Haltbarkeit ohne Wärmebahndlung

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Walter White
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Haltbarkeit ohne Wärmebahndlung

#1

Beitrag von Walter White » Sonntag 2. Juni 2019, 20:59

Hallo Leute,

ich sitze gerade auf dem Balkon an diesem schönen Sommertag (sicher überall heute so in Deutschland) und denke mir: Ein Bier geht noch. Gehe zum Kühlschrank und hole mir ein Scheidet Weisse Tap 5, das ich irgendwann mal aus dem Supermarktregal mitgenommen habe. Ich setzte an zum ersten Schluck und denke: "Pfui!". Ok, ich kenne mich jetzt nicht aus mit Weizendoppelbock, bin auch keine eloquenter Sensoriker, aber das schmeckt einfach dumpf und komisch, ist auch etwas ausgeflockt - das Ding soll so nicht sein.
Das ist ja grundsätzlich auch nicht schlimm. Kann ja alles mal passieren, auch in einer großen Brauerei passieren mal Fehler usw... Der Grund meines Posts ist folgender: Ich schau auf das Etikett und Entdecke 2 Dinge:
1) Abgefüllt im Oktober 2018 und MHD Oktober 2019
2) weiter steht da "weder filtriert noch wärmebehandelt"

Unfiltriert ist ja bei nem Weizenbier irgendwie nicht überraschend, aber nicht "wärmebehandelt": Das heißt für mich das weder Pasteurisieren noch Kurzzeiterhitzung durchgeführt wurde. Wie kann man ohne das ein MHD von 1 Jahr garantieren? Übersehe ich da was?

Und bevor es jemand schreibt: Ja klar, unser Heimgebrautes kann man teilweise auch sehr lange trinken, aber es ist dann doch bei 3 Grad Dunkel im Lagerkühlschrank: Das ist doch was anderes als wenn man in im industrielle Maßstab über den Einzelhandel eine gewisse Qualität garantieren will.

Einen schönen Sonntag euch,

Stefan

P.S.: Ich hab das Ding trotzdem platt gemacht. Bier wegkippen bringe ich nicht übers Herz und mach das auch nur im äußersten Notfall.

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afri
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Re: Haltbarkeit ohne Wärmebahndlung

#2

Beitrag von afri » Sonntag 2. Juni 2019, 21:47

Walter White hat geschrieben:
Sonntag 2. Juni 2019, 20:59
Wie kann man ohne das ein MHD von 1 Jahr garantieren? Übersehe ich da was?
Fertiges Bier kann ziemlich gut auf sich selbst aufpassen, besonders wenn noch lebende Hefe drin ist. Ich hatte noch keinen Jährling, der schlechter war als frisch, aber durchaus mehrere Zweijährlinge, die nicht mehr besonders gut waren. Und ich filtriere nicht, noch ultrahocherhitze ich mein Bier.
Achim
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Re: Haltbarkeit ohne Wärmebahndlung

#3

Beitrag von Sebasstian » Sonntag 2. Juni 2019, 22:04

Hallo Stefan,
hast du vorher schonmal ein Tap 5 getrunken das anders geschmeckt hat? Die "Hopfenweisse" ist als kräftig hopfengestopftes Weissbier, sagen wir mal, schon was recht Ausgefallenes. Ich finde das schon sehr seltsam im Geschmack, auch dann wenn es definitiv frisch ist. Vielleicht hattest du gar kein Schlechtes.
Aber zu deiner Frage: Ich sehe kein Problem in einer Haltbarkeit von einem Jahr. Und warum lässt du den Vergleich zum Heimbräu nicht gelten? Nicht jeder lagert sein Bier bei 3 Grad im Dunkeln.

