Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

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Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

#1

Beitrag von Blancblue » Samstag 2. Mai 2015, 16:18

Ich trinke gerne Pils-Biere, die eine leicht nussige Note aufweisen (z.B. Licher oder Pfungstädter). Jetzt würde ich gerne noch die niedrigen Temperaturen nutzen, um noch mal untergärig zu brauen. Problem - ich habe nur noch etwas Pale Ale Malz, bissl Münchner und bissl Wiener, dafür aber einen 5 KG Sack Maris Otter. Letzteres steht ja angeblich für recht nussige Aromen - meint Ihr eine Schüttung mit 95% Maris Otter und 5% Carapils würde funktionieren? Bissl Böhmener Tannenmalz habe ich auch noch da, wobei das ziemlich ähnlich von Charakter zu sein scheint wie das MO Malz?

Als Hopfen hatte ich an Spalter Select gedacht, der auch hier immer wieder mal in Verbindung mit "nussig" genannt wird.

Hefe W34/70.
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Re: Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

#2

Beitrag von flying » Samstag 2. Mai 2015, 18:36

Hört sich für mich alles super an! Vielleicht noch ein Münchner Zweimaischverfahren..?
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Re: Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

#3

Beitrag von Blancblue » Samstag 2. Mai 2015, 20:04

Puh, an Dekoktion wage ich mich noch nicht ran bzw. fehlt mir dafür aktuell ein bissl die Zeit. Habe aber gelesen, dass das noch mal mehr "Kern" bringt - mal schauen wie weit ich mit Infusion zu meinem gewünschten Geschmack komme.

Muss ich bezüglich dem relativ hohen Eiweißgehalt des MO Malz irgendwas beachten?
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Re: Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

#4

Beitrag von Rudiratlos » Samstag 2. Mai 2015, 20:09

Ich muss gestehen, dass ich noch nie mit Pale-Malz gebraut habe. Aber ich habe für mich selbst festgestellt, dass je dunkler das Malz ist (auch bei Basismalzen), desto niedriger ist der Vergärungsgrad. Da man bei einem Pils einen eher höheren EVG anstrebt und das Pale-Malz schon etwas dunkler als PiMa ist, würde ich auf eine hohe Vergärbarkeit hin maischen.
CaraPils würde ich weglassen, wirkt sich nur negativ auf den Vergärungsgrad aus, und wegen des hohen Eiweisgehalts im MO solltest du ja keine Schaumprobleme haben.

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Re: Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

#5

Beitrag von cosmophobia » Samstag 2. Mai 2015, 20:26

Blancblue hat geschrieben:Licher oder Pfungstädter
Puh, das sind grade Bsp. die bei mir für weitgehende Geschmackslosigkeit stehen.
Aber zum Thema, ich würde auch das CaraPils weglassen. Ein wenig CaraHell hingegen kann einen nussigen Charakter unterstützen.

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Re: Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

#6

Beitrag von Blancblue » Samstag 2. Mai 2015, 20:50

Also ich kenne o.g. Biere nur vom Fass aus der Kneipe, da schmeckts eh immer besser. :-) Eine Kiste davon würde ich mir nie kaufen, keine Angst ;-)
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Johnny H
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Re: Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

#7

Beitrag von Johnny H » Sonntag 3. Mai 2015, 01:20

So ein Bier mit 100% MO, Zweimaischverfahren und einfacher Hopfung steht auch auf meiner Liste. Ich überlege aber auch, angelehnt an das Brooklyn Lager zu hopfen: das wäre dann die ultimative kulturelle Vielfalt aus englischem Malz, kontinentalem Verfahren und amerikanischer Hopfung. ..

Viel Glück!
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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Re: Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

#8

Beitrag von Holger-Pohl » Sonntag 3. Mai 2015, 07:39

Für einen nussigen Charakter braucht man keine zwei Mal kochen.
Es reicht bereits eine Kochmaische.
Ich maische bei meinen Hellen gerne bei 50 Grad ein, heize nach 10 min auf 63 Grad auf und trenne dort die Kochmaische dichbreiig ab. Die Kochmaische wird ohne Einhalten irgendwelcher Rasten auf 100 Grad geheizt und für ca. 10 min gekocht. Dann wieder zubrühen. Das dauert bei mir alles ca 40 min. Diese 40 min steht die Bottichmaische bei 63 Grad. Das Rührwerk muss laufen und die 63 müssen auch gehalten werden - also ggf. nachheizen. Beim Zubrühen werden dann Temperaturen um die 72 Grad herauskommen. Rührwerk auf volle Kanne und langsam zugeben - Liter für Liter. Der Rest wie gehabt.
Durch das 10-minütige Kochen wird die Farbe ohnehin merklich dunkler, würde sagen, es kommt ein schöner Goldton raus. Bei Carahell würde es ins Bernstein fallen - also eher Pils-untypisch. Durch das Kochen entstehen genügend Geschmacksstoffe - ein "Verstärken" mit cara ist daher unnötig.

zur Hopfung empfehle ich mal 32 bis 36 IBU, das kommt als "Pils" bei mir am besten an. Mehr "verkraften" manche Pilstrinker heute nicht mehr.

