Sommerliches Wit

Fragen und Diskussion rund um Rezepturen.
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Weizza0412
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Sommerliches Wit

#1

Beitrag von Weizza0412 » Mittwoch 17. März 2021, 14:25

Hallöchen zusammen,

ich würde gerne ein sommerliches Wit brauen, was eine frische Zitrossnote durch die Gewürze bekommen soll und es soll darüber hinaus noch etwas hopfiger werden, was ja nicht unbedingt Wit-typisch ist.
Ich freue mich über Tipps und Tricks, da dies mein erstes eigenes Projekt werden wird.


Wit Bier für 25L bei ca. 60% SHA
12°P | 15-20 IBU | 6 EBC

Schüttung 5kg:
50% Pilsener Malz (2,5kg)
30% Weizenflocken (1,5kg) und 10% Weizenmalz (0,5kg)
5% Carahell (250g)
5% Haferflocken (250g)

Hauptguss 16L
Nachguss 14L

Maischen:
54°C einmaischen
54°C Eiweissrast 15 min.
63°C 1. Rast 35 min.
72°C 2. Rast 25 min.
78°C Abmaischen

Würzekochen 70 min.:
Tettnanger zum Kochen (einfach weil ich den schon hier habe) ca. 35g für 60min

Koriandersamen 0,5g/L
Orangenschalen/Grapefruitschalen/Mandarinenschalen frisch insg. 2-3g/L
Stopfhopfen: Bavaria Mandarina?/Callista? 3g/L?

Hefe:
3944 Withefe

Gärtemperatur 20°C
Karbonisierung 6g/l (Mit Speise in der Flasche)

FRAGEN:
Was haltet ihr generell davon? Es wird mein erstes eigenes Projekt, daher bin ich für alle Kommentare und Hilfen offen.
Zu den Gewürzen: Würdet ihr den Koriander und die Zesten 5 min vor Kochende geben oder erst mit dem Hopfen stopfen wenn es abgekühlt ist und gärt?
Wäre es auch möglich die Gewürze und den Stopfhopfen im Whirlpool hunzuzugeben bei 70/80°C und dann am nächsten morgen nach dem Abkühlen alles abzufiltern und nur die ‚klare‘ Würze zu vergären? Oder denkt ihr dann ist das Aroma nicht stark genug? Wäre für mich lediglich einfacher umzusetzen und weniger Infektionsrisiko als würde ich ‚richtig‘ Stopfen.
Welchen Stopfhopfen würdet ihr so vorschlagen? Ich würde einfach gerne ein schönes Zitrusaroma bekommen.

Danke schonmal im Vorraus!
LG Manu

Svenk
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Re: Sommerliches Wit

#2

Beitrag von Svenk » Mittwoch 17. März 2021, 14:52

Hallo Manu,

klingt schon gut. Ich würde das Carahell weglassen, passt meiner Meinung nach nicht so gut in ein Wit. Bei den Fruchtschalen würde ich eher bei 2g/l bleiben. Sonst wird das schnell zu viel, du bekommst ja noch einiges durch den Stopfhopfen. Ich habe immer 1g/l und das reicht für eine wirklich schöne Note. Beim Stopfen kann ich dir leider nicht weiterhelfen, habe noch nie ein Wit gestopft. Mandarina klingt aber schon nicht verkehrt.

Weizza0412
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Re: Sommerliches Wit

#3

Beitrag von Weizza0412 » Mittwoch 17. März 2021, 15:59

Danke Sven!

Das Carahell habe ich mit drin, da es laut mancher Meinungen etwas mehr Süße/Vollmundigkeit ins Bier bringt, was mir in meinem Wit gut gefallen würde. Ob das wirklich stimmt weiß icht nicht. Was denkst du macht das Carahell denn so aus?

Du gibst die Zesten und den Koriander also nur zum Kochende noch für 5 min dazu oder?

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Re: Sommerliches Wit

#4

Beitrag von Boludo » Mittwoch 17. März 2021, 16:46

Ich finde auch, dass da auf kennen Fall Carahell reingehört. Ein Wit hat keinen wirklichen Malzkörper, hier spielen die Hefe und die Gewürze zusammen die erste Geige.
Auch farblich sollte ein Wit so hell wie möglich sein. Find ich zumindest.

