Der Doppelbock der Kommunbrauer mit/von Bernstein

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Holger-Pohl
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Der Doppelbock der Kommunbrauer mit/von Bernstein

#1

Beitrag von Holger-Pohl » Donnerstag 23. Juni 2016, 21:32

So Kollegen der brauenden Zunft,

im Zuge der Verkaufsaktionen rund um meine zwei Liter Syphons kam ich auch wieder mal mit den Braubrüdern aus dem "Oberland" in Kontakt und freute mich sehr, dass ich eine Literflasche vom Doppelbock der neuen Kommunbrauerei - wenn man so sagen darf und will - bekommen habe. Dieses Stöffchen erreichte mich, wurde im Kühler geparkt und fand sein "Ende" am letzten Brausamstag Abend in Verbindung mit einem <<anstrengenden>> Flaaaaschessen.

Bilder folgen natürlich umgehend....

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K640_DSCF1981.JPG (39.7 KiB) 1485 mal betrachtet
Stilleben mit Bier. Hohe und flache Rippe mit Klößchen an einer süßsauren Biersoße bzw. pur.
Der warme Glanz hat zum sonst total beschissenen Regenwettertag gepasst. Er wärmte schon beim Einschenken....

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K640_DSCF1978.JPG (19.48 KiB) 1485 mal betrachtet
Na, was soll man denn zu so einem Bier sagen???

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K640_DSCF1980.JPG (17.17 KiB) 1485 mal betrachtet
... auf dem Schaum legt man ein Fünfmarkstück!!


Das Bier wurde gebraut - soviel sei verraten - für die Weihnachtszeit und hatte also jetzt ein gutes halbes Jahr hinter sich. Eine lange Zeit, die dem Bier offensichtlich nicht geschadet hat. Im Gegensatz, ich vermute, dass es an Weihnachten selbst wohl noch individueller und rustikaler geschmeckt haben muss. So offenbarte sich ein wunderbar runder Geschmack, fein abgestimmt mit einer Hopfenbittere und einer immer noch deutlichen Karamellnote.

Gehen wir etwas ins Detail: Kohlensäure und Resenz waren ansprechend. Hätten etwas mehr sein können, waren aber der wunderbaren Schaumkrone - siehe oben - geschuldet.
In der Nase kommen die typischen warmen alkoholischen Töne, wenig Hopfiges, etwas Sprit und ein leichter Schwefelgeruch, was aber wohl aufgrund des Alters des Bieres wohl absolut in Ordnung geht.

Ich konnte noch vor den Rippen darüber philosphieren, wie sich hier wohl die Schüttung ausgesehen haben muss:
Als Standardschüttung hätte ich auf eine ein Drittel/zwei Drittel Mischung zwischen Münchner und Pilsner getippt, passt aber noch nicht so ganz. Dazu ist der Geschmack im Antrunk immer noch granatenstark. Das schaffen selbst bei gefühlten 18% diese Mischungen nicht ganz. Ich vermute daher ein mittleres Cara. Neue Mischungen mit Pale Ale Malzen etc kommen aufgrund der Traditionsverbundenheit dieses Rezepts eher nicht in Frage.
Ich bin da selbst sehr gespannt und tippe auf jeden Fall auf eine Kochmaische. Das Nussige am Ende deutet in diese Richtung.

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K640_DSCF1982.JPG (23.14 KiB) 1485 mal betrachtet
und hier noch das letzte Detailbild.

Sehr zum Wohl!!!

Die Trübung kommt mir noch etwas bemerkenswert vor, vor allem da die Jungs auch mit Gegendruckfüller arbeiten, also keine Flaschengärung durchziehen. Zum Hopfen kann ich leider nichts sagen, da ich hier zwar eine sehr schöne ausgewogene Bittere schmecken konnte, aber leider keine <<Details>> mehr. Definitiv keine C-Hopfen, leicht grasiges Aroma, wenig Blume, sieht nach einer Perle oder einem Spalter aus, auch der Hersbrucker Pure scheint nicht abwegig.

Tja Matthias, dann würde ich mal sagen: Lüftet doch das Geheimnis um euren Traditionsbock!!!

