Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

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Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#1

Beitrag von §11 » Dienstag 3. Juli 2018, 23:28

Mir fällt in letzter Zeit der impulsive Beißreflex so mancher „Craft- Bier- Jünger“ auf, sobald es um Bier größerer Brauereien geht. Sofort werden alle Klischees bedient, minderwertiges Bier, schlechte Qualität und oben drein schmeckt es furchtbar. Schnell ist man sich einig das ein Bier aus so einer großen Brauerei zu dem Preis praktisch unmöglich gut sein kann.




Ist dem so?




Leider ist es hier Vielen nicht möglich zu differenzieren. Die rein messbare Qualität ist das eine, der Geschmack was Anderes und letztendlich sind soziale Gesichtspunkte der Faktor der bei vielen auf den Geschmack durchschlägt.




Warum eine große Brauerei bei absolut gleichem Rezept und absolut gleichem Prozess trotzdem das Bier viel günstiger anbieten kann ist sehr einfach. Der Effekt nennt sich „Econonomy of scale“ oder auf Deutsch Skaleneffekt. Der wird bei den Mitarbeitern sehr schnell deutlich. Benötigt eine kleine Brauerei mit etwa 12.000 hl Jahresausstoß 8 bis 10 Mitarbeiter in der Produktion, rechnet eine Groß Brauerei mit etwa einem Mitarbeiter je 10-15.000 hl. Also ein ganz gewaltiger Unterschied. Diese Effekte ziehen sich weiter, im Grunde dauert ein Sud mit 10 hl so lange wie ein Sud mit 1000 hl, das Reinigen eines Tanks mit 10 hl dauert so lange wie das eines Tanks mit 1000 hl usw. Dabei ist es aber mitnichten richtig das ein Sud mit 1000hl hundert Mal mehr Energie benötig als der mit 10hl und der große Tank braucht auch nicht 100 Mal mehr Wasser. Preis ist also der vollkommen falsche Aspekt um etwas über die Qualität oder sogar den Geschmack zu sagen.




Was meiner Meinung nach aber gegen ein „Craft- Bier“ aus einer der großen Brauereien in Deutschland spricht ist einfach der Gesichtspunkt der Biervielfalt. In Deutschland wächst die Zahl der Brauereien erstmalig seit wahrscheinlich hunderten von Jahren. Wenn wir uns aber den deutschen Biermarkt anschauen, dann machen gerade mal 11 Braueigruppen mit etwa 3% aller Baustätten etwa 60% der gesamten Bierproduktion. Dabei sind bei diesen Braugruppen gerade mal um 1% der Mitarbeiter der gesamten Brauindustrie in Deutschland angestellt.




Das ist für mich durchaus ein Grund mein Bier lieber bei kleineren, regionalen Brauereien zu kaufen. Ich bin aber ehrlich genug um zwischen Qualität, Geschmack und eben diesen „weichen Faktoren“ unterscheiden zu können. Das gehört nämlich auch zur so oft geforderten Transparenz. Ein "Industrie- Craft- Bier" kann also durchaus schmecken, ob man es kauft bleibt dann jedem überlassen.
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#2

Beitrag von emjay2812 » Mittwoch 4. Juli 2018, 07:14

Industrie Bier kann sowohl die große B.burger Brauerei sein, die seit Jahren ein solides Bier für die Massen braut.
Industrie Bier kann aber auch eine lokale Spezialität eines mittelständischen Unternehmens sein.

Solange mir persönlich ein Bier schmeckt, ist es mir auch egal, ob es in der Garage oder im Großbetrieb gebraut wurde. Und Craftbeer hat bei mir weniger mit Ausstoß als mit Kreativität zu tun. Wenn eine Großbrauerei ein interessantes Spezialbier verkauft, dass so einzigartig ist, ist das für mich auch "Craft". Zumal mich die Preise der Kleinstbrauereien oft abschrecken.

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#3

Beitrag von Sura » Mittwoch 4. Juli 2018, 07:22

"Craft" als Bezeichung empfinde ich keinesfalls als Qualitätssiegel.
"Industriebiere" gibt es einige die schmecken. Und auch einige die das nicht tun.

Der Beißreflex begegnet mir aber ausschliesslich hier im Forum und bei Hobbybrauertreffen. Meistens von denen die grade die ersten drei Sude hinter sich habe, und glauben das sie nun besser brauen als erfahrene Braumeister. Diejenigen die sich schon länger "Hobbybrauer" schimpfen, die hören damit meistens irgendwann auf.
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#4

Beitrag von Boludo » Mittwoch 4. Juli 2018, 07:37

Ihr müsst mal mit meinem Schwager reden. Der macht das genau umgekehrt. Er behauptet steif und fest, dass man Bier nicht selber brauen kann und es nichte schmeckt, darum probiert er es erst gar nicht und ist total happy mit Industriebier.
Ich finde das Wort Industriebier mittlerweile genauso gaga wie den Begriff Craft Beer.
Und schon haben wir wieder eine neue Diskussion über Craft Beer, das löst so langsam die Zolldiskussionen ab. :popdrink

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#5

Beitrag von grüner Drache » Mittwoch 4. Juli 2018, 07:58

Hallo!

Ich denke auch, dass dieser "Beissreflex" irgendwann aufhört - in individueller Hinsicht, wie auch innerhalb der "Revolution".
Es ist halt eine Entwicklung, und ich finde, auch diese Beissreflexe haben ihre Berechtigung.
Wenn man mit dem Brauen anfängt, ist man infiziert von der Thematik Brauen und Bier und fasziniert von den ganzen Sachen, die es noch zu entdecken gibt.
Und dann wirken nunmal Leute, die Biere grosser Firmen als " Bestes Bier der Welt" bezeichnen ziemlich dämlich.
Irgendwann relativiert sich das aber wieder, was mir dabei geholfen hat, ist die Feststellung, dass die "Revolution" wahrgenommen wurde, und gerade auch die grossen Firmen versuchen mit eigenen Kreationen dieser Entwicklung gerecht zu werden.
Und auch die Leute die einst auf ihr "bestes Bier der Welt" geschworen haben probieren immer öfters mal was anderes.
Ich selber suche mittlerweile gar nich mehr so den krassen Geschmackskick, sondern vielmehr nach Kleinigkeiten, wie dem "perfekten Hellen" oder dem Unterschied zwischen StopfHopfenaromen und Whirrpoolgaben...
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#6

Beitrag von gaelen » Mittwoch 4. Juli 2018, 08:18

Was mich persönlich angeht, lege ich mich nicht fest, was für ein Bier ich trinke.
In der Regel habe ich einen Kasten "Industrie-Bier" im Keller "für jeden Tag" stehen; wenn ich was besonderes will, habe ich immer ein paar "Craft-Biere" im Keller. (oder es gibt wieder/noch Selbstgebrautes; dann greift keine der beiden zuvor genannten Varianten ;-) )

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#7

Beitrag von docpsycho » Mittwoch 4. Juli 2018, 09:27

Gude,

danke erstmal an Jan für den Beitrag, den unterschreibe ich so.

