Leichtbier (Alt)

Fragen und Diskussion rund um Rezepturen.
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Rainer
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Leichtbier (Alt)

#1

Beitrag von Rainer » Freitag 17. Februar 2017, 14:10

Hallo,
würde für den Sommer gerne mal ein Altbier mit weniger Alkohol brauen. Einfach nur die Schüttung verringern und denken "das wird schon wie z.B Uerige schmecken" ist wohl nicht. Worauf muß ich achten? Verzuckerungsrast verlängern etc. Hopfen verringern? Gibt es evtl. schon fertige (ALT) :Smile Leichtbierrezepte?
Gruß
Rainer

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Alt-Phex
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Re: Leichtbier (Alt)

#2

Beitrag von Alt-Phex » Freitag 17. Februar 2017, 15:12

Leichtbier ist generell nicht ganz so einfach.

Für ein Altbier würde ich folgendes versuchen:

Stammwürze: 11°P

60% Pilsener
25% Münchner
10% Weizenmalz
5% Caramünch II
1% Röstmalz

10min 57°C
20min 63°C
35min 73°C

35IBU
70% Bitterhopfen zu Kochbeginn und 30% Aroma für 10min. Tettnanger/Mittelfrüh oder sowas.

Als Hefe die Brewferm Top. Durch den niedrigen EVG und die Rasten müsste man da bei etwa 4% Alk rauskommen.
Man könnte auch die Maltoserast weglassen und die Rast beim hochheizen nur "überfahren", dann dürfte es noch
etwas "leichter" werden.

Aber alles nur Theorie die ich mir hier grade azus den Finger gesaugt habe. :Greets
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

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Rainer
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Re: Leichtbier (Alt)

#3

Beitrag von Rainer » Freitag 17. Februar 2017, 16:30

Hallo Alt-Phex,
danke für die Antwort.
So in etwa habe ich mir das vorgestellt. Da ich in meinen Altbieren allerdings keinen Weizen haben möchte, würde ich dem Müma- und evtl. den Cara Anteil erhöhen. Cara nur leicht. Mit den 50 Ibu wie bei einem Uerige ist bei Leichtbier wohl zu hoch?
Gruß
Rainer

Blancblue
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Re: Leichtbier (Alt)

#4

Beitrag von Blancblue » Freitag 17. Februar 2017, 17:03

50 IBU ist zu hoch für so ein leichtes Bier, ich finde für den Anfang die 35 IBU von Alt-Phex recht passend. Was spricht gegen Weizen? Du könntest alternativ Gerstenflocken verwenden, die bringen auch noch etwas Textur und ein paar Dextrine mehr mit ins Bierchen.
Brauen ist zu 50% Kunst und zu 50% Handwerk. Dazu kommen noch mal 100% Erfahrung.

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Rainer
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Re: Leichtbier (Alt)

#5

Beitrag von Rainer » Samstag 18. Februar 2017, 11:18

Blancblue hat geschrieben: Was spricht gegen Weizen?
Meiner Meinung nach bleibt das Bier dadurch geschmacklich etwas flach.
Denke, dass Weizen in einem Düsseldorfer Alt nicht reingehört. Wenn das aber zum gelingen beiträgt, warum nicht! Wollte mehr Cara (hab noch Münchner) reinpacken, um etwas Vollmundigkeit reinzubringen.

Blancblue
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Re: Leichtbier (Alt)

#6

Beitrag von Blancblue » Sonntag 19. Februar 2017, 15:57

Durch das Weizen wird das Alt tatsächlich ein bissl schlanker, aber das Mundgefühl wird verbessert. Letztendlich gelten für ein Session Alt Bier die selben Tools wie für jedes Niedrig Alkohol Bier - an allen Schrauben drehen, die irgendwie Geschmack ins Bier bringen:

1. Niedrig vergärende Hefe für mehr Restsüße und weniger Alkohol

2. Pilsner durch "gehaltvollere" Malze wie Wiener und Münchner ersetzen oder auch über den Einsatz von Melanoidin oder Bisquit Malz nachdenken

3. Malze einsetzen, die mehr Textur/Mundgefühl ins Bier bringen wie z.B. Weizen, Hafer oder Roggen

4. Erhöhter Einsatz von Cara-Malzen für mehr Geschmack und Restsüße

5. Ein Maischeprogramm mit eher kurzer Maltose-Rast

6. Mehr Hopfenaroma als üblich

7. Die Hefe bei höheren Temperaturen vergären lassen für mehr Ester

8. Die Hefe underpitchen für mehr Ester.

9. Die IBUs zurückschrauben

10. Minimale Kochsalz-Gabe (max. 1TL pro 20L laut Randy Mosher) - gaukelt mehr Vollmundigkeit vor

11. 1% Röstmalz in der Schüttung - macht das Bier facettenreicher, geschmackvoller

Auch wichtig: Typische Stolperfalle ist die Sudhausbeute - vor allem durch den verstärkten Einsatz von dunklen bzw. Caramalzen sinkt diese und die kalkulierten IBU stimmen dann nicht mehr. Auch die Nachisomerisierungszeit bei hohen Aromagaben unbedingt im Blick haben.
Brauen ist zu 50% Kunst und zu 50% Handwerk. Dazu kommen noch mal 100% Erfahrung.

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Re: Leichtbier (Alt)

#7

Beitrag von Rainer » Sonntag 19. Februar 2017, 22:46

Hallo Blancblue,
danke für die vielen und guten Tipps. Werde mich damit mal ausführlich beschäftigen. Was ich so im ersten Moment umsetzen werde, ist der Einsatz von Wiener- statt Pilsener Malz und Verwendung von Melanoidinmalz (habe ich noch). Auch werde ich mit der Bittere runtergehen und mehr Aroma reinbringen. Sicher muß ich noch ein wenig an dem Rezept feilen, aber der Grundgedanke ist schon mal da. :Pulpfiction
Da ich glaube, dass die Haltbarkei t bei niedrigem Alkoholgehalt nicht so gut ist, braue ich erst Anfang Mai und werde dann berichten.
Gruß
Rainer

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Re: Leichtbier (Alt)

#8

Beitrag von Killa-Bräu » Montag 20. Februar 2017, 08:53

Hallo Rainer, schau mal in den Post von mavro. Thread: Rahmenbedingungen für Leichtbier , da steht eine schöne Zusammenfassung die für dich hilfreich sein kann. :thumbsup

Herzliche Grüße :Drink
Da Killa
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Re: Leichtbier (Alt)

#9

Beitrag von mavro » Montag 20. Februar 2017, 12:03

Hi Rainer,

schau mal hier:

Rahmenbedingungen für Leichtbiere
viewtopic.php?f=6&t=12255#p189019

Leichtbierrezepte
viewtopic.php?f=17&t=12446&view=unread#p192185
https://docs.google.com/document/d/1QQM ... sp=sharing


LG, Andreas
Viele Grüße, Andreas

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Rainer
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Re: Leichtbier (Alt)

#10

Beitrag von Rainer » Montag 20. Februar 2017, 17:23

@Da Killa,@Andreas,
danke für die Hinweise. Dort sind ja hinreichend Infos die man in ein Rezept einarbeiten kann. Vielleicht sollte ich mich von einem leichtem Alt
verabschieden und mich an vorhandene Rezepte anlehnen. Mal schauen, es wird sicher spannend. Warum ich allerdings unter Leichtbier nichts gefunden habe, keine Ahnung, denke zu dicke Finger, oder so. :Angel
Gruß
Rainer

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