Stefan

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Re: Sommerliches Wit

#5

Beitrag von BrauSachse » Mittwoch 17. März 2021, 17:05

Weizza0412 hat geschrieben:
Mittwoch 17. März 2021, 14:25
Zu den Gewürzen: Würdet ihr den Koriander und die Zesten 5 min vor Kochende geben oder erst mit dem Hopfen stopfen wenn es abgekühlt ist und gärt?
Wäre es auch möglich die Gewürze und den Stopfhopfen im Whirlpool hunzuzugeben bei 70/80°C und dann am nächsten morgen nach dem Abkühlen alles abzufiltern und nur die ‚klare‘ Würze zu vergären? Oder denkt ihr dann ist das Aroma nicht stark genug? Wäre für mich lediglich einfacher umzusetzen und weniger Infektionsrisiko als würde ich ‚richtig‘ Stopfen.
Welchen Stopfhopfen würdet ihr so vorschlagen? Ich würde einfach gerne ein schönes Zitrusaroma bekommen.

Danke schonmal im Vorraus!
LG Manu
Kürzlich gab es hier eine ähnliche Diskussion mit vielen Tipps: https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?t=26507

Für die Kochdauer und Dosierung der Gewürze empfehle ich dir das hier https://www.maischemalzundmehr.de/index ... ches%20Wit beschriebene Vorgehen. Eine "Whirlpoolwürzung" würde ich vermeiden, da du dann nicht weißt, wie viel mehr des Koriandergeschmacks in die Würze übergeht.

Stopfen würde ich nicht, die Hefe, die Gewürze und die Weizenrohfrucht (in deinem Fall die Weizenkomponenten) machen das Wit aus, der Hopfen könnte diese Aromen schon wieder überlagern. Eine echte Wit-Hefe, so wie du sie verwendest, wandelt Teile des Korianderaromas in Orangenaroma um - das war doch so, oder? Ich finde gerade den Thread nicht mehr. :redhead

Das ist aber nur meine Meinung. Das Schöne ist, dass wir letztendlich alle so brauen können, wie es uns gefällt. :Greets

Viele Grüße
Tilo

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Re: Sommerliches Wit

#6

Beitrag von Svenk » Mittwoch 17. März 2021, 21:45

Weizza0412 hat geschrieben:
Mittwoch 17. März 2021, 15:59
Danke Sven!

Das Carahell habe ich mit drin, da es laut mancher Meinungen etwas mehr Süße/Vollmundigkeit ins Bier bringt, was mir in meinem Wit gut gefallen würde. Ob das wirklich stimmt weiß icht nicht. Was denkst du macht das Carahell denn so aus?

Du gibst die Zesten und den Koriander also nur zum Kochende noch für 5 min dazu oder?
Stefan hat in #4 eigentlich schon alles gesagt :thumbup
Ein Wit ist schlank und spritzig. Caramalz sorgt ja für das genaue Gegenteil.

Das hier ist mein Wit-Rezept:
https://www.maischemalzundmehr.de/index ... er/Blanche
Ist mit sehr wenig Rohfrucht. Habe schon mit mehr probiert, aber dann hatte ich mit meinem Braumeister immer eine sehr schlechte Ausbeute und auch nervige Kanalbildung.
Finde das so einen guten Mittelweg.

Generell würde ich sagen bei einem Wit ist weniger mehr. Die Orangen, der Koriander und die Rohfrucht sind alleine schon genug. Ist halt kein Bierstiel wie Stout, Gose oder IPA wo man so richtig ausrasten kann und alles mögliche probieren kann.

Johanson
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Re: Sommerliches Wit

#7

Beitrag von Johanson » Donnerstag 18. März 2021, 11:17

Moin Manu,
habe kürzlich ein Wit ziemlich nah am oben genannten Rezept von Boludo gebraut. Das ist nicht umsonst so populär hier. Ist ein sehr leckeres und gut ausbalanciertes Bier bei herausgekommen.

