Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

Fragen und Diskussion rund um Rezepturen.
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Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#1

Beitrag von Bronkhorst » Donnerstag 11. Januar 2018, 17:06

Hallo liebe Hobbybrauer!

Ich plane ein Pils nach dem Vorbild eines Rothaus Tannenzäpfle zu brauen.

Ich werde 90% Pima und 10% Wiema schütten.
Bittern mit Perle und Aroma mit Tettnanger.
Ziel sind 12,4°P und 32IBU. Vergärgrad, scheinbar ~79%.

Ich bin mir nur unsicher, wie ich die Hopfengaben gestalte, sprich Anzahl und Aufteilung der Hopfenmenge.
Ziel ist eben ein schön aromatisches Bier mit der Intensität wie die Pilsner von Rothaus, oder aber auch Schönramer etc.
Ich möchte aber auch keine Hopfen Bombe im Sinne eines PA oder gar IPA.
Ich nutze Tettnanger zum ersten Mal und habe keine Ahnung wie intensiv der ist.

Vielleicht hat ja einer von euch gute Erfahrungen mit einem Pilsner Hopfenschema gemacht?!

Danke euch im voraus!

Jens

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#2

Beitrag von chaos-black » Samstag 13. Januar 2018, 17:32

Um deinen Thread nochmal nach oben zu bringen - ich würde die Hopfengaben gut verteilen, das unterstützt komplexere Bittere und Aromen. 1/3 bei Kochbeginn, 1/3 ca 20-30min vor Kochbeginn und 1/3 in den letzten 5-10min. Angenommen du kochst 90min würde ich das z.B. so machen:
Eine Gabe Bitterhopfen bei Würzebruch (oder Aromahopfen in die Vorderwürze). Das ist das erste Drittel an IBU.
Eine Gabe Aromahopfen 30min vor Kochende, eine weitere 20min vor Kochende. Das ist zusammengenommen das zweite Drittel an IBU.
Eine Gabe Aromahopfen 10min vor Kochende, eine weitere 5 min vor Kochende. Die sind dann gemeinsam das letzte Drittel.

Dabei aber nicht vergessen, dass ich keins der Beispielbiere kenne.

Beste Grüße,
Alex
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#3

Beitrag von t3k » Sonntag 14. Januar 2018, 12:16

Für solche Fälle würde ich immer die Kombination aus:

1) Infos von www.hopfen-der-Welt.de
Und 2) den Rezeptkalkulator von müggeland verwenden:
https://brauerei.mueggelland.de/rezeptkalkulator.html

1) gibt die die Infos über den Hopfen und die zu erwartenden Aromen
2) hat für viele hopfen den Anteil an Ölen hinterlegt und zeigt die in % an von welcher Hopfengabe du wieviel Aroma u wieviel Bittere erzeugst.

Das hilft mir zumindest immer wenn ich Hopfengaben ausknobele ;)

Cheers
T3K

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#4

Beitrag von SandraB » Donnerstag 18. Januar 2018, 14:23

Hallo!

Ich habe mich zwar auch noch nicht an einem Bier in Tannenzäpfle-Art versucht, jedoch habe ich mich dazu schon mal belesen.
Die Brauerei selbst benutzt ja zweihäusigen Hopfen und größtenteils Aromahopfen.
Deshalb wäre ich sehr vorsichtig mit dem Bitterhopfen, damit sich die Mühe des Brauens auch auszahlt und das Ergebnis nicht zu bitter schmeckt :)

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#5

Beitrag von danieldee » Donnerstag 18. Januar 2018, 14:42

Hallo,

der Tettnanger hat halt schon ein ziemlich großen Eigengeschmack der nicht gerade üblich ist für ein Pils.
Geht bisl in die süßliche Richtung meiner Meinung nach.

Die Spalter Hopfen, Hersbrucker, Perle etc sind super Pilshopfen.

