Starter richtig berechnen

Fragen und Diskussion rund um Rezepturen.
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Marmot
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Starter richtig berechnen

#1

Beitrag von Marmot » Mittwoch 10. April 2019, 10:30

Hallo zusammen

Irgendwie bekomme ich es noch nicht richtig hin, meinen Starter zu berechnen, eventuell kann mir jemand helfen. Folgende Berechnung habe ich angestellt:

Bisher habe ich 100 Liter Würze mit 16 Plato mit 10 x nagelneuer WLP à 40ml angestellt und vergärt, klappte bisher ausnahmslos. Nun möchte ich das ganze mit einem WLP à 40ml als Starter machen, folgende Überlegung:

10 x WLP à 40ml (neu) enthalten rund 10*100 Millionen = 1 Milliarde Zellen. Somit fehlen mir, wenn ich nur 1 x WLP verwende 900 Millionen Zellen. (Wenn die WLP nicht neu ist kann ich ja berechnen wie viel mir fehlt)

Gem. Brewersfriend braucht es somit einen 3.5 Liter 16 Plato Starter und ein Paket WLP damit ich die benötigten 900 Million Zellen erhalte. Aber wie lang dauert das jetzt, bis sich die Zellen von 100 Million auf 1 Milliarde vermehrt haben? Ich muss das ja entsprechend vor dem Brauen rechtzeitig anstellen.

Würze mit 16 Plato herstellen, Pack rein, 3 Tage stehen lassen/Rührmagnet und rein zu den 100 Liter?

Bin echt überfordert anhand der Informationen, jede Anleitung sagt etwas anderes. Vielleicht hilft mit jemand, bei dem es zuverlässig klappt :)

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Kolbäck
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Re: Starter richtig berechnen

#2

Beitrag von Kolbäck » Mittwoch 10. April 2019, 11:54

Starter machen die meisten mit 9-10°P-Würze. Mit 10L-Starter solltest du ungefähr hinkommen, sofern du so viel kontinuierlich belüften kannst.

Wenn ja und Hefe frisch, reicht im Prinzip der Tag vorher, so dass du mit Hochkräusen-Starter anstellst. Viele lassen den Starter aber auch ausgären, kühlen ihn 24h vorm Anstellen und dekantieren dann die klare Starterwürze. Das braucht dann eher 3 Tage.
--
Viele Grüße, Thomas
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Re: Starter richtig berechnen

#3

Beitrag von bwanapombe » Mittwoch 10. April 2019, 12:07

Ich würde gar nicht in absoluten Hefezellenzahlen rechnen. Du hast doch schon einige Erfahrungen gesammelt. Jetzt noch ein paar Faustregeln dazu und das wird.

Mit jedem Propagationschritt, vermehrt sich die Hefe unter guten Bedingungen um Faktor 10. Wenn es mit 10 Packungen bisher funktioniert hat, kannst Du eine Packung in einem Schritt vermehren und hast dasselbe Ergebnis. Zur Sicherheit am Anfang einen weiteren Schritt hinzufügen, birgt weniger Risiko, als es Sicherheit bringt.

Starterwürze würde ich auf 6-8°P (nicht 16) einstellen. Menge an Starterwürze das zehnfache des Hefegewichts (trocken) - muß geschätzt werden. Ein Propagationschritte 24h, nicht drei Tage.

Aus Deiner Beschreibung meine ich zu lesen, dass Du obergärig braust. Für untergärig sind sonst 10x40ml auf 100 l zu wenig.

https://braumagazin.de/article/hefebank-weihenstephan/

Dirk

P.S. Kolbäck war schneller

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Re: Starter richtig berechnen

#4

Beitrag von Kellerbraeu » Mittwoch 10. April 2019, 12:25

Da klinke ich mich mal ein, da ich die gleichen Größen braue.

Wie bekommt Ihr 10 Liter Starter auf einen Magentrührer? Wie groß und welchen Erlenmeyerkolben gibt es.
Ich scheitere immer an beidem, sobald ich mich mit der Idee Magnetrührer befasse.

Meine Idee:
kleines 12 Liter Gärfass
kleine Aquariumpumpe mit Belüftungsstein und Sterilfilter.

