"obergäriges" Pils

Fragen und Diskussion rund um Rezepturen.
Antworten
pascal.hagedorn
Posting Junior
Posting Junior
Beiträge: 73
Registriert: Montag 13. Mai 2019, 00:11

"obergäriges" Pils

#1

Beitrag von pascal.hagedorn » Samstag 11. Januar 2020, 00:52

Hallo Zusammen,

da ich letztens das "Volks Pils" (https://www.maischemalzundmehr.de/index ... torha3=3.7) als mein erstes "Pils" gebraut habe, und ich bei 28 Liter Ausschlag dazu entschieden habe (weil das Gärfass für 28 Liter zu knapp war und der Kühlschrank für ein zweites zu klein ist) 6 Liter in ein separates Gärfass zu tun und mit obergäriger Hefe (Safale US-05) zu vergären, habe ich mich gefragt was ich denn da eigentlich "gezaubert" habe :Angel :puzz :Grübel

Stammwürze (OG): 12.0 °P
FG: 3.6 °P
Alkoholgehalt 4.6 Vol.%
IBU: 30 IBU
EBC: 8.4 EBC

Laut dem Styleguide (https://www.bjcp.org/stylecenter.php) habe ich folgende Bierstile gefunden:
18A Blonde Ale
18B American Pale Ale

Am nächsten kommt das Blonde Ale, aber könnte man es denn etwas "Blonde American Ale" nennen, da die IBUs beim 18A nicht passen und die EBC beim 18B nicht passen? Oder wie würdet Ihr dem "Baby" einen Namen geben? Gibt es noch andere Style Guides? Die Malz Mischung, die Rasten und die Hopfengabe werden hier ja eher qualitativ bewertet?

Jede Anregung wird dankend angenommen ;)
:Drink
"Die grösste Herausforderung beim Bier brauen ist, die Geduld zu haben es nicht vor der Reifung schon getrunken zu haben" (Ich)
Braumeister 20 Plus

Benutzeravatar
Alt-Phex
Moderator
Moderator
Beiträge: 8622
Registriert: Mittwoch 1. Februar 2012, 01:05
Wohnort: Düsseldorf

Re: "obergäriges" Pils

#2

Beitrag von Alt-Phex » Samstag 11. Januar 2020, 01:03

Nenn es doch wie du willst, ist nur kein Pils. "Golden Winter Ale" passend zur Jahreszeit würde mir da einfallen.

BJCP versucht Biere nach Stilen zu katalogisieren. Das ist keine in Stein gemeißelte Wahrheit. Nicht alle Biere die man braut passen in eine Schublade. Müssen sie ja auch nicht. Obergärig ist es halt ein Ale und Untergärig ein Lager. Das ist die einzige Klassifizierung die du einhalten solltest. Der Rest ist kreative Namensgebung.
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

Benutzeravatar
hyper472
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 2729
Registriert: Freitag 2. Oktober 2015, 22:33
Wohnort: Nürnberg

Re: "obergäriges" Pils

#3

Beitrag von hyper472 » Samstag 11. Januar 2020, 09:32

„Ale fürs Volk“ also.
"Das Bier aber macht das Fleisch des Menschen fett und gibt seinem Antlitz eine schöne Farbe durch die Kraft und den guten Saft des Getreides."
Hildegard von Bingen (1098-1179)

Benutzeravatar
Ladeberger
Moderator
Moderator
Beiträge: 6258
Registriert: Dienstag 20. November 2012, 18:29

Re: "obergäriges" Pils

#4

Beitrag von Ladeberger » Samstag 11. Januar 2020, 10:40

Sehe ich wie Bernd. Gib der Sache einen kreativen Namen und gut ist.

Es wird nämlich einem "(American) Blonde Ale" nicht gerecht, eine mit US-05 vergorene Pilsener-Würze darauf umzudeuten. Wer ein Blonde Ale brauen will, macht sich schon bei der Rezeptur entsprechende Gedanken zu diesem Bierstil und hat ein geschmackliches Ziel vor Augen.

