Starke Trübung durch Whirlpoolhopfung

Antworten
Bierdurst
Neuling
Neuling
Beiträge: 4
Registriert: Montag 11. Juni 2018, 10:10

Starke Trübung durch Whirlpoolhopfung

#1

Beitrag von Bierdurst » Dienstag 17. Juli 2018, 23:11

Guten Abend miteinander,

soeben habe ich mich vorgestellt und nun folgt schon meine erste Frage. :redhead

Wie der Titel schon sagt geht es um einsetzende Trübung durch Whirlpoolhopfung.
Ich habe nun 3 Sude hinter mir. Der erste war ohne, die letzten 2 mit Whirlpoolhopfung.
Der erste Sud war nach dem Hopfenkochen weitestgehend klar und hat soweit ganz normal ausgesehen, insofern ich das beurteilen kann.
Sud 2 und 3 waren auch nach dem Hopfenkochen ausreichend klar. Durch die Whirlpoolhopfung wurde die Würze dann aber milchig trüb.

Die Trübung bleibt bis nach der Gärung und setzt sich erst nach längerer Lagerzeit schließlich ab.
Der zweite Sud hat nun 10 Wochen Lagerung hinter sich und ist mittlerweile relativ klar geworden.
Um das Ganze mal anschaulich zu gestalten hier ein Bild des Jungbieres vor dem Abfüllen.
So sah auch die Würze ab der Whirlpoolhopfung aus. Auch das Bier bleib mehrere Wochen in den Flaschen so. 4 Wochen lang konnte man selbst mit Lichtquelle dahinter nicht durchschauen, wie Milch eben.
IMG_20180611_211559.jpg
Etwas zur Technologie:
Gemaischt und gekocht wurde im Einkocher, Würzebruch hat stattgefunden. Nach dem Kochen, Abkühlung ohne Hilfsmittel auf 80°C und Zugabe des Hopfens.
Danach einmal kräftig umrühren und ca. 20 min warten. Anschließend habe ich den Whirlpool angedreht. Das ganze habe ich 20 min stehen lassen und dann wurde in den Gäreimer abgefüllt. Dabei wurde nochmals durch einen Monofilamentfilter gefiltert um mögliche Hopfenreste abzufangen.

Die Hauptgärung war bei beiden Suden in wenigen Tagen (ca. 4-5) durch. Einmal habe ich das Jungbier nochmal 8 Tage stehen lassen und beim zweiten Mal direkt nach 8 tagen abgefüllt. Optisch waren beide Sude gleich trüb. Es handelt sich bei beiden um Pale Ales, einmal vergoren mit US-05, einmal mit Nottingham.

Jetzt zur eigentlichen Frage.
Ist es normal, dass eine solch starke Trübung durch die Whirlpoolhopfung einsetzt oder mache ich irgendwo einen Fehler?

Vielen Dank schonmal im Voraus :Smile

Benutzeravatar
mavro
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 521
Registriert: Mittwoch 16. März 2016, 16:17
Wohnort: Wiesbaden
Kontaktdaten:

Re: Starke Trübung durch Whirlpoolhopfung

#2

Beitrag von mavro » Dienstag 17. Juli 2018, 23:59

Könntest Du vlt Mal das Rezept und den Brauverlauf posten?

Dann kann man evtl mehr sagen....
Viele Grüße, Andreas

Benutzeravatar
Bierjunge
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 2950
Registriert: Mittwoch 28. Oktober 2009, 15:54

Re: Starke Trübung durch Whirlpoolhopfung

#3

Beitrag von Bierjunge » Mittwoch 18. Juli 2018, 06:58

Bierdurst hat geschrieben:
Dienstag 17. Juli 2018, 23:11
Etwas zur Technologie:
Gemaischt und gekocht wurde im Einkocher, Würzebruch hat stattgefunden. Nach dem Kochen, Abkühlung ohne Hilfsmittel auf 80°C und Zugabe des Hopfens.
Danach einmal kräftig umrühren und ca. 20 min warten. Anschließend habe ich den Whirlpool angedreht.
Vielleicht war schon das "kräftige Umrühren" der Fehler und Du hast bereits ausgeflockten Heißtrub so fein verteilt, dass er nicht mehr sedimentiert.

