NEIPA-Rezept zu IPA-Rezept umwandeln

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Lukas123
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NEIPA-Rezept zu IPA-Rezept umwandeln

#1

Beitrag von Lukas123 » Sonntag 9. Februar 2020, 21:04

Hallo zusammen,
mein vierter Sud sollte ursprünglich ein New England IPA (NEIPA) zum Ergebnis haben - jetzt möchte ich aber lieber ein klassisches IPA brauen. MIr ist noch nicht ganz klar, was die eigentliche Definition eines IPAs im Gegensatz zu einem NEIPA ist; meinem Verständnis nach dieselben Zutaten ohne Haferflocken und frühere Hopfengaben beim Kochen als beim NEIPA. Das würde heißen, dass ich für ein IPA einfach die Haferflocken bei der Maische weglasse und der Rest bleibt, dieselben Hopfenmengen beim Kochen früher in die Würze gebe und beim Hopfenstopfen kein Unterschied besteht. Liege ich da richtig? Bin Dankbar für Rückmeldungen :)

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Re: NEIPA-Rezept zu IPA-Rezept umwandeln

#2

Beitrag von Odin » Sonntag 9. Februar 2020, 21:26

Ganz so einfach ist das nicht. Komplexes Thema, das vorher ein wenig Recherche bedarf. Lies dich mal ein wenig ein. Die Sufu hilft da.

P.S. eine Vorstellung wäre ganz nett.
Bierherstellung beginnt mit dem Ausschlagen der Würze

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Re: NEIPA-Rezept zu IPA-Rezept umwandeln

#3

Beitrag von skappler » Sonntag 9. Februar 2020, 23:02

Grundsätzlich nicht verkehrt. Anstatt den Hopfen einfach früher reinzuwerfen würde ich allerdings versuchen das Schema anzupassen. Eine Hopfengabe bei Flameout hat schon einen anderen Effekt als eine bei 5 min.

Beim Stopfen hat man beim NEIPA ja klassischerweise die erste Gabe bei aktiver Hauptgärung, die fällt beim IPA weg und findet ganz normal nach Gärende statt.

Wenn du das Rezept mal hier reinschreibst kann man dir da etwas konkreter helfen

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Re: NEIPA-Rezept zu IPA-Rezept umwandeln

#4

Beitrag von bierhistoriker.org » Montag 10. Februar 2020, 11:59

Lukas123 hat geschrieben:
Sonntag 9. Februar 2020, 21:04
Hallo zusammen,
mein vierter Sud sollte ursprünglich ein New England IPA (NEIPA) zum Ergebnis haben - jetzt möchte ich aber lieber ein klassisches IPA brauen.
Hallo Lukas,

das sind zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe. Da ist aber auch garnichts gleich!

Klassisches IPA= englisches IPA
Rohstoffe: - (englisches) Pale ale malt
- englischer Hopfen
- möglichst hoch vergärender englischer Hefestamm
- Wasseraufbereitung im "Burton-style" .

Google mal clone + Thornbridge Jaipur / Worthington White Shield / Meantime IPA

cheers

Jürgen
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Re: NEIPA-Rezept zu IPA-Rezept umwandeln

#5

Beitrag von chaos-black » Montag 10. Februar 2020, 12:10

Ist jetzt die Frage, was der Threadersteller als "klassisch" bezeichnet. IPA ist die Oberkategorie und die spaltet sich auf in z.B.:

-Englisches IPA (und hier kannst du dann noch in die unterschiedlichen zeitlichen Epochen schauen)
-American West Coast IPA
-American Mid-Western IPA
-Black IPA
-Brut IPA
-American New England IPA
-und bestimmt noch mehr die ich vergessen habe.

Für mich klang die Beschreibung am ehesten in Richtung West Coast IPA.
Meine Hobbybrauerei: http://brauerei-flaschenpost.de/ (gerade offline)

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Re: NEIPA-Rezept zu IPA-Rezept umwandeln

#6

Beitrag von Lukas123 » Montag 10. Februar 2020, 21:36

Hallo zusammen und vielen Dank für die vielen Antworten in so kurzer Zeit! Es stimmt natürlich, eine Vorstellung gehört dazu: Ich komme aus Westösterreich an der Grenze zu Deutschland und braue seit November mit einem Klarstein Biggie; mich hat direkt mit dem ersten Sud das Brauvirus gepackt. Bislang habe ich zwei Pale Ale - Rezepte und ein Weizen fabriziert und die Ergebnisse waren jeweils hervorragend. Nächste Projekte sind ein Saison und eben ein NEIPA, oder - wenn ich die Zutaten noch dementsprechend verwerten kann - doch lieber ein IPA.

