Pils fürs Volk mit dem Grainfather - Fehleranalyse

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BierBär78
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Pils fürs Volk mit dem Grainfather - Fehleranalyse

#1

Beitrag von BierBär78 » Sonntag 10. März 2019, 18:06

Hallo liebe Brauer,
ich bin noch neu im Kreise der Braukünstler und habe mich direkt an ein Pils gewagt (Pils fürs Volk) - und Lehrgeld bezahlt. Das ging aber zunächst recht gut los, bis dann die Gärung nach ca. 1,5 Wochen bei 8°P stockte und auch mein Versuch, das Ganze wieder mit frischer Hefe in Gang zu bringen, scheiterte. Nun betreibe ich Fehleranalyse, da ich es am nächsten Wochenende erneut versuchen möchte. Nun zu meinem Aufbau:
Herz des ganzen ist der Grainfather
Schüttung: 4,5 KG Pilsener
0,5 KG Carapils
0,2 Sauermalz
Hauptguss: 17,7 l
Nachguss: 15,3 l (mit 4 ml Milchsäure versehen)
Einmaischen: 62 °C
1. Rast: 62 °C (25min)
2. Rast: 72 °C (30min)
Abmaischen: 78 °C
Stammwürze: 14 °P
Hopfung: Perle (70 min / 35 min) und Hallertauer Mittelfrüh (5 min.).
Als erstes hab ich dann nach dem Maischen vor lauter Aufregung die Jodprobe vergessen. Beim Kühlen habe ich dann erstmal ca. ne Stunde in den Grainfather gekühlt, wodurch die Hefe (W32/70) ziemlich lang rumstand... :Ahh . Im Baumarkt-Gärfass (ordentlich mit Natronlauge gereinigt) ging es dann in den Kühlschrank, der bei 11 °C gekühlt war. Vorher hatte ich dann auch noch vergessen, wie viel Würze denn nach dem Kochen übrige geblieben war :redhead. Dass der Inkbird-Fühler in das Fass muss, hab ich dann auch schon einen Tag später gerafft und umgesetzt und dabei dann gleich auch die Temp. auf 10 ° C gesenkt. Nach 48 h kam die Hefe dann an und machte mich für die folgenden Tage sehr glücklich (Hochkräusen :thumbsup ). Ich steigerte die Temp. langsam auf 12 ° C. Täglich verzeichnete ich einen °P weniger und ich malte schon an einem Lable für die Flaschen, als dann der Schaum in sich zusammen viel und zwei Tage nichts mehr passierte. Neue Hefe war schnell bestellt, dehydriert und ordentlich belüftet mit Braupaddel zur Würze geschüttet und es passierte - nix! Meine SVG war zuvor bei 7° P stehen geblieben. Heute habe ich mich dann von meinem Bier in spe verabschiedet :crying. Das Rezept stammt von der Seite MMuM. Hab dann aber eine dran angelehnte Variante von der GF-Seite modifiziert verwendet. Auffällig war hier, dass dort fast ein KG mehr Pilsener Malz veranschlagt waren und die Einmaischtemperatur bei 62°C und nicht bei 66°C lag. Ich würde neben den benannte Fehlern nun die Mengen von MMuM nehmen und das Brauwasser von der GF-App berechnen lassen. Sollte ich vielleicht auch eine andere UG-Hefe nehmen? :Grübel
Würde mich sehr über Rückmeldung freuen und hoffe, dass nicht all zuviel redundante Sessioninfos mit diesem Post fabriziert habe.
Grüße aus Berlin,
Björn :Drink
Zuletzt geändert von BierBär78 am Sonntag 10. März 2019, 22:50, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Pils fürs Volk mit dem Grainfather

#2

Beitrag von integrator » Sonntag 10. März 2019, 18:51

Nicht den Kopf hängen lassen, die ersten Brautage sind immer Fehlerbehaftet.
Bei deinen Messungen hast du aber schon den Alkoholfehler berücksichtigt ... oder?
Ich :Drink du ... läuft.

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Re: Pils fürs Volk mit dem Grainfather

#3

Beitrag von BierBär78 » Sonntag 10. März 2019, 18:57

Oje, ich hab mit dem Refraktometer gemessen und dann Brix / Plato korrigiert, aber sonst nix... :Shocked

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Re: Pils fürs Volk mit dem Grainfather

#4

Beitrag von BierBär78 » Sonntag 10. März 2019, 19:32

Wenn ich meine Daten bei Müggelland-B. einspeise, kommt da ein scheinbarer Restextrakt von 3,9° und ein scheinbarer EVG von 71 % raus ... das Bier war doch jetzt nicht etwa fertig :Shocked ?

