Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

Fragen und Diskussion rund um Rezepturen.
Antworten
Cobo
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 309
Registriert: Sonntag 29. November 2015, 14:46
Wohnort: Graz

Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#1

Beitrag von Cobo » Samstag 5. Januar 2019, 13:52

Hallo Braugemeinde,
ich werde demnächst zwei Barley Wines brauen, einen amerikanischen und einen britischen. Daher mal kurz ein paar Fragen.

Passt die Schüttung so für euch, kann man das so machen?
Geht das mit einer Kombirast und einkochen des Nachlaufs?
Schafft die Hefe das, vorausgesetzt man macht einen ordentlichen Starter und verwendet zwei Packungen?

Englischer Barleywine

Ausschlagmenge: 16l
Stammwürze: 22.8°P
Alkohol: 10%vol
Bittere: 55IBU
Farbe: 37EBC

Schüttung:
5300g Maris Otter Malt 4 EBC (92%)
210g Karamellmalz dunkel Typ II 120 EBC (4%)
210g Brown Malt 200 EBC (4%)
15g Rauchmalz 5 EBC (0%)

Wasser:
Hauptguss: 17.2l
Nachguss: 6.9l

Maische:
5735g Schüttung Einmaischen in 17.2 Liter Wasser mit 74°C ergibt 66°C. 60 Minuten Rast.
Abmaischen wenn Jodnormal

Hopfen:
40g Fuggles Pellets 5%α 60min Kochen (22 IBU, 40%)
20g Fuggles Pellets 5%α 15min Kochen (9 IBU, 16%)
30g East Kent Golding Pellets 6.3%α 10min Kochen (15 IBU, 27%)
20g East Kent Golding Pellets 6.3%α 2min Kochen (9 IBU, 16%)

Hefe:
WYEAST 1028 London Ale, Gärung bei 21°C


Vielen lieben Dank schon mal fürs drüberschauen.
Zuletzt geändert von Cobo am Sonntag 6. Januar 2019, 09:46, insgesamt 1-mal geändert.
Wird demnächst gebraut: Englischer und Britischer Barley Wine, verbessertes Red Ale, Epic Imp. Stout
Derzeit in Gärung:
In Reifung: Milk Stout mit Cacao-Nibs, Kilt Lifter Scotch Ale
Trinkreif: Hop Chop Red Ale, Imperial Stout mit Cacao-Nibs

Benutzeravatar
Tozzi
Moderator
Moderator
Beiträge: 4075
Registriert: Montag 22. Februar 2016, 23:17
Wohnort: München

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#2

Beitrag von Tozzi » Sonntag 6. Januar 2019, 01:37

Bei 22,8˚P wirst Du nicht auf 10% ABV kommen, mit der 1028, denke ich.
Auch nicht mit auf maximale Vergärung getrimmtem Maischplan.
Ich würde da noch Sirup oder Kandis mit reinkippen.

Aber schmecken wird das, denke ich.
Viele Grüße aus München
Stephan

Benutzeravatar
muldengold
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 979
Registriert: Montag 25. Oktober 2010, 16:54

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#3

Beitrag von muldengold » Sonntag 6. Januar 2019, 08:49

Das Rezept ist gut. Das wird ein super Barleywine.

Das A und O bei Barleywines (und jedem anderen Bier in dieser Größenordnung) ist ein guter Starter. Das Zweitwichtgste ist...äh... ein guter Starter!
Für 16 Liter Ausschlagswürze würde ich einen 2 Liter Starter machen. Sonst pupst die Hefe vorher ab und Du bekommst nur einen unbefriedigenden Endvergärungsgrad (bei der Wyeast 1028 z.B. 68 statt 75%) - und das schmeckt einfach unrund/pappig/süsslich. Zudem führt underpitching zu erhöhter Esterproduktion und neben der pappigen Restsüße wird der Barleywine auch noch übermäßig estrig schmecken. Und das ist dann halt kein schönes Ergebnis nach all der Arbeit und dem monatelangen Warten.

