Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

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chaos-black
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Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#1

Beitrag von chaos-black » Dienstag 28. August 2018, 12:58

Hallo liebe Leute,
dies hier ist leider keine 1:1 Gegenüberstellung der beiden genannten Biere. Vielmehr möchte ich mit euch gemeinsam die Unterschiede im Weihenstephaner und Hofbräuschen Hellen diskutieren. Hintergrund ist für mich der, dass ich vor ein paar Monaten das erste Mal Weihenstephan Hell getrunken habe und es mir überhaupt nicht geschmeckt hat. Ich dachte, das vielleicht einfach der Bierstil nicht meiner wäre da dieses Bier immer als so ein hoch gelobter Vertreter genannt wird. Jetzt hab ich gestern das Hofbräu München Hell getrunken und es hat mir sehr gut gefallen.
Ich erinnere mich leider nicht mehr ganz genau an das Weihenstephan Hell weil es nun ein paar Monate her ist, aber wenn mich meine Erinnerung nicht trügt war es sehr mineralisch, schon fast metallisch. Dazu kam dann noch ein bisschen faule Eier, was ich in Bier auf den Tod nicht leiden kann. Ausschlaggebend war aber das mineralisch/metallische.

Also liebe Leute, woher kommen diese Unterschiede? Und wie vermeide ich die genannten unerwünschten Eindrücke wenn ich jetzt selbst mal, angeregt vom Hofbräu, ein Helles brauen möchte?

Beste Grüße,
Alex
Zuletzt geändert von chaos-black am Dienstag 28. August 2018, 18:04, insgesamt 1-mal geändert.
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§11
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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#2

Beitrag von §11 » Dienstag 28. August 2018, 13:36

Um es mal so auszudrücken, die meisten Freisinger Studenten trinken das Helle von der Moy, also dem Hofbräuhaus Freising und nur das Weißbier von der Weihenstephaner, außer sie werden durch Freibier dazu gezwungen das Weihenstephaner Helle zu trinken. Das hat wohl seine Gründe :Wink
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schlupf
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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#3

Beitrag von schlupf » Dienstag 18. September 2018, 10:09

§11 hat geschrieben:
Dienstag 28. August 2018, 13:36
Um es mal so auszudrücken, die meisten Freisinger Studenten trinken das Helle von der Moy, also dem Hofbräuhaus Freising und nur das Weißbier von der Weihenstephaner, außer sie werden durch Freibier dazu gezwungen das Weihenstephaner Helle zu trinken. Das hat wohl seine Gründe :Wink
Moin,

Ich bin ja gerade mit dem BJCP-Zeug beschäftigt.
Dabei ist mir aufgefallen, dass es einen Scoresheet von Gordon Strong zum Weihenstephaner Hellen (original) gibt, wo er dem Bier 46/50 Punkte gibt.

Woher kann dieser (scheinbare) Widerspruch kommen?
Ich kenne das Bier selber nicht, aber Jan ist doch von seiner Herkunft und Ausbildung Experte für den Stil.

Kennen sich die Amis überhaupt gut genug aus mit deutschen Stilen?
In welchem Zustand sind die Bierexporte eigentlich, wenn sie "drüben" im Regal stehen?

Viele Grüße,
Sebastian

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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#4

Beitrag von Butterbrot » Mittwoch 19. September 2018, 17:24

Bei Events der TU München gibt (gab?) es auch immer das Weihenstephaner Freibier. Und wenn selbst Studenten sogar bei Freibier nur zögerlich zugreifen, will das schon einiges heißen... wobei da sicherlich auch die eher schlechte Reputation schuld ist.
schlupf hat geschrieben:
Dienstag 18. September 2018, 10:09
Ich bin ja gerade mit dem BJCP-Zeug beschäftigt.
Dabei ist mir aufgefallen, dass es einen Scoresheet von Gordon Strong zum Weihenstephaner Hellen (original) gibt, wo er dem Bier 46/50 Punkte gibt.

Woher kann dieser (scheinbare) Widerspruch kommen?
Soweit ich das überschaue, gilt das Weihenstephaner Weißbier da drüben als die Referenz für bayerisches Weißbier (unter anderem Platz 1 auf ratebeer.com). Beim Hellen kann das gut ähnlich sein. Aus meiner Sicht gestaltet sich das so:

Weihenstephan ist im Export sehr stark, im Ausland sieht man ihre Biere fast häufiger als in heimischen Bierregalen. In der Folge etabliert sich dieses Bier dann als der dortige Standard, die Referenz für andere Weißbiere - und das ja auch gut legitimiert, "älteste Brauerei der Welt" und so weiter und so fort. Auf diese Weise definiert dann dieses einzelne Exemplar, wie ein Bier dieses Stils zu sein hat. Sowas wie die Schneider Weiße ist dann eben "kein richiges Weißbier", weil Weißbier ja eben genau so schmecken soll wie das von Weihenstephan. Dadurch wird der eigentlich charakteristische Geschmack des Bieres, dessen Bewertung unter anderem eine Frage subjektiver Vorliebe ist, zu einem Stilmerkmal erhoben. Damit trifft es dann natürlich trivialerweise perfekt den Stil - was genau das ist, was bei Wettbewerben und BJCP scoresheets bewertet wird.

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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#5

Beitrag von §11 » Mittwoch 19. September 2018, 17:31

Oopps, hab das erst jetzt gesehen.

Ich denke auch, das für die BJCP hält Verfügbarkeit ein großes Thema ist. Natürlich ist ein Schnitzlbaumer Helles 100 mal besser als ein Weihenstephaner, aber das bekomme ich halt in USA nicht. Man darf nicht vergessen das die BJCP erst langsam anfängt auch international interessant zu werden.

