Bier-Wein-Hybride

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berlindave
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Bier-Wein-Hybride

#1

Beitrag von berlindave » Freitag 31. August 2018, 01:26

Wie bereits in einem anderen Thread angesprochen faszinieren mich augenblicklich sehr stark Bier-Wein-Hybride. Mich würden dazu Eure Erfahrungen interessieren:
  1. Welche Biere in dieser Richtung habt Ihr bereits verkostet?
  2. Woher habt Ihr diese jeweils bezogen?
Mich interessieren dabei folgende Kategorien:
  1. "Blends": Also der "Verschnitt" (aka "Cuvée") eines Biers nach der Hauptgärung mit einem fertig ausgegorenen Wein, eventuell in der Nachgärung noch mit einer anderen Hefe versetzt.
  2. Ein Bier, bei dem entweder während oder nach der Hauptgärung Weintrauben zur Vergärung zugesetzt wurden. Dabei ist der "Vorbehandlung" der Trauben (z. B. Trockung von Tokayer-Trauben) keine Grenzen gesetzt.
Daran Anschließend die Frage, inwieweit sich diese Kategorien erweitern ließen, bzw. welche bereits vorhandenen Systematika in Form von Büchern, Blogartikeln usw. Ihr bereits kennt bzw. empfehlen könnt.

In diesem Sinne: Ring frei für Beiträge zu diesem Thema – ich bin gespannt!

Beste Grüße

Dave

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Alt-Phex
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Re: Bier-Wein-Hybride

#2

Beitrag von Alt-Phex » Freitag 31. August 2018, 02:02

Na dann bin ich mal wieder der Spielverderber. Bier ist Bier und Wein ist Wein, das hat auch seine Gründe.

Bierhefen vergären Fruchtzucker zu 100%, ausser Alkohol und Säure bleibt da nicht viel übrig. Daher macht es wenig Sinn Früchte ins Bier zu kippen.

Wein- oder Ciderhefen lassen deutlich mehr "Restextrakt" übrig und können Fruchtsäuren in Milchsäuren umwandeln. Es wird halt süßer und weniger sauer troz hohem Vergärungsgrad. Hier spreche ich grade von Fruchtwein, nicht von Bier. Was diese Hefen mit einer Berwürze anstellen weiß ich nicht, wäre aber mal ein Experiment wert.

Als Hobbybrauer wird man seine Hefe ja nicht los, was das eigentliche Problem dabei ist. Wenn man also einen Fruchtwein und Bier verschneiden will, dann kann durchaus sein das die beiden Hefen in dem anderen Produkt noch etwas vergärbares vorfinden.

Warum man nicht einfach einen Wein ansetzt und ein Bier braut, das ganze dann beim trinken vermischt ist eine andere Frage.
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

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Re: Bier-Wein-Hybride

#3

Beitrag von berlindave » Freitag 31. August 2018, 02:48

Alt-Phex hat geschrieben:
Freitag 31. August 2018, 02:02
Na dann bin ich mal wieder der Spielverderber.
Klar, es gibt Dinge auf dieser Welt, deren Erwartungshorizont wird sich nicht mehr ändern … :Angel

Leider sind Deine Beweggründe allzuoft auf eher festgefahrene Glaubenssätzen und Ideologien zurückzuführen, als auf Nachdenken in neue Richtungen, geschweige denn auf erlebte Experimente in in neuen Richtungen.

Dazu nur ein Beispiel:
Alt-Phex hat geschrieben:
Freitag 31. August 2018, 02:02
Warum man nicht einfach einen Wein ansetzt und ein Bier braut, das ganze dann beim trinken vermischt ist eine andere Frage.
Darauf eine sehr einfache Antwort, die von einem erfahrenen Brauer auch sehr leicht durch Nachdenken selbst beantwortbar gewesen wäre: Der Hauptunterschied zu meiner unter A. beschriebenen Variante ist vor allem der, dass durch eine gemeinsame Nachgärung noch ein mal CO2 entsteht. Das nachträgliche Vermischen, "beim Trinken" (ich nehme an, Du meintest eigentlich kurz vor dem Trinken) hat den Nachteil, dass für die Herstellung einer relativ homogenen Mischung das Verrühren beider Flüssigkeiten oder eine andere, technisch relativ aufwändige Variante (die für "kurz vor dem Trinken" für den Normalkonsumenten allerdings schlicht ausscheidet) unabdingbar wäre, bei welchem aber dem Bier auch noch CO2 entzogen würden. Letzteres beantwortet Deine Frage eigentlich von selbst.

