Alternative zum Hopfenstopfen

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AxelS
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Alternative zum Hopfenstopfen

#1

Beitrag von AxelS » Sonntag 15. Juli 2018, 19:54

Liebe Brauergemeinde,

so, die Weltmeisterschaft ist vorbei und wir können uns wieder den wirklich wichtigen Themen widmen :Wink
Ich habe eine interessante These gefunden, die ich hier gern einmal zur Diskussion stellen möchte.

Es wurde eine Studie durchgeführt, in der 35 Brauer einen identischen Sud kochten, aber die letzte Hopfengabe unterschiedlich durchführten.
Gruppe 1 gab am Ende des Kochvorgangs ein halbes Kilo Hopfen zum Sud und ließ den Hopfen 50 Minuten ziehen
Gruppe 2 gab am Ende des Kochvorgangs ein halbes Kilo Hopfen zum Sud und ließ den Hopfen 80 Minuten ziehen
Gruppe 3 gab am Ende des Kochvorgangs ein viertel Kilo Hopfen zum Sud und ließ den Hopfen 80 Minuten ziehen und gab ein weiteres viertel Kilo als Stopfhopfen dazu
Gruppe 4 gab ein halbes Kilo Hopfen als Stopfhopfen zum Jungbier.
Geschacks- und Geruchssieger wurde Variante 2. [Stan Hieronymus – For the love of hops, Seite 201 ff]

Bringt es also mehr, die letzte Hopfengabe statt als Stopfhopfen nach der Vergärung gleich nach dem Kochen für 80 Minuten in den abkühlenden Sud zu geben? 80 Minuten sind ja deutlich länger als ein klassischer Whirlpool. Bei meinem ersten Versuch mit 10l Sud hatte der Sud nach 80 Minuten noch 62°C. Das könnte für die flüchtigen Aromen zu viel sein. :Grübel Runterkühlen habe ich mich nicht getraut, denn dann hätte ich nach 10 Minuten nur noch 30°C, was den Effekt vermutlich deutich verändern dürfte.

Was meint ihr? Hat das schon mal jemand probiert? Provokante Frage: Ist Hopfenstopfen das alleinige Allheilmittel für Aroma und Geschmack, oder geht es anders vielleicht besser?

Axel
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Re: Alternative zum Hopfenstopfen

#2

Beitrag von Eigenbräu » Sonntag 15. Juli 2018, 21:17

Hallo Axel,
ich bin kürzlich über den Begriff "Hopbursting" gestolpert. Hier wird der gesamte / grösste Teil der Hopfengabe als Aromahopfung gegeben und zwar so viel, dass man auch eine Bitterung erreicht. Siehe zB hier:
https://www.barthhaasgroup.com/images/m ... ursten.pdf

Es scheint sich jedoch vom Zeitpunkt etwas von Deinem Beispiel zu unterscheiden, geht aber meines Erachtens in die gleiche Richtung..
Erfahrung habe ich jedoch (noch) keine damit.

Grüsse JENS

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Re: Alternative zum Hopfenstopfen

#3

Beitrag von OS-Schlingel » Montag 16. Juli 2018, 09:24

Hallo Axel,
vielleicht mit Hopfenextrakt?
Hier gab es mal einen Tröd mit HopShot`s.....vielleicht gibt's das auch direkt als Aromahopfung.
Mir ist auch schleierhaft, wie z.B. "Steamworks" so viel Aroma ins Bier bekommt und vor allem
auch stabil hält! Die werden ja nicht alles kurzfristig nach dem Hopfenstopfen verkauft haben.
Eigentlich müsste es Qualitätsminderung mit der Zeit geben.

Bin gespannt, wie es hier weiter geht.


Gruß

Stephen
Or kindly when his credit's out
Surprise him with a pint of Stout
:Smile

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Re: Alternative zum Hopfenstopfen

#4

Beitrag von AxelS » Montag 16. Juli 2018, 09:58

@Jens: Interessant! Vor allem ein Satz aus dem PDF: "Hop Bursting kommt aus der Heimbrauer-Szene und ist sicherlich im großen Maßstab schwer umzusetzen"
Das deutet doch zumindest auf einen neuen Trend, Craft-beer 2.0. Seit ich selbst braue habe ich festgestellt, dass mir meine Biere im direkten Vergleich besser schmecken als die gekauften. Jüngstes Beispiel: Dead pony club by brewdog, nach dem "Original"-Rezept aus https://www.brewdog.com/diydog nachgebraut. Mein Bier hatte mehr "Substanz", das Original schmeckte irgendwie "dünner".

@Stephen: Aus oben genannter Rezeptsammlung weiß ich, dass Brewdog selbst gern HopShots verwendet. Leider ist es mir bisher nicht gelungen, den erwähnten und verwendeten HopShot "Columbus Extract" zu bekommen, was sicherlich auch daran liegt, dass die Verwendung von Extrakt (bislang) verpöhnt ist.

