Hopfenberechnung Aromaöl und Bitter-Eindruck

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VolT Bräu
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Hopfenberechnung Aromaöl und Bitter-Eindruck

#1

Beitrag von VolT Bräu » Samstag 8. September 2018, 10:23

Moin,

ich möchte für meine Etiketten eine grobe Einstufung in einer 5-Punkte Skala für Stammwürze, Bitterkeit und Hopfen-Aroma machen. Das habe ich mir im Etiketten Thread abgeguckt. Ich bin dabei u. A. auf den Hopfenrechner der Brauerei Müggelland gestoßen: https://brauerei.mueggelland.de/hopfenausnutzung.html

Das funktioniert auch ganz gut. Mein Problem dabei ist nur, dass man doch recht schnell im Bereich "sehr starkes Hopfenaroma" und "sehr herb" landet.
Ich habe jetzt noch nicht so die große Erfahrung um das einzuschätzen - das wird ja sicherlich gut begründet sein.
Aber beispielsweise Bitterkeit: Bei 13°Plato ist man ab ca. 40 IBU im Bereich "sehr herb" (5/5). Da ist doch noch Luft nach oben... das gefällt mir irgendwie nicht, dass ab da alles 5/5 ist.
Beim Aroma ist es ähnlich. Ich habe ein American Amber Ale mit ~3g/Liter WP-Hopfung gemacht. Kein Stopfen. Ich liege damit rechnerisch bei 18 mg/l Aromaöl und somit auch hier deutlich im Bereich "sehr starkes Hopfenaroma" (5/5). Auch hier müsste noch Luft nach oben sein...

Wie sind eure Erfahrungen mit dem Rechner. Gibt es Alternativen?
Momentan tendiere ich dazu die 5 Kategorien so zu übernehmen wie sie sind und oben noch eine 6. Stufe "extrem herb" und "extrem starkes Hopfenaroma" anzubauen um es etwas besser zu differenzieren.

Mir ist klar, dass diese rechnerischen Werte vermutlich sowieso nicht viel mit der Realität zu tun haben. Es geht mir nur darum, dass viele Nicht-Brauer beispielsweise mit dem IBU-Wert und auch der Stammwürze nichts anfangen können und daher möchte ich gerne eine grobe Einstufung auf das Etikett drucken.

Viele Grüße
Volker
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§11
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Re: Hopfenberechnung Aromaöl und Bitter-Eindruck

#2

Beitrag von §11 » Samstag 8. September 2018, 15:34

das wird ja sicherlich gut begründet sein.
Ist es, ließ mal den unteren Absatz des Textes der unter dem Rechner steht

Jan
„porro bibitur!“
Die Seite zum Buch "Bier brauen" https://www.jan-bruecklmeier.com/
Die Seite zur HBCon https://heimbrauconvention.de/
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VolT Bräu
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Re: Hopfenberechnung Aromaöl und Bitter-Eindruck

#3

Beitrag von VolT Bräu » Sonntag 9. September 2018, 10:57

Ja, habe ich gelesen.

Da lese ich u. A. auch, dass es "nur als grober Anhaltspunkt" dienen kann. Das ist ja auch plausibel zum Beispiel in Bezug auf diverse Hopfensorten und wie stark "man" dann eine bestimmte (geschätzte) Menge Aromaöl in einem konkreten Bier empfindet. Da das wohl alles auf subjektiven Experimenten und Schätzwerten beruht ist es natürlich sowieso keine exakte Wissenschaft.
Ebenso bei der Bitterkeit. Da ist ja ein Jever dann schon bei 5/5. Das kann ich nicht so ganz nachvollziehen, warum man das so gewählt hat.
Die untere Einstufung beim Aromaöl 0-1mg/l und 1-3mg/l finde ich schon sehr fein. Da frage ich mich, ob das wirklich relevant ist. Da landet man ja schon ohne WP-Gabe/Stopfen mit moderaten Hopfengaben schnell in der "Kategorie 3" 3-7mg/l

Mir geht es auch weniger darum, die Arbeiten zu kritisieren oder gar systematisch verbessern zu wollen (es geht mir nur um meine eigenen Etiketten)... mir erscheint nur der obere Schwellwert relativ niedrig angesetzt. Da ich tendenziell eher Biere mit viel IBU und viel Hopfenaroma machen möchte, stört es mich ein wenig wenn dann vieles bereits unter 5/5 fällt, wo ich sagen würde "ja, das ist kräftig... hier fängt es an interessant zu werden - da geht noch was".
Es gibt ja doch einige bitterlastige Bierstile, bei denen die IBU/StW bereits bei Standard-Rezepturen bei 5/5 ist - da fehlt mir der Spielraum nach oben.

Wenn ich die Rezepte auf MuMM durchschaue, ist da auch ein hoher Anteil von Rezepten mit relativ hohen IBU-Angaben dabei - ich denke das ist schon recht verbreitet, dass man in der Craftbierszene eher klotzt als kleckert? Daher dachte ich, ich bin vielleicht nicht der erste, der mit der Einteilung nicht so ganz happy ist.... oder vielleicht mag ja jemand ein paar Zeilen dazu schreiben, warum das trotzdem so gut ist wie es dort beschrieben ist?