Grüße Ulf

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Re: Starter richtig berechnen

#5

Beitrag von Kolbäck » Mittwoch 10. April 2019, 12:58

Kellerbraeu hat geschrieben:
Mittwoch 10. April 2019, 12:25
Wie bekommt Ihr 10 Liter Starter auf einen Magentrührer? Wie groß und welchen Erlenmeyerkolben gibt es.
Ich scheitere immer an beidem, sobald ich mich mit der Idee Magnetrührer befasse.
Ich habe einen kleinen 15L-Plastik-Gäreimer; den benutze ich für solche "Vorsude". Bisher nur Belüften durch schwenken, aber jetzt mit kräftigerem Magnetrührer werde ich bald mal schauen, wie weit man mit einem längeren Rührfisch da kommt. Eine größere Stellfläche lässt sich ja recht einfach basteln, z.B. zwei Kanthölzer links und rechts vom Rührer.
--
Viele Grüße, Thomas
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Re: Starter richtig berechnen

#6

Beitrag von Marmot » Mittwoch 10. April 2019, 13:01

Danke für die Tipps :thumbsup

10 Liter sind dann aber schon ein rechter Broken, welcher ja auch Einfluss auf mein Bier haben wird. Da müsste ich ja theoretisch zuerst mein Rezept für 10 Liter am Vortag brauen, das als Starter verwenden und danach richtig brauen um nicht eine geschmackliche Beeinflussung zu haben?

Genau, ich braue nur obergärig, da ideale Bedingungen bei mir vorherrschen (Gärraum kann ich unabhängig vom Haus die Temperatur im Bereich 15 - 22 Grad aktiv Steuern).

Bin gespannt auf weiter Inputs.

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Re: Starter richtig berechnen

#7

Beitrag von Kolbäck » Mittwoch 10. April 2019, 13:10

Marmot hat geschrieben:
Mittwoch 10. April 2019, 13:01
10 Liter sind dann aber schon ein rechter Broken, welcher ja auch Einfluss auf mein Bier haben wird. Da müsste ich ja theoretisch zuerst mein Rezept für 10 Liter am Vortag brauen, das als Starter verwenden und danach richtig brauen um nicht eine geschmackliche Beeinflussung zu haben?
Das wird oft diskutiert, z.B. hier.
Ich mach's mal so, mal so. Wenn ich DME in der passenden Farbe/Art zur Hand habe, bilde ich mir ein, dass der Starter nicht zu viel ausmacht.
--
Viele Grüße, Thomas
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Re: Starter richtig berechnen

#8

Beitrag von Hopfenfürst » Mittwoch 10. April 2019, 16:11

:Waa Rein aus Interesse: wie machen das gewerbliche Brauer (mehrere Hekto) - stell ich mir wahnsinnig aufwändig bei z.B. 10hl !? :Waa

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Re: Starter richtig berechnen

#9

Beitrag von bwanapombe » Mittwoch 10. April 2019, 16:24

Eigentlich ganz ähnlich. Da wird Hefe in ähnlichem Verhältnissen propagiert. Siehe auch Stichwort: Drauflassen.

z.B. http://braukaiser.com/wiki/index.php/Drauflassen

Dirk

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Re: Starter richtig berechnen

#10

Beitrag von Johnny H » Mittwoch 10. April 2019, 17:02

bwanapombe hat geschrieben:
Mittwoch 10. April 2019, 16:24
[...]
z.B. http://braukaiser.com/wiki/index.php/Drauflassen
Hat nicht unbedingt was mit dem Thema zu tun, aber interessant an seiner selbst praktizierten(!!) Methode ist das Aufheben eines Teils der unangestellten Würze über Nacht:
Here is how it can be done and how I have done it in the past:

Cool the wort with extra attention to sanitation. That for example means that the pot is kept covered as soon as the boil stops. Use a whirlpool to settle out the trub and some of the cold break. Now transfer about 1/3 to ½ of the wort to the fermentation vessel and aerate it in there. I don’t like to aerate the complete volume at this point in order to minimize oxidation processes that could take place while the rest is sitting unpitched. If you use a bucket or carboy aeration through shaking is an attractive option b/c of the large headspace and the lower weight. Then the yeast is pitched and a sample for the Fast Ferment Test is taken.

The fermenter is placed into my fermentation fridge and the remainder of the wort stays in the pot. That gets closed with a lid and a trash bag is used to cover it up. The latter is to prevent contaminants to be blown in through the holes I have in the lid for the immersion chiller lines.