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Re: Pils fürs Volk mit dem Grainfather - Fehleranalyse

#5

Beitrag von Eowyn » Montag 11. März 2019, 00:24

Hast du das etwa weggekippt?

Imo: der Braufehler nr. 1 ist Ungeduld.

Mach das doch einfach alles nochmal genauso wie du es gemacht hast und lass das Bier in Frieden. In die Kühlung stellen und wegen mir kannste jeden Tag 20 oder 100 mal auf die Temperaturanzeige der Kühlung schauen, aber lass die Tür zu und die Pfoten weg.

Außerdem find ich untergärig als ersten Versuch schon auch sau mutig. Mach doch lieber was weniger fehleranfälliges, wie wit beer z.B.

ich bin der meinung, du hättest das einfach in Ruhe lassen sollen (keine neue Hefe dazu geben) Ich lasse mein Bier ca. 3 Wochen in Ruhe, das einzige was ich mache, wenn ich die Temperatur langsam hoch regele, den geschlossenen fermentiereimer in kreisförmigen Bewegungen "schütteln" also nicht wirklich schütteln sondern wie Wein im Dekantierer "schwingen".)

Außerdem scheinst du dich vermessen zu haben. (Da kann ich mich aber irren, weil wir hier nicht in Plato messen und ich genaus gut im Umrechnen bin wie von °F zu Clesius.)

Und ich wiederhole nochmal der Hauptfehler bei allen Brauvorgängen ist imo Ungeduld.
man kann soviel verbocken beim Brauen und es wird immer noch Bier draus. Ist eigentlich echt erstaunlich.

Von dem was du schreibst, finde ich hört sich das alles nach einer vielversprechenden Hobbybrauerkarriere an. Du machst dir die richtigen Gedanken und hast anscheinend auch die Mühe nicht gescheut, dich ausgiebig einzulesen. Das wird schon alles werden, einfach weiter machen und machs nicht so kompliziert fürs erste Bier. Mach was simples, das Fehler verzeiht.

Viel Erfolg und vor allem: hab Spaß!
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Re: Pils fürs Volk mit dem Grainfather

#6

Beitrag von toaster » Montag 11. März 2019, 07:42

BierBär78 hat geschrieben:
Sonntag 10. März 2019, 19:32
Wenn ich meine Daten bei Müggelland-B. einspeise, kommt da ein scheinbarer Restextrakt von 3,9° und ein scheinbarer EVG von 71 % raus ... das Bier war doch jetzt nicht etwa fertig :Shocked ?
Das tönt schon so, als wäre es fertig gewesen (oder sehr nahe dran). 71% EVG ist für die 34/70 je nach Dauer der Maltoserast ein ganz guter Wert.

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Re: Pils fürs Volk mit dem Grainfather - Fehleranalyse

#7

Beitrag von Roofio » Montag 11. März 2019, 11:10

Denke auch, dass Du eigentlich alles richtig gemacht hast und dann wegen nicht rausgerechnetem Alkoholfehler ohne Grund in Panik verfallen bist.
Ganz fertig war ein Untergäriges nach der relativ kurzen Zeit vielleicht noch nicht ganz, aber einfach noch ein paar Tage gewartet und gut wäre es gewesen. Selbst, wenn die 7°P korrekt gewesen wären, wäre das Bier damit nicht zwingend für den Gulli gewesen, sondern nur deutlich süßer/mastig (ob man das dann trinken will ist eine andere Frage, aber verdorben ist es dadurch nicht).
Grundsätzlich gilt: Finger davon lassen (nicht jeden Tag messen etc. - so fängt man sich sonst mal eine Infektion) und geduldig sein.
Die niedrigere Einmaischtemperatur und das mehr Malz im GF-Rezept liegen daran, dass der GF-Rezeptersteller das MMuM auf seine Anlage angepasst hat. Von 66° Malz mit Zimmertemperatur schnell zugeschüttet und umgerührt, pendelt sich die Temperatur der Maische bei 62° ein. Beim Grainfather maischt man besser langsam in mehreren Chargen ein und er hält ja automatisch die Temperatur. Von daher ist dieser "Abkühleffekt" hier nicht sinnvoll. Das mehr an Malz liegt wohl daran, dass der GF-Nutzer mit einer schlechteren Sudhausausbeute rechnet als der Rezeptersteller bei MMuM. Das sind Erfahrungswerte, die von der eigenen Vorgehensweise und Technik abhängen und die jeder mit der Zeit für sich feststellt.
Also im Prinzip für den Anfang gut gemacht und direkt eine bleibende Lektion im thema Geduld gelernt. Auf ein Neues!
Viele Grüße,
Robert