So etwas hatten wir schon einmal diskutiert:
Bierjunge hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 11:11
Über genau diese Zeile war auch ich zunächst gestolpert. Es erscheint mir aber einleuchtend, dass man durch zu affektiertes Gerühre beim Whirlpool den Heißtrub, der nach ordentlicher Kochung bereits großflockig ausgefällt war, wieder zerrupft und womöglich Stoffe, die bereits abgeschieden waren, wieder neu in Lösung bringt. Narziß beurteilt übrigens den Whirlpool gegenüber älteren Verfahren zur Heißtrubabscheidung wie Kühlschiff oder Setzbottich keinesfalls als generell überlegen und spricht sogar von einer "Whirlpoolfähigkeit" der Würze, die gegeben sein müsse.
Ich nehme daraus mit, dass auch hier "weniger manchmal mehr" sein kann, und dass ein behutsames und schonendes Andrehen vollkommen genügt. Bei meiner 60 l-Pfanne genügt selbst das, dass die Würze bis zu einer Viertelstunde lang auskreiselt.
Von der zusätzlichen Oxidationsgefahr (hot side aeration), wenn man bis zum rauschenden Strudel wie wild rührt, einmal ganz abgesehen.
Moritz

Benutzeravatar
Sura
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 2797
Registriert: Montag 2. November 2015, 22:37

Re: Starke Trübung durch Whirlpoolhopfung

#4

Beitrag von Sura » Mittwoch 18. Juli 2018, 08:46

Ich mache auch und gerne Whirlpoolhopfung, und ich habe noch nie sowas gehabt..... ich werfe den Hopfen allerdings irgendwo zwischen 70°C und 80^C rein, und drehe dann den Whirlpool an.... irgendwann nach auf jeden Fall mehr als 15min kann ich ziemlich klar ausschlagen.
In den meisten Fällen ist ein Post von mir genau so zu verstehen wie er geschrieben ist.

heizungsrohr
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 235
Registriert: Dienstag 7. Februar 2017, 21:11

Re: Starke Trübung durch Whirlpoolhopfung

#5

Beitrag von heizungsrohr » Mittwoch 18. Juli 2018, 09:44

Kann ich so bestätigen. Hatte auch schon nach üppiger Whirlpoolhopfung milchig-trübe Würzen. Sind das nicht uA Eiweiß-Gerbstoff-Komplexe wie im Braumagazin beschrieben?

Benutzeravatar
beryll
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1895
Registriert: Samstag 25. Juli 2015, 15:10
Wohnort: Saarwellingen
Kontaktdaten:

Re: Starke Trübung durch Whirlpoolhopfung

#6

Beitrag von beryll » Mittwoch 18. Juli 2018, 09:50

So eine Suppe hab ich noch nie gesehen :Shocked
Ich verfahre so wie Kai, bei 79°C fliegt der Hopfen rein und dann wird der Whirlpool angedreht - Deckel drauf und 20 min warten.

VG Peter
Mein Lieblingstier ist der Zapfhahn...!
(Aktueller Bericht aus dem Gärfass)

Terminfindung Treffen der Saar-Lor-Lux Brauer

Bierdurst
Neuling
Neuling
Beiträge: 4
Registriert: Montag 11. Juni 2018, 10:10

Re: Starke Trübung durch Whirlpoolhopfung

#7

Beitrag von Bierdurst » Mittwoch 18. Juli 2018, 11:58

Erstmal vielen Dank für die zahlreichen Antworten. :Smile
Bierjunge hat geschrieben:
Mittwoch 18. Juli 2018, 06:58
Bierdurst hat geschrieben:
Dienstag 17. Juli 2018, 23:11
Etwas zur Technologie:
Gemaischt und gekocht wurde im Einkocher, Würzebruch hat stattgefunden. Nach dem Kochen, Abkühlung ohne Hilfsmittel auf 80°C und Zugabe des Hopfens.
Danach einmal kräftig umrühren und ca. 20 min warten. Anschließend habe ich den Whirlpool angedreht.
Vielleicht war schon das "kräftige Umrühren" der Fehler und Du hast bereits ausgeflockten Heißtrub so fein verteilt, dass er nicht mehr sedimentiert.