Neutral formuliert: ich glaube, diese Methode des Aufhebens bereits gekühlter, aber unangestellter Würze über Nacht bzw. bis zu 24 Stunden würde hier nicht auf uneingeschränkte Zustimmung stoßen.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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Re: Starter richtig berechnen

#11

Beitrag von Kolbäck » Mittwoch 10. April 2019, 17:34

Hopfenfürst hat geschrieben:
Mittwoch 10. April 2019, 16:11
:Waa Rein aus Interesse: wie machen das gewerbliche Brauer (mehrere Hekto) - stell ich mir wahnsinnig aufwändig bei z.B. 10hl !? :Waa
Hefemanagement ist eine wichtige und große Abteilung bei Brauereien. Es gibt auch Hefebanken, die auf Bestellung die gewollte Menge für große Sude bereitstellen. (Nicht dass ich davon Ahnung hätte, nur aus diversen Führungen und Artikeln aufgeschnappt.)
--
Viele Grüße, Thomas
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Re: Starter richtig berechnen

#12

Beitrag von bwanapombe » Mittwoch 10. April 2019, 18:02

Hefefpropagation findet zu einem Teil im Labor, zum anderen in der Brauerei statt. Letzteres für die größeren Mengen am Ende des Prozesses.

Dirk

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Re: Starter richtig berechnen

#13

Beitrag von VolT Bräu » Mittwoch 10. April 2019, 18:29

Zu der Frage wie man so große Starter herstellen kann:
Es gibt auch noch ein paar Tricks, die man anwenden kann. Beispielsweise könnte man den Starter "schrittweise ernten", d.h. wenn man z.B. nur 2 Liter auf den Rührer bekommt, gießt man nach 24h 1,8 Liter ab, stellt sie kalt und zieht eine neue Stufe... so kommt man nach ein paar Tagen auch auf anständige Mengen (ggf. kombiniert mit Dekantieren, was aber wieder Probleme mit sich bringt weil der Starter nicht ausgegoren ist und vermutlich nicht gut sedimentiert). Nachteile: Viele Arbeitsschritte, dauert lange - entsprechend auch wieder mehr Infektionsquellen; ein großer Teil der Hefe ist zwar frisch, aber nicht mehr in der idealen Wachstumsphase.
Variante davon: Man stellt mit dem ersten vollen Starter frisch an und zieht dann aus einem Rest einen weiteren Starter, den man einen Tag später nachpitcht. Nachteile: Nicht skalierbar, mehr als Faktor 2 würde ich da nicht machen; ggf. Underpitching-Probleme.
Jedenfalls wäre letzteres eine gute Fallback-Strategie -- wenn man sich nicht sicher ist ob die Hefemenge reicht: Lieber etwas Hefe aufheben und eine neue Starterstufe ansetzen. Dann kann man am nächsten Tag entscheiden ob man nachpitcht oder die Hefe bereits wie gewünscht angekommen ist.
[Copyright-Information: Nicht meine Ideen, habe das 2-stufige Pitchen glaube ich zuerst von Jens hier im Forum gelesen]
So richtig attraktiv ist das Vorgehen nicht, aber allemal besser als den Starter einfach nach der Größe des vorhandenen Gefäßes zu bemessen :)
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Re: Starter richtig berechnen

#14

Beitrag von Marmot » Donnerstag 11. April 2019, 08:01

Wenn ich das so für mich zusammenfasse: Für kleine und mittlere Mengen 10-50 Liter, macht ein Starter sinn (Variable Kosteneinsparungen > Initialkosten (Magnetrührer etc.)) und ist mit wenig Aufwand und ohne grosses Infektionsrisiko zu bewerkstelligen. Verlassen wir jedoch die 50Liter Plusgrenze wird der Aufwand, die Infektionsgefahr etc. für den Hobbybereich für mich zu gross, als dass es sich kostentechnisch überhaupt lohnen würde (Risiko vs. Kosten).

Ich werde somit auf Starter verzichten und wie anhin halt hohe Kosten für meine Hefe haben, dafür deutlich weniger Aufwand, kein zusätzliches Infektionsrisiko, kein Risiko von over- und underpitching.

Danke allen für die spannenden und wertvollen Inputs.