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Re: Pils fürs Volk mit dem Grainfather - Fehleranalyse

#8

Beitrag von Johnny H » Montag 11. März 2019, 14:43

Klingt nach reichlich voreiliger Entsorgung. Ganz pauschal sollte man schon mit mindestens zwei Wochen HG rechnen, gerade bei UG.

Wie viel Hefe auf wie viel Liter Bier? Hier (und in dem verlängerten Stehenlassen der rehydrierten Hefe) besteht evtl. noch Optimierungspotential. Und ratsam ist es auch nicht, nach dem Ankommen der Hefe noch runterzukühlen, eher umgekehrt.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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Re: Pils fürs Volk mit dem Grainfather - Fehleranalyse

#9

Beitrag von BierBär78 » Montag 11. März 2019, 22:52

Danke für die sehr hilfreichen Aufmunterungen und Rückmeldungen!
Ich schwankte in den zurückliegenden Stunden zwischen Freude und Stolz im Wechseln mit in die Hand beißen vor Wut. Immer wieder höre ich die Stimme meiner Frau in meinem Kopf, wie sie jüngst sagte: "wäre ja schlau gewesen, sich vorher in dem Forum anzumelden ... " :P . Schlaue Frau! Jetzt, wo ich hoffentlich geläutert bin, werde an Wochenende einen neuen Versuch starten. Dazu werden ich nicht zwei sondern drei Tütchen W32/70 für die erwartete Ausschlagwürze von 23 l dehydrieren. Hab da so eine Empfehlung gelesen, die besagt, dass unter zwölf ° C 20 - 30 mg / 10 l. zugegeben werden sollten.
Liebe Grüße,
Björn

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Re: Pils fürs Volk mit dem Grainfather - Fehleranalyse

#10

Beitrag von Eowyn » Dienstag 12. März 2019, 00:11

BierBär78 hat geschrieben:
Montag 11. März 2019, 22:52
Danke für die sehr hilfreichen Aufmunterungen und Rückmeldungen!
Ich schwankte in den zurückliegenden Stunden zwischen Freude und Stolz im Wechseln mit in die Hand beißen vor Wut. Immer wieder höre ich die Stimme meiner Frau in meinem Kopf, wie sie jüngst sagte: "wäre ja schlau gewesen, sich vorher in dem Forum anzumelden ... " :P . Schlaue Frau! Jetzt, wo ich hoffentlich geläutert bin, werde an Wochenende einen neuen Versuch starten. Dazu werden ich nicht zwei sondern drei Tütchen W32/70 für die erwartete Ausschlagwürze von 23 l dehydrieren. Hab da so eine Empfehlung gelesen, die besagt, dass unter zwölf ° C 20 - 30 mg / 10 l. zugegeben werden sollten.
Liebe Grüße,
Björn
:) du brauchst nicht mehr "Tütchen" (jedenfalls nicht welche mit Hefe) sondern mehr Geduld.
Für 20l (~5 Gal. um genau zu sein) sagt mein Heimbrauladen langt ein Packl sogar für Lager. Und die würden mir sicher gerne mehr verkaufen.

Und hör mal auf deine Frau, das lohnt sich immer :)

Good luck beim nächsten Versuch und lass das in Ruhe reifen - zefix! :Bigsmile
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Re: Pils fürs Volk mit dem Grainfather - Fehleranalyse

#11

Beitrag von BierBär78 » Samstag 16. März 2019, 23:26

So,
zwei Tütchen und etwas weniger Malz verarbeitet. Jodnormal erreicht. Jetzt werde ich mich in Geduld üben und werde berichten, wie es diesmal gelaufen ist. Danke noch mal für die Hilfe bei der Analyse allerseits! Habt ein schönes Wochenende!
:Drink

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