Noch ein letzter Tip: mach einen guten Starter! :Smile

Sandro

Benutzeravatar
muldengold
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 979
Registriert: Montag 25. Oktober 2010, 16:54

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#4

Beitrag von muldengold » Sonntag 6. Januar 2019, 08:51

Tozzi hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 01:37
Ich würde da noch Sirup oder Kandis mit reinkippen.
Ich würde das nicht machen. Nicht weil es an sich eine schlechte Empfehlung ist, sondern einfach weil es untypisch für den Bierstil ist.

Cobo
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 309
Registriert: Sonntag 29. November 2015, 14:46
Wohnort: Graz

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#5

Beitrag von Cobo » Sonntag 6. Januar 2019, 09:44

muldengold hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 08:49
Noch ein letzter Tip: mach einen guten Starter! :Smile
Danke für das gute Feedback. Noch eine Frage: Wäre es nicht eine Option die Hefe zuvor für ein leichteres Bier mit ähnlicher Schüttung zu verwenden und diese dann für den Barleywine weiterzuverwenden? In zweiter Führung sollte die dann ja schon entsprechend aktiv sein oder?
Tozzi hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 01:37
Ich würde da noch Sirup oder Kandis mit reinkippen.
Das hatte ich mir kurz überlegt, aber da ich eher ein klassisches britisches Rezept entwickeln wollte habe ich mich entschlossen ihn wegzulassen.
Wird demnächst gebraut: Englischer und Britischer Barley Wine, verbessertes Red Ale, Epic Imp. Stout
Derzeit in Gärung:
In Reifung: Milk Stout mit Cacao-Nibs, Kilt Lifter Scotch Ale
Trinkreif: Hop Chop Red Ale, Imperial Stout mit Cacao-Nibs

Benutzeravatar
muldengold
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 979
Registriert: Montag 25. Oktober 2010, 16:54

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#6

Beitrag von muldengold » Sonntag 6. Januar 2019, 10:13

Cobo hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 09:44
Noch eine Frage: Wäre es nicht eine Option die Hefe zuvor für ein leichteres Bier mit ähnlicher Schüttung zu verwenden und diese dann für den Barleywine weiterzuverwenden? In zweiter Führung sollte die dann ja schon entsprechend aktiv sein oder?
Das geht sogar sehr gut - mach aber wirklich ein leichtes Bier, damit die Hefe nicht gestresst, sondern fit und willig in die 2.Schicht geht :Wink

jemo
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 679
Registriert: Donnerstag 8. Mai 2014, 13:05
Wohnort: Monheim am Rhein

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#7

Beitrag von jemo » Sonntag 6. Januar 2019, 10:25

Cobo hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 13:52

5300g Maris Otter Malt 4 EBC (92%)
Falls Du Dich an einem historischen Vorbild orientieren möchtest, kannst Du normales PiMa nehmen. Mais Otter ist eine relativ neue Züchtung, die gibt es erst seit 1966.
Derzeit auf Glycerin: W177,208; WLP001,002,007,011,029,400,530,565,4000; Wyeast1084,1272,3068; Z043; Framgarden; Tomcat
Gerne Tausch, kein Verkauf, nix für lau.
Viele Grüße, Jens

Cobo
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 309
Registriert: Sonntag 29. November 2015, 14:46
Wohnort: Graz

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#8

Beitrag von Cobo » Sonntag 6. Januar 2019, 11:15

jemo hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 10:25
Falls Du Dich an einem historischen Vorbild orientieren möchtest, kannst Du normales PiMa nehmen. Mais Otter ist eine relativ neue Züchtung, die gibt es erst seit 1966.
Oh cool, das wußte ich nicht. Hatte ursptünglich PA als Basismalz, dann aber doch das Maris Otter geplant weil ich dachte es wäre "authentischer". Man lernt nie aus :thumbup
Wird demnächst gebraut: Englischer und Britischer Barley Wine, verbessertes Red Ale, Epic Imp. Stout
Derzeit in Gärung:
In Reifung: Milk Stout mit Cacao-Nibs, Kilt Lifter Scotch Ale
Trinkreif: Hop Chop Red Ale, Imperial Stout mit Cacao-Nibs