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Sura
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Re: Starter richtig berechnen

#15

Beitrag von Sura » Donnerstag 11. April 2019, 08:45

Das würde ich anders sehen. Ich sehe überhaupt kein Problem darin, einen Magnetrührer und einen Erlenmeyerkolben in der Größe von 10Liter zu besorgen. Sicher kostet das was, aber 10 Packen Hefe mit eventuell unsicherer Haltbarkeit kosten auch 80€. Ich sehe auch keine Schwierigkeit darin mit DME eine Starterwürze zu machen, welche du dann am Abend vor dem Brautag in einen Kühlschrank stellst und sich zum dekantieren absetzen lässt.

Wenn du das nicht willst, dann machst du halt nur fünf Liter hochaktiven Starter, den du 1h vor dem pitchen dann nochmal ordentlich belüftest. Die 5 Liter DME-Starterwürze auf deine 100 Liter wirst du kaum rausschmecken. Auch DME gibts in verschiedenen Farben und Sorten, da kannst du für ein Pils, ein Weizen, einen dunklen Bock schon Ähnlichkeiten herstellen.

Das Prozedere ist das selbe wie im Kleinen: Ich mache aus einem eingefrorenen siebtel einer Tüte innerhalb von 4 Tagen einen hochaktiven Starter für 20 Liter. Da das auftauen und aufwecken bei dir ja ausfällt, kannst du eine 40ml Tüte direkt in deine gewünscht Startermenge kippen und einen Tag später wird dir der durch die Decke gehen. Infektion sehe ich da nahezu als unmöglich an. Du kochst das DME 30Minuten auf dem Herd (vorsicht wegen überkochen!), machst den Hals mit Alufolie und Folie zu, stellst es danach in Eiswasser, und wenn es 20°C hat gibst du deine Hefe rein und los gehts.

Nach dem erstenmal weisst du wie lange das Alles in etwa dauert.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
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Re: Starter richtig berechnen

#16

Beitrag von VolT Bräu » Donnerstag 11. April 2019, 09:01

Eigentlich wird es ja aus Kostensicht bei großen Suden erst richtig interessant. 10€ für einen Beutel Flüssighefe kann man schon mal locker wegstecken, aber wenn man da 5 oder 10 Stück braucht...? Es geht halt nur nicht so gut auf einen einzelnen kleinen Magnetrührer.
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Re: Starter richtig berechnen

#17

Beitrag von bwanapombe » Donnerstag 11. April 2019, 09:12

Ich bin auch etwas überrascht von dem Schluss.

Wenn man keine hochaktive Hefe hat, ist jeder Starter besser als kein Starter. (Trockenhefe wäre noch einmal ein anderer Fall.)

Oder anders: 10 Tüten a 40 ml in die Würze sind ein höheres Infektionsrisiko für die Würze, als ein 1-2 mal geführter Starter aus 1x40 ml, denn aus dem Starter kommt Hefe im aktivsten Stadium, aus der Tüte kommt Hefe im Schlafrock.

Den Einfluß auf das Bier könnte man im Rezeptrechner sogar mit berücksichtigen. Ich nutze helles DME. Dunkle Würzen kann man dann einen Ticken dunkler machen, um das wieder auszugleichen.

Dirk

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Re: Starter richtig berechnen

#18

Beitrag von Kellerbraeu » Donnerstag 11. April 2019, 09:24

Sura hat geschrieben:
Donnerstag 11. April 2019, 08:45
Das würde ich anders sehen. Ich sehe überhaupt kein Problem darin, einen Magnetrührer und einen Erlenmeyerkolben in der Größe von 10Liter zu besorgen. Sicher kostet das was, aber 10 Packen Hefe mit eventuell unsicherer Haltbarkeit kosten auch 80€. Ich sehe auch keine Schwierigkeit darin mit DME eine Starterwürze zu machen, welche du dann am Abend vor dem Brautag in einen Kühlschrank stellst und sich zum dekantieren absetzen lässt.

Wenn du das nicht willst, dann machst du halt nur fünf Liter hochaktiven Starter, den du 1h vor dem pitchen dann nochmal ordentlich belüftest. Die 5 Liter DME-Starterwürze auf deine 100 Liter wirst du kaum rausschmecken. Auch DME gibts in verschiedenen Farben und Sorten, da kannst du für ein Pils, ein Weizen, einen dunklen Bock schon Ähnlichkeiten herstellen.