Etliche Deiner sonstigen Ausführungen zu den Unterschieden von Bierhefen zu Weinhefen sind sehr fundiert, keine Frage. Allerdings habe ich das Thema bewusst im Forum "Kaufbierverkostungen" eingestellt, weil mir es nicht um Überlegungen zur eigenen Herstellung, sondern um Erfahrungen mit bereits vorhandenen Produkten auf dem für alle zugänglichen Markt ging.

Die Frage "warum tut man so etwas?" interessiert mich insofern hier ebensowenig wie die Frage "wie kann man so etwas selbst herstellen?". Hier sollte es um Erfahrungsberichte in Bezug auf Produkte kommerzieller Brauereien und deren Einordnung in eine Systematik gehen.

Deshalb die Frage an Dich, @Alt-Phex: Hast Du derartiges bereits verkostet?

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Re: Bier-Wein-Hybride

#4

Beitrag von Alt-Phex » Freitag 31. August 2018, 03:18

Ja, hier war ich völlig OFF-Topic, merke ich jetzt auch. :Bigsmile

Aber das macht ja nix, wenn jemand nach Wein/Bier Hybriden sucht sind meine Infos vlt. nicht ganz so schlecht. :redhead
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Re: Bier-Wein-Hybride

#5

Beitrag von bobeye » Freitag 31. August 2018, 10:29

Es gab vom Brauwerk in Wien eine Special Edition das extra für ein Festival im Südburgenland gebraut würde, der Hintergrund dass es dort Uhudler Trauben gibt, eine spezielle Direktträger-Traube, die ein sehr einzigartiges Geschmacksprofil besitzt.
Ich durfte diese Woche kurz mit dem Brauer plaudern und der hat mir erzählt, dass sie das Bier (Pale Ale) zur Aufspundung mit Traubensaft dieser Sorte gemacht hat.
Zum Geschmack muss ich sagen dass dieses Bier hervorragend war, und man auch den Uhudler richtig gut Herausschnecken könnte. Der Traubensaft bringt schon auch eine gewisse Eigennote dazu, aber diese Sorte ist wirklich sehr intensiv im Aroma, ich weiß nicht ob man das auch mit jeder beliebigen Sorte machen könnte. Es war mehr ein Bier mit einem gewissen Etwas.

Dann hatte er mir auch noch von einem ihrer Spezialbiere von den letzten zwei Jahren gesprochen, wo sie die Trauben in die Hauptgärung gegeben hatten, und auch mit einer Mischung aus Wein- und Bierhefe vergoren würde.
Aber leider konnte ich dieses Bier nicht verkosten weil ich erst zu spät gesehen habe dass sie diese Edition gebraut hatten. Kann dir dazu also leider keine Beschreibung geben.

Was das Mischen von Bier und Wein betrifft glaube ich nicht dass du das Getränk so stark durchmischen musst dass sich zu viel CO2 entbindet. Sollte es dir zu wenig sein kannst du ja immer noch selbst zur Tat greifen und ein stärker karbonisiertes Bier brauen ;-)

edit: Kurzer Nachtrag: Hier das Brauwerk Klosterneubier, doppelt vergoren http://www.brauwerk.wien/klosterneubier-2-0/
und das Uhudler Bier nannte sich Pinkagold, aber das gibts leider nur auf dem Festival hier: http://www.pictureon.at/infos/kulinarik

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Re: Bier-Wein-Hybride

#6

Beitrag von Humulus » Freitag 31. August 2018, 11:07

Ich kenne nur den Wein-Bier-Mix der Lahnsteiner Brauerei. Nennt sich "Fohr" nach dem Inhaber/Braumeister/Biersommelier Markus Fohr.

Das Fohr selber habe ich leider noch nicht probieren können. Grundsätzlich macht die Brauerei aber hervorragende Biere! Auch Spezialitäten auf Eichenholzchips und son Zeug.