VG,
Sebastian
Grüße,
Sebastian

Walter White
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Re: Haltbarkeit ohne Wärmebahndlung

#4

Beitrag von Walter White » Sonntag 2. Juni 2019, 22:13

Hallo Achim,

genau, da, das finde ich auch nicht so überraschend. Ich braue ja noch nicht so lange, dass ich eine längere Testreihe von "Einjährigen" hätte, aber ich bin mir sicher, du hast die bestimmt immer schön im Kühlschrank aufbewahrt. Aber beim Kaufland stand das hat eher lange rum bei 20 Grad und mit Licht und so... was ich mit dem Post fragen will: Wen man diese Umstände hat (hat ja jedes Kaufbier), kann man das ohne Wärmebehandlung gewährleisten, oder gibt es da noch andere Tricks gibt die angewendet werden (außer biologisch sauber arbeiten). ich weiß, das ist keine klassische Heimbrauerfrage, sondern eher eine wie in den größeren Brauereien vorgegangen wird, deswegen, hab ich es ja auch in der "Kaufbier"-Sektion gepostet. Ist wahrscheinlich auch deplatziert, ich kann das auch woanders Hinpacken wenn gewünscht

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Re: Haltbarkeit ohne Wärmebahndlung

#5

Beitrag von Eowyn » Sonntag 2. Juni 2019, 22:26

Walter White hat geschrieben:
Sonntag 2. Juni 2019, 22:13
Hallo Achim,

genau, da, das finde ich auch nicht so überraschend. Ich braue ja noch nicht so lange, dass ich eine längere Testreihe von "Einjährigen" hätte, aber ich bin mir sicher, du hast die bestimmt immer schön im Kühlschrank aufbewahrt. Aber beim Kaufland stand das hat eher lange rum bei 20 Grad und mit Licht und so... was ich mit dem Post fragen will: Wen man diese Umstände hat (hat ja jedes Kaufbier), kann man das ohne Wärmebehandlung gewährleisten, oder gibt es da noch andere Tricks gibt die angewendet werden (außer biologisch sauber arbeiten). ich weiß, das ist keine klassische Heimbrauerfrage, sondern eher eine wie in den größeren Brauereien vorgegangen wird, deswegen, hab ich es ja auch in der "Kaufbier"-Sektion gepostet. Ist wahrscheinlich auch deplatziert, ich kann das auch woanders Hinpacken wenn gewünscht

Ich hab diverse Flaschen Wit gefunden, die bei Zimmertemperatur über ein Jahr im Schrank vergessen wurden. Die waren alle noch trinkbar. Nicht mehr so gut wie frisch aber auf keinen Fall schlecht.
Women have been brewing beer since the days of ancient Egypt, and it was only after the Black Plague that it fell into the hands of men

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Re: Haltbarkeit ohne Wärmebahndlung

#6

Beitrag von Walter White » Sonntag 2. Juni 2019, 22:33

Hallo Sebastian,

danke für deine Antwort! Genau das habe ich ja als erstes auch gedacht. Das war wirklich mein erstes Tap 5. Ich hab direkt nach dem öffnen gerochen und gedacht "Oh man, kaltgehopft...". Aber das ist nicht das Problem, ich glaube wirklich das es schlecht war. Ich hab noch folgendes in Petto: Im Lagerkühlschrank liegt noch ein Aventinus (Tap 6?) - denke könnte ich jetzt "aufwärmen" und direkt Gegentesten (hab nur zwischendurch mein eigenes Pils gegengespült) und wir den Hopfen wegdenken. Aber das war nicht der Hopfen, ich glaube es ar wirklich schlecht. Meine Alternatvidee ist einfach in einem anderen Laden was anderes kaufen und das nochmal zu trinken. Aber ja, ich denke ich könnte auch einfach was schlechtes in die Hände bekommen zu haben.

Und zu dem Vergleich zum Heimbrauer: Ja klar, das macht nicht jeder. Aber nicht jeder merkt (wie Achim) nach einem Jahr keinen Unterschied. Aber es geht ja um Industrieunternehmen, die mit dem MHD ne Wette eingehen. Wenn zu zu viele Ausfälle gibt, dann ist es ein Problem.

