Anstelltemperatur HG

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Patrick8928
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Anstelltemperatur HG

#1

Beitrag von Patrick8928 » Freitag 12. Januar 2018, 20:22

Guten Abend zusammen :Smile

Mein Name ist Patrick, ich bin 28 Jahre alt und natürlich wieder ein Frischling mehr im grossen sud😆

Bisher braue ich ausschließlich mit Bierkits um mich erstmal langsam an das Thema ranzutasten. Bei euch im Forum lese ich eigentlich von Anfang an mit. Insgesamt waren es bisher 6 sude und mittlerweile schmecken sie überraschenderweise auch sehr gut.

Nun zu meinem Problemchen das mich seid einiger Zeit beschäftigt. Bei meinem letzten sud eines Ipa mit obergäriger Hefe ist mir etwas passiert... das darf man keinem erzählen. Es hat alles wunderbar geklappt bis zur hefezugabe in die fertige Würze. Aus Unachtsamkeit (Dummheit) habe ich die Abkühlung des sudes verpeilt. Sprich die Hefe bei genau 69,7 grad bereits hineingerührt ( Trockenhefe, vorher natürlich rehydriert)

Bin davon ausgegangen das es das war und mir die Hefe abstirbt allerdings gings dann nach relativ kurzer Zeit ( ich weiß 😐)los. Nach genau 4 Tagen war dann aber auch Schicht im Schacht.

Noch merkwürdiger war das das jungbier noch gut schmeckte. Hab dann wie gewohnt abgefüllt mit Speise usw. Mittlerweile befindet sich das Bier in der Garage zur Reifung.

Ich bin mir aber nicht sicher ob ich es überhaupt trinken sollte. Bei diesen Temperaturen hatte ich ne turbogärung bei einer viel zu hohen anstelltemperatur. Bei hohen Temperaturen->fuselalkohole.. denkt ihr das könnte gefährlich werden? Spindeln kann ich methanol usw leider nicht 😉 oder wird das mit diesen nebenprodukten der gärung erst relevant bei destillationen im Bezug auf massive gesundheitliche Probleme ( kopfweh zählt nicht)

Geschmacklich ist es wie gesagt gut, etwas herb eventuell. Nicht unbedingt der beste Einstieg in dieses Forum :redhead

Lg Patrick

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Re: Anstelltemperatur HG

#2

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Freitag 12. Januar 2018, 21:28

[gesundes Halbwissen ein]
Um Methanol brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Die Reinzuchthefen produzieren Ethanol und "höhere Alkohole". Methanol entsteht in geringen Mengen enzymatisch durch den Pektinabbau beim Maischen. Es verdampft beim nachfolgenden Kochen.
[gesundes Halbwissen aus]

Ein Tipp aus dem alten Forum:
Eine Methanolvergiftung kann man beim rechtzeitigen Erkennen problemlos selbst behandeln - durch Verdrängung des Methanols aus den Zellen - sprich medizinisch unvermeidbarer Vollsuff. :-)

PS: Ach ja.... Willkommen im Forum :Greets
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Re: Anstelltemperatur HG

#3

Beitrag von Patrick8928 » Freitag 12. Januar 2018, 21:49

Vielen Dank 😊 wenn ich plötzlich anfange verschwomme n zu sehen weiß ich was zu tun ist😆😆😆 um sonstige Stoffe muss ich mir auch keine Gedanken machen?

Bin da immer noch etwas ängstlich ehrlich gesagt. Aller Anfang ist schwer und ich will beim brauen einfach auf Nummer sicher gehen. Abgesehen von geschmacklichen Einbussen kann bei diesem blöden Fehler nix passieren?

Lg Patrick

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Re: Anstelltemperatur HG

#4

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Freitag 12. Januar 2018, 22:07

Ich glaube nicht, dass dieses Bier schmecken wird. Vergiften wirst du dich damit nicht. Durch das warme anstellen wird die Hefe Fehlaromen (durch Esterbildung) produziert haben. Manchmal sind es tolle Ester (z.B. das Bananenaroma im Weizen = Isoamylacetat), manchmal sind sie übel (Ethylacetat = Lösungsmittel, Pflaster). Die Mengen sind jedenfalls unkritisch. Beim literweisen Verzehr sorgen sie vielleicht für Kopfaua oder "Magenprobleme".
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Re: Anstelltemperatur HG

#5

Beitrag von heizungsrohr » Freitag 12. Januar 2018, 23:30

Hab mal ein Bier aus Faulheit bei 39°C angestellt. Die eigentlich sehr fruchtige, belgische Hefe roch erstaunlich unfruchtig bei der Anstelltemperatur. Gärung ging schnell wie nie, geschmacklich wars nich der Reißer aber trinkbar wars definitiv.