Klassische Hopfengaben werden so nach den IBUs aufgeteilt 50/20/30 jeweils zu Kochbeginn, letztes Drittel, kurz vor Flameout.

Das gibt eine harmonische Bittere.

Gruß Daniel
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#6

Beitrag von graf_drakeli » Mittwoch 24. Januar 2018, 22:45

ich bin persönlich bin ein großer Tettnangerfreund. Wir haben hier eine Privatbrauerei, die mit Tettnanger bei ihrem Pils arbeiten. Dadurch kam ich auf den Geschmack. Süßlich finde ich den nun überhaupt nicht, hat aber in der Tat einen eigenen Geschmack, der ein damit gebrautes Pils doch vom klassischem Standardpils postiv abhebt. Habe vor kurzem ein Pils mit überwiegend Tettnanger gebraut und auch überwiegend mit diesem gebittert. Erste Gabe komplett 90 Minuten mitgekocht. Kommt im Bekanntenkreis überall gut an.

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#7

Beitrag von Alt-Phex » Donnerstag 25. Januar 2018, 02:25

Also ich habe mal gelernt das man 70/30 aufteilt für ein harmonisches Hopfenaroma. Also 70% Bitterung und 30% Aromahopfung für die letzten 5-10min.

Bei Bieren wo ich das so angewandt habe hat das auch immer gut gepasst.
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#8

Beitrag von Bronkhorst » Donnerstag 25. Januar 2018, 12:12

Vielen Dank für eure Antworten, ich hatte schon gar nicht mehr an den Tröt gedacht!
Das hilft mir schon weiter.

Das Tannenzäpfle soll in erster Linie mit Tettnanger gehopft sein. Wenn dem so ist, mag ich diesen Hopfen und finde auch, dass er positiv heraus sticht.

Ich würde dann in etwa so vorgehen:
90' kochen
75' Perle 50% IBU
30' Perle (ggf. zusätzlich Tettnanger) 20% IBU
10' Tettnanger
0' Tettnanger zusammen mit der 10' Gabe 30% IBU

Was meint ihr dazu?

Jens

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#9

Beitrag von chaos-black » Donnerstag 25. Januar 2018, 12:35

Das meiste davon find ich in Ordnung, nur ergibt die 75' Perle Gabe nicht so viel Sinn finde ich. Die Bittergabe kann man schon direkt nach Würzebruch (also bei 90') machen, das meiste Aroma davon wird ja eh verkocht. Dann sparst du dir vlt ein paar Gramm :D

Beste Grüße,
Alex
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#10

Beitrag von Bronkhorst » Donnerstag 25. Januar 2018, 12:55

Der Würzebruch findet doch erst nach ca. 10-15' statt und nicht direkt zu Beginn des Kochens.

Jens

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#11

Beitrag von chaos-black » Donnerstag 25. Januar 2018, 12:58

Ich zähle meine Kochzeit immer erst ab Würzebruch, dachte das muss so für die richtige IBU Berechnung?
Vielleicht kann ja ma einer der Profis was dazu sagen.

Beste Grüße,
Alex
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#12

Beitrag von Bronkhorst » Donnerstag 25. Januar 2018, 14:46

Ne, die Isomerisierung der Alphasäure beginnt min ab 80°C, deswegen macht man die Whirlpoolhopfung auch bei <80°C, damit eben nicht mehr Bittere entsteht.

Jens
Zuletzt geändert von Bronkhorst am Donnerstag 25. Januar 2018, 14:50, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#13

Beitrag von chaos-black » Donnerstag 25. Januar 2018, 14:49

Das ist mir bewusst, aber wenn ich mich nicht täusche findet die Isomerisierung bei höheren Temperaturen schneller statt und beeinflusst dementsprechend die Kalkulation. Schmeisst du deinen Bitterhopfen also immer schon beim Aufheizen rein und lässt den Timer für Kochen ab dann zählen? Spricht ja nichts gegen Vorderwürzehopfung, aber Kochbeginn ist das in meinen Augen nicht.