Gutes Gelingen
Grüßele
Holger

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Re: Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

#9

Beitrag von cosmophobia » Sonntag 3. Mai 2015, 11:04

Stimmt, Dekoktion + Cara wäre für ein Pils zuviel. Wie ich das verstanden habe, soll das Bier aber per Infusion entstehen.

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Re: Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

#10

Beitrag von n0l3n » Samstag 14. Dezember 2019, 08:20

Johnny H hat geschrieben:
Sonntag 3. Mai 2015, 01:20
So ein Bier mit 100% MO, Zweimaischverfahren und einfacher Hopfung steht auch auf meiner Liste. Ich überlege aber auch, angelehnt an das Brooklyn Lager zu hopfen: das wäre dann die ultimative kulturelle Vielfalt aus englischem Malz, kontinentalem Verfahren und amerikanischer Hopfung. ..

Viel Glück!
Ist lang her, aber hast du es ausgetestet? Wenn ja, wie war's?
Viele Grüße
Olli

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Re: Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

#11

Beitrag von Johnny H » Samstag 14. Dezember 2019, 10:53

n0l3n hat geschrieben:
Samstag 14. Dezember 2019, 08:20
Johnny H hat geschrieben:
Sonntag 3. Mai 2015, 01:20
So ein Bier mit 100% MO, Zweimaischverfahren und einfacher Hopfung steht auch auf meiner Liste. [...]
Viel Glück!
Ist lang her, aber hast du es ausgetestet? Wenn ja, wie war's?
Oh ja! Kann mich sogar noch recht gut erinnern.

Habe es im November 2015 gebraut. Zweimaischverfahren. Spalter Select als Vorderwürzehopfung (15g, 11,7 IBUs) , dann noch ein paar Gaben Lubelski (30min/10min/0min, jeweils ca. 15g). Ist bei 11,9°P und 26 IBUs rausgekommen, Vergoren habe ich dann mit der W34/70 in 2. Führung, 81% sVG.

Richtung Brooklyn Lager habe ich dann aber nicht gebraut, sondern (s.o.) eher klassisch europäisch gehopft.

Ist super geworden, wenn ich mich recht erinnere. Kam auch bei einem Hobbybrauertreffen Anfang 2016 sehr gut an. Schön malzig, Hopfen hat gut gepasst. Farblich so ungefähr im Stil Wiener Lager bzw. kastanienbraun, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt.

Wollte ich eigentlich dann auch wieder so oder ähnlich brauen. Hab ich dann aber nicht gemacht, warum auch immer. Wird Zeit!!

Nachtrag: macht @Blancblue nicht auch sein Kellerbier mit Maris Otter? Das gab es zumindest zur HBCON, und ich habe es als hervorragend in Erinnerung. Möglicherweise erinnere ich mich aber an die Hintergründe nicht mehr richtig!

2. Nachtrag: das Kellerbier bei der HBCON war wohl doch nicht auf Basis Maris Otter:
Anti Held | Helles Kellerbier | 5.2% - u.a. mit böhmischen Tennenmalz im Dekoktionsverfahren gebraut.
Aus der Erinnerung war es auch viel heller als ein 100% Maris Otter-Bier.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
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Re: Nussiges Pils - mit 100% Maris Otter Malz?

#12

Beitrag von Malzundhopfen » Mittwoch 18. Dezember 2019, 13:54

Ich habe ein Lager mit 50% MO und 50% Pilsener Malz gebraut. War sehr sehr lecker, hatte auch definitiv eine sehr nussige Komponente. Ein Bekannter von mir dachte sogar erst, es wäre ein belgisches Blond gewesen, wobei ich das nicht so ganz nachvollziehen konnte. Hefe war die L17 von imperial yeast, bei 10 Grad mit nem 3 Liter Starter angestellt. Gehopft nur mit Spalter auf 30 IBU.

Das Bier ist auch sehr klar geworden.
Liebe Grüße,
Dave

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