Rodenbach Vintage 2013 - Foeder 149 "The Sire"

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Tozzi
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Rodenbach Vintage 2013 - Foeder 149 "The Sire"

#1

Beitrag von Tozzi » Samstag 24. Februar 2018, 19:58

War mir zu schade, das in "Was trinkt Ihr gerade" zu posten.

IMG_0883.jpg
Rodenbach Vintage

Direkt beim Eingießen schon aus der Ferne ein unglaublich fruchtiger Duft nach Rumtopf, Sauerkirschen und Pflaumen, Stallgeruch (Brett) sehr dezent bis nicht wahrnehmbar, ganz leichte Joghurt- und Balsamico Noten. Beides in keiner Weise aufdringlich, Essig kaum spürbar.
Im Antrunk erst sehr angenehme fruchtige, nicht adstringierende Säure, dann kommt das gesamte Aromenspiel zum Tragen und erzählt eine Geschichte mit vielen Nebenhandlungen, die mit dem Ausklang in ganz hintergründigen Hopfenaromen noch lange in Mund und Gedächtnis bleibt.
Eine ganz leichte Restsüße unterstreicht das Obstkorb Erlebnis.
Der relativ hohe Alkoholgehalt von 7,0% Vol. fällt, typisch für die Belgier, erst nach dem Genuß auf.

Angenehme, gut balancierte Rezenz.
Der Schaum fällt sehr schnell zusammen, bleibt aber am Rand des Glases als "Ring" noch lange erhalten.
Schöne, rotbraune Farbe, im Gegenlicht deutlich rot.

Am liebsten möchte man dieses Bier recht kalt trinken, da es auf diese Weise extrem erfrischend wirkt.
Das wäre aber schade, denn die unglaubliche Komplexität der Aromen will gewürdigt werden.
Ich würde als Kompromiss ca. 10˚C empfehlen.

Fazit:
"Belgischer Champagner" vom Feinsten, auch für "Weicheier" in Sachen Sauerbier (wie z.B. mich) geeignet.
Etwas Besonderes. Leider auch preislich.

//Nachtrag:
Hinten auf der Flasche steht:
Character ripens with age. This exclusive, limited edition Rodenbach Vintage 2013 was aged for two years in Foeder No. 149, the 59-years-old foeder that was carefully selected by our Brewmaster, Rudi Ghequire, as the top performing foeder of the year. In fact, for many years No. 149 has been a leading foeder, earning the nickname "The Sire" for its many noble batches, because it is one of the most prodigious for propagating the unique microflora that deliver the exquisite flavours to Rodenbach. This exceptional Flemish red-brown sour ale is one of the finest we have ever produced, with a uniquely balanced sweet and sour palette and complex aftertaste.
Viele Grüße aus München
Stephan

DarkUtopia
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Re: Rodenbach Vintage 2013 - Foeder 149 "The Sire"

#2

Beitrag von DarkUtopia » Samstag 24. Februar 2018, 20:01

Klingt extrem geil, danke fürs teilen

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gulp
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Re: Rodenbach Vintage 2013 - Foeder 149 "The Sire"

#3

Beitrag von gulp » Samstag 24. Februar 2018, 20:31

Klasse Kritik Stephan! :thumbup
Darauf hätte ich jetzt mehr Lust, als auf ein Westvleteren 12. Muss mal schauen, was der Keller noch hergibt. :Smile

Gruß
Peter
Ein Bayer ohne Bier ist ein gefährlich Thier!

https://biergrantler.de
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glassart
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Re: Rodenbach Vintage 2013 - Foeder 149 "The Sire"

#4

Beitrag von glassart » Samstag 24. Februar 2018, 20:33

und ich braue morgen ein Red Flanders - mit der Vorgabe eine Herausforderung :Pulpfiction

Aber ich freue mich schon auf diese Köstlichkeit bei der nächsten gemeinsamen Verkostung :Bigsmile

Ich "durfte" ja schon im Tap house davon naschen und deine Beschreibung, Stephan, trifft exakt das, das in meinen Ganglien davon gespeichert wurde.

lg Herbert :Drink

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Re: Rodenbach Vintage 2013 - Foeder 149 "The Sire"

#5

Beitrag von glassart » Samstag 24. Februar 2018, 20:34

ja das Westvlerteren hätte ich auch liegen aber das Vintage 2013 leider noch nicht

lg Herbert

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Re: Rodenbach Vintage 2013 - Foeder 149 "The Sire"

#6

Beitrag von docpsycho » Samstag 24. Februar 2018, 20:41

Gude,

was für ein g9bin ich gerade auf den Weg in die örtliche Bierlokalität, da bekommt man echt durst auf einen sauren Belgier.