Beste Grüße
Holger

Edith sagt: Rechtschreibung

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Re: Der Doppelbock der Kommunbrauer mit/von Bernstein

#2

Beitrag von holledauer » Freitag 24. Juni 2016, 06:42

Schöner Bericht :Smile
Bin gespannt
Gruß Martin aus der Hallertau

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Re: Der Doppelbock der Kommunbrauer mit/von Bernstein

#3

Beitrag von Bernstein » Freitag 24. Juni 2016, 08:20

Schönen guten Morgen Holger und Danke! für Deinen Bericht. Es ist mir immer wieder eine Freude, Deine Berichte zu lesen.
"Unser" Doppelbock hat eine schöne Geschichte. Unser Vereins-Ehrenmitglied Lothar Hammer ist der letzte, echte Rehauer Braumeister, der in der letzten Rehauer Brauerei bis Anfang der 70er noch Bier gebraut hat. Wie es sich für einen ordentlichen Braumeister gehört, hat Lothar auch heute seine Brauprotokolle gut verwahrt und zwar in seinen Brauerbüchlein.
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Der Doppelbock wurde 1965 letztmals eingebraut - aus diesem Grund wollten wir unbedingt einen Jubiläumssud "50 Jahre Rehauer Doppelbock" nach dem Originalrezept einbrauen. Im übrigen steht ein ungeöffnetes Exemplar dieses Doppelbocks im Archiv. Keiner hat sich bisher getraut dieses zu öffnen.
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Brautag war der 28.12.2015. Als Verkostungstermin wurde der 30.04.2016 (Besenbrennen) festgelegt. Der Bock war bei Deiner Verköstigung am 18. Juni schon gut gereift, lieber Holger. Die Hefetrübung Deiner Flasche hat folgenden Hintergrund: es war der Rest!
Ich war nämlich am 30.4. im Pfingsurlaub und als ich wieder kam, war fast der gesamte Doppelbockbestand schon "vernichtet". Ein halbes Fass stand noch in der Kühlung und ich habe nicht lange gefackelt, dieses herausgeschaukelt und schnell abgefüllt. Mit mehr Ruhe und bei 0 Grad abgefüllt wäre Deine Probe viel klarer gewesen... schade.

Nun zum Rezept des Doppelbocks, dem Lothator, oder wie ich zu sagen pflege: dem Rehauer Hammer:

Wir haben hier unverschämtes Glück mit unserem Brauwasser aus der Leitung:
Wasser.JPG
Von den Stadtwerken wegen der Trinkwasserverodnung künstlich auf 3.6dH "hochgeschupst" - ab Quelle 0,6 dH - das sind fast Pilsener Verhältnisse.

100% Pilsener Malz, Hauptguss 266 Liter, Nachguss 78 Liter

Eingemaischt bei 60 Grad - ergab 55 Grad - 15 Minuten Rast
aufgeheizt auf 60 Grad,
1. Teilmaische:
210 Liter in den Läuterbottich getrennt,
den Rest aufgeheizt auf 73 Grad - 15 Minuten Rast
weiter aufgeheizt und 25 Minuten gekocht.
Teilmaische zurückgepumpt ergab 68 Grad - 5 Minuten Rast.

2. Teilmaische:
200 Liter in den Läuterbottich getrennt
den Rest 20 Minuten bei 73 Grad verzuckert
aufgeheizt und 25 Minuten gekocht.
Teilmaische zurückgepumpt ergab 78 Grad - 15 Minuten Rast. Abgemaischt.

Hopfenkochen 90 Minuten.
Gehopft mit Perle, 26 IBU, eine Gabe bei Kochbeginn.
Erzielte Stammwürze 18,4 %, CO² Gehalt 4.5g/l, 8,6 Vol% Alc.

Viel Spass beim nachbrauen... wir wollen im August noch einen einbrauen - als Weihnachtsbock.

Anbei noch ein Bild von unserem Würdenträger, dem Lothar. Ich entschuldige mich für die Mütze! Gruss, Matthias
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Zuletzt geändert von Bernstein am Freitag 24. Juni 2016, 22:49, insgesamt 1-mal geändert.

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marsabba
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Re: Der Doppelbock der Kommunbrauer mit/von Bernstein

#4

Beitrag von marsabba » Freitag 24. Juni 2016, 14:15

Eher Ehrenmitglied muss ja schon stark auf die 80 zugehen !
Ich kann mir vorstellen dass der einen Heidenspass hat, mit euch lecker Bier zu brauen.

Gruß
Martin

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Re: Der Doppelbock der Kommunbrauer mit/von Bernstein

#5

Beitrag von Bernstein » Freitag 24. Juni 2016, 17:03

Servus Martin,

ja.. er geht auf die 80 zu. Aber topfit... fährt regelmässig grosse Touren mit dem Rad und spielt Tennis.
Die Spielzeugbrauerei gefällt ihm wie d Sau.

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