Beste Grüße,
Alex
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#14

Beitrag von Bronkhorst » Donnerstag 25. Januar 2018, 14:56

Nein, ich habe von Whirlpoolhopfung und nicht Vorderwürzhopfung gesprochen.

Ich zähle den Beginn der Kochzeit sobald es anfängt zu Wallen. Warte also wie oben beschrieben 15' und gebe den Bitter hopfen dazu. Der meines Wissens dem Würzebruch sogar förderlich sein soll.

Jens

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#15

Beitrag von Boludo » Donnerstag 25. Januar 2018, 15:50

Es ist doch für die Berechnung vollkommen egal, wann der Hopfen zur Bitterung genau zugegeben wird. Nach 70 Minuten kochen passiert doch eh kaum noch was.
Und dass mit den 10% Abzug bei Vorderwürzehopfung ist auch so eine Sache. Die Berechnung ist dermaßen ungenau, dass es da auch nicht mehr drauf ankommt.
Die Tinseth Formel wurde übrigens mit Dolden gemacht, das ist dann auch noch mal was anderes als Pellets.
Ich glaube, die meisten würden sich ganz schön wundern, wenn sie ihre penibel errechneten Bittereinheiten mal nachmessen lassen würden.

Stefan

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#16

Beitrag von Blancblue » Donnerstag 25. Januar 2018, 18:45

Boludo hat geschrieben:
Donnerstag 25. Januar 2018, 15:50
Ich glaube, die meisten würden sich ganz schön wundern, wenn sie ihre penibel errechneten Bittereinheiten mal nachmessen lassen würden.
Eben - vor allem wenn man mit Aromahopfen arbeitet, gibts ordentliche Schwankungen. Und dann schmecken trotz gleicher IBU Zahl die Hopfen auch noch unterschiedlich bitter.... Ich finde dieses PDF von Adrian Forster immer wieder sehr lesenswert zu dem Thema (und Hopfen allgemein:

http://www.deutscher-hopfen.de/contents ... 202009.pdf
Brauen ist zu 50% Kunst und zu 50% Handwerk. Dazu kommen noch mal 100% Erfahrung.

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#17

Beitrag von Mops » Freitag 14. September 2018, 12:31

Hallo Jens,

ich würde dieses Thema hier gerne mal wieder anschieben, besonders weil ich selbst daran interessiert bin ein Klone vom Tannenzäpfle zu brauen. Ich finde erstaunlich dass es gerade bei einem so erfolgreichen und beliebt/berüchtigten BIer wie dem Rothaus Tannenzäpfle so gut wie gar keine ( deutschsprachigen) Clone-Rezepte im Netz rumschwirren, ich habe jedenfalls keins gefunden, bis auf deinen Ansatz hier im Forum. Daher die Frage: Was ist denn nun aus deinen Versuch(en) geworden ?

Ich habe ein engl. Rezept gefunden, dass mir als Grundlage sehr schlüssig erscheint und dass ich hier - in der Hoffnung auf viele Meinungen, Ratschläge und Erfahrungen - zur Diskussion stellen möchte:

4 kg Pilsener Malz 2row ( aus 2‐​reihiger Sommer­gers­te, damit wirbt jedenfalls Rothaus), normales geht sicher auch
0,25 kg Cara Pils
0,25 kg Münchner Malz hell

28 gr. Hallertau Mittelfrüh Boil 60 minutes 7.5 alpha 28.2 IBU
14 gr. Hallertau MIttelfrüh Boil 15 minutes 7.5 alpha 7.0 IBU
14 gr Tettnanger Boil 15 minutes 7.5 alpha 7.0 IBU
28 gr. Tettnanger WP 0 minutes 7.5 alpha 0.0 IBU (runterkühlen auf 75-80°,Hopfen zugeben und WP anwerfen)

Ziel wären um die ( rechnerisch) 42 IBU, je nach AlphaWert des Hopfen muß hier das Rezept angepasst werden, evtl. Nachisozeit einberechnen.

