Wacholderbier von Bilbobräu

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Liquidminer
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Wacholderbier von Bilbobräu

#1

Beitrag von Liquidminer » Sonntag 20. September 2015, 16:32

Ich hatte gestern das Vergnügen von Bilbobräu ein Wacholderbier verkosten zu können.
Das kleine Halsbandetikett verrät mir 14.5°P Stammwürze und 5.9% vol. Alkohol neben der Tatsache, dass es sich um Wacholderbier handelt und seit Mai in der Flasche ist. Gut gereift also.

Schnell zwei Gläser rausgeholt, eines für die Nase und eines für den Durst. Die Flasche öffnet sich mit einem guten Plopp und ein goldgelbes Bier kommt zum Vorschein. Der Schaum hält mittellang.
Im Geruch nehme ich sofort eine leichte Rauchnote wahr, aber anders, als ich es bisher kenne. Das wird wohl vom Eichenrauchmalz kommen - gefällt mir gut! Wacholder nehme ich nur sehr verhalten wahr.
Dann also mal probieren. Die Rezenz ist sehr angenehm und vom Mundgefühl her ist das Bier leicht viskos. Wieder nehme ich das leichte Raucharoma wahr und jetzt auch den Wacholder. Das passt gut zusammen! Vor allem aber gefällt mir die dezente Rauchnote. Das ist soo viel angenehmer, als Buchenrauch...
Hinten raus fehlt dem Bier aber etwas, der Abgang kam mir etwas leer vor. Ich würde sagen, dass das Bier noch das Rückgrat einer Hopfenbittere vertragen kann.

Ich bin mir sicher, dass dies nicht die letzte Iteration des Bieres gewesen ist. Die Wacholder / Rauch Kombination ist wirklich spannend und vielversprechend.

Danke Bilbobräu für diesen Biertausch!
Edit: Rückgrat statt Rückrad :)
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Zuletzt geändert von Liquidminer am Sonntag 20. September 2015, 18:24, insgesamt 1-mal geändert.
Beste Grüße,
Torsten

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Re: Wacholderbier von Bilbobräu

#2

Beitrag von Bilbobreu » Sonntag 20. September 2015, 17:45

Vielen Dank für die Schilderung Deiner Eindrücke. Wir hatten uns ja hinter den Kulissen schon etwas ausgetauscht, aber für alle, die es sonst noch interessiert, vielleicht noch ein paar Erläuterungen.
Es handelt sich hier um den dritten Versuch eines Bieres mit einer Schüttung aus Marris Otter, Weizeneichenrauchmalz, Hafermalz, Gerstenspitzmalz und dazu Wacholderbeeren. Das ganze dann auch noch durch frische Wacholderzweige geläutert. Es handelt sich also um ein Bier ganz ohne Hopfen. :Shocked
Diese Experimente sind vor allem durch traditionelle skandinavische Brautraditionen, wie etwa das finnische Sahti, inspiriert. Natürlich wirft das ganze ein paar Probleme auf, von denen ich nicht behaupten würde, dass es mir bisher gelungen ist, sie zufriedenstellend zu lösen. Das eine ist das beschriebene fehlende "Rückgrat einer Hopfenbittere". Ich habe das identische Rezept auch noch einmal mit Hopfen (Vic Secret) gebraut und in dieser Version ist das Bier sehr viel näher an unseren Geschmackserwartungen. Insbesondere wenn man das Bier mit und ohne Hopfen parallel verkostet, erschließt sich einem, wie viele und wie vielfältige Geschmackseindrücke im Bier aus dem Hopfen stammen. Es ist praktisch selbsterklärend, warum sich Hopfen als Biergewürz durchgesetzt hat. Mir ging es aber vor allem darum, einen Eindruck davon zu gewinnen, wie ein traditionelles skandinavisches Bier mit Wacholder und ohne Hopfen wohl geschmeckt haben mag. Ein weiteres Problem ist die für meinen Geschmack zu hohe Restsüße, die durch die fehlende Hopfenbittere noch zusätzlich ins Gewicht fällt. Ein befreundeter Chemielehrer meinte, dass in Wacholder höhere Zucker enthalten sind, die sehr viel süßer sind als Haushaltszucker und vermutlich nicht vergoren werden können. Ob das eine tragfähige Erklärung für die hohe Restsüße ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Fest steht, dass es mir bisher nicht gelungen ist, mit den üblichen Mitteln die Restsüße signifikant zu senken.

Hier noch der Link zum Bericht über meinen ersten Versuch:
http://hobbybrauer.de/modules.php?name= ... =24690#pid

Gruß
Stefan

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Re: Wacholderbier von Bilbobräu

#3

Beitrag von Liquidminer » Sonntag 20. September 2015, 22:18

Ich wollte Dich noch fragen welche Hefe Du genommen hast - wie im ersten Versuch die Nottingham? Der scheinbare Vergärungsgrad ist aus Deinen Angaben rückgerechnet ja so etwa bei 75%, wenn ich nicht irre. Vielleicht geht da ja noch was um den Eindruck der Restsüße zu senken. Aber direkt aufgefallen war mir dieser Aspekt nicht.