Benutzeravatar
flying
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 12512
Registriert: Donnerstag 14. August 2008, 18:44

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#9

Beitrag von flying » Sonntag 6. Januar 2019, 18:28

"Normales PiMa" sind allerdings noch deutlich neuere Züchtungen. Mit dem Maris Otter liegst Du schon richtig. Ohne die stark an alten Traditionen hängenden Engländer gäbe es auch das Maris Otter nicht mehr. Man kann davon ausgehen, dass es schon bei der Einführung dem gewohnten Geschmack nicht unähnlich war..
Held im Schaumgelock

"Fermentation und Zivilisation sind untrennbar verbunden"
(John Ciardi)

jemo
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 679
Registriert: Donnerstag 8. Mai 2014, 13:05
Wohnort: Monheim am Rhein

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#10

Beitrag von jemo » Sonntag 6. Januar 2019, 19:44

flying hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 18:28
Mit dem Maris Otter liegst Du schon richtig. Ohne die stark an alten Traditionen hängenden Engländer gäbe es auch das Maris Otter nicht mehr.
Schwer zu sagen, da Maris Otter eine relativ neue Züchtung ist und letztendlich die alten Sorten nicht mehr zur Verfügung stehen.
Da man deshalb einen historischen Barley Wine eh nicht mehr brauen kann, ist die verwendete Sorte wahrscheinlich egal. Zumal man aufgrund des im Rezept enthalten Brown Malt den Unterschied wohl nicht schmecken wird.
Derzeit auf Glycerin: W177,208; WLP001,002,007,011,029,400,530,565,4000; Wyeast1084,1272,3068; Z043; Framgarden; Tomcat
Gerne Tausch, kein Verkauf, nix für lau.
Viele Grüße, Jens

Captain Brewley
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 911
Registriert: Samstag 6. April 2013, 09:23

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#11

Beitrag von Captain Brewley » Samstag 2. Februar 2019, 00:08

Ich habe auch vor, in absehbarer Zeit einen Barley Wine nach Englischer Art zu brauen. Welchen Hefestamm würdet ihr dafür empfehlen?

Klar, möglichst alkoholtolerant, aber die belgischen Hefen entsprechen dann auch nicht exakt dem Stil, würde ich meinen. Wenn es keinen zu großen Unterschied macht, würde ich Trockenhefe bevorzugen.

Danke schon mal!

Gunter

Butterbrot
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 103
Registriert: Sonntag 19. Februar 2017, 12:56

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#12

Beitrag von Butterbrot » Mittwoch 6. Februar 2019, 20:18

Captain Brewley hat geschrieben:
Samstag 2. Februar 2019, 00:08
Ich habe auch vor, in absehbarer Zeit einen Barley Wine nach Englischer Art zu brauen. Welchen Hefestamm würdet ihr dafür empfehlen?

Klar, möglichst alkoholtolerant, aber die belgischen Hefen entsprechen dann auch nicht exakt dem Stil, würde ich meinen. Wenn es keinen zu großen Unterschied macht, würde ich Trockenhefe bevorzugen.

Danke schon mal!

Gunter
Hallo Gunter,

Ich könnte mir die M42 "New World Strong Ale Yeast" von Mangrove Jack sehr gut vorstellen. Das ist allerdings jetzt wirklich keine fundierte Empfehlung, da ich

(1) noch nie einen Barleywine gebraut habe,
(2) unter den englischen Hefen nur Notti, WY 1318, Mangrove Jack's M42 und WLP 002 kenne,
(3) die M42 selbst erst 1x verwendet habe.