Für mich ist der Begriff "Craft-Bier/Beer" sowieso unsinnig weil es nicht definiert ist, nur leider findet sich darunter eben die Biervielfalt die ich suche. Für mich gibt es für jedes Bier den richtigen Ort und die richtige Zeit. Wenn ich bei solchem Wetter Sport mache dann leere ich mir danach halt gerne ein schlichtes Pils/Helles in den Kopf. Nach einem guten Essen aber, bevorzuge ich dann doch eher ein komplexes 70 Jahre im Eichenholzfass gereiftes Imperial-Light Stout-Wit mit Himbrombeeren.

Und jetzt bitte ich um eine gehörige Diskussion darüber was eigentlich "Craft-Bier/Beer" ist. :moredrama

Grüße, Felix

ps.:
Sura hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 07:22
Der Beißreflex begegnet mir aber ausschliesslich hier im Forum und bei Hobbybrauertreffen. Meistens von denen die grade die ersten drei Sude hinter sich habe, und glauben das sie nun besser brauen als erfahrene Braumeister. Diejenigen die sich schon länger "Hobbybrauer" schimpfen, die hören damit meistens irgendwann auf.
Ich glaube hier ist der Unterschied ob man vom "Craft-Bier/Beer" zum brauen gekommen ist oder vom brauen zum "Craft-Bier/Beer". Diese beiden Kathegorien stelle ich bei den Hobbybrauern immer mal wieder fest.
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#8

Beitrag von grüner Drache » Mittwoch 4. Juli 2018, 10:16

Hallo!

Naja, ich würde sagen, "craft-beer" ist eine Entwicklung.
Diese Entwicklung beinhaltet eine Besinnung auf Kreativität, Sortenvielfalt, Qualitätsorientierte Herstellungsprozesse, qualitätsorientierte Rohstoffauswahl, Individualsierung und Kundennähe.
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#9

Beitrag von Johnny H » Mittwoch 4. Juli 2018, 11:01

docpsycho hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 09:27
[...]
Ich glaube hier ist der Unterschied ob man vom "Craft-Bier/Beer" zum brauen gekommen ist oder vom brauen zum "Craft-Bier/Beer". Diese beiden Kategorien stelle ich bei den Hobbybrauern immer mal wieder fest.
Interessante Beobachtung! Diesen Unterschied gibt es vermutlich tatsächlich immer mal wieder!

Ich gehöre definitiv in die zweite Kategorie und habe den Begriff "Craft Beer" erst nach Beginn meiner Hobbybrauerlaufbahn kennengelernt. Das war allerdings vor über fünf Jahren, und damals war der Begriff auch noch nicht in aller Munde. Auf der anderen Seite kenne ich einige Leute, die über den Genuss eines "besonderen" Bieres (oft aus dem Bereich Craft Beer) zum Brauen gekommen sind ("sowas will ich auch machen können!").
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#10

Beitrag von Ladeberger » Mittwoch 4. Juli 2018, 11:42

grüner Drache hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 10:16
Naja, ich würde sagen, "craft-beer" ist eine Entwicklung.
Diese Entwicklung beinhaltet eine Besinnung auf Kreativität, Sortenvielfalt, Qualitätsorientierte Herstellungsprozesse, qualitätsorientierte Rohstoffauswahl, Individualsierung und Kundennähe.
Da tappst du aber wieder genau in die Falle hinein, eine Qualitätsorientierung als besonderes Merkmal von "Craftbier" hervorzuheben. Der heißeste Scheiß an amerikanischem Hopfenneuzüchtungen und vier Sorten Caramalz einer englischen Tennenmälzerei macht noch keine Qualität, das stellt zunächst nur eine gewisse Exklusivität her. Selbst der Begriff "Kreativität" erscheint mir in diesem Kontext längst überstrapaziert.

In der Realität bleibt "Qualität" gerade bei Kleinbrauern oft genug nur ein Lippenbekenntnis, da die organisatorischen Möglichkeiten fehlen, Qualitäten zu erkennen und in den Prozessen konsequent durchzusetzen.

Gruß
Andy

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#11

Beitrag von docpsycho » Mittwoch 4. Juli 2018, 11:55

Johnny H hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 11:01
docpsycho hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 09:27
[...]
Ich glaube hier ist der Unterschied ob man vom "Craft-Bier/Beer" zum brauen gekommen ist oder vom brauen zum "Craft-Bier/Beer". Diese beiden Kategorien stelle ich bei den Hobbybrauern immer mal wieder fest.
Interessante Beobachtung! Diesen Unterschied gibt es vermutlich tatsächlich immer mal wieder!

Ich gehöre definitiv in die zweite Kategorie und habe den Begriff "Craft Beer" erst nach Beginn meiner Hobbybrauerlaufbahn kennengelernt. Das war allerdings vor über fünf Jahren, und damals war der Begriff auch noch nicht in aller Munde. Auf der anderen Seite kenne ich einige Leute, die über den Genuss eines "besonderen" Bieres (oft aus dem Bereich Craft Beer) zum Brauen gekommen sind ("sowas will ich auch machen können!").
Als ich mit dem Brauen angefangen habe, habe ich deutsches untergäriges als einzig wahres Bier überhaupt angesehen, alles andere war Hipsterzeuch. Das höchste aller Gefühle war ein Weizen. Erst nach intensivem Befassen mit der Materie ist mir aufgefallen, dass mein Horizont doch recht niedrig war. Somit gehöre ich wohl auch zur zweiten Kathegorie.

Grüße, Felix
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#12

Beitrag von grüner Drache » Mittwoch 4. Juli 2018, 12:06

Ladeberger hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 11:42
grüner Drache hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 10:16
Naja, ich würde sagen, "craft-beer" ist eine Entwicklung.
Diese Entwicklung beinhaltet eine Besinnung auf Kreativität, Sortenvielfalt, Qualitätsorientierte Herstellungsprozesse, qualitätsorientierte Rohstoffauswahl, Individualsierung und Kundennähe.
Da tappst du aber wieder genau in die Falle hinein, eine Qualitätsorientierung als besonderes Merkmal von "Craftbier" hervorzuheben. Der heißeste Scheiß an amerikanischem Hopfenneuzüchtungen und vier Sorten Caramalz einer englischen Tennenmälzerei macht noch keine Qualität, das stellt zunächst nur eine gewisse Exklusivität her. Selbst der Begriff "Kreativität" erscheint mir in diesem Kontext längst überstrapaziert.

In der Realität bleibt "Qualität" gerade bei Kleinbrauern oft genug nur ein Lippenbekenntnis, da die organisatorischen Möglichkeiten fehlen, Qualitäten zu erkennen und in den Prozessen konsequent durchzusetzen.

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Hallo Andy!

