals aber wie bei Dir nicht davon betroffen..
Auch ein interessanter Punkt. Wie waren denn deine Nitratwerte im unaufbereiteteten Wasser?
Ich bin hier bei 27 mg/l.
Verschneidest du mit Kaufwasser oder mit destillierten?

Gruß
Tim

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#15

Beitrag von Astir » Montag 8. Juni 2020, 18:14

Hi, bei mir sind 40 mg/l Nitrat im Leitungswasser. Anfangs hab ich um das Ganze zu probieren mit Destilliertem Wasser verschnitten, dann mein Wasser mit Kanistern bei den Schwiegereltern im Nachbarort geholt, der eine eigene Quelle hat (14mg/l) .Neuerdings habe ich eine Dennerle Osmoseanlage. Die 27mg/l bei deinem Wasser sind auch nicht gerade wenig Nitrat, probiere doch mal aus mit Kaufwasser oder destilliertem Wasser zu verscheiden.
Grüße,
Holger
Zuletzt geändert von Astir am Montag 8. Juni 2020, 18:28, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#16

Beitrag von Astir » Montag 8. Juni 2020, 18:25

Hallo Tim,
http://hobbybrauer-kompendium.de/n/nitrat/nitrat.html
Hier auch noch mal etwas zum Thema Nitrat.
Grüße,
Holger

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#17

Beitrag von Bilbobreu » Montag 10. August 2020, 22:25

Moin,
wir haben uns mal an die Biere von Tim gesetzt und wollen zur Abrundung dieses Themas unsere Eindrücke und Einschätzungen auch hier mitteilen. Wir waren aber nur zu zweit, mehr ließ sich jetzt in Urlaubszeiten in absehbarer Zeit nicht realisieren.

Dunkle Tage:
Geruch: süßlich-malzig, an Honig erinnernd
Geschmack: zunächst wieder süßlich-malzig mit Karamell- und Honignoten; dann wird es brennig und brenzlig, was leider auch sehr lange nachhängt; auch fällt ein stumpfes Gefühl an Gaumen und Zunge auf; ich nehme an, dass dies der Fehlegeschmack ist, denn Du bemerkt hast; allerdings würden wir ihn nicht als pappig beschreiben

Don't stay OUTside:
Geruch: hier fallen neben angenehmen Kaffeenoten sofort deutlich die buttrig-süßen Noten von Diacetyl unangenehm auf
Geschmack: Diacetyl ist vordergründig störend (auch wenn es durchaus einige Stouttypen gibt, die ein wenig Diacetyl haben können und dürfen, dass ist für uns entscheiden zu viel); dahinter ist aber auch wieder die unangenehme brennig-brenzlige Note und das stumpfe Mundgefühl zu erkennen, wenn auch nicht so deutlich wie bei den Dunklen Tagen

Diskussion:
Wir können uns nicht vorstellen, dass das Ganze mit der im Forum angerissenen Nitratproblematik zu tun hat. Unser Verdacht geht tatsächlich in die Richtung eines zu hohen Anteils an (dunklen?) Caramalzen und Melanoidinmalz und/oder vielleicht auch ein leichtes Anbrennen beim Maischen(?).
Das Diacetylproblem sollte sich durch eine entsprechende Diacetylrast am Ende der Hauptgärung beheben lassen.

Beste Grüße
Stefan

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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#18

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Montag 10. August 2020, 23:44

Wir haben die Biere zu dritt verkostet (also 2 x 2 genau gesagt, wobei ich doppelt dabei war :-) ). Darüber hinaus hat ein netter Forenkollege angeboten, die Biere in einem professionellen Labor mikrobiologisch zu untersuchen. Das habe ich dankenswerter Weise angenommen und ihm Proben geschickt. Der Mann bleibt anonym, außer er enttarnt sich selbst. Nicht, dass ihn das ganze Forum mit Bierproben überfrachtet. :Bigsmile
Er hat Proben deiner Biere auf mehreren Nährböden ausgestrichen, um eine Keimidentifizierung mittels MALDI-TOF Verfahren zu machen.
Interessant war, dass in allen 4 Proben (ich hatte ihm von jedem Bier 2 geschickt) keine vermehrungsfähigen Zellen mehr vorhanden waren. Also weder Hefen, noch Bakterien, noch sonst irgendwas. Das ist wirklich außergewöhnlich, denn zumindest lebende Hefezellen wären zu erwarten gewesen. Er hat am Ende 'vor Verzweiflung' schon 500 µl Probe pro Nährboden ausgestrichen, aber selbst dann war nichts Lebendiges zu finden.
Wie lagerst du das Bier? Bei mir standen die Flaschen bis zur Probenentnahme bei 4°C im Kühlschrank.

Zu unserer Verkostung:
Bei der Verkostung waren wir uns einig, dass beide Biere keine "richtigen" Fehlaromen haben.

Das Dubbel (Dunkle Tage) hat uns kalt (4°C) sogar ausgesprochen gut geschmeckt. Da kamen vor allem die karamelligen Aromen zum Vorschein. Als es warm wurde sind die belgischen Aromen (phenolisch, bisschen "sockig/muffig") stärker zum Vorschein gekommen. Das sockig/muffig/käsige in dem Bier kommt meiner Meinung nach nicht von einer belgischen Hefe, sondern von Isovalerinsäure, was auf einen alten bzw. oxidierten Hopfen hindeutet. Meine Braukollegen sahen das anders, sodass ich mit dieser Meinung alleine war und ggf. einer Fehleinschätzung unterlag.
Darüber hinaus war das aus unserer Sicht ein gelungenes und gut trinkbares Bier.

Das Dry Stout war einfach noch viel zu jung, um gut zu schmecken. Auch hier haben wir keine wirklichen Fehlaromen finden können. Es war einfach nur nicht rund ausgelagert. Die Röstaromen waren noch nicht eingebunden und die Karbonisierung war zu hoch für ein Stout. Mehr konnten wir nicht daran aussetzen.

Da wir keine wirklichen Fehler gefunden haben, haben wir nach Gemeinsamkeiten in den Bieren weiter gesucht. Hier ist aufgefallen, dass beide Biere eine leichte Magnesiumbittere haben. Die kommt entweder aus einem erhöhten Magnesiumgehalt im Leitungswasser oder durch etwas zu viel Magnesiumsulfat (MgSO4) bei der Wasseraufbereitung. Der Fehler war ebenfalls sehr dezent vorhanden und unserer Meinung nach nicht wirklich als Bierfehler zu bewerten.

Du hast uns ziemlich gute Biere geschickt.
Hilft dir das in irgendeiner Form weiter? :Wink

PS: Das Stout wird noch irgendwann. Lass das mal 6-12 Monate kalt reifen.
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
"Nein! Was Böses!"
"Alkoholfreies Bier??? ..."
-----------
Viele Grüße
Jens

Interesse an Flüssighefen ... ? Aus Zeitgründen derzeit kein Hefeversand.

mekla
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Re: Fehlgeschmack bei dunklen Bieren

#19

Beitrag von mekla » Samstag 26. September 2020, 15:14

Ich hätte jetzt auch erstmal gesagt dass es an der Hefe liegt.. Hast du schon ne Lösung gefunden?

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