Spannend...
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Re: Alternative zum Hopfenstopfen

#5

Beitrag von Neubierig » Montag 16. Juli 2018, 11:28

Ich habe zwei Sude mit Hopbursting gebraut - ein NEIPA und ein Brut IPA. Das NEIPA befindet sich noch im letzten Stadium der Gärung, der Brut IPA in der Flaschengärung. Die beide wurden stilgetreu auch gestopft, ich werde also keine klare Aussage für diese Biere ausgeben können, aber beim Anstellen waren die beide sehr sehr aromatisch. Ich werde es auch für ein Pale Ale so tun, und vielleicht trennen bevor ich einen Teil stopfe.

Mein Vorgehensweise war so - keinerlei Hopfen beim Kochen, dann alles nach Flameout (nur Aroma Hopfen). 10 Minuten warten, dann aktiv auf ca 75°C herunter kühlen und dann noch 45-60 Minuten warten.

Problem war, besonders für den Brut IPA, was nicht so bitter sein sollte, ist dass die beide Biere etwa bitterer als gewollt geworden sind. Ich werde beim nächsten Versuch mehr darauf achten - vielleicht 7-8 Minuten bevor es gekühlt wird.

Cheers,

Keith :-)
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Re: Alternative zum Hopfenstopfen

#6

Beitrag von Gartenbrauer » Montag 16. Juli 2018, 11:49

Vielleicht mit Hopfenextraktion mittels Ultraschall.
Ich habs am Wochende probiert.
Kochendes Wasser in das Ultraschallgerät, dort hat es eine Temperatur von 75°C, dann 80 Gramm Hopfen hinein.
2 x 480 sek. mit Ultraschall behandelt.
Danach durch ein Sieb gefiltert und den Extrakt mit Speise zur Nachgärung zum Jungbier gegeben.

Mal sehen wie es wird.

Harald
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Re: Alternative zum Hopfenstopfen

#7

Beitrag von Neubierig » Montag 16. Juli 2018, 11:54

Und hattest du den Extrakt verkostet (ist vermutlich ne blöde Frage)? War er bitter? Ich meine Hopfentee könnte auch ein Alternative sein, ich weiß aber nicht, ob die auch bitter sind (habe nie probiert).

Cheers,

Keith :-)
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Re: Alternative zum Hopfenstopfen

#8

Beitrag von AxelS » Montag 16. Juli 2018, 11:58

Neubierig hat geschrieben:
Montag 16. Juli 2018, 11:28
Mein Vorgehensweise war so - keinerlei Hopfen beim Kochen, dann alles nach Flameout (nur Aroma Hopfen). 10 Minuten warten, dann aktiv auf ca 75°C herunter kühlen und dann noch 45-60 Minuten warten.
Das hört sich für mich stimmig an. Das probiere ich beim nächsten mal auch! Was mich stutzig macht ist, dass Du gar keinen Bitterhopfen mitkochst. Fehlt da nicht die Grundbittere (wegen der ich die IPAs so liebe)?

Ich bin auf Deine Ergebnisse, speziell
Neubierig hat geschrieben:
Montag 16. Juli 2018, 11:28
Ich werde es auch für ein Pale Ale so tun, und vielleicht trennen bevor ich einen Teil stopfe.
gespannt. :thumbup
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Re: Alternative zum Hopfenstopfen

#9

Beitrag von Neubierig » Montag 16. Juli 2018, 12:08

AxelS hat geschrieben:
Montag 16. Juli 2018, 11:58
Das hört sich für mich stimmig an. Das probiere ich beim nächsten mal auch! Was mich stutzig macht ist, dass Du gar keinen Bitterhopfen mitkochst. Fehlt da nicht die Grundbittere (wegen der ich die IPAs so liebe)?
Also, die Aromahopfen beinhalten natürlich auch Alphasäure, was bei Flameout immer noch extrahiert werden. Um die Bittere zu erreichen braucht man natürlich wesentlich mehr Hopfen - ob das für dich ein "Grundbittere" wäre, weiß ich nicht, aber Bitter sind die Biere doch. Ich werde erst nach der Flaschengärung feststellen können wie ausgewogen es geworden ist. Ich gebe zu, ich habe schon eine Flasche Brut IPA verkostet, und war positiv beeindruckt. Es gab aber immer noch ein bisschen Restsüße von der Speisezucker, ich werde also warten bevor ich wieder ne Flasche aufmache.

Cheers,

Keith :-)
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Re: Alternative zum Hopfenstopfen

#10

Beitrag von Gartenbrauer » Montag 16. Juli 2018, 12:45

Neubierig hat geschrieben:
Montag 16. Juli 2018, 11:54
Und hattest du den Extrakt verkostet (ist vermutlich ne blöde Frage)? War er bitter? Ich meine Hopfentee könnte auch ein Alternative sein, ich weiß aber nicht, ob die auch bitter sind (habe nie probiert).

Cheers,

Keith :-)
Nein habe ich nicht probiert, keine blöde Frage.
Ich hab einfach nicht daran gedacht.
Habs vergessen.
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