Ja, wenn man sich nicht von dem Gedanken löst, "craft-Beer" als etwas sehen zu wollen, das man definieren kann, um damit wiederum das jeweilige Bier anhand entsprechender Qalitätsmerkmale bewerten zu können, wirst Du immer Recht haben.
Genau wie jemand, der mir im Winter bei 20 Grad minus im Rheinland sagt:

"von wegen Klimawandel - von wegen Erderwärmung"

Ich habe "craft-beer" als Entwicklung beschrieben.
Und eine Entwicklung ist nunmal im Gange, das kann man genausowenig weg diskutieren wie den Klimawandel :Wink

Ob das mit der Qualität nun gelingt oder nicht, ist genauso fraglich aber auch nicht zwingend, wie der nächste warme Winter.

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#13

Beitrag von Oberbräu » Mittwoch 4. Juli 2018, 12:11

Craft beer - bei mir persönlich steht die Frische im Vordergrund. Lageraromen sorry Lagerungsaromen sind nicht mein Ding. Bei dem, was aus Großbrauereien kommt, habe ich noch nichts frisches erlebt, das geht wohl auch logistisch nicht. Allerdings denke ich mir bei den Top-craftbieren aus fernen Ländern auch immer öfter "mein Gott, was muss das vor der Reise für ein geiles Bier gewesen sein".
Zur Ausgangsfrage "warum darf.." sage ich daher: darf es, tut's aber nicht.

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#14

Beitrag von afri » Mittwoch 4. Juli 2018, 12:32

Oberbräu hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 12:11
bei mir persönlich steht die Frische im Vordergrund. Lageraromen sorry Lagerungsaromen sind nicht mein Ding. Bei dem, was aus Großbrauereien kommt, habe ich noch nichts frisches erlebt,
Ich behaupte mal, dass Fernsehbier keine große Veränderung erfährt, wenn es ein Jahr oder länger dunkel und kühl stand. Bei einer Kiste Oe hatte ich das mal probiert und das schmeckte nach einigen Jahren noch immer (nicht). Wie es ganz frisch aus dem Gärtank schmeckt, wäre sicherlich bei vielen Bieren interessant, die aus der pösen Brauindustrie kommen.

Topic: Es darf und es kann. Von Craft ist hier keine Rede und es wäre auch sinnfrei, wenn davon die Rede wäre (weil niemand den Begriff verbindlich definiert hat). Es gibt zahlreiche Beispiele an Industriebier, die von vielen gelobt werden, auch hier im Forum.
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#15

Beitrag von Johnny H » Mittwoch 4. Juli 2018, 12:38

Oberbräu hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 12:11
Craft beer - bei mir persönlich steht die Frische im Vordergrund. Lageraromen sorry Lagerungsaromen sind nicht mein Ding. Bei dem, was aus Großbrauereien kommt, habe ich noch nichts frisches erlebt, das geht wohl auch logistisch nicht. Allerdings denke ich mir bei den Top-craftbieren aus fernen Ländern auch immer öfter "mein Gott, was muss das vor der Reise für ein geiles Bier gewesen sein".
[...]
... und genau das sehe ich als einen der großen Widersprüche der "globalen Craft Beer-Bewegung": frisch, naturbelassen und handwerklich soll es sein (möglichst nicht gefiltert und schon gar nicht pasteurisiert/stabilisiert), aber gleichzeitig global verfügbar, möglichst inklusive High-Tech-Kühlkette von der Brauerei im tiefsten australischen Outback bis in den deutschen Supermarkt.

Ich habe jetzt bewusst ein bisschen übertrieben, aber grundsätzlich geht das meines Erachtens alles nicht recht zusammen.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#16

Beitrag von Ladeberger » Mittwoch 4. Juli 2018, 13:10

grüner Drache hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 12:06
Hallo Andy!

Ja, wenn man sich nicht von dem Gedanken löst, "craft-Beer" als etwas sehen zu wollen, das man definieren kann, um damit wiederum das jeweilige Bier anhand entsprechender Qalitätsmerkmale bewerten zu können, wirst Du immer Recht haben.
Genau wie jemand, der mir im Winter bei 20 Grad minus im Rheinland sagt:

"von wegen Klimawandel - von wegen Erderwärmung"

Ich habe "craft-beer" als Entwicklung beschrieben.
Und eine Entwicklung ist nunmal im Gange, das kann man genausowenig weg diskutieren wie den Klimawandel :Wink

Ob das mit der Qualität nun gelingt oder nicht, ist genauso fraglich aber auch nicht zwingend, wie der nächste warme Winter.
Hallo Alex,

die Definition hast du doch unternommen, um - meinetwegen - eine Entwicklung zu beschreiben. Auch mit dem Klimawandel hast du nun auf etwas verwiesen, das hier überhaupt nicht zur Debatte stand. Ich zähle in deinem kurzen Beitrag ganze vier Sophismen und nichts zur Sache, schade.

Gruß
Andy

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#17

Beitrag von chaos-black » Mittwoch 4. Juli 2018, 13:15

Johnny H hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 12:38

... eine[r] der großen Widersprüche der "globalen Craft Beer-Bewegung": frisch, naturbelassen und handwerklich soll es sein (möglichst nicht gefiltert und schon gar nicht pasteurisiert/stabilisiert), aber gleichzeitig global verfügbar, möglichst inklusive High-Tech-Kühlkette von der Brauerei im tiefsten australischen Outback bis in den deutschen Supermarkt.
Da stimme ich dir zu, das ist ein großer Widerspruch. Es gibt aber auch innerhalb dieser "globalen Craft Beer-Bewegung" Menschen die gleichzeitig den Wunsch nach Lokalität hegen und für die Ökologie in diesem Zusammenhang wichtig ist. Ich bilde mir zumindest ein, dass es gar nicht so wenige sind (da ist mein Eindruck aber auch durch einige amerikanische Bier- und Metpodcasts geprägt). In dieser Denke, der ich mich durchaus auch anhänglich sehe, geht es u.a. aus Klimaschutzgründen nicht darum das gehypteste Bier zuhause zu haben. Es muss ja nicht Heady Topper sein - NEIPA kann man auch hier brauen. Und wenn die Brauereien das nicht gut machen, dann mach ich das halt selber und lern auch noch einiges bei den Versuchen. Mein moralisches Dilemma ist dabei dann eher, dass ich dazu Hopfen von der anderen Seite der Welt brauche. Aber immernoch besser den zu bewegen als etwas, das zu ~90% aus Wasser besteht.