Bier fällt nicht zufällig in einen Bierstil, es wird als solches bewusst gebraut.

Gruß
Andy

Benutzeravatar
flying
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 12977
Registriert: Donnerstag 14. August 2008, 18:44

Re: "obergäriges" Pils

#5

Beitrag von flying » Samstag 11. Januar 2020, 11:06

Wird im Deutschen oft als Dampfbier, Wiess oder meinetwegen auch Kölsch bezeichnet...
Held im Schaumgelock

"Fermentation und Zivilisation sind untrennbar verbunden"
(John Ciardi)

Benutzeravatar
Boludo
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 18331
Registriert: Mittwoch 12. November 2008, 20:55

Re: "obergäriges" Pils

#6

Beitrag von Boludo » Samstag 11. Januar 2020, 11:35

flying hat geschrieben:
Samstag 11. Januar 2020, 11:06
Wird im Deutschen oft als Dampfbier, Wiess oder meinetwegen auch Kölsch bezeichnet...
Dampfbier wird doch mit einer Weizenhefe vergoren, oder?

tbln
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 495
Registriert: Dienstag 20. Oktober 2015, 13:28

Re: "obergäriges" Pils

#7

Beitrag von tbln » Samstag 11. Januar 2020, 11:37

Bier bleibt Bier auch wenn's die Briten Ale nennen. Kommt mal Richtung Norden und sucht Alt Ale im Getränkemarkt. Viel Erfolg...
Die Sache mit den Styles gibt es auch nur weil sich Autoren ab den 1980er Jahren wichtig nehmen und Brauerein Marketing machen wollten... wird Zeit den Quatsch mal kritisch zu hinterfragen. http://zythophile.co.uk/2010/10/23/mich ... eer-style/

ps: die Kölner waren froh die Hefe aus Pilsen zu nutzen oder umgekehrt.. WLP800 scheint bpsw. Sacc. Cerevisiae zu sein.

pps: Landbier ist wohl im perfekten Marketing-Deutsch die verkaufsfähige Einordnung... :crying

Benutzeravatar
flying
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 12977
Registriert: Donnerstag 14. August 2008, 18:44

Re: "obergäriges" Pils

#8

Beitrag von flying » Samstag 11. Januar 2020, 12:00

Boludo hat geschrieben:
Samstag 11. Januar 2020, 11:35
flying hat geschrieben:
Samstag 11. Januar 2020, 11:06
Wird im Deutschen oft als Dampfbier, Wiess oder meinetwegen auch Kölsch bezeichnet...
Dampfbier wird doch mit einer Weizenhefe vergoren, oder?
Das aus Bayern schon. Das aus dem Pott eher nicht..

https://dasbierdesabends.de/borbecker-helles-dampfbier/
Held im Schaumgelock

"Fermentation und Zivilisation sind untrennbar verbunden"
(John Ciardi)

pascal.hagedorn
Posting Junior
Posting Junior
Beiträge: 73
Registriert: Montag 13. Mai 2019, 00:11

Re: "obergäriges" Pils

#9

Beitrag von pascal.hagedorn » Samstag 11. Januar 2020, 12:07

Vielen Dank für Eure Antworten. Da ich gerne -ausgehend einer Rezeptur- den Sud teile und als Anfänger dadurch erhoffe die unterschiedlichen Parameter besser zu erfahren. Und Bier brauen ist für uns ja sehr emotional behaftet, ist so ist es für uns immer schwierig sobald Marketing ins Spiel kommt und einem (künstlich) die Emotion vorzugaukeln versucht. Aber den Versuch unserem Baby (um bei der Emotion zu bleiben) einen Namen zu geben finde ich persönlich nicht verwerflich, sofern man sich an gewisse Klassifizierungsregeln hält um Dritten (und einem selbst) zu helfen das Bier einzuordnen. Das versuche ich eigentlich grundsätzlich zu verstehen.Ich kaufe gern auch mal Bier am Regal, und freue ich mich immer wenn die Biere halbwegs ordentlich benannt und beschrieben sind und man dann beim trinken das Bier irgendwie auch einordnen kann, ohne hier aber allzu akademisch rüber zu kommen. Man kann ein Bier auch einfach mal "saufen". :Drink
Der Mensch braucht ja meist eine Schublade um Dinge dortdrin zu verorten, macht für den "was der Bauer ned kennt" Typ zumindest ein kreativer bekannt klingender Name Sinn damit er sich traut es zu trinken. :Pulpfiction und für einen selbst eventuell auch :P