11,7 l HG einmaischen bei 71°, 60 min. bei 67° (??), dann hochfahren auf 76°, Abmaischen
4,9 l NG 76-78°, Würze auf 20l verdünnen und zum Kochen bringen, 60 min. Hopfenkochen (siehe oben)

Würze auf 12,5 STW bringen, Hefe: Wyeast Czech Pils 2278 (engl. Rezept), ich würde aber W34/70 nehmen wollen.

Was meint ihr, wäre das ein Weg ?? Unschlüssig bin ich mir bei der Rasttemp. von 67°. Hier taucht für mich die Frage auf: eher in Richtung 65° oder eben höher umd die 67° (+/- 2°)

LG, Mops

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#18

Beitrag von Bronkhorst » Freitag 14. September 2018, 19:29

Hi Mops (!?),

Das Bier das ich gebraut habe ging in die Richtung Zäpfle, aber mehr auch nicht!
Ich habe viel Tettnanger benutzt, gerade zum Ende hin, aber der Hopfen produziert ein Aroma, welches in der Form beim Original nicht vorhanden ist.
Ich habe allerdings auch mit der Lallemand Diamond und viel destilliertem Wasser experimentiert. Beides war nicht so der Bringer! Deswegen habe ich den Sud vor 3 Wochen nochmal mit aufbereitetem Leitungswasser und W34/70 in 2. Führung gebraut. Es wird aber mit Sicherheit auch nicht wie ein Zäpfle werden, da ich Es nicht sein lassen konnte noch Citra mit in den Whirlpool zu schmeißen.

Details zu meinem 1. Rezept kann ich leider erst am Sonntag posten.

Jens

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#19

Beitrag von Johnny H » Freitag 14. September 2018, 21:44

Mops hat geschrieben:
Freitag 14. September 2018, 12:31
[...]

Ich habe ein engl. Rezept gefunden, dass mir als Grundlage sehr schlüssig erscheint und dass ich hier - in der Hoffnung auf viele Meinungen, Ratschläge und Erfahrungen - zur Diskussion stellen möchte:

4 kg Pilsener Malz 2row ( aus 2‐​reihiger Sommer­gers­te, damit wirbt jedenfalls Rothaus), normales geht sicher auch
0,25 kg Cara Pils
0,25 kg Münchner Malz hell

28 gr. Hallertau Mittelfrüh Boil 60 minutes 7.5 alpha 28.2 IBU
14 gr. Hallertau MIttelfrüh Boil 15 minutes 7.5 alpha 7.0 IBU
14 gr Tettnanger Boil 15 minutes 7.5 alpha 7.0 IBU
28 gr. Tettnanger WP 0 minutes 7.5 alpha 0.0 IBU (runterkühlen auf 75-80°,Hopfen zugeben und WP anwerfen)

Ziel wären um die ( rechnerisch) 42 IBU, je nach AlphaWert des Hopfen muß hier das Rezept angepasst werden, evtl. Nachisozeit einberechnen.

[...]
Würze auf 12,5 STW bringen, Hefe: Wyeast Czech Pils 2278 (engl. Rezept), ich würde aber W34/70 nehmen wollen.
[...]
Ich würde weder Cara noch MüMa für ein Pils nehmen und lieber dafür eine kleine Dekoktion für etwas Charakter einschieben. Muss ja nicht ein komplettes Zwei- oder Dreimaischverfahren sein wie bei einem böhmischen Pils.

Zur Hopfung vom Zäpfle kann ich leider gar nichts sagen, außer dass ich nicht glaube, dass da 42 IBUs drin sind. Laut Michaels LIste hat es 33 IBUs, was mir sehr viel realistischer erscheint.