Ich bin durch Dein Bier jedenfalls um drei Erfahrungen reicher. Zum einen, dass man mit Wacholderbeeren ein feines Aroma erzeugen kann ohne die Harzigkeit, die die Verarbeitung der ganzen Pflanze mitbringt. Zum anderen habe ich das Eichenraucharoma kennengelernt und bin ganz begeistert davon. Das ermutigt mich damit mal zu arbeiten. Die dritte Erfahrung ist, daß man ohne Hopfen zwar Bier machen kann, dass dem Bier dadurch aber eine Dimension fehlt.
Beste Grüße,
Torsten

Aus Freude am Vergären.

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Re: Wacholderbier von Bilbobräu

#4

Beitrag von Bilbobreu » Sonntag 20. September 2015, 22:24

Wo darf ich die drei Erfahrungen unterschreiben? Das hast Du schön zusammengefasst.
Hefe war beim dritten Versuch wieder die Nottingham.

Gruß
Stefan

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Re: Wacholderbier von Bilbobräu

#5

Beitrag von emjay2812 » Donnerstag 24. Dezember 2015, 22:48

Wie es der Zufall will, war mein Wichtel-Tauschpartner Bilbobräu, der mir auch eine Flasche Wacholderbier schenkte!

Der Geruch ist malzig, süß, dezent rauchig.

Im Antrunk ist das Bier sehr malzig, leicht fruchtig, relativ süß.
Deznete "Waldaromen" vom Wacholder kann man erschnüffeln.

Auch im Nachtrunk ist das Bier malzig, weich, süffig. Der Wacholder
kommt mit Aromen die ich nicht direkt beschreiben kann, gut zum Ausdruck.

Insgesamt ein sehr interessantes Experiment, welches mir persönlich zu malzlastig ausfällt.
Der Wacholder bringt wunderbare Aromen ins Bier, die fehlende Bittere ist jedoch sehr irritierend.

Es ist weich, süffig und gut. Wie von Bilbobräue empfohlen, werde ich als demnächst das Bier mit Wacholder
UND Hopfen probieren.

DANKE! Ich trinke immer gerne Biere die meinen Horizont erweitern!!! Das Bier ist sehr gut,
wenn auch ungewohnt.

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Re: Wacholderbier von Bilbobräu

#6

Beitrag von Bilbobreu » Samstag 21. Mai 2016, 21:11

Hallo,

ich grab mal diese alte Wacholderbiergeschichte noch mal aus, um sie ein wenig abzurunden.
Ich hab gerade die letzte Flasche meines nun über ein Jahr lang gelagerten Wacholderbieres (ohne Hopfen) im Glas. Es ist glasklar und immer noch einwandfrei. Keine Spur von Fehlern oder übermäßiger Alterung.
Fazit: Wenn man sauber arbeitet, braucht man nicht unbedingt Hopfen, um ein lange haltbares Bier zu brauen.

Gruß
Stefan

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Re: Wacholderbier von Bilbobräu

#7

Beitrag von afri » Samstag 21. Mai 2016, 22:44

Bilbobreu hat geschrieben:Keine Spur von Fehlern oder übermäßiger Alterung.
Sag' ich doch die ganze Zeit. Bier übersteht auch Jahre, sofern es ordentlich gemacht und gelagert wurde.
Achim (noch kein 12-Tage-Bier probiert habend)
Bier ist ein Stück Lebenskraft!

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Re: Wacholderbier von Bilbobräu

#8

Beitrag von Ladeberger » Samstag 21. Mai 2016, 22:57

Bilbobreu hat geschrieben:Hallo,

ich grab mal diese alte Wacholderbiergeschichte noch mal aus, um sie ein wenig abzurunden.
Ich hab gerade die letzte Flasche meines nun über ein Jahr lang gelagerten Wacholderbieres (ohne Hopfen) im Glas. Es ist glasklar und immer noch einwandfrei. Keine Spur von Fehlern oder übermäßiger Alterung.
Fazit: Wenn man sauber arbeitet, braucht man nicht unbedingt Hopfen, um ein lange haltbares Bier zu brauen.

Gruß
Stefan
Die meisten Alterungsindikatoren gehen auf oxidierte Hopfenverbindungen zurück. Biere ohne Hopfen sind daher sehr geschmacksstabil.

Gruß
Andy

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Re: Wacholderbier von Bilbobräu

#9

Beitrag von flying » Samstag 21. Mai 2016, 23:27

Ich hatte ja das Glück das Bier vor knapp einem Jahr zu probieren. War überrascht, wie aromatisch und würzig so ein Bier ganz ohne Hopfen schmecken kann.
Bei Wacholder ist es ja so, dass er über einen gewissen Brauwert verfügt. Er bringt Bitterstoffe und Polyphenole mit. Ist eine klassische Zutat der "Urbiere". Finnisches Sahti zum Beispiel. Wurde ja oben schon genannt...
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Re: Wacholderbier von Bilbobräu

#10

Beitrag von Bilbobreu » Samstag 21. Mai 2016, 23:27

Ladeberger hat geschrieben:Die meisten Alterungsindikatoren gehen auf oxidierte Hopfenverbindungen zurück. Biere ohne Hopfen sind daher sehr geschmacksstabil.

Gruß
Andy
Danke Andy, zum praktischen Erleben wieder ein wenig theoretisches Fundament dazu gelernt.

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