Gruß,
Matthias

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Re: Bier-Wein-Hybride

#7

Beitrag von Boludo » Freitag 31. August 2018, 13:20

Ich hatte mal so einen Hybrid von Unibroue aus Kanada, weiß grad nur nicht mehr, wie der hieß.
Es war jedenfalls ein sehr helles Bier mit Traubensaft vergoren und maximal 5 IBU, dafür ordentlich mit Nelson Sauvin gestopft. Ich fand das super.
Ich würde da mit den IBU auch aufpassen.

Stefan

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Re: Bier-Wein-Hybride

#8

Beitrag von Majestix » Freitag 31. August 2018, 16:33

Hallo,
in Freiburg hat die Alte Wache und die Brauerei Ganter gemeinsam das "Wier" entwickelt. Leider war der erste Jahrgang gleich vergriffen. Ich konnte es deshalb noch nicht probieren. Es wird als Aperetiv ausgebaut mit 12 vol%. Einfach mal danach googeln.
Grüsse
Carsten

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Re: Bier-Wein-Hybride

#9

Beitrag von flying » Freitag 31. August 2018, 19:02

Die Frage nach den verkosteten Mischungen ist einfach. So sind 1 : 1 Mischungen von Hellem und Sekt einfach so saulecker, dass sie sich schon weiland unsere Daddys und Opis als "Herrengedeck" reingepfiffen haben.

Die Frage nach dem Mischmasch aus Würze und Most, den man dann vergärt ist schwieriger. Es ist halt so, dass es gute Bierhefen und gute Weinhefen gibt. Eine Hefe die beides zusammen wohlschmeckend vergärt ist vermutlich nicht so leicht zu finden. Ich tendiere da eher zu Wein- oder Sekthefen, weil der Traubenmostanteil geschmacklich dominant ist.
Held im Schaumgelock

"Fermentation und Zivilisation sind untrennbar verbunden"
(John Ciardi)

Rainerc
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Re: Bier-Wein-Hybride

#10

Beitrag von Rainerc » Freitag 31. August 2018, 19:59

Moin,
mein Experiment aus dem letzten Jahr:
Pilsener Malz: 61% Hopfen (Dolden) 28IBU:
Weizenmalz: 18% Perle 90min
Münchner Malz: 18% Saphir: 10min
Caraaroma: 3%
Einmaischen 60°C, 1h Kombirast 66°C, Abmaischen 78°C.
2kg Dornfelder aus eigener Ernte (gebrüht und gematscht) mit abgekühlter Würze auf 9 Liter verdünnt -> 14Brx. Angestellt wurde mit S04 und bei ca. 16°C im Keller vergoren.
Nach der Hauptgärung gefiltert.
Selbst Skeptiker waren überrascht.
Farbe: tiefrot, rötlicher Schaum
Geschmack: malzig, fruchtig, mit leichter Bittere, die typischen Rotweinaromen entwickeln sich langsam, im Abgang dann Tannin.
Gruß
Rainer

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Re: Bier-Wein-Hybride

#11

Beitrag von LupusLupulus » Freitag 31. August 2018, 20:07

Hi

Ich habe im Frühjahr beim Craftbeerfestival in Stuttgart an einem Bier-Wein-Hybrid Tasting teilgenommen.

Da waren dabei:
  • Riesling People von Mikkeler
  • Fabienne No. 1 von Dossenheimer Padres Bräu
  • brau.nett von KuehnKunzRosen und Kai Schätzel
  • Das oben bereits erwähnte Wier von Badischem Winzerkeller und Ganter
Leider hab ich mir keine Notizen gemacht bezüglich der jeweiligen Vorgehensweise.
Die Hybride wurden in aufsteigender Reihenfolge des Wein-/Traubensaftanteils verkostet. Gestartet mit dem Mikkeler und am Ende das Wier. Bis auf das Wier war alles sehr interessant und lecker. Der Wein bringt jeweils eine schöne Säure rein. Das Beste fand ich die Fabienne.
Das Wier hat glaube ich 80% Weinanteil, Gewürztraminer oder Muskateller meine ich, und ist ziemlich süß augebaut. Das Bier geht darin völlig unter. Und süßer Wein ist nicht so meins.
www.kesselbrauer.de - der Stuttgarter Hobbybrauerverein

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