Den Mittelfrüh finde ich einen sehr schönen Aromahopfen. Habe den schon öfter in Pale Ales im Rahmen von Braukursen als Aromahopfen verbraut, und das war eigentlich immer ganz lecker, aber insgesamt kenne ich die deutschen Hopfensorten auch nicht gut genug, um mich beim Rothaus auf einen festlegen zu können.

Tettnanger passt gut in ein Pils, finde ich. Ich glaube, Philipp von Hops&Barley verwendet den für sein Pils, wenn ich die Getränkekarte gerade richtig in Erinnerung habe. Vielleicht kannst du das ja mal testen, ob das in die richtige Richtung geht oder auch parallel verkosten?

Die Rezeptur klingt für mich insgesamt sehr "amerikanisch": viel (Spezial)Malze, viel (mehr) Hopfen (als nötig) und Kombirast (wobei letztere wahrscheinlich nicht so entscheidend ist). Wird sicher auch lecker, aber mit dem Original wird es wenig zu tun haben.

Das wichtigste ist sowieso die Gärführung: kalt und viel Hefe! Und aufs Wasser achten, gerade hier in Berlin! Ich melde auf jeden Fall schon mal Interesse an an einer Verkostung.
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#20

Beitrag von Mops » Freitag 14. September 2018, 22:57

@ Jens:

danke für die Antwort. Das ist ja schon mal sehr interessant mit dem Tettnanger. Rothaus wirbt ja mit folgendem: "unseren Hopfen beziehen wir ausnahmslos aus Tettnang und der Hallertau. Auf den Einsatz von Bitterhopfen verzichten wir vollständig." Da es das Zäpfle seit mittlerweile 62 Jahren gibt gehe ich davon aus das es sich im Rezept definiv um traditionelle Hopfensorten handeln muß:
Hallertauer Mittelfrüh, (H.-Tradition ist eine Züchtung aus dem Mittelfrüh und erst 1973 eingeführt)
Hersbrucker
Tettnanger
Vielleicht bildet Tettnanger eher den Bitterungskomplex beim Zäpfle und die Hallertauer Sorten geben das Hopfenaroma in derspäten Bitterung ??

@Jonny H. :

- Interessanter Einwand mit dem Cara und MüMa. Finde die Idee mit der Dekoktion für Charakter nicht verkehrt. Komme da gerne nochmal für genaue Details auf Dich zurück.
- Ja, ich weiß, das Zäpfle hat 32 od. 33 IBUs, aber erfahungsgemäß habe ich das Gefühl dass man bei der Bittere eher auf einen höheren Wert rechnen sollte beim Selbstgebrauten, ist jedenfalls bei mir so....
- Ich gebe Dir recht: Traditionalisten wie die Süddeutschen nun mal sind werden sie auch im Hochschwarzwald eher "pur" mit Pilsener Malz brauen als mit Spezial-Malzen, wobei ich 5% Carahell+ 5% Münchner Malz hell jetzt auch nicht als "viel" bezeichnen würde.
- Klar bekommst du mal ne` Probe falls ich nich an diese Aufgabe wage

LG, Bernhard aka Mops

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#21

Beitrag von Bronkhorst » Freitag 14. September 2018, 23:34

Ich glaube Müma ist schon eine gute Idee. Bei mir bestand die Schüttung wenn ich mich recht erinnere aus 80% Pima und 20% Wiema.
Ich persönlich glaube die Kombi aus gängigen Basismalzen ist hier am ehesten zu vermuten.

Gruß
Jens

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#22

Beitrag von Johnny H » Samstag 15. September 2018, 09:41

Ein bisschen MüMa schadet sicher nicht, aber ich würde da schon aufpassen. Ich nehme für meine Hellen immer so 8-10%, was schon für eine deutlich malzige Note und Zufärbung sorgt. Im letzten Versuch bin ich etwas runtergegangen auf 5%, Ergebnis steht noch aus. Für ein PIls würde ich das MüMa persönlich sogar ganz weglassen, aber das ist natürlich auch ein wenig Geschmackssache. Und ich muss dazusagen, dass ich Übernachtabkühler bin, was auch für einen Teil der von mir beobachteten Zufärbung sorgen mag.