Das Prozedere ist das selbe wie im Kleinen: Ich mache aus einem eingefrorenen siebtel einer Tüte innerhalb von 4 Tagen einen hochaktiven Starter für 20 Liter. Da das auftauen und aufwecken bei dir ja ausfällt, kannst du eine 40ml Tüte direkt in deine gewünscht Startermenge kippen und einen Tag später wird dir der durch die Decke gehen. Infektion sehe ich da nahezu als unmöglich an. Du kochst das DME 30Minuten auf dem Herd (vorsicht wegen überkochen!), machst den Hals mit Alufolie und Folie zu, stellst es danach in Eiswasser, und wenn es 20°C hat gibst du deine Hefe rein und los gehts.

Nach dem erstenmal weisst du wie lange das Alles in etwa dauert.
wo gibt es den die Hardware für 10 Liter Starter?
10 Liter Erlenmeyer habe ich noch nicht gesehen
und ein Magnetrührer für 10 Liter finde ich auch nicht.
oder reicht ein kleiner Magnetrührer für 3 Liter?

#Sura Du machst einen 20 Liter Starter?

Grüße Ulf

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Re: Starter richtig berechnen

#19

Beitrag von Marmot » Donnerstag 11. April 2019, 09:50

Mhm... wiederum besten Dank für die Inputs. Eure Argumentation ist nachvollziehbar und schlüssig, ... aber es blutet mir schon ein bisschen das Herz, wenn ich in mein gebrautes Bier, sei es auch nur zu 5-10%, mit DME "verschneide". Ich weiss, sensorisch wohl kaum zu entdecken, aber da spielt bei mir wohl zu stark die Psyche mit nach dem Motto: "Ich weiss dass es drin ist, also schmecke ich es auch raus"... :Mad2

Was haltet Ihr davon:

Am Vortrag braue ich mein Bier nach gewohnten Rezept einfach nur 10 Liter, quasi mein Starter. Die 10 Liter stelle ich mit 40ml WLP Flüssighefe an, nach ca. 24h habe ich Hochkräusen. Am nächsten Tag Braue ich den Hauptsud mit 100 Liter und gebe den Starter hinzu.

So hätte ich kein "Verschnitt" mit DME, kein Würze die ohne Hefe rumsteht und müsste nur 1 statt 10 Pack WLP verwenden. Dafür halt den ganzen Aufwand am Vortag

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Re: Starter richtig berechnen

#20

Beitrag von ggansde » Donnerstag 11. April 2019, 10:06

Moin,
mache es Dir nicht zu schwer. Würze ist Würze, egal wer die herstellt. Spannend wird es dann erst bei der Gärung.
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Re: Starter richtig berechnen

#21

Beitrag von danieldee » Donnerstag 11. April 2019, 10:10

Hopfenfürst hat geschrieben:
Mittwoch 10. April 2019, 16:11
:Waa Rein aus Interesse: wie machen das gewerbliche Brauer (mehrere Hekto) - stell ich mir wahnsinnig aufwändig bei z.B. 10hl !? :Waa
Bei meinem Onkel in der Brauerei (Schloßbräu Reckendorf) gibt es eine eigene Hefezucht.
In der Hefebank wird quasi ein Starter der eigenen Hefe (die dort eingelagert ist) bestellt und dann sukzessive hochgezüchtet.
Die haben einen eigenen Kellermeister der sich nur darum kümmert.
Der Hefetank für die UG Hefe hat glaub ich mehr als 5Hl. So frisch hochpropagierte Hefe ist natürlich eine wahre Freude! Wenn du damit bei 8° am gleichen Tag anstellst kommt sie innerhalb von paar Stunden an.

Sehr viele Brauereien aus der Gegend holen dort dann ihre Hefe. Die meisten aus dem Landkreis Bamberg machen das so. Da gibt es ein paar größere Brauereien die das anbieten (Pülsbräu, Reckendorfer, Huppendorf, Göller ect)
"Bier ist der überzeugende Beweis dafür,
dass Gott den Menschen liebt und ihn glücklich sehen will"
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Re: Starter richtig berechnen

#22

Beitrag von Sura » Donnerstag 11. April 2019, 10:48

Kellerbraeu hat geschrieben:
Donnerstag 11. April 2019, 09:24
Sura hat geschrieben:
Donnerstag 11. April 2019, 08:45
[...]
wo gibt es den die Hardware für 10 Liter Starter?
10 Liter Erlenmeyer habe ich noch nicht gesehen
und ein Magnetrührer für 10 Liter finde ich auch nicht.
oder reicht ein kleiner Magnetrührer für 3 Liter?

