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Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2020, 09:35
von Mehrbier
Moin zusammen,

da ich zuletzt das IPA Simcoe von MMum gebraut habe und mal wieder richtig auf den IPA Geschmack gekommen bin, wollte ich als nächstes direkt wieder eins brauen. Nun kam mir das Tropik Ale unter und ich war begeistert vom klaren fruchtigen Hopfenaroma.

Nun habe ich über den Buschfunk gehört, dass für das Tropik extra Enzyme zum Einsatz kommen, die es erlauben noch höher und trockener zu vergären um den Malzkörper möglichst weit in de Hintergrund zu drücken. Jetzt weiß ich erstmal nicht was das im einzelnen bedeutet. Bei der Suche habe ich lediglich Enzyme gefunden, die der Hauptgärung zugegeben werden. Sind diese da wohl zum Einsatz gekommen? https://www.braupartner.de/Pilsner-Enzyme-4-g

Zuerst wollte ich das Simcoe IPA als Grundlage nehmen und ziemlich schnell bemerkt: Das passt nicht. Für mein Ziel müssen die Cara Malze raus und die Haferflocken passen evtl. auch nicht rein. Am Ende bleibt wohl nur eine 100% PiMa oder Pale Ale Schüttung übrig.

Die Rasten wären dann 60 min bei 62 Grad und 10 min bei 72. Abmaischen bei 78 Grad.

90 min kochen bei dezenter Hopfung. Die letzten 5 min auch schon eine Aroma Gabe.

Anstellen mit kühl geführter US-05 oder Notti. Ich möchte es ja möglichst sauber vergären.

Stopfen nach den Hochkräusen mit 4 g/l. In Frage kommen Mosaic (natürlich), Galaxy, Sultana oder El Dorado.

Das sind jetzt erstmal die ganz grundlegenden Überlegungen. Was sagt ihr dazu?

Gruß Gerdi

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2020, 10:01
von HopfenHugo
Ich glaube Enzyme werden bei Störtebeker nicht benutzt. Reisflocken machen die ganze Sache leichter. Wir sind letztes Jahr bei der DM bei Störtebeker weit vorne gelandet. Ich hab das Rezept nicht da. Aber auf jeden Fall war es mit Reisflocken, Erbslöh?-Enzymen, viel doller mit Mosaic gestopft und mit US05 bei ca20-21°vergoren

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2020, 10:03
von Mehrbier
Soweit ich weiß handelt es sich bei dem Tropic Ale um das letztjährige Siegerbier. Keine Ahnung was da jetzt erlaubt war oder nicht.

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2020, 10:04
von SchlatzPopatz
Das Tropik Ale ist entstanden aus dem Siegerbier des Störtebeker Hobbybrauer Wettbewerbs 2019. Der Wettbewerbsstil war Brut IPA, dabei wurden tatsächlich auch Enzyme verwendet. Beim Tropik Ale wurden aber keine Enzyme verwendet.

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2020, 10:16
von Mehrbier
SchlatzPopatz hat geschrieben:
Sonntag 21. Juni 2020, 10:04
Das Tropik Ale ist entstanden aus dem Siegerbier des Störtebeker Hobbybrauer Wettbewerbs 2019. Der Wettbewerbsstil war Brut IPA, dabei wurden tatsächlich auch Enzyme verwendet. Beim Tropik Ale wurden aber keine Enzyme verwendet.
Die Info war schon mal wertvoll nach dem Rezept hier: https://www.maischemalzundmehr.de/index ... griff=Brut
Wird nachträglich durch abkühlen eine weitere Rast bei 60 Grad gefahren. Die Stopfhopfen Gaben sind aber krass mit 10-12 g/l :Shocked

Das heißt nur Pima/PAma und Reisflocken? Spannend :Smile

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2020, 11:20
von beercan
Schreib mal den User thomsen an von ihm ist das Bier.