Wenn man sich jetzt von der engeren Stilbeschreibung des Wit etwas herausbewegen möchte, finde ich deine Variationen schon ganz interessant. Eine leichte Kalthopfung kann ich mir gut vorstellen, kann zum Hopfen hier jedoch keinen sachdienlichen Hinweise geben.
Den Cara-Anteil finde ich auch keine schlechte Idee. Tatsächlich war auch mein erster Eindruck bei der Verkostung, dass ein bisschen Vollmundigkeit dem Bier noch gut täte. Von "sommerlich frisch" bewegt man sich damit natürlich eher einen Schritt weg. Ob man das dann am Ende noch "Wit" nennen darf.. who cares :Smile

Gruß
Hendrik

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Re: Sommerliches Wit

#8

Beitrag von Weizza0412 » Donnerstag 18. März 2021, 11:53

Vielen dank schonmal für eure Hilfen! Das bringt mich weiter!

@Johanson: Danke für die Unterstützung. Ich weiß natürlich, dass man es mit einem Cara Anteil und Stopfung vermutlich nicht mehr 'Wit' nennen sollte. Aber ich mache mir wenig aus Klassifizierungen, solange es irgendwie schmeckt am Ende ;)

Ich habe jetzt den Carahell Anteil durch Carapils ersetzt. Damit wirds hoffentlich etwas vollmundiger, wie ich es mir vorstelle, aber nicht wirklich viel dunkler wie es bei dem Carahell gewesen wäre. Ich denke das ist ein guter Kompromiss... wir werden sehn.


Ich hätte nun noch eine (generelle) Frage zur Hopfung. Nach dem Würzekochen kühlt die Würze bei mir leider über Nacht aus, da ich sie nicht kühlen kann. Muss ich direkt nach dem Würzekochen das ganze durch ein Sieb/Filtertuch gießen und dann abkühlen lassen oder kann ich den Hopfen und evtl. die Gewürze mit abkühlen lassen, dann natürlich davor den Whirlpool? Wirkt sich das noch stark auf den IBU und Geschmack aus? Wie macht ihr das normalerweise?
Einen Whirlpool zu machen mach ja keinen Sinn wenn ich den hopfen nicht mit abkühlen lassen sollte? Oder habe ich hier einen Denkfehler?

Danke im Vorraus!

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Re: Sommerliches Wit

#9

Beitrag von Boludo » Donnerstag 18. März 2021, 12:14

Weizza0412 hat geschrieben:
Donnerstag 18. März 2021, 11:53

Ich habe jetzt den Carahell Anteil durch Carapils ersetzt. Damit wirds hoffentlich etwas vollmundiger, wie ich es mir vorstelle, aber nicht wirklich viel dunkler wie es bei dem Carahell gewesen wäre. Ich denke das ist ein guter Kompromiss... wir werden sehn.
Carapils macht eigentlich nur den Schaum stabiler. Vollmundiger wird es dadurch nicht. Und warum das als Caramalz bezeichnet wird, weiß ich auch nicht.
Kannst du schon reinmachen. Aber bei so viel Rohfrucht hat man eigentlich selten ein Schaumproblem.
Wit ist als Stil nicht wirklich definiert. Es war längere Zeit ausgestorben, bis es irgendwann wiederbelebt wurde. Eine sehr interessante Geschichte, die ich gerade nicht mehr zusammen bekomme. Wit war früher alles mögliche, ziemlich sicher teilweise auch sauer. Aber Caramalz war da sicher nie drin.
Heutzutage orientiert sich der Stil sehr an dem, was man als Hoegaarden kaufen kann.
Für mich muß ein Wit fast so hell wie Wasser sein und keinerlei Malzkörper besitzen. Dann ist es im Sommer der absolute Hit.
Im Winter ist dann ein Imperial Wit wie zb ein Fin du Monde was sehr feines.

Stefan

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Re: Sommerliches Wit

#10

Beitrag von Weizza0412 » Donnerstag 18. März 2021, 13:12

Danke Boludo! Dann überlege ich mir das nochmal mit den Caramalzen. Der Hersteller des Carapils hat angegeben, dass es auch für eine schöne Vollmundigkeit/Restsüße sorgen soll, aber dann vertraue ich lieber den Profis.