Das Rezept für das NEIPA stammt aus Ferdinand Laudages zweitem Buch und beinhaltet:
-4.500 g Pale-Ale-Malz
-1.500 g helles Weizenmalz
-500 g Haferflocken
-500 g helles Karamellmalz

Beim Hopfen sind es 10g Mosaic bei der Vorderwürze sowie 25 g Mosaic und 25 g Cascade bei Kochende - für die Kalthopfung dann nochmals jeweils 80 g Mosaic und Cascade.

Hefe habe ich die US-04 gewählt (bisschen untypisch, aber hat mich interessiert).

Welches IPA ich damit mache (West Coast, Mid-Western) etc. ist nicht so wichtig - von NEIPA bin ich aber ziemlich abgekommen.

Liebe Grüße euch allen!

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Re: NEIPA-Rezept zu IPA-Rezept umwandeln

#7

Beitrag von skappler » Dienstag 11. Februar 2020, 09:44

Das klingt für mich als sollte es auf jedenfall ein amerikanisches IPA werden.
Welche Hefe meinst du denn nun? Es gibt die US-05 und die S-04. Die erste ist amerikanisch und die zweite englisch. Mit beiden kann man aber IPAs machen.

Die Schüttung sieht soweit okay aus. Hafer würde ich weglassen, Weizen ist Geschmackssache, evtl ein bisschen runter gehen.

Die Hopfensorten passen auf jeden Fall zum IPA. Was das Schema angeht kannst du einfach mal etwas im Forum recherchieren. Da gibt es verschiedene Ansätze. Häufig sind es 3 Gaben: 1. zu Kochbeginn/VWH 2. bei 15/10min und 3. bei 0min
Wieviel man wann gibt ist Geschmackssache.

Beim Stopfen würde ich etwas runtergehen. Unter der Annahme dass es um die 20l Bier werden sollen sind 160g schon sehr viel. 3-5 g/l sollten da genügen.

Guck die am besten mal bei MMuM ein paar IPA Rezepte an und lass dich da inspirieren

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Re: NEIPA-Rezept zu IPA-Rezept umwandeln

#8

Beitrag von Lukas123 » Dienstag 11. Februar 2020, 13:06

Hallo Sebastian,
Danke für die fundierte Antwort! Bei der Hefe hast du natürlich recht - es ist die S-04 :Ahh

Ich werde es mal so probieren und dann berichten, was rausgekommen ist.

Liebe Grüße!

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Re: NEIPA-Rezept zu IPA-Rezept umwandeln

#9

Beitrag von chaos-black » Dienstag 11. Februar 2020, 16:30

Um möglichst nicht in die NEIPA Ecke zu gehen würde ich versuchen, die Estern der Hefe eher gering zu halten. Das kannst du z.B. über eine Gärung im unteren vorgeschlagenen Temperaturbereich erreichen.
Die Schüttung klingt (wenn man den Hafer weglässt) schon eher in Richtung Mid-Western IPA. Das ist eigentlich auch nur ein West Coast IPA aber mit mehr Malzigkeit.
Ich würde auf 16°P und 60 IBU peilen, ca. 20 IBU bei Kochbeginn, den Rest in den letzten 10 Minuten (je näher am Kochende desto besser). Beachte bitte zur IBU Berechnung deine Nachisomerisierungszeit einzukalkulieren, also die Zeit, die deine Würze braucht, um auf 80°C abzukühlen. Das Hopfenstopfen solltest du, nicht wie beim NEIPA typisch zu Beginn der Gärung, sondern bei Ende der Gärung vornehmen.
Ach, und wenn du noch Aromahopfen übrig hast, kannst du auch gern noch welchen für 20-30 Minuten in deine Würze tun, wenn sie auf 80°C runtergekühlt ist.
Cascade ist ein Hopfen, der auch typisch für klassische amerikanische IPAs ist, der Mosaic ist mehr ein Vertreter bei NEIPAs, passt aber bestimmt auch gut, dann wirds eben etwas tropisch-fruchtiger. Klassische American IPA Hopfen sind die sogenannten C-Hops (Cascade, Centennial [mein Favorit der genannten], Columbus, Chinook [der eine schöne knackige Bittere bringt!]).

Beste Grüße und viel Erfolg,
Alex

PS: Wenn du noch keine Rezeptkalkulationssoftware nutzt ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum einsteigen :)
Meine Hobbybrauerei: http://brauerei-flaschenpost.de/ (gerade offline)

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Re: NEIPA-Rezept zu IPA-Rezept umwandeln

#10

Beitrag von Lukas123 » Freitag 14. Februar 2020, 20:52

Dank dir herzlich für diese wertvollen Hinweise, chaos-black!

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