#Sura Du machst einen 20 Liter Starter?

Grüße Ulf
Na die gibts anscheinend relativ problemlos: "erlenmeyerkolben 10000 ml" gibt bei google reichlich Ergebnisse, und "Magnetrührer 10l" finde ich auch... :Greets

https://www.labmarket.com/Products/Erle ... olben.aspx
https://www.laborshop24.de/Magnetruehre ... anguage=de

Und da waren nur die ersten die ich (ohne nach Preis zu suchen) gefunden habe.


Ich mach aber selbst keinen 20 Liter Starter.... ich mach nur 20Liter Ausschlag, aber ich sehe halt das Problem nicht: Ich brauche ca. 1l Starter. Dafür fange ich mit ca. 5ml dicke Hefe an, die ich in 200ml aufwachen lassen. Dann folgt nach 2-3 Tagen, die ich sie in Ruhe lasse, ein Schritt auf 1000ml, und normalerweise ist so nach insgesamt ca. 3-4 Tagen ist alles topfit und im (letzten) Kolben ist richtig was los. Wenn ich nun mit frischen 40ml nur verzehnfachen möchte, dann ist das doch sogar noch einfacher weil ich den ersten Schritt garnicht brauche. Ist halt nur ein wenig mehr, aber da sehe ich kein Problem. :Grübel

edit: "insgesamt" eingefügt
Zuletzt geändert von Sura am Donnerstag 11. April 2019, 12:06, insgesamt 2-mal geändert.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)

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Re: Starter richtig berechnen

#23

Beitrag von Marmot » Donnerstag 11. April 2019, 11:33

Okay, vielleicht werde ich verrückt, aber hier noch meine letzte Idee: Würze (ohne Hefe) aus dem Sud einfrieren und beim nächsten Mal Brauen auftauen und als Starter verwenden?

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Re: Starter richtig berechnen

#24

Beitrag von Kolbäck » Donnerstag 11. April 2019, 11:46

Marmot hat geschrieben:
Donnerstag 11. April 2019, 11:33
Okay, vielleicht werde ich verrückt, aber hier noch meine letzte Idee: Würze (ohne Hefe) aus dem Sud einfrieren und beim nächsten Mal Brauen auftauen und als Starter verwenden?
Ja, kann man machen. Je nachdem wie sauber man da arbeitet, koche ich die Würze beim auftauen aber nochmal (bzw. taue in der Mirkowelle auf bis knapp kochend) ab, und kühle dann auf Zimmertemp. Ich koche oft ein paar Liter mehr DME-Würze und friere ein in verschieden großen Behältern, so ist man später flexibel.

Und wenn dir die 5-10% DME-Würze im Bier so "falsch" vorkommen, was dir ja zusteht, dann kühle und dekantiere den Starter eben...
--
Viele Grüße, Thomas
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Re: Starter richtig berechnen

#25

Beitrag von Marmot » Donnerstag 11. April 2019, 12:55

Danke vielmals, damit habe ich alles was ich brauche. Ich werde in Zukunft so vorgehen:

1. Ordentlich brauen, 10 Liter der Würze in einen Kanister abzweigen und umgehend einfrieren.
2. 1/2 -1 Jahr später die Würze 2 Tage vor dem geplanten Brautag aus dem Tiefkühler nehmen und bei Raumtemperatur auftauen lassen, danach kurz abkochen.
3. Am Tag vor dem Brautag die Würze (auf entsp. Anstelltemperatur) als Starter verwenden -> mit 40ml Flüssighefe von WLP versetzen, auf den Magnetrührer und für 24h rühren lassen
4. Am Brautag normal Brauen, wiederum 10 Liter der Würze in einen Kanister abzweigen und umgehend einfrieren, den Rest sobald auf Anstelltemperatur mit dem Starter durchmischen.
5. Weiter bei Punkt 2.

Sieht jemand einen Logikfehler oder etwas was dagegenspricht? Ich danke allen für die Inputs, genial was alles mit dem "Schwarmwissen" zustande kommt. Zumindest aus meiner Optik :thumbsup

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