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Re: Haltbarkeit ohne Wärmebahndlung

#7

Beitrag von Boludo » Sonntag 2. Juni 2019, 22:51

Ich bin mir ziemlich sicher, dass dein Tap 5 ok war. Das ist nun halt mal ein ziemlich abgefahrenes Bier, welches stark polarisiert. Welches Hefeweizen hat schon 40 IBU und wird mit 8g pro Liter gestopft? Das mit den Flocken kommt immer wieder mal vor, keine Ahnung warum.
Schneider macht absichtlich keine Kurzzeiterhitzung weil sie der Meinung sind, dass sich das negativ auf den Geschmack auswirkt. Und interessterweise sind alle guten Hefeweizen nicht erhitzt. Zb Gutmann, Meisels, Augustiner usw. Ein gruseliges Franziskaner dagegen schon.
Aventinus wird übrigens erst so richtig gut, wenn er offiziell abgelaufen ist. Das ist aber ein ganz anderer Fall wie die Hopfenweisse, die baut eher ab.

Stefan

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Re: Haltbarkeit ohne Wärmebahndlung

#8

Beitrag von Walter White » Sonntag 2. Juni 2019, 23:04

Boludo hat geschrieben:
Sonntag 2. Juni 2019, 22:51
Ich bin mir ziemlich sicher, dass dein Tap 5 ok war. Das ist nun halt mal ein ziemlich abgefahrenes Bier, welches stark polarisiert. Welches Hefeweizen hat schon 40 IBU und wird mit 8g pro Liter gestopft? Das mit den Flocken kommt immer wieder mal vor, keine Ahnung warum.
Schneider macht absichtlich keine Kurzzeiterhitzung weil sie der Meinung sind, dass sich das negativ auf den Geschmack auswirkt. Und interessterweise sind alle guten Hefeweizen nicht erhitzt. Zb Gutmann, Meisels, Augustiner usw. Ein gruseliges Franziskaner dagegen schon.
Aventinus wird übrigens erst so richtig gut, wenn er offiziell abgelaufen ist. Das ist aber ein ganz anderer Fall wie die Hopfenweisse, die baut eher ab.

Stefan
Danke Boludo für diese ausgewogene Antwort. Ich werde den Aventinus jetzt mal da lassen wo er ist und mal schauen ob ich das original nochmal bekomme. Ich werde auch nochmal andere Weizendoppelböcke aufsuchen. Glaube immer noch, dass es die Hopfnung alleine nicht war.

Morgen lese ich mal das Kapitel im Kunze durch - mich interessiert das verfahrenstechnisch schon.

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Re: Haltbarkeit ohne Wärmebahndlung

#9

Beitrag von Alt-Phex » Sonntag 2. Juni 2019, 23:50

Bei Starkbieren sorgt alleine schon der höhere Alkoholgehalt für eine längere Haltbarkeit.

Man kann natürlich nie ausschliessen auch mal eine verkorkste Flasche zu erwischen. Hatte ich mal bei Weltenburger Barock. Das Bier schmeckte als wäre es mit kiloweise Parmesan gestopft worden. Es war nur die eine Flasche vom Kasten betroffen und das MHD lag noch in weiter Ferne.
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Re: Haltbarkeit ohne Wärmebahndlung

#10

Beitrag von Boludo » Montag 3. Juni 2019, 09:02

Die Hopfenweisse ist alles andere als ein typischer Weizendoppelbock. Sie ist ein Hybrid aus einem amerikanischen IPA und einem deutschen Weizendoppelbock. Sie war ursprünglich ein Gemeinschaftssud von Schneider mit der Brooklyn Brewery. Die amerikanische Version hatte Amarillo statt Saphir als Hopfen.
Zur Entstehungsgeschichte gibt es einen schönen Film, ich glaube sogar auf der Schneider Homepage. Garrett Oliver und Hans Peter Drexler haben das zusammen ausgetüftelt.

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Re: Haltbarkeit ohne Wärmebahndlung

#11

Beitrag von Biermensch » Mittwoch 5. Juni 2019, 14:17

Ich selber habe schon die Erfahrung gemacht, quasi immer wenn ich dem Bier wieder mal ne Chance geben will. Staubiger, dicker Bodensatz, rumschwimmende Bröckchen, unappetitliche graubraune Färbung, da kann einem schon der Appetit vergehen. Ich mag das Bier nicht.
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