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2020, 11:55
von Mehrbier
Ich bin dann doch fündig geworden. Wer kann schon ahnen dass das Rezept auf deren Seite liegt. Ich weiß: Sachen gibts. *schäm*

https://www.hobbybrauer-meisterschaft.d ... 794301.pdf

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2020, 13:59
von thomsen
Moin zusammen,

eigentlich ist ja schon fast alles dazu korrekt gesagt, trotzdem noch eine Wortmeldung dazu von mir als "Erfinder". Das verlinkte Rezept ist unser Originalrezept des Siegerbieres; wir hatten es "El Tucan" getauft, um die Tropenfruchtaromen zu illustrieren.

(Der andere) Markus hat's oben richtig gesagt: Die Verwendung von Enzymen war für die Hobbybrauerbiere im Wettbewerb zugelassen und wir haben das auch genutzt (in unserem Fall die oben schon genannten "Bulldog Pilsner Enzyme"/Glucoamylase von Braupartner). Störtebeker hatte schon vorher angekündigt, bei der Umsetzung des Siegerbieres darauf zu verzichten und dann durch verschiedene andere Maßnahmen versucht, einen möglichst hohen Vergärgrad zu erreichen. Der ist dann letztlich auch nicht ganz so hoch wie in unserem Wettbewerbssud (da waren es von Störtebeker laborgemessene 110,6% scheinbar).

Weil oben die Hopfenmenge bei der Kalthopfung Thema war: Exorbitante Gaben braucht's da m.E. gar nicht (Cloudwater würde wahrscheinlich widersprechen ;-)) - wir haben ca. 4g/l im Whirlpool und 6g/l während der Gärung gegeben - und sind wirklich schön fruchtig rausgekommen.

Insgesamt haben sie sich in Stralsund wirklich enorm viel Mühe gegeben, unser Original nachzubauen (ein fettes Dankeschön an Christoph Puttnies, Jens Reineke-Lautenbacher und in Nachtschichten Testsude brauende Praktikanten!) - am Ende unterscheiden sich die Biere vor allem in der Aromatik und im Mundgefühl aber dann doch ein wenig. Wenn du jetzt also auf das Tropik-Ale zielst, peile vielleicht einen sehr hohen aber nicht unbedint maximalen Vergärgrad an. Beim Aroma liegt der Unterschied wohl darin, dass die späten Hopfengaben auf der großen Störtebeker-Anlage technisch einfach anders ablaufen als bei uns (Pellets reinwerfen, wann immer ich will). Wenn es schön tropisch werden soll, empfehle ich Stopfen bei noch aktiver Gärung, bei uns war das etwa bei 80% SVG. Vielleicht auch abweichend von unserem Rezept zweifach stopfen: einmal während, einmal nach der Hauptgärung.

Und zum Schluss noch zwei Tipps, die ich für diese Art Bier aus eigener Erfahrung dringend anraten kann: Oxidation vermeiden und das fertige Bier möglichst kalt lagern.

Viel Spaß & Erfolg beim Brauen des Tropenvogels,
Markus

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2020, 15:09
von Mehrbier
Hallo Markus,

danke für diesen ausführlichen Beitrag. Dann kann ich ja loslegen. Ich hoffe am Samstag kann es losgehen.

Beste Grüße
Gerdi

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Montag 22. Juni 2020, 07:36
von DerDallmann
https://beerandbrewing.com/social-kitch ... pa-recipe/

Das ist das Originalrezept, als Inspiration. Die haben mit dem Bierstil angefangen.

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Montag 22. Juni 2020, 10:45
von ggansde
Moin,
ich habe das Bier beim Maruhn bekommen und am Wochenende probiert. Was soll ich sagen? Der Hopfen kommt spitzenmäßig rüber. Aber der Rest? Für mich war es so, als ob man Hopfenaromen in einer ansonsten neutralen Flüssigkeit optimal präsentieren möchte. Der Stil war sicherlich 100% getroffen. Der Stil gefällt mir aber gar nicht.
VG, Markus

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Montag 22. Juni 2020, 12:08
von flying
Für Profibrauereien ist es überhaupt kein Problem Grenzdextrinasen aus Malzauszügen zu gewinnen und für extrem hohe Vergärungsgrade einzusetzen. Ist für das Reinheitsgebot alles tutti..

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Montag 22. Juni 2020, 12:26
von SchlatzPopatz
da dort aber auch Reisflocken bei Störtebeker verwendet wurden, war das mit dem RHG vermutlich sowieso nebensächlich.