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Re: Sommerliches Wit

#11

Beitrag von Weizza0412 » Dienstag 30. März 2021, 16:41

Servus alle zusammen,

ich hätte eine kleine Frage bezüglich der Gärung. Ich habe am Samstag mein Wit gebraut, nicht exakt das obige Rezept aber 12°P SW sind es und die Hefe ist auch die selbe. Jetzt bin ich nach 3 Tagen Gärung bei 20°C schon bei 5°P (mit dem Refraktometer gemessen!). Das ergibt laut Terill-Rechner (mit Alk. Korrektur) 83% EVG und 5,4% vol. Das ist schon echt viel und echt schnell, ich hatte bei der Hefe eher mit weniger gerechnet, da 72-76% laut Hersteller angegeben sind. Außerdem blubbert das Gärröhrchen auch nicht mehr.

Denkt ihr ich kann das ganze morgen schon in Flaschen abfüllen wenn sich bis morgen immer noch nichts weiter getan hat?

LG Manu
Zuletzt geändert von Weizza0412 am Dienstag 30. März 2021, 17:01, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Sommerliches Wit

#12

Beitrag von Kobi » Dienstag 30. März 2021, 16:54

Weizza0412 hat geschrieben:
Dienstag 30. März 2021, 16:41
aber 12°P SW sind es und die Hefe ist auch die selbe. Jetzt bin ich nach 3 Tagen Gärung bei 20°C schon bei 5°P. Das ergibt laut Terill-Rechner (mit Alk. Korrektur) 83% EVG und 5,4% vol.
Moin,
bist Du Dir mit den Werten sicher? Du schreibst von Plato, das ergäbe bei dem Restextrakt aber nie diese hohe Vergärung, oder meinst Du Brix? Hast du gespindelt oder mit dem Refraktometer gemessen?
Viele Grüße
Andreas

P.S.: Wenn Du erst am Sonntag gebraut hast, gib dem ganzen noch einiges mehr an Zeit.
Das Leben ist zu kurz, um schlechtes Bier zu trinken! :Drink

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Re: Sommerliches Wit

#13

Beitrag von Weizza0412 » Dienstag 30. März 2021, 17:01

Hi Kobi,

habe mit dem Refraktometer gemessen (habe den Beitrag wohl zu spät editiert :D ) und dabei 12,5° Brix SW und heute 5,5°Brix gemessen. Bisher haben meine Messungen auch beim Kalibrieren immer gepasst. Habe auch am Montag schon nur noch 8°Brix und gestern 6°Brix gemessen, der Verlauf würde passen, geht mir nur sehr schnell irgendwie...
Ich hab am Samstag gebraut, nicht am Sonntag, ich war wohl gerade etwas durcheinander beim schreiben (ich editiere oben nochmals).

LG Manu

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Re: Sommerliches Wit

#14

Beitrag von schwarzwaldbrauer » Dienstag 30. März 2021, 17:11

Hallo Manu,
würde immer min. 7 Tage zwischen Anstellen und Abfüllen vergehen lassen.
Wenn dir der Alkoholgehalt zu hoch ist kannst du vor dem Abfüllen mit Leitungswasser verdünnen.
Grüßle Dieter
Brau, schau wem.

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Re: Sommerliches Wit

#15

Beitrag von Kobi » Dienstag 30. März 2021, 17:14

Weizza0412 hat geschrieben:
Dienstag 30. März 2021, 17:01
Hi Kobi,

habe mit dem Refraktometer gemessen (habe den Beitrag wohl zu spät editiert :D ) und dabei 12,5° Brix SW und heute 5,5°Brix gemessen. Bisher haben meine Messungen auch beim Kalibrieren immer gepasst. Habe auch am Montag schon nur noch 8°Brix und gestern 6°Brix gemessen, der Verlauf würde passen, geht mir nur sehr schnell irgendwie...
Ich hab am Samstag gebraut, nicht am Sonntag, ich war wohl gerade etwas durcheinander beim schreiben (ich editiere oben nochmals).

LG Manu
Alles klar, dann passt es eher. Gib dem ganzen aber gerne noch Zeit; ich fülle nie vor zwei bis drei Wochen ab. Es scheint ja noch etwas zu arbeiten und dann sollte sich die Hefe ja auch noch absetzen, damit Du den Schmodder nicht in der Flasche hast.
Viele Grüße
Andreas
Das Leben ist zu kurz, um schlechtes Bier zu trinken! :Drink

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