Eventuell bilde ich mir dieses Lokalitätsbewusstsein auch zu einem gewissen Grad ein, aber die Stone Brauerei in Berlin sehe ich als ein Anzeichen, dass dies auch bei den großen der Craft-Szene relevant ist. Und wenn es nur gemacht wird um nicht so eine interkontinentale Kühlkette aufbauen zu müssen ist es trotzdem noch gut fürs Klima :P

Beste Grüße,
Alex
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#18

Beitrag von Sura » Mittwoch 4. Juli 2018, 13:26

Ich sehe Craft Bier nicht als Entwicklung. Höchstens insofern, das wir bei der Vielfalt in Deutschland halt ein Entwicklungsland sind. Ich war das letztemal vor 12 Jahren in England, und war zu dem Zeitpunkt total baff das ich in jeder Eckkneipe eine Auswahl an verschiedenen Bieren hatte, die auch noch verschieden schmeckten. Mir ist da zum erstenmal in den Sinn gekommen, ob Deutschland bei Bieren nicht total beschränkt sei.

Die gehypte "Craftbierwelle" in Deutschland läuft auf dem selben Level, als wenn ich in einem Entwicklungsland einen Aldi neben den Bauernmarkt hinstelle und das Nahrungsmittelrevolution nenne. Das ist erstmal anders, das ist manchmal auch besser, in einigen Bereichen schlechter, und die einen werden auf den Zug aufspringen, und andere lassen ihn durchfahren.
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#19

Beitrag von docpsycho » Mittwoch 4. Juli 2018, 13:33

Oberbräu hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 12:11
Craft beer - bei mir persönlich steht die Frische im Vordergrund. Lageraromen sorry Lagerungsaromen sind nicht mein Ding. Bei dem, was aus Großbrauereien kommt, habe ich noch nichts frisches erlebt, das geht wohl auch logistisch nicht. Allerdings denke ich mir bei den Top-craftbieren aus fernen Ländern auch immer öfter "mein Gott, was muss das vor der Reise für ein geiles Bier gewesen sein".
Zur Ausgangsfrage "warum darf.." sage ich daher: darf es, tut's aber nicht.
Was sind denn Lagerungsaromen?
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#20

Beitrag von flying » Mittwoch 4. Juli 2018, 13:42

Ich glaube gerade der „Econonomy of scale“ ist einer der wichtigsten Punkte, industriellem Massenbier oder meinetwegen auch Craftbier mit Skepsis zu begegnen. Mit der Qualität hat das nicht das Geringste zu tun.

Man kann durchaus sagen, je kleiner die Brauerei, je mehr Leute haben ein Einkommen pro Hektoliter Bier. Egal ob jetzt kleine Crafter mit Bars, Gasthausbrauer und co. Wenn der Staat mitmächte wäre noch viel mehr möglich. In Zeiten globaler Digitalisierung mit Wegfall von Millionen Arbeitsplätzen ist das entscheidender Punkt, den man durchaus auch mal undifferenziert und parteiisch befürworten kann.
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#21

Beitrag von Felix83 » Mittwoch 4. Juli 2018, 13:45

Ich glaub was er meint, ist halt dieser typische Industrie Pils Duft.
Weiss auch nicht, wie ich es beschreiben soll, aber am ehesten eben 0 Hopfenaromen in der Nase und dafür so ein Nebengeruch (leichter Sulfur?)

Ein Tannezäpfle hat z.B. schon wesentlich mehr Aroma in der Nase, wenn auch immernoch irgendwie makro-artig. Ein frisches Pils z.B. in Prag vom Hahn ist dann was völlig anderes und viel leckerer.

Viel Hopfenextrakt, keine Whirpoolhopfung, kein Stopfen, möglicherweise auch Filtration und Pasteurisierung. Das geht halt aufs Aroma. Das sind dennoch keine schlechten Biere, aber eben bisschen "ausdruckslos" und das ist ja auch gewollt, um eine maximal große Zielgruppe anzusprechen.
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#22

Beitrag von §11 » Mittwoch 4. Juli 2018, 13:54

flying hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 13:42
Ich glaube gerade der „Econonomy of scale“ ist einer der wichtigsten Punkte, industriellem Massenbier oder meinetwegen auch Craftbier mit Skepsis zu begegnen. Mit der Qualität hat das nicht das Geringste zu tun.

Man kann durchaus sagen, je kleiner die Brauerei, je mehr Leute haben ein Einkommen pro Hektoliter Bier. Egal ob jetzt kleine Crafter mit Bars, Gasthausbrauer und co. Wenn der Staat mitmächte wäre noch viel mehr möglich. In Zeiten globaler Digitalisierung mit Wegfall von Millionen Arbeitsplätzen ist das entscheidender Punkt, den man durchaus auch mal undifferenziert und parteiisch befürworten kann.
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Und genau das muss man auch so als Argument bringen und eben nicht versuchen auf die Qualitäts- und Geschmackebene auszuweichen.

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#23

Beitrag von §11 » Mittwoch 4. Juli 2018, 13:59

Ein Tannezäpfle hat z.B. schon wesentlich mehr Aroma in der Nase, wenn auch immernoch irgendwie makro-artig. Ein frisches Pils z.B. in Prag vom Hahn ist dann was völlig anderes und viel leckerer.
Aber das zeigt doch das Größe des Stalles eben nix über die Güte des Pferdes sagt, denn PU macht etwa 9,5 Mio hl und schmeckt in Pilsen direkt vom Hahn auch göttlich.

Gruß

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#24

Beitrag von Felix83 » Mittwoch 4. Juli 2018, 14:04

Naja, aber als Erzkapitalist muss ich sagen, dass eine Firma auf eigenen Beinen stehen muss, oder eben Pech gehabt hat.
Die Nachfrage künstlich pushen, in dem man sagt, "guck, davon können die Angestellten besser leben" ist bissl wie "die faire Milch", die einfach teurer ist, obwohl wir einen üblen Angebotsüberschuss haben. Das ist eine künstliche Verzerrung der Wirtschaft, ähnlich wie Subventionen (Deutsche Solarbranche...) und funktioniert nicht langfristig. Dann gibt es einen wirtschaftlichen Abschwung und die Leute schnallen den Gürtel enger, da ist ihnen das Argument der Arbeitsplätze völlig schnuppe.

Die Leute entscheiden am Ende, ob es ihnen schmeckt und es ihnen ein Mehrpreis wert ist.
Dazu kommt irgendwann eine Markentreue, wenn man gutes marketing betreibt.

Daher definiere ich Craft persönlich als "Besondere Aromen ggü. Makro Lager". Nicht mehr, nicht weniger.
Zuletzt geändert von Felix83 am Mittwoch 4. Juli 2018, 14:11, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#25

Beitrag von Felix83 » Mittwoch 4. Juli 2018, 14:05

§11 hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 13:59
Ein Tannezäpfle hat z.B. schon wesentlich mehr Aroma in der Nase, wenn auch immernoch irgendwie makro-artig. Ein frisches Pils z.B. in Prag vom Hahn ist dann was völlig anderes und viel leckerer.
Aber das zeigt doch das Größe des Stalles eben nix über die Güte des Pferdes sagt, denn PU macht etwa 9,5 Mio hl und schmeckt in Pilsen direkt vom Hahn auch göttlich.