Bei dem einen Mal hat sie allerdings ein (abgespecktes) Wee Heavy von 18,8 auf 3 Plato runtergefuttert ohne die geringste alkoholische Schärfe zu erzeugen (schon nach wenigen Wochen herrlich) und hat einen wirklich schönen, vielschichtigen Malzcharakter (für mich schmeckt's nach Marzipan) und eine (für mich) sehr feine Fruchtigkeit (die natürlich so nicht zwingend zum Stil passt, aber is' mir wurscht) hinterlassen.

Wie gesagt, take it with a grain of salt, aber zumindest ich hab die Hefe definitiv für die Zukunft auf dem Schirm (und will sie dann noch dezidiert mit anderen, beispielsweise der WY 1728, vergleichen.)

Gruß,
Daniel


EDIT: Sorry für den Hijack, aber bei Barleywine denke ich an Eichenholz. Die Eichenholzchips, die man in einschlägigen Shops so findet, scheinen ja eher gemischte Ergebnisse zu bringen (vor allem bei längerer Reifung). Im amerikanischen Raum scheinen oak cubes beliebter zu sein; hier sind sie allerdings schwer aufzutreiben (habe nur ein recht teures Angebot eines britischen Händlers auf ebay gefunden). Hat da jemand Ideen?
[Eine Möglichkeit wären alte Whisky/Rum/Tequila/...-Fässer, die teils in Stücken im BBQ-Fachhandel als Räucherholz verkauft werden. Allerdings weiß ich nicht, ob die geeignet sind, oder eventuell nachbehandelt wurden. Habe mal bei einem Hersteller per E-Mail angefragt, mal sehen.]

Captain Brewley
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 911
Registriert: Samstag 6. April 2013, 09:23

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#13

Beitrag von Captain Brewley » Mittwoch 6. Februar 2019, 21:35

Butterbrot hat geschrieben:
Mittwoch 6. Februar 2019, 20:18
EDIT: Sorry für den Hijack, aber bei Barleywine denke ich an Eichenholz. Die Eichenholzchips, die man in einschlägigen Shops so findet, scheinen ja eher gemischte Ergebnisse zu bringen (vor allem bei längerer Reifung). Im amerikanischen Raum scheinen oak cubes beliebter zu sein; hier sind sie allerdings schwer aufzutreiben (habe nur ein recht teures Angebot eines britischen Händlers auf ebay gefunden). Hat da jemand Ideen?
[Eine Möglichkeit wären alte Whisky/Rum/Tequila/...-Fässer, die teils in Stücken im BBQ-Fachhandel als Räucherholz verkauft werden. Allerdings weiß ich nicht, ob die geeignet sind, oder eventuell nachbehandelt wurden. Habe mal bei einem Hersteller per E-Mail angefragt, mal sehen.]
Danke schon mal für den Tipp!

Ja, für den Barley Wine kann ich mir Eiche auch gut vorstellen und würde auch Cubes statt Chips nehmen. Ich würde hier kaufen: https://www.tiroler-kupferschmiede.com/ ... ung-100-gr
Außerdem könnte ich mir noch Trockenfrüchte vorstellen bin aber erst in der Rezeptfindung.

Cobo
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 309
Registriert: Sonntag 29. November 2015, 14:46
Wohnort: Graz

Re: Rezeptcheck: Englischer Barley Wine

#14

Beitrag von Cobo » Donnerstag 7. Februar 2019, 11:39

Ich kann euch diese Holzspiralen empfehlen: https://www.hopfen-der-welt.de/holzspiralen/

Die werden ebenfall in den USA hergestellt und verwendet...
Wird demnächst gebraut: Englischer und Britischer Barley Wine, verbessertes Red Ale, Epic Imp. Stout
Derzeit in Gärung:
In Reifung: Milk Stout mit Cacao-Nibs, Kilt Lifter Scotch Ale
Trinkreif: Hop Chop Red Ale, Imperial Stout mit Cacao-Nibs

Antworten