Grüße, Felix
Setup: 3,5kw Caso-Induktionsplatte, 36l Brewferm-Topf, 38l Schengler-Thermoport mit Läuterhexe, Kühlspirale, Themperaturgesteuerte Gärkammer.

Die Brausportgruppe e.V. Rhein-Main

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Re: Rodenbach Vintage 2013 - Foeder 149 "The Sire"

#7

Beitrag von Tozzi » Montag 5. März 2018, 03:38

Im direkten Vergleich nun das 2015er aus Foeder Nr. 195.
Kurz gefasst: Deutlich mehr Essig, viel weniger Rumtopf.
Auch der Schaum fällt wesentlich schneller zusammen.
Es bleibt ein wunderbares Bier, wenn man halt nicht vom 2013er bereits so verwöhnt ist wie ich momentan.

IMG_0912.jpg
Rodenbach Vintage 2015 - Foeder Nr. 195

Saugut, keine Frage.
Aber davon hätte ich nicht unbedingt so viel eingelagert, zu dem Preis.
Denn dieses hier brauche ich Leuten mit Vorbehalt gegenüber Sauerbier gar nicht erst vorzusetzen, im Gegensatz zum 2013er, welches in meinem Bekanntenkreis für viel Überzeugung gesorgt hat.

Ich hatte mir erhofft, nochmals 32 Flaschen vom 2013er zu "ergattern", nachdem dieses mich völlig hin- und weggerissen hatte.
Aber das ist Jammern auf extrem hohem Niveau.
Komplexität ist vorhanden, ein grandioses Bier letztlich ohne jeden Fehl und Tadel, keine Frage.
Aber halt nicht ganz so gefällig und rundherum angenehm wie No 149, "The Sire".
Und ich glaube jetzt (noch) nicht, dass das am Alter liegt. Mag aber sein.

Dank Frühjahrsfrost und Hagel gibt es ja auch seit 5 Jahren keinen Meursault Wein mehr.
Muss man halt durch.
Bald gibt's das 2016er zu Kaufen. Kann schon wieder ganz anders sein.
Viele Grüße aus München
Stephan

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Rodenbach Vintage 2016 - Foeder No. 222

#8

Beitrag von Tozzi » Sonntag 5. Mai 2019, 23:37

Mittlerweile ist das Vintage 2016 verfügbar.
Ich konnte es vorgestern in Brügge kosten:

IMG_0547.jpg
Rodenbach Vintage 2016

Kurz:
Ein Traum.
Direkt nach dem Öffnen der Flasche "sticht" eine recht harsche, scharfe Essignote in die Nase.
Aber dahinter verbirgt sich ein wahrer Obstkorb.
Eine Aromenkomplexität, die vielleicht mit zunehmender Reife sogar die des 2013er übertreffen könnte (?).
Mit seiner Wahl des "Foeder No. 222" hat Rudi Ghequire mal wieder absolut ins Schwarze getroffen, meine ich.

Im Mund ist die Säure nicht allzu stark zu schmecken, eine wunderbar balancierte Restsüße umschmeichelt den Gaumen.
Unglaublich, was für eine Komplexität an Steinfrucht und Beeren Aromen hier lauert, und das alles nur aus Malz "gezaubert".
Man möchte schwören, hier seien Kirschen mit drin, aber gerade das ist ja hier nicht der Fall.
Kaum "Funk" von der Brett, angenehm leichte Milchsäure, schöne Vanillenoten vom Holz.

Auch optisch ein Bringer. Der Schaum hält für ein rotes Flanders erstaunlich lange.

Gestern war ich dann in Vichte bei DeConinck, und habe mich ein wenig eingedeckt...
Leider konnte ich nicht alles mitnehmen und habe mich trotz der riesigen Auswahl dort mehr oder minder auf dieses Bier beschränkt. :crying
Mein Tipp: Unbedingt kaufen, wenn Euch das "über den Weg läuft" und Ihr mit diesem Stil was anfangen könnt.
Für mich als Rodenbach Fan ein No-Brainer.
Viele Grüße aus München
Stephan

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Re: Rodenbach Vintage 2016 - Foeder No. 222

#9

Beitrag von Kolbäck » Montag 6. Mai 2019, 07:10

Hallo Stephan!
Tozzi hat geschrieben:
Sonntag 5. Mai 2019, 23:37
Mein Tipp: Unbedingt kaufen, wenn Euch das "über den Weg läuft" und Ihr mit diesem Stil was anfangen könnt.
Ich musste gerade nachschauen, ob das, das ich im Jänner hatte, die gleiche Nummer war; war es. Fand es natürlich auch sehr gut, habe aber keinen Vergleich zwischen den Jahrgängen und Foeders (, an den ich mich erinnere).
:Drink
--
Viele Grüße, Thomas
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