Insgesamt geht es natürlich schon auch um die Frage, wie nahe man am Original bleiben will. Da wird es unter den uns meist zur Verfügung stehenden Bedingungen sowieso schon sehr schwer bis quasi unmöglich, die Brauereibedingungen nachzustellen (Sauerstoffeintrag, kalte Gärung mit evtl. frisch hergeführter Hefe).

Die 2278 ist eigentlich eine tschechische Hefe, die in meiner Erfahrung auch nochmal ein bisschen Süße übrig lässt, evtl. auch ein wenig Diacetyl. Die W34/70 kann ich mir für ein süddeutsches Pils aber auch vorstellen.
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#23

Beitrag von Boludo » Samstag 15. September 2018, 10:13

Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann ist das Tannenzäpfle kein typisch norddeutsches Pils, sondern deutlich malziger. Da könnte ein wenig MüMa eventuell sogar passen.
In ein typisch norddeutsches Pils würde ich das aber nicht reinmachen.

Stefan

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#24

Beitrag von Ladeberger » Samstag 15. September 2018, 12:05

Beim Tannenzäpfle spielen auch die für ein Pils recht hohe Stammwürze (12,4 %) und der vergleichsweise niedrige Vergärungsgrad (ca. 77 % VGs) eine zentrale Rolle.

Gruß
Andy

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#25

Beitrag von Mops » Samstag 15. September 2018, 14:18

Johnny H hat geschrieben:
Freitag 14. September 2018, 21:44

Ich würde weder Cara noch MüMa für ein Pils nehmen und lieber dafür eine kleine Dekoktion für etwas Charakter einschieben. Muss ja nicht ein komplettes Zwei- oder Dreimaischverfahren sein wie bei einem böhmischen Pils.
Hi Jonny,

okay, wie würdest Du das denn machen ?? Dekoktion habe ich noch nicht gemacht.

LG,

Bernhard

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#26

Beitrag von Johnny H » Samstag 15. September 2018, 17:35

Hi Bernhard,

da gibt es zum einen den tollen Artikel von Moritz im Braumagazin, der ein paar Verfahren vorstellt und eigentlich wenig grundsätzliche Fragen offen lässt: Verkocht und zugebrüht. Hier hat Moritz ein gerafftes Zweimaischverfahren erläutert, was ich z.B. für kräftige Baltic Porter verwende (Var. 1).

Für meine böhmischen Pilsner mache ich meistens ein klassisches Zweimaischverfahren in der Art, wie es Kurt in diesem Rezept erläutert hat (Var. 2).

Meine letzten Hellen habe ich nach dem Maischeschema in diesem Rezept (Born to Raise Hell) gebraut, d.h. ich bin nur den Schritt zwischen 67°C und 72°C mit der Entnahme und zehnminütigem Kochen von etwa 25% Dickmaische gegangen. Die Erläuterung dazu steht im Text unter dem Rezept. Das ist also nur eine Minidekoktion (Var. 3).

Somit steht Dir also eine große Spielwiese offen. Irgendwo zwischen Var. 2 und 3 würde ich persönlich in Deinem Fall ansetzen. Wir können gerne auch mal beim Berliner Stammtisch darüber reden, wobei ich dieses Mal wohl nicht komme.
Zuletzt geändert von Johnny H am Samstag 15. September 2018, 20:29, insgesamt 1-mal geändert.
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(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#27