Gruß

Jan
Absolut. An der Größe kann man es nicht festmachen. Eher am Rezept, Prozess und an der Frische.
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#26

Beitrag von docpsycho » Mittwoch 4. Juli 2018, 14:33

Gude,

also ich finde "frische" als Merkmal für gutes Bier eher schlecht gewählt. Sicher trifft das für einige Biere zu aber ich habe Biere daheim die sind 4 Jahre und älter. Die sind gewiss alles andere als frisch aber nicht minder köstlich im Gegenteil.

Grüße, Felix
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#27

Beitrag von Bierwisch » Mittwoch 4. Juli 2018, 15:15

Ich habe auch den Eindruck, daß wir hier dringend nach einem Ersatz für ausufernde RHG-Diskussionen suchen.

Sicherlich gibt es eine Phase im Hobbybrauerleben, wenn man denkt, daß man seine endgültige Berufung gefunden hat und von nun an nur noch selber Bier braut und nichts anderes an seinen Gaumen läßt etc.pp
Aber das ist nur eine Phase, da der Junghobbybrauer irgendwann begreift, daß das nur eine schöne Wunschvorstellung ist. Danach trinkt er auch wieder Kaufbier (nur aus Gläsern, später auch aus der Flasche).
Ich glaube nicht, daß es ernstzunehmende Zeitgenossen gibt, die dem Thread-Titel folgen würden. Es gibt eine Menge ganz ordentlicher Kaufbiere aus großen Brauereien.
ich trinke aber trotzdem lieber mein eigenes!


PS: nun definiere doch mal bitte jemand ein für alle Mal "Craft-Bier"
Danke!
Der Klügere kippt nach!

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#28

Beitrag von §11 » Mittwoch 4. Juli 2018, 15:20

Ich glaube nicht, daß es ernstzunehmende Zeitgenossen gibt, die dem Thread-Titel folgen würden. Es gibt eine Menge ganz ordentlicher Kaufbiere aus großen Brauereien.
ich trinke aber trotzdem lieber mein eigenes!
Du hattest aber das Fragezeichen gesehen, oder? :Smile

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#29

Beitrag von docpsycho » Mittwoch 4. Juli 2018, 15:55

Bierwisch hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 15:15

PS: nun definiere doch mal bitte jemand ein für alle Mal "Craft-Bier"
Danke!

Das machen wir dann vom Freitag, den 08.03., bis Sonntag, den 10.03.2019, auf Schloss Romrod.
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#30

Beitrag von gulp » Mittwoch 4. Juli 2018, 16:33

docpsycho hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 15:55
Bierwisch hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 15:15

PS: nun definiere doch mal bitte jemand ein für alle Mal "Craft-Bier"
Danke!

Das machen wir dann vom Freitag, den 08.03., bis Sonntag, den 10.03.2019, auf Schloss Romrod.
Bloß nicht,sonst muss ich noch mein Hotelzimmer stornieren. :Bigsmile

Gruß
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#31

Beitrag von haefner » Mittwoch 4. Juli 2018, 16:55

Interessantes Thema. Denke es kommt darauf an, was man unter großer Brauerei versteht. Auch ist das alles immer noch Geschmackssache. Auch geht die Schere beim Wort "schmecken" ein bisschen auseinander. Heißt das nun, es ist untrinkbar, oder nichts für einen Bierenthusiasten? Ich kann mir im Sommer auch mal ein paar Becks oder Hasseröder einschütten, aber ich müßte damit jetzt nicht nen schönen Sonntag Abend bei nem Police Academy Teil ausklingen lassen, wie ich es gerne mal mit nem Riegele Bier tue. Nicht weil es gar nicht schmeckt, sondern weil es einfach in keinster Weise etwas besonderes ist. Für mich. Bei "großen" Brauereien denke ich immer an eine kapitalistisch bedingte Verschlechterung der Qualität durch beschleunigte Prozesse. Ob das so ist, weiß ich nicht. Aber ich kanns mir vorstellen.

Gruß Micha

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#32

Beitrag von schlupf » Mittwoch 4. Juli 2018, 17:11

Wo ist eigentlich der Forumskollege, für den alles außer Zoigl Abwasser ist?

Zum Thema: Mir schmecken auch viele Biere aus kleinen Brauereien nicht. Und nur weil ein Bier was besonderes ist, muss ich es nicht mögen. Mit Röstaromen kann ich wenig anfangen, mag ich eben einfach nicht und wenn dann noch Eiche von irgendwelchen Fassreifungen dazu kommen, hört's für mich ganz auf. Das kann noch so exklusiv sein. Fassgereiftem Sauerbier kann ich hingegen schon sehr viel abgewinnen.

Mit den Großen ist es eher das Problem, dass die über Jahre einen glattgebügelten Einheitsgeschmack produziert haben, den man einfach über hat, auch wenn die Biere objektiv stilistisch und qualitativ makellos sind.

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#33

Beitrag von Bitter » Mittwoch 4. Juli 2018, 17:24

Hallo zusammen,

kommt natürlich auch darauf an, in welchem Land der Begriff "Craftbeer" benutzt wird! Laut der "Brewers Association" , sieht die Definition in den USA folgendermassen aus:
Craft Brewer Defined
An American craft brewer is small, independent and traditional.

Independent Craft Brewer Seal

Small

Annual production of 6 million barrels of beer or less (approximately 3 percent of U.S. annual sales). Beer production is attributed to a brewer according to the rules of alternating proprietorships.

Independent

Less than 25 percent of the craft brewery is owned or controlled (or equivalent economic interest) by a beverage alcohol industry member which is not itself a craft brewer.

Traditional

A brewer that has a majority of its total beverage alcohol volume in beers whose flavors derive from traditional or innovative brewing ingredients and their fermentation. Flavored Malt Beverages (FMBs) are not considered beers.
In Deutschland wäre nach dieser Definition "Krombacher Pils" ein Craftbier, was mit Sicherheit nicht der Fall ist!

Ich würde das mal mit dem Backen von Brot vergleichen:

Großbäckerei -> Industriebrot (Industriebier) // ab welchem Ausstoß ist eine Brauerei in Deutschland ein Industriebetrieb?
Bäckerei vor Ort -> handwerklich hergestelltes Brot (Craftbier) // bis zu welchem Ausstoß ist eine Brauerei in Deutschland eine Craftbier-Brauerei?
Backen zu Hause > Hobbybäckerbrot (Hobbybrauerbier) //sehr lecker meint der Hobbybäcker (-brauer)

Mir ist die Definition eigentlich wurscht! Habe schon sehr gute Biere aus allen drei Kategorien getrunken. Ich verschmähe natürlich auch kein Industriebier, oftmals wünsche ich mir selbst so tolle Biere hinzubekommen.

Gruß Lothar

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#34

Beitrag von §11 » Mittwoch 4. Juli 2018, 18:54

Großbäckerei -> Industriebrot (Industriebier) // ab welchem Ausstoß ist eine Brauerei in Deutschland ein Industriebetrieb?
Bäckerei vor Ort -> handwerklich hergestelltes Brot (Craftbier) // bis zu welchem Ausstoß ist eine Brauerei in Deutschland eine Craftbier-Brauerei?
Der Vergleich hinkt meiner Meinung nach.

