Wohin verschwindet das Malzextrakt?

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alvaschein
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Wohin verschwindet das Malzextrakt?

#1

Beitrag von alvaschein » Montag 19. März 2018, 14:34

Hallo zusammen

Ich bin laufend dran die Berechnungen in meinem Brauplaner zu verbessern. Ich stosse aber immer wieder auf verwirrende Situationen (siehe Tabelle).
Konkret habe ich ein Testbier mit einer Ziel-SW von 15°P (15.5 Brix) gebraut mit folgenden Zutaten (ungeachtet ob sie Sinn machen oder nicht):
25% Pilsner Malz
25% Pale Ale Malz
15% Melanoidinmalz
15% Weizenmalz dunkel
10% Cara hell
10% Caraamber
Das ergibt bei mir für eine Zielbiermenge von 10 Litern eine Schüttung von knapp 3 kg. Hauptguss war 15 Liter, Nachguss ca. 6.4 Liter.
Tabelle Würzemessungen.PNG
Für die Messung habe ich ein temperaturkompensiertes Refraktometer verwendet und für das Volumen einen Zollstock mit mm-Einteilung. Da das Refraktometer auf 20°C kompensiert ist, habe ich versucht alle Volumenangaben auf die Referenztemperatur von 20°C zu berechnen. In der Tabelle sind in den grün markierten Spalten die Messwerte eingetragen. Die fünfte Spalte zeigt die auf 20°C berechnete Füllmenge. Diese Füllmenge hat bei der entsprechenden Dichte (Spalte 9) ein bestimmtes Gewicht (Spalte 10), aus welches sich mit den Angaben in Brix (Massenanteil g Extrakt (stellvertretend für Saccharose) pro 100 g Würze) den Extraktanteil (Spalte 11) herausrechnen lässt.
Was ist nun verwirrend daran? Ich habe gesehen, dass der berechnete Extraktanteil vor dem Kochen (Pfannevoll) und nach dem Abseihen sehr ähnlich ist, aber deutlich vom Extraktanteil während dem Kochen abweicht. Es handelt sich hierbei ja nicht nur um wenige Gramm sondern doch deutlich um über 100 g. Woher ist dieses Extrakt gekommen bzw. wohin ist es wieder verschwunden? Habe ich irgendwo einen Denk- und/oder Rechenfehler gemacht?

Ich freue mich auf Hinweise von euch Brauprofis!

Übrigens: Die Siedetemperatur von 98.6°C deckt sich mit dem Siedepunkt auf 430 m.ü.M.

Vielen Dank

Roy

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Re: Wohin verschwindet das Malzextrakt?

#2

Beitrag von Mailänder » Montag 19. März 2018, 15:28

Du hast m.E. weder einen Denk- noch einen Rechenfehler begangen, es muss also sich um einen systematischen Messfehler handeln.
Wie nimmst du die Würzeprobe während des Kochens ab und insbesondere wie schnell kühlst du die auf 20°C ab? Bei dieser Temperatur hast du eine sehr höhe Verdampfungsrate, verweilt die Probe zu lange in diesem Zustand wirst du dann systematisch eine höhere Stammwürze messen bis die Würze wieder abgekühlt ist (letzte Messung in deiner Messreihe) und der Messfehler wieder verschwindet.
Der Extrakt bleibt selbstverständlich während des Würzekochens unberührt.

alvaschein
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Re: Wohin verschwindet das Malzextrakt?

#3

Beitrag von alvaschein » Montag 19. März 2018, 20:34

Hallo Mailänder

Ich habe die Proben mit einer Pipette gezogen und sie sofort in Glasfläschchen von ca. 15 ml abgefüllt und diese gleich verschlossen. So habe ich jeweils ca. 5-8 ml gesammelt und sie auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Somit konnte ich das Verdampfen von Wasser beim applizieren auf das Refraktometer auf ein Minimum reduzieren.
Ich denke, den grössten Messfehler handle ich mir sehr wahrscheinlich beim Messen des Füllstandes ein.
Ich werde meine Brausteuerung um ein Wägemodul erweitern um so der Sache etwas auf den Grund zu gehen.

Gruss
Roy

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Re: Wohin verschwindet das Malzextrakt?

#4

Beitrag von afri » Montag 19. März 2018, 21:57

Füllstandsmessung ist ein großer Unsicherheitsfaktor, ein weiterer ist die Ablesegenauigkeit beim Refrakto, die Platowerte sind ja errechnet und die Brixwerte gemessen, weil grün, richtig? Das zusammen halte ich für einen Ansatz, den verschwundenen oder gewonnenen Extrakt zu erklären.

Dass dieser nicht gewonnen oder verloren wird, dürfte klar sein.
Achim
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Re: Wohin verschwindet das Malzextrakt?

#5

Beitrag von Mailänder » Dienstag 20. März 2018, 08:30

Versuch mal die Probe sofort in der Pipette abzukühlen. Einfach die Pipette gerade halten und 30 Sekunden unter einem Wasserstrahl halten reicht wegen des kleinen Volumen völlig aus. Die Verdampfung bei so kleinen Probemengen ist wirklich nicht zu unterschätzen, je früher man abkühlt desto besser.

alvaschein
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Re: Wohin verschwindet das Malzextrakt?

#6

Beitrag von alvaschein » Dienstag 20. März 2018, 12:03

Mailänder hat geschrieben:
Dienstag 20. März 2018, 08:30
Versuch mal die Probe sofort in der Pipette abzukühlen. Einfach die Pipette gerade halten und 30 Sekunden unter einem Wasserstrahl halten reicht wegen des kleinen Volumen völlig aus. Die Verdampfung bei so kleinen Probemengen ist wirklich nicht zu unterschätzen, je früher man abkühlt desto besser.
Danke für den Tipp, werde ihn beim nächsten Versuch mal ausprobieren.

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