Schöne Grüße

Jan
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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#6

Beitrag von §11 » Mittwoch 19. September 2018, 17:33

Oder um es anders auszudrücken, unter den Blinden ist der einäugige halt immer noch König.
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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#7

Beitrag von ggansde » Mittwoch 19. September 2018, 17:44

§11 hat geschrieben:
Mittwoch 19. September 2018, 17:33
Oder um es anders auszudrücken, unter den Blinden ist der einäugige halt immer noch König.
Oder wie einer meiner Professoren in der Prüfung sagte: Sie sind ja der Flacon unter den Flaschen.
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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#8

Beitrag von §11 » Mittwoch 19. September 2018, 18:12

ggansde hat geschrieben:
Mittwoch 19. September 2018, 17:44
§11 hat geschrieben:
Mittwoch 19. September 2018, 17:33
Oder um es anders auszudrücken, unter den Blinden ist der einäugige halt immer noch König.
Oder wie einer meiner Professoren in der Prüfung sagte: Sie sind ja der Flacon unter den Flaschen.
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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#9

Beitrag von emjay2812 » Donnerstag 20. September 2018, 07:14

Ein bayrisches Helles ist vom Geschmacksprofil, freundlich ausgedrückt, sehr leicht.

Um die fehlenden Bittere durch den in homöopathischen Dosen eingesetzten Hopfen auszugleichen,
und das Bier trotzdem schmecken zu lassen, braucht es einen kräftigen Malzkörper.

Es ist zwar schon länger her, das ich Weihenstephaner getrunken habe, aber ich habe es als sehr seicht in Erinnerung. Also weder Hopfen noch Malz.
Hofbräu steht zum mal wieder probieren noch im Keller.

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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#10

Beitrag von Ladeberger » Donnerstag 20. September 2018, 07:51

Hallo emjay,

man kann auch andersherum argumentieren: Da Münchner Helles mit geringer Bitterkeit und wenig Hopfenaroma daherkommt, muss es zur perfekten Ausgewogenheit auch nur wenig Malzcharakter in die Waagschale werfen. Seinen eigenständigen Charakter bezieht das Helle für mich eben gerade aus dieser vornehmen Zurückhaltung aller Geschmackseindrücke, die dafür umso runder miteinander verwoben sind.

Wird ein helles Lagerbier malziger und gehaltvoller, bewegen wir uns m.E. in den Bereich der fränkischen Lagerbiere oder süddeutschen Exportbiere hinein.

Gruß
Andy

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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#11

Beitrag von gulp » Donnerstag 20. September 2018, 08:41

Wird ein helles Lagerbier malziger und gehaltvoller, bewegen wir uns m.E. in den Bereich der fränkischen Lagerbiere oder süddeutschen Exportbiere hinein.
Da muss ich leider Widersprechen. Für fränkische Lagerbiere gilt das nur bedingt. In der Regel sind sie hopfiger als süddeutsche Lagerbiere.

Gruß
Peter
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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#12

Beitrag von Ladeberger » Donnerstag 20. September 2018, 09:06

Da hast du natürlich Recht, aber vom Hopfen hatte ich auch nichts geschrieben. Was das Malz angeht denke ich schon, dass in fränkischen Lagerbieren im Vgl. zum Münchner Hellem im Durchschnitt eine etwas höhere Stammwürze und dunklere Schüttung für ein malzigeres Bier sorgt.

Gruß
Andy

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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#13

Beitrag von chaos-black » Donnerstag 27. September 2018, 10:18

Weiß denn jemand welche Hefe die bei Hofbräu verwenden? Würde mich mal interessieren und wäre auf jeden Fall mein Beginn um am Hellen zu tüfteln Leider bekomm ich hier in Göttingen nicht mal irgendwo eine Flasche von dem Zeug die ich ggf. strippen könnte (wenn es denn möglich wäre bei dem Bier, weiß ich ja nich).
Wie gesagt, ich hasse Schwefel im Bier, und das kommt ja sonst häufiger mal bei Hellen vor, aber beim Hofbräu nich.
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Re: Helles: Weihenstephan vs Hofbräu

#14

Beitrag von Simstex » Donnerstag 27. September 2018, 10:52

chaos-black hat geschrieben:
Donnerstag 27. September 2018, 10:18
die ich ggf. strippen könnte (wenn es denn möglich wäre bei dem Bier, weiß ich ja nich).
also strippen wirst du das nicht können, das Münchner Hofbräu Original ist wenn ich mich recht erinner stiltypisch filtriert.
Die Bildung von Schwefligen Aromen hängt bei UG-Bieren wohl auch mit dem Hefemanagement zusammen, wenn mich nicht alles täuscht. Solltest also selbst bei Hefen, die "eher kein Schwefel bilden" unbedingt aufpassen, dass du ausreichend vitale Hefe bei richtigen Temperaturen gibst. Auch lagert sich der Schwefel meiner Erfahrung nach ganz gut aus. Ich hab mal ein Bier mit WLP 838 vergoren, das hatte anfänglich einiges an Schwefel, der sich aber nach 10-12 Wochen Lagerung(bei 13°P) super "ausgelagert" hat. Welche Hefe das Hofbräu verwendet weiß ich nicht. Weniger schwefelig als WLP 838 fand ich wlp 833, 34/70 und S189 wobei letztere mir für ne Lagerhefe zu viele Ester bildet.

Grüße,

Viktor
Unser Blog übers Biertrinken, Brauen und Genießen: bierspindel.net

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