Industriebäcker verwenden vorgefertigte Backmischungen verwenden (zumindest laut Etikett) eine Menge Hilfsstoffe und das Brot wird automatisch auf einer vollautomatischen Backstrasse gefertigt.

Der Industriebrauer und der Craftbrauer verwenden Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Die Anlagen unterscheiden sich nur in der Größe, der Automatisierungsgrad ist im 5hl Sudwerk heute sehr ähnlich wie im 1000hl Sudwerk. Das ist genau mein Problem das ich mit dem Begriff handwerklich gebraut habe.

Selbst wenn der Automatisierungsgrad anders wäre, würde ein Bier anders schmecken wenn ein Ventil noch mit Hand geöffnet wird oder wenn es eine Steuerung öffnet? Würde sich der Geschmack ändern wenn nicht ein Motor ein Rührwerk dreht sondern der Brauer mit denn Maischescheit rührt?

Gruß

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#35

Beitrag von Malzwein » Mittwoch 4. Juli 2018, 19:19

Reden wir über ein Handwerk? Das vielleicht aus Leidenschaft? Über Kunst? Oder doch über Geldverdienen?

Doch irgendwie über Alles gleichzeitig, nur das oft genug eines davon auf der Strecke bleibt.

In den meisten Szenen nehmen sich m. E. die Protagonisten einfach zu wichtig. Auch Bier ist Geschmackssache und über Geschmack lässt sich nicht streiten. Egal was ein "Sommelier", "Craftbeer-Guru" oder auch Hobbybrauer behaupten mag. Ich kann vielen Bieren etwas abgewinnen, egal wo sie herkommen. Und vielen auch nichts.

Die Krönung war für mich die Aussage eins Eigentümer und Brauers einer kleinen Brauerei: "Wenn das Bier zu klar wird, meckern meine Kunden, weil sie mir dann nicht glauben, dass es unfiltriert ist.".
Gruß Matthias

Jep, Bier wird´s immer... meist auch trinkbar und manchmal ist es richtig gut! :P

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#36

Beitrag von Wintermuffel » Mittwoch 4. Juli 2018, 21:01

Ich denke das Problem der großen ist, daß sie Bier für alle machen müssen. Ich meine das hat keine Kanten, keinen richtigen Charakter, wenn ich's so sagen darf. Das Bier schmeckt nicht wirklich schlecht, jeder kanns trinken, aber es fehlt etwas.
Das ist bei vielen kleinen anders, da schmeckt es eben nicht jedem. Rauchbier und Co beispielsweise.
8 von 10 sog. Craftbiere die ich probiert habe würde ich nicht mehr kaufen, erkenne aber das da jemand etwas eigenes produziert hat. Und nur weil es mir nicht schmeckt bedeutet nicht das es schlecht ist.

Gruß
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Gruß
Heiner

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#37

Beitrag von hyper472 » Mittwoch 4. Juli 2018, 21:37

Jan, inhaltlich schließe ich mich Dir gerne an - bis auf die Ausgangsfrage.
Bier von Großbrauereien darf schmecken. Gerade gestern habe ich beim Spalter das Bitburger gelobt.
Viele Grüße, Henning
"Das Bier aber macht das Fleisch des Menschen fett und gibt seinem Antlitz eine schöne Farbe durch die Kraft und den guten Saft des Getreides."
Hildegard von Bingen (1098-1179)

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#38

Beitrag von riegelbrau » Mittwoch 4. Juli 2018, 21:49

Schönes Thema und ebenso schöne Diskussion. Ich denke eine Antwort bzw. ein Statement, das alle unterschreiben, wird es nicht geben, weil es neben Geschmacksfragen auch noch weitere sehr subjektive Kriterien gibt, z.B. die genannten ethischen.

Ich bin übrigens eher zufällig zum Bierbrauen gekommen und erst dadurch für Biervielfalt, Geschmacksvielfalt und letztlich auch Craft Beer sensibilisiert worden.

Ich hatte schon mal die Idee, ohne sie allerdings umgesetzt zu haben, einen Thread "Mein(e) Lieblingskaufbier(e)" zu starten. Damit meine ich aber nicht nur Biere von Großkonzernen oder Braugruppen, sondern auch solche von kleineren Brauereien, die aber nicht aus der Craft-Beer-Welle entstanden sind. Meine Motivation wäre schon so etwas, wie die Rehabilitation von Kaufbieren, die auch uns aus dieser Community schmecken. Insofern passt es irgendwie zum Thema.

Meine Beispiele sind z.B. die schon genannten Tannenzäpfle und PU aus Pilsen, aber auch Held-Bräu Hell aus Oberailsfeld, Augustiner Lager und Ayinger Hell.

Gruß Christoph

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#39

Beitrag von Lapfanne » Mittwoch 4. Juli 2018, 21:50

Die Industrie befasst sich als Teil der Wirtschaft mit der gewerblichen Gewinnung, Bearbeitung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen oder Zwischenprodukten zu Sachgütern. sagt Wikipedia, somit wäre danach jeder der gewerblich Bier braut ein Industriebierverkäufer.

Wer die Welt gern schwarzweiss sieht der mag das genaus so sehen, dass nix von Brauereien schmeckt, die gewisse Hektolitergrenzen überschreiten.
Ich halte das für sehr dumm und kann nur sagen, dass auch bei großen Brauereien bestimmt nicht nur dumme Menschen arbeiten.

Da vermischt sich gerade so viel im Markt das die Trennung immer schwerer wird. Find das eher spannend zu sehen wie sich das Angebot verändert. Man spricht von crafted Bier, andere von Vielfalt (in Franken lachen sich wahrscheinlich alle kaputt, weil es eben ganz normal ist mehr als nur "Pils" im Angebot zu finden). Die Grenzen sind für mich da fließend: wenn die Bremer da IPA auf Etikett schreibt, wirkt das erstmal komisch. Umgekehrt kann ich dann fragen, aber welcher Grenze des Wachstums denn manche hochgelobte Craftbier Brauerei in einigen Jahren dann zu den "bad boys" gehört??

Mittlerweile hat der Craftbier Trend doch eines vollbracht: er setzt die "Großen" unter Druck mehr über Qualität (vor allem beim Hopfen) und den Rezepturen nachzudenken. Aber eins ist auch klar und das kann auch Jan mit seiner Vita bestimmt bestätigen:In den Systemen und Strukturen der ganz großen Konzerne lässt sich "klassisches" Craftbier schlecht abbilden. Kleine Sudmengen, Rüstzeiten, größere Anzahl an Rohstoffen, das alles fördert Komplexität und Kosten, die bei dem Druck im Markt kaum an die Kunden weitergegeben werden kann und sich auf die gesamten Kosten niederschlägt.