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Re: Anstelltemperatur HG

#6

Beitrag von Boludo » Samstag 13. Januar 2018, 09:07

Gerste enthält gar kein Pektin. Minimale Mengen kommen durch den Hopfen ins Bier. Das kann man aber vernachlässigen. Methanol ist bei Bier kein Thema.
https://books.google.de/books?id=G6u2BG ... in&f=false

Stefan

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Re: Anstelltemperatur HG

#7

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Samstag 13. Januar 2018, 09:36

Du hast ganz bestimmt Recht Stefan. Vor dem Post gestern hatte ich das hier beim schnellen "schlau-googlen ohne tieferes Hintergrundwissen“ gefunden:
http://www.eaton.de/ecm/idcplg?IdcService=GET_FILE&allowInterrupt=1&RevisionSelectionMethod=LatestReleased&Rendition=Primary&dDocName=PCT_1122270 hat geschrieben: Die in der Brennerei verwendeten Maischeenzyme haben ein wesentlich breiteres Wirkspektrum als jene in der Kelterei.
Sie bauen neben dem löslichen Pektin außerdem das Protopektin ab, wodurch zu Beginn stetig lösliches, gelierendes Pektin nacherzeugt wird. Zudem zersetzen in diesen Präparaten enthaltene Cellulasen und Hemicellulasen die Zellwände der Fruchtzellen. Dadurch kommt es zu einem enzymatischen Musen“ der Maische, einer starken Verflüssigung, weshalb man solche Enzyme in der Brennerei auch als Verflüssiger bezeichnet. Dies hat den Vorteil, dass die Frucht komplett aufgeschlossen wird und die wertgebenden Bestandteile – Zucker, Nährstoffe und Aromen – für die Vergärung freigesetzt werden.
Fakt ist, dass Bier nicht blind macht. Zumindest nicht durch Methanol ... :Bigsmile :Greets
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Re: Anstelltemperatur HG

#8

Beitrag von Patrick8928 » Samstag 13. Januar 2018, 10:22

Ok dankeschön 🙂 ich tu mich immer etwas schwer mit dem ausschütten ( 24 l). In 4 wochen schreib ich hier mal rein ob's passabel oder doch eher etwas für die Schwiegermutter geworden ist 😉😉

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Re: Anstelltemperatur HG

#9

Beitrag von docpsycho » Samstag 13. Januar 2018, 11:15

Gude,

jetzt mal im Ernst, eine Hefegabe bei 70°C hält doch keine Hefe aus. Eiweiße denaturieren ab 40°C.
Oder habe ich da was verpasst.

Grüße, Felix
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ist, dass man sich ans Bier gewöhne."

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Re: Anstelltemperatur HG

#10

Beitrag von Jomsviking » Samstag 13. Januar 2018, 11:21

Servus,

Das ist dann vermutlich die Theorie, die praktisch nicht funktionieren sollte, jedoch trotzdem funktioniert ;)
Wie mit ner Hummel, die eigentlich nicht fliegen kann.

Kühlst du eigentlich aktiv runter?
Gruß
Felix

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Re: Anstelltemperatur HG

#11

Beitrag von Fossy » Samstag 13. Januar 2018, 12:04

Hi,

es könnte natürlich auch sein, dass du deine zugegebene Hefe zwar getötet hast, aber dir eine wilde Hefe eingefangen hast.

Dagegen spricht aber eher die "kurze" Zeit.
MfG Flo

Patrick8928
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Re: Anstelltemperatur HG

#12

Beitrag von Patrick8928 » Samstag 13. Januar 2018, 13:53

Das dachte ich mir zuerst auch. Bin davon ausgegangen das die Hefe im eimer ist.. ging dann aber relativ zügig mit der gärung los. Ich wüsste nicht wie ich mir eine wilde Hefe eingefangen haben sollte? Ich achte penibel auf Sauberkeit und Hygiene( Soda zur grundreinigung + ethanoldesinfektionsmittell für Flächen mit lebensmittelkontakt)

Die Temperatur kühlt ja relativ schnell runter bei einer Raumtemperatur von 21 Grad. Vllt ist das der Knackpunkt und es haben noch genug hefezellen überlebt und sich dann vermehrt?

Ne aktiv kühlen tu ich nicht ( feuchte Handtücher über den gärbehälter zählen nicht oder?).

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Re: Anstelltemperatur HG

#13

Beitrag von Mailänder » Mittwoch 4. April 2018, 17:47

So eine Temperatur hält ganz bestimmt keine Hefe (eigentlich auch kein Mensch) aus. Entweder hat was anderes dein Bier vergoren oder die Würze hatte diese Temperatur eben nicht. Bei dieser Temperatur hast du 27 Pasteureinheiten pro Minute. Ein Kaufbier wird in der Regel mit höchstens 15 PE als mikrobiologisch stabil bezeichnet (d.h. "da passiert bestimmt nichts mehr"), wenn deine Würze von alleine nicht binnen 20-30 Sekunden bis 40°C abgekühlt ist dann ist die Hefe definitiv über den Jordan gegangen.

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