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Sonntag 28. Juni 2020, 23:21
von bert2020
Mehrbier hat geschrieben:
Sonntag 21. Juni 2020, 11:55
Ich bin dann doch fündig geworden. Wer kann schon ahnen dass das Rezept auf deren Seite liegt. Ich weiß: Sachen gibts. *schäm*

https://www.hobbybrauer-meisterschaft.d ... 794301.pdf
Hallo, ich möchte das Rezept auch nachbrauen. Dazu 3 Fragen:

1.) "Läuterdauer von 80 Minuten" - normalerweise dauert das Läutern - nach der Läuterruhe - bei mir wenige Minuten. Muss ich hier also den Hahn nur ganz leicht öffnen und so über 80 Minuten die Würze raustropfen lassen oder was bedeutet das?

2.) Die letzte Überschrift ist ein zweites LÄUTERN, denke mal das ist einfach falsch oder? :Bigsmile

3. Ist es ok die Safale US-05 direkt reinzukippen oder sollte man sie wirklich wie angegeben rehydrieren: "rehydriert in 400ml Wasser, 32°C" ?

Freue mich dieses Bier mal nachzubrauen. :Drink

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Montag 29. Juni 2020, 10:37
von bwanapombe
Hallo bert2020,

zu 1. Das hat nicht so sehr was mit dem Rezept als mehr was mit dem Maischsystem zu tun. Bei einem Läuterboden oder Läuterhexe und der Menge bedeutet ca. 80 min das weniger als 1 Liter pro Minute geläutert werden soll. Das ist generell eine gute Sache vor allem wegen der Ausbeute. Wenn Du sehr schnell läuterst, hast Du im am Ende möglicherweise die Würze zu dünn oder den Treber undurchlässig.

zu 2. Ja das muß ein Fehler sein, denn beschrieben wird dort alles mögliche nur nicht das Läutern.

zu 3. Da gibt es genau zwei Meinungen: 1. ja, 2. nein. Ich persönlich hänge 1 an. 2 funktioniert bei dieser Hefe auch. Du wirst vielleicht nicht so viele Hefezellen rüberbringen. Und weil 1 relativ wenig Aufwand ist, mache ich einfach und nutze so die Hefe optimal.

Viel Erfolg!

Dirk

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Montag 29. Juni 2020, 21:12
von Mehrbier
Zu 1.: Ich Läutere für gewöhnlich eher so 30 min plus Läuterruhe. Die 80 min habe ich wohl schlicht überlesen. Normalerweise liege ich damit bei 60% SA. Jetzt muss ich darüber nachdenken die Schüttung anzupassen, damit ich auch auf die entsprechende SW komme. Hmmm.... Denn mein Brautag ist so schon lang genug.

Zu 3.: Ich habe beides ausprobiert, mein Eindruck ist, dass die Hefe beim drauf streuen langsamer ankommt. Da es allgemeine Meinung ist dass dabei weniger Zellen überleben, läuft man Gefahr zu underpitchen. Das Risiko möchte ich bei dem Bier aber nicht eingehen. Vermutlich würden Hefearomen vom Hopfen überdeckt werden, aber irgendwo in meinem Kopf meine ich zu wissen dass es noch mehr Risiken gibt. Auf die paar Minuten zum rehydrieren kommt es mir dann aber nicht an.

Re: Vom Störtebeker Tropik Ale inspiriert.

Verfasst: Montag 29. Juni 2020, 22:25
von bwanapombe
Vieles ist persönliche Präferenz und kaum etwas so richtig oder falsch.

Wenn alles in Ordnung ist, muß man keine Probleme lösen.

60 % Ausbeute können völlig akzeptabel sein oder eben nicht. Ich läutere mit Hexe und wäre mit 60% unzufrieden gebe aber gern 30 min zusätzlich zum Läutern her, weil ich während des Läuterns im zweiten Einkochen schon aufheize zum Kochen und da den Brautag "verkürze".

Andere optimieren an anderer Stelle. Wie gesagt, je nach Präferenz und der Anlage.

Dirk