Ich bin dann eher überrascht wenn sich die "Großen" dann Konzepte überlegen, wie sie trotzdem davon partizipieren können. Als Beispiel werden Joint Venture mit kleinen Brauern gegründet oder man betreibt eben mit hippen Braumeistern eine Containerbrauerei wie jetzt am Berliner Holzmarkt (muss ich mir irgendwann in Berlin mal anschauen). Glaubwürdiger als Zuckerfarbe ins Pils zu kippen und irgendwas von Ale aufs Etikett zu drucken.

Und sein wir doch ehrlich Millionen von Menschen wollen Bier für weniger als 10 Euro die Kiste, rennen den Angebotspreisen hinterher und lassen sich natürlich "nie!!!" von Werbung beeinflussen. Und beim Bier ist die Qualität immer noch um Längen besser als bei so manchem Billigfleisch.

Ooops, jetzt hab ich beim Schreiben ne Lanze für die Industrie ("diediedasBierverkaufen") gebrochen. :Shocked

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#40

Beitrag von Tozzi » Mittwoch 4. Juli 2018, 22:04

Bei aller Liebe zur Vielfalt gehe ich am Ende des Tages doch immer wieder "back to the roots".
Augustiner, Schneider, Gutmanns.
Pilsner Urquell (ungefiltert im Na Parkanu in Pilsen) gehört auch zu den absoluten Highlights für mich.
Man raucht ja auch nicht jeden Tag eine gereifte Havanna von 2008 oder öffnet eine Flasche 1961er Château Pétrus.
Wäre abgesehen vom Preis viel zu anstrengend.

Aber die Abwechslung macht's und was bin ich froh, dass das hiesige Angebot endlich auch bei Kaufbieren wächst.
Als ich noch jung und knusprig war gab es hier in München außer den 5 etablierten Brauereien und ein paar "Orchideen" wie Unertl (danach musste man schon suchen) halt einfach nichts zu kaufen.
Da ist man dann schon mal nach Haag gefahren um sich das dort vor Ort zu besorgen.
Die Frage nach belgischen Bieren (Leffe, Grimbergen etc., nichts Besonderes) verursachte noch vor 10 Jahren ungläubiges Staunen seitens der Verkäufer.

Vielleicht erlebe ich ja auch hier noch "Amerikanische Verhältnisse". Die Hoffnung stirbt zuletzt...
Aber auch dann werde ich noch Gutmanns und Schneider kaufen, die werden ja hoffentlich überleben.
Viele Grüße aus München
Stephan

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#41

Beitrag von §11 » Mittwoch 4. Juli 2018, 22:13

hyper472 hat geschrieben:
Mittwoch 4. Juli 2018, 21:37
Jan, inhaltlich schließe ich mich Dir gerne an - bis auf die Ausgangsfrage.
Bier von Großbrauereien darf schmecken. Gerade gestern habe ich beim Spalter das Bitburger gelobt.
Viele Grüße, Henning
Deshalb ja als rhetorische und offene Frage :Wink

Ich mag so einige Biere von Großen
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#42

Beitrag von emjay2812 » Donnerstag 5. Juli 2018, 07:07

Interessant finde ich auch, dass immer auf die Industrie beschimpft wird, es aber drei Bierstile gibt, die kaum ein Hobbybrauer so gut wie die Großen nach brauen kann:

Pils
Helles
Weißbier

Bei Pils und Helles hat man meist keine Filtrationsmöglichkeiten, auch ist selbst gebrautes selten so reintönig im Geschmack. Bei Weißbier ist man immer auf der Suche nach DER Hefe und nimmt nicht selten eine aus einem Kaufbier.

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#43

Beitrag von gulp » Donnerstag 5. Juli 2018, 08:56

emjay2812 hat geschrieben:
Donnerstag 5. Juli 2018, 07:07
Interessant finde ich auch, dass immer auf die Industrie beschimpft wird, es aber drei Bierstile gibt, die kaum ein Hobbybrauer so gut wie die Großen nach brauen kann:

Pils
Helles
Weißbier

Bei Pils und Helles hat man meist keine Filtrationsmöglichkeiten, auch ist selbst gebrautes selten so reintönig im Geschmack. Bei Weißbier ist man immer auf der Suche nach DER Hefe und nimmt nicht selten eine aus einem Kaufbier.
Wer als Hobbybrauer beim Weißbier nicht mit den "Großen" mithalten kann, macht definitiv etwas falsch. :Greets

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#44

Beitrag von Johnny H » Donnerstag 5. Juli 2018, 09:51

gulp hat geschrieben:
Donnerstag 5. Juli 2018, 08:56
emjay2812 hat geschrieben:
Donnerstag 5. Juli 2018, 07:07
Interessant finde ich auch, dass immer auf die Industrie beschimpft wird, es aber drei Bierstile gibt, die kaum ein Hobbybrauer so gut wie die Großen nach brauen kann:

Pils
Helles
Weißbier

Bei Pils und Helles hat man meist keine Filtrationsmöglichkeiten, auch ist selbst gebrautes selten so reintönig im Geschmack. Bei Weißbier ist man immer auf der Suche nach DER Hefe und nimmt nicht selten eine aus einem Kaufbier.
Wer als Hobbybrauer beim Weißbier nicht mit den "Großen" mithalten kann, macht definitiv etwas falsch. :Greets

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Weizen finde ich persönlich auch einen schwierigen Bierstil: gerade die Sache mit Hefemanagement und -menge, Temperaturführung etc. finde ich alles andere als einfach. Die kursierenden Tipps und Meinungen dazu sind auch trotz guter Fachartikel (z.B. Andys im Braumagazin) immer mal wieder widersprüchlich (Bananenaroma!).

Ich habe es noch nicht so oft versucht, aber meine bisherigen drei Versuche hatten alle deutlich Spielraum nach oben:
a) Milchsauer (gut, das war auch einer meiner allerersten Sude, Flaschenbodensatz zu lange aufgehoben)
b) Zunächst ok, aber auch hier Starterprobleme und dann vermutlich Oxidationseffekte, Gutmann wollte nicht ankommen, dann mit Schneider-Hefe vergoren, irgendwann komische Bittere.
c) Zunächst Aroma-, dann nur noch Nelkenbombe mit übernommener 3068 in 3. Führung! Viel zu viel von allem und nach Abklingen der Bananenaromen irgendwann fast parfümartig und kaum noch trinkbar.

Selbst wenn ich die beiden groben Fehler bzw. Missgeschicke mit den Startern weglasse, finde ich Hefeweizen immer noch schwierig: einfach zu brauen ja, aber wirklich hervorragend zu meistern sehr schwierig. Da finde ich sogar untergärige Bierstile einfacher! Außerdem muss man alles möglichst schnell austrinken, das schaffe ich meist auch nicht.