Wie Alt-Phex ja in seiner Signatur schreibt: "Viele Biere werden am Etikettierer gemacht" :Bigsmile

Finde den Namen "Ale fürs Volk" ganz treffend.
"Die grösste Herausforderung beim Bier brauen ist, die Geduld zu haben es nicht vor der Reifung schon getrunken zu haben" (Ich)
Braumeister 20 Plus

Benutzeravatar
flying
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 12977
Registriert: Donnerstag 14. August 2008, 18:44

Re: "obergäriges" Pils

#10

Beitrag von flying » Samstag 11. Januar 2020, 12:49

Kleiner Klugscheißerexkurs:

Der Begriff "Ale" kommt schon im altenglischen Beowulf als "Ealu" vor. Wir dort zig-mal verwendet auch als "Ealucerven" oder ähnlich was Tolkien einst als "Ale- Verlust- Angst" interpretierte. Bei den damaligen Dänen war die Furcht vor dem Trockenlaufen wohl schlimmer als die vor der Niederlage in der Schlacht..?
Ale ist vom Wortstamm her gleich mit dem skandinavischen Öl und bezeichnet dort einfach alle Biere. Das altnordische Björr/Beor, vermutlich der Ursprung vom Wort Bier bezeichnete hingegen ein honiggesüßtes Getränk aus Honig und Früchten. Ealu hingegen war immer schon getreide/malzbasierend.
Zuletzt geändert von flying am Samstag 11. Januar 2020, 13:35, insgesamt 2-mal geändert.
Held im Schaumgelock

"Fermentation und Zivilisation sind untrennbar verbunden"
(John Ciardi)

Benutzeravatar
christianf
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 477
Registriert: Freitag 4. November 2016, 22:24

Re: "obergäriges" Pils

#11

Beitrag von christianf » Samstag 11. Januar 2020, 13:26

...
Als dann in auch in England Hopfen-gewürzte Biere aufkamen, verwendete man das Wort "beer" für Biere mit Hopfen und "ale" für Biere ohne Hopfen. Die Eischrängung des Wortes "ale" für obergärige Biere (jetzt mit Hopfen) ist eine eher neue Erscheinung.

Benutzeravatar
hyper472
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 2729
Registriert: Freitag 2. Oktober 2015, 22:33
Wohnort: Nürnberg

Re: "obergäriges" Pils

#12

Beitrag von hyper472 » Samstag 11. Januar 2020, 13:39

Boludo hat geschrieben:
Samstag 11. Januar 2020, 11:35
flying hat geschrieben:
Samstag 11. Januar 2020, 11:06
Wird im Deutschen oft als Dampfbier, Wiess oder meinetwegen auch Kölsch bezeichnet...
Dampfbier wird doch mit einer Weizenhefe vergoren, oder?
Der Begriff ist mehrdeutig. Im Bayerischen Wald versteht man darunter das, was du ansprichst. 150 km weiter westlich, im Nürnberger Land, gibt es eine Brauerei, die ihr Bier so nennt, weil in der Brauerei die Maische mit Dampf beheizt wird. Wieder etwas anderes ist ein amerikanisches Sreambeer.
Zu den letztgenannten hier: https://beerandbrewing.com/dictionary/swvSTBiKhC/
Zum erstgenannten hier: https://dampfbier.de/

Viele Grüße, Henning
"Das Bier aber macht das Fleisch des Menschen fett und gibt seinem Antlitz eine schöne Farbe durch die Kraft und den guten Saft des Getreides."
Hildegard von Bingen (1098-1179)

Antworten