Meine Idee wäre wie gesagt, dass ich für mich selbst noch eine sechste Stufe einbaue - z. B. IBU/StW 3-4 = "sehr herb" (original ist >3) und 6/6 ist dann >4 "extrem/besonders bitter".
Beim Aromaöl dann z. B. 15-25 = "sehr stark" (original ist >15) und 6/6 ist "extrem/besonders stark".

Klar, die Antwort kann jetzt einfach lauten - "mach doch was Du willst" - aber ich dachte mit der o. g. Begründung, dass ich evtl. nicht der erste bin, der sich darüber Gedanken gemacht hat und jemand dazu etwas konstruktives beitragen mag.

@Jan: Über Deine Experten-Einschätzung würde ich mich sehr freuen. Ist das aus Deiner Sicht Unsinn? Lohnt es sich überhaupt nicht bei IBU/StW > 3 noch zu unterscheiden und schmeckt man 1mg/l ggü. 3mg/l wirklich raus, aber 10mg/l ggü. 30mg/l nicht?
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Re: Hopfenberechnung Aromaöl und Bitter-Eindruck

#4

Beitrag von bierhistoriker.org » Sonntag 9. September 2018, 11:47

Hallo Volker,

die Wahrnehmung von Bittereinheiten hängt nicht nur von der absoluten IBU-Zahl ab, sondern ist im
Kontext mit z.B. Biertstil/-Ausführung zu sehen.
Ein schlankes, fast "körperloses" helles Bier mit 38 IBU wird, mal abgesehen vom individuellen sensorischen Empfinden, immer
als herb/bitter daherkommen.
Ein Russian Imperial Stout mit massivem Körper und einem hohen Anteil an Retextrakt bzw. unvergärbaren Zuckern kommt in der Rgel mit 70 IBU daher,
die aber praktisch nicht wahrgenommen werden.
Kategorisieren ist vor diesem Hintergrund extrem schwierig / in Teilbereichen sogar unmöglich.
Mit Angabe von StaWü, IBU, Alk. und dem Bierstil (!!!) hat ma schon die wichtigsten Fakten angegeben.

Just my 2 cents.

Cheers


Jürgen

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Re: Hopfenberechnung Aromaöl und Bitter-Eindruck

#5

Beitrag von Berliner » Sonntag 9. September 2018, 19:04

@VolT Bräu: Das scheint mir doch sehr stark durch die Brille des Stone-IPA-Liebhabers gesehen. Bei vielen anderen Bierstilen sind Hopfengaben mit Bittere:Stammwürze-Verhältnis von mehr als 3 doch gelinde gesagt eher ungewöhnlich. Wenn ich mal Zeit habe, kann ich dir aber gern noch die Stufen extrem, ultra und galaktisch bitter einbauen ;-)
Gruß vom Berliner

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Re: Hopfenberechnung Aromaöl und Bitter-Eindruck

#6

Beitrag von VolT Bräu » Mittwoch 19. September 2018, 19:48

Vielen Dank für die Antworten (und dafür, das sich erst jetzt antworte).

Ich hätte zuerst noch mal eine technische Frage zur Berechnung:
Der Rechner sagt von 2-2,5 ausgewogen. In der Erläuterung unten steht aber: "Ein Verhältnis zwischen 2 und 2,5 wäre somit herb"
Das passt irgendwie nicht. Die Quelle unten hat eine Tabelle, in der steht (umgerechnet) ausgewogen = 2 und herb = 2,5. Wäre es dann nicht näher an der Literatur, wenn man 1,75-2,25 als ausgewogen nimmt? Für mich ist die kleine Verschiebung in Richtung bitter kein Problem... aber wie gesagt so ganz passt das nicht zusammen.

Klar, die Skala ist dafür gedacht die ganze Bandbreite - also auch sehr milde Biere - abzubilden und nicht nur den oberen Bereich. Das würde mir eher entgegenkommen :)
Trotzdem glaube ich nicht, dass das so stimmt, dass ein Verhältnis Bittere:Stammwürze > 3 total ungewöhnlich ist. In der MMuM-DB liegen z.B. von 11 dt. Pilsenern 7 etwa im Bereich 3,5 (z.T. weit drüber). Aber gut... die fallen halt dann alle unter sehr herb.

Ähnlich beim Aroma - ich habe ja oben das Beispiel gebracht 3g/Liter WP-Hopfung. Da liegt man dann auch in vielen Fällen schon im Extrembereich. Ist das auch so ungewöhnlich? Wenn ich mir Rezepte durchlese, scheint mir das nicht so zu sein.

Naja egal, ich denke ich werde das so übernehmen aus der Literatur, aber oben noch eine Stufe einziehen, die mir erlaubt bei meinen Vorlieben noch zwischen sehr viel und galaktisch zu unterscheiden
Da bei mir die Stufe 1 wohl nicht vorkommt, definiere ich die mal als Null und komme dann auch wieder mit einer 5er-Skala 0-5 aus. Alter Informatiker-Trick. :Pulpfiction
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