So etwas hatten wir schon einmal diskutiert:
Bierjunge hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 11:11
Über genau diese Zeile war auch ich zunächst gestolpert. Es erscheint mir aber einleuchtend, dass man durch zu affektiertes Gerühre beim Whirlpool den Heißtrub, der nach ordentlicher Kochung bereits großflockig ausgefällt war, wieder zerrupft und womöglich Stoffe, die bereits abgeschieden waren, wieder neu in Lösung bringt. Narziß beurteilt übrigens den Whirlpool gegenüber älteren Verfahren zur Heißtrubabscheidung wie Kühlschiff oder Setzbottich keinesfalls als generell überlegen und spricht sogar von einer "Whirlpoolfähigkeit" der Würze, die gegeben sein müsse.
Ich nehme daraus mit, dass auch hier "weniger manchmal mehr" sein kann, und dass ein behutsames und schonendes Andrehen vollkommen genügt. Bei meiner 60 l-Pfanne genügt selbst das, dass die Würze bis zu einer Viertelstunde lang auskreiselt.
Von der zusätzlichen Oxidationsgefahr (hot side aeration), wenn man bis zum rauschenden Strudel wie wild rührt, einmal ganz abgesehen.
Moritz
Guter Hinweis. Das könnte natürlich sein. Ich habe den Whirpool schon sehr kräftig angerührt, damit er auch garantiert funktioniert. Möglicherweise war das zu viel des Guten. Wenn ich das richtig verstanden habe kann ich mir das Umrühren und Warten bei der Whirlpoolgabe sparen und direkt andrehen (bem nächsten mal sanfter versteht sich)? :Grübel

mavro hat geschrieben:
Dienstag 17. Juli 2018, 23:59
Könntest Du vlt Mal das Rezept und den Brauverlauf posten?

Dann kann man evtl mehr sagen....
Wie beschrieben ist es bei zwei Rezepten aufgetreten.

Rezept1
Ausschlagmenge: 20l

Hauptguss: 17l
Nachguss: 12l

Schüttung:
2kg Pale Ale Malz
2kg Pilsener Malz
0,5kg Münchener Malz

Kombirast bei 67°C - 60min
Abmaischen bei 78°C

Kochzeit 90 min
Vorderwürzehopfung 20g Callista (2,4% alpha)
80 min - 15g Perle (10,2% alpha)
Whirlpoolhopfung (80°C) 80g Callista (2,4% alpha)


Rezept2
Ausschlagmenge: 20l

Hauptguss: 17l
Nachguss: 12l

Schüttung:
5kg Pale Ale Malz

Kombirast bei 67°C - 60min
Abmaischen bei 78°C

Kochzeit 90 min
Vorderwürzehopfung 20g Comet (7,5% alpha)
80 min - 12g Comet (7,5% alpha)
Whirlpoolhopfung (80°C) 68g Comet (7,5% alpha)


Da es bei beiden Rezepten aufgetreten ist und die Würze vor der Whirlpoolhopfung verhältnismäßig klar war, hatte ich das Rezept als Ursache erstmal ausgeschlossen.

heizungsrohr hat geschrieben:
Mittwoch 18. Juli 2018, 09:44
Kann ich so bestätigen. Hatte auch schon nach üppiger Whirlpoolhopfung milchig-trübe Würzen. Sind das nicht uA Eiweiß-Gerbstoff-Komplexe wie im Braumagazin beschrieben?
Etwas in die Richtung hatte ich auch in Verdacht. Wenn das aber bei den meisten nie so stark auftritt ist das als alleinige Ursache auch eher unwahrscheinlich oder? :Waa
Wie gehst du denn bei der Hopfengabe mit der Würze um was das Rühren und Whirlpool andrehen angeht?


An dieser Stelle schon mal danke für die rege Beteiligung :Smile

heizungsrohr
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 235
Registriert: Dienstag 7. Februar 2017, 21:11

Re: Starke Trübung durch Whirlpoolhopfung

#8

Beitrag von heizungsrohr » Mittwoch 18. Juli 2018, 19:43

Hab ich nicht besonders drauf geachtet, aber bin da nicht massiv rangegangen. Aber es war eindeutig von der Hopfengabe. Wenn ich mich recht entsinne hab ich die Dolden zugegeben und ein paar mal leicht untergerührt. Dabei wurde es schon trüber als ob Staub oÄ am Hopfen hängen würde.

Bierdurst
Neuling
Neuling
Beiträge: 4
Registriert: Montag 11. Juni 2018, 10:10

Re: Starke Trübung durch Whirlpoolhopfung

#9

Beitrag von Bierdurst » Sonntag 22. Juli 2018, 18:20

Ich hopfe übrigens mit Pellets Typ90, falls das relevant ist. Aber ich denke, das machen die meisten.
Beim nächsten Mal werde ich versuchen ganz genau darauf zu achten, bei welchem Schritt die Trübung entsteht, vielleicht bringt das weitere Erkenntnisse.

Antworten