Von daher: Hut ab vor guten Weizenbrauern! Ich muss da noch üben!
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#45

Beitrag von Dawnrazor » Donnerstag 5. Juli 2018, 13:45

Ich finde alle Biere haben ihre Existenzberechtigung
1. Saufbiere
2. Genussbiere
3. Selbstgemacht

Ich würde mich niemals mit 2. auf einer Party betrinken
In einem guten Restaurant möchte ich aber bei einen teuren guten Essen aber auch nicht das normal Bier trinken und greife da lieber zu Wein.

Selbstgemacht ist natürlich vom Lebensgefühl schon was ganz anderes und nicht zu vergleichen.

Wenn ich mit ein Bier aus der Kategorie 1./2. kaufe achte ich aber auch darauf kein Konzernbier (Radeberger...) zu kaufen.
Grüße aus Dortmund
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#46

Beitrag von Paule » Donnerstag 5. Juli 2018, 14:50

Dawnrazor hat geschrieben:
Donnerstag 5. Juli 2018, 13:45
...
Wenn ich mit ein Bier aus der Kategorie 1./2. kaufe achte ich aber auch darauf kein Konzernbier (Radeberger...) zu kaufen.
Warum?

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#47

Beitrag von flying » Donnerstag 5. Juli 2018, 16:55

Ich muss allerdings auch sagen, dass immer mehr Hobbybrauer sich an den Paradebieren der Großen wie z. B. Pils probieren und dabei wirklich excellente Arbeit leisten. Also klar, Pils wurde schon immer von Hobbyisten gebraut aber die Qualität bei diesen für technische Großanlagen optimierten Bieren mit der strikten Sauerstoffarmut und dem optimalen Hefemanagement wird m. E. heute besser dargestellt als früher. Da spielen auch viele Jahre Wissensvermittlung der Community eine Rolle.

Am letzten Wochenende beim Treffen wurde eindrucksvoll bewiesen wie deutsches Pilsner aus handwerklicher Kleinstherstellung schmecken kann. Klar, hell und reintönig. Es wird auf die Malzqualität geachtet. Es hat Frische und Biss. Da wird mit späten Hopfengaben u. a. Whirlpoolhopfung usw. experimentiert. Man schaut das man nur die besten und frischesten Edelhopfen einsetzt, nutzt auch sortentypische Neuzüchtungen. Die natürliche Reifung und Klärung bekommt ihre Zeit. Es muss nichts forciert werden. Möglicherweise sind gewisse Leitsubstanzen nach einer schnellen Druckreifung technologisch nicht mehr nachweisbar aber ich bin der Meinung man schmeckt es.

Hobbybrauer sind ja bekanntlich die Vorhut der Craftbrauer. Die Großen haben gewisse Standards etabliert die Mainstream geworden sind. Die Masse will halt das es so schmeckt weil man es nicht anders kennt. Die Zeiten wo Hobbybrauer da hinterherhechelten sind vorbei. Nicht mehr nur durch Selbsttäuschung weil man ja grundsätzlich das beste Bier der Welt braut, sondern tatsächlich. Natürlich gilt es noch die Spreu vom Weizen zu trennen aber die Jagd ist eröffnet..

Selbstverständlich werden solche Kleinchargen wegen des höheren Preise Nischenprodukte bleiben aber die Leute bekommen einen Einblick was geht. Da sollten man seine Schätze den Leuten auch nicht hintertragen und in kleine Flaschen gepresst, 5 Wochen im warmen Supermarktregal, für 2,99 aufdrängeln.
Die sollen sich ruhig strecken müssen für das gute Zeug in bester Qualität, direkt aus dem Tank oder Fass. Nur so wird ein Schuh draus.

m.f.g
René
Held im Schaumgelock

"Fermentation und Zivilisation sind untrennbar verbunden"
(John Ciardi)

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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#48

Beitrag von Bierjunge » Donnerstag 5. Juli 2018, 17:06

flying hat geschrieben:
Donnerstag 5. Juli 2018, 16:55
Hobbybrauer sind ja bekanntlich die Vorhut der Craftbrauer. Die Großen haben gewisse Standards etabliert die Mainstream geworden sind. Die Masse will halt das es so schmeckt weil man es nicht anders kennt. Die Zeiten wo Hobbybrauer da hinterherhechelten sind vorbei. Nicht mehr nur durch Selbsttäuschung weil man ja grundsätzlich das beste Bier der Welt braut, sondern tatsächlich. Natürlich gilt es noch die Spreu vom Weizen zu trennen aber die Jagd ist eröffnet..

Selbstverständlich werden solche Kleinchargen wegen des höheren Preise Nischenprodukte bleiben aber die Leute bekommen einen Einblick was geht. (...)
Die sollen sich ruhig strecken müssen für das gute Zeug in bester Qualität, direkt aus dem Tank oder Fass. Nur so wird ein Schuh draus.
:goodpost:
Sehr schön ausgedrückt!

Und gute Brauereien, die qualitativ hochstehende Biere brauen, erkennen auch, dass engagierte Hobbybrauer nicht etwa Konkurrenten sind, die für sich und ihre Kumpel weniger Kaufbier kaufen.
Sondern vielmehr die besten Multiplikatoren und Botschafter für Bierkultur, die man sich denken und wünschen kann: Die auch in ihrem Bekanntenkreis voll Überzeugung als Augenöffner fungieren, dass Bier viel mehr sein kann als ein billiger und plebejischer Durstlöscher und Rauschmacher. Und dass es lohnend sein kann, für eine Flasche guten Biers auch mal ein paar Euro mehr auszugeben.
Zumindest die Brauereien, die Hobbybrauertreffen, -seminare oder -wettbewerbe organisieren, haben das erkennt. :thumbup

Moritz

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Dawnrazor
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#49

Beitrag von Dawnrazor » Donnerstag 5. Juli 2018, 18:00

Paule hat geschrieben:
Donnerstag 5. Juli 2018, 14:50
Dawnrazor hat geschrieben:
Donnerstag 5. Juli 2018, 13:45
...
Wenn ich mit ein Bier aus der Kategorie 1./2. kaufe achte ich aber auch darauf kein Konzernbier (Radeberger...) zu kaufen.
Warum?
Weil ich lieber kleine Brauereien unterstützen möchte und ich die quasi Monopolisten nicht unterstützen möchte.

noch zum Thema:
https://www.youtube.com/watch?v=z4mhuxXHD2M&


und hier

https://www.youtube.com/watch?v=wADkEsiJ5qY
Grüße aus Dortmund
Jens

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nrtn
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Re: Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

#50

Beitrag von nrtn » Freitag 6. Juli 2018, 00:33

§11 hat geschrieben:
Dienstag 3. Juli 2018, 23:28
Mir fällt in letzter Zeit der impulsive Beißreflex so mancher „Craft- Bier- Jünger“ auf, sobald es um Bier größerer Brauereien geht.
Den merke ich ehrlich gesagt nicht. Wo ist denn diese mystische Forum der Craftbeerfanatisten? Facebook?

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