Beitrag von Bronkhorst » Samstag 15. September 2018, 20:17

So, habe jetzt mein 1. Rezept vorliegen.
Wie Boludo schon schrieb ist das Bier als Süddeutsche Vertreter des Pilsener im Vergleich zum Norddeutschen etwas malziger, daher hatte ich Wiener Malz zum Pilsner geschüttet.
Ladeberger hat es auch richtig bemerkt, dass die Stw. mit 12,4 °P recht hoch ist und "nur" auf einen AVG von 78% vergoren wird. Diese Parameter habe ich in meinem Rezept ebenfalls beachtet.
Habe ich beim nächsten Mal auch so gemacht.
Ich würde für einen Klon die Aromagabe aber nicht mehr allein mit Tettnanger machen, sondern bspw. den Mittelfrüh nutzen.
Aber nun das Rezept:
Ausschlag 23l
12,4°P
32IBU
G°s=78% (erreicht 77,4%)

Einmaischen bei 55°C
aufheizen auf 67°C, 60 min. Rast, direkt abgemaischt

90% Pilsner Malz
10% Wiener Malz

18g Perle bei 75 min
9,5g Perle bei 30 min
40g Tettnanger bei 10 min
53,6g Tettnanger bei 0 min
9g Tettnanger im Whirlpool (war der Rest)

4 Pck Lallemand Diamond Lager
Angestellt bei 8,0 °C

Haupt- u. Nachguss mit Milchsäure aufbereitet, ein Verschnitt aus 32l destilliertem Wasser und Leitungswasser (würde ich nicht mehr so machen)

Meine, vor drei Wochen gebraute Version, unterscheidet sich durch das Wasser (nur Leitung) aufbereitet mit Calcium Chlorid und Milchsäure.
Und durch ein Gabe Citra (1,3g/l im WP) Ergebnis steht noch aus.

Für einen besseren Clone würde ich vielleicht 5-8% Müma 2 und den Rest Pilsner nehmen. Desweiteren die letzte Gabe Tettnanger bei 5min. kombiniert mit vielleicht Mittelfrüh, wobei ich mich mit der Hopfensorte nicht festlegen wollte.

Gruß
Jens

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#28

Beitrag von Mops » Sonntag 16. September 2018, 17:59

@ jens: Danke nochmals für den input. Wie warst Du denn mit dem Verhältnis zwischen der Bittere und Restsüße bei deinem ersten Rezept zufrieden ? Sehr gespannt bin ich auch auf das Ergebnis Deines neuen Brauversuchs in diese Richtung. Ich habe mal ein ziemlich herbes Pils gebraut und konnte es auch nicht lassen und hatte es noch sehr dezent mit Cascade ( ca. 0,5gr pro l ) gestopft, es war furz-trocken und hatte aber diesen (leichten) "Pale-Ale-Hopfen-Touch" und fand es absolut super !!
Ich werde spaßeshalber mal einen eigenen Threat zum Thema Tannenzäpfle Klone Rezept aufmachen, mal sehen was da noch so an Anregungen kommt.
Aber bitte teile die Ertgebnisse deines neuen Rezept sobald es trinkreife erreicht hat. LG & thx - Bernhard

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#29

Beitrag von Mops » Sonntag 16. September 2018, 18:02

@jonny: Danke für die Anregungen. Var.3 finde ich sehr interessant. THX !! LG, Bernhard

Bronkhorst
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#30

Beitrag von Bronkhorst » Sonntag 16. September 2018, 20:24

Das Bier war im Grunde ganz gut. Ich schiebe dem destillierten Wasser eine Astringenz und komisches Mundgefühl zu. Die Hefe hat dem Bier einen deutlichen Fingerabdruck verpasst, der mir nicht gefallen hat.
Der Hopfen war blumig, ganz leicht süßlich und kräuterig.
In Summe war es ein gut trinkbares Bier, das auch schnell weg war.
Bittere und Restsüße, bzw. Körper waren sehr ausgewogen, wodurch sich unter anderem die Süffigkeit erklärt. Als betont bitter im Sinne eines Pilsner konnte man es aber keinesfalls bezeichnen.

Jens

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