Bierstil für Anfänger

Fragen und Diskussion rund um Rezepturen.
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Enfield
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Bierstil für Anfänger

#1

Beitrag von Enfield » Freitag 5. Februar 2016, 15:08

Hallo Hobbybrauer!

Ich bin neu hier im Forum und das hier ist mein erster Post/mein erster Thread. Deshalb möchte ich mich kurz vorstellen.

Ich komme aus Westösterreich und bin eigentlich über die Fruchtweinherstellung zum Bierbrauen gekommen. Meine ersten paar Sude mit Kesselinfusion und geschrotetem Malz habe ich bereits hinter mir und somit auch ein paar Erfahrungen gesammelt - teils mit fertigen Malzpaketen, teils mit Rezepten von maischemalzundmehr.de.

Und dabei muss ich sagen, GROßES KOMPLIMENT an dieses Forum hier und Eure teils wahnsinning informativen Beiträge. Alleine das Lesen der vielen Threads hier hat mir sehr viel weiter geholfen. :Drink

Die Ergebnisse waren mal ganz lecker, mal nicht so mein Fall... :redhead

Jetzt bin ich am Planen für meinen nächsten Sud und weiß ehrlich gesagt nicht recht, was es werden soll. Ich würde mir gerne einen Bierstil aussuchen und mal ein paar Rezpete dieses Stils durchprobieren und so ein wenig Feingefühl zu bekommen. Nur habe ich absolut keinen Plan, welcher Bierstil für einen Anfänger geeignet ist (also Fehler leichter verzeiht und wenige Grundzutaten benötigt) und welcher nicht.
Da ich keine kühlen Räumlichkeiten habe, bleiben mir zur Gärung nur oberärige Varianten. Gibts nen anständigen obergärigen mitteleuropäischen Bierstil so á la German Ale? Geschmacklich mag ich ein süßes, malziges Bier genauso gern wie ein hopfiges IPA oder ein gutes Pils. Dennoch sollte es etwas zugängliches sein, man will seine Freunde (die dem Massenbiergeschmack gewöhnt sind) ja mit dem selbstgebrauten nicht gleich vergraulen sondern langsam daran heranführen...

Wäre nett, wenn Ihr mir da ein paar Tipps geben könntet!

Hopfenherz
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Re: Bierstil für Anfänger

#2

Beitrag von Hopfenherz » Freitag 5. Februar 2016, 15:18

Also ich würde dir ein Kölsch empfehlen.
http://www.maischemalzundmehr.de/index. ... pe&seite=1

Gruß Stefan

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Re: Bierstil für Anfänger

#3

Beitrag von Alt-Phex » Freitag 5. Februar 2016, 15:20

Pale Ale, Altbier, Kölsch und Weizen. Such dir was aus.
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

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Re: Bierstil für Anfänger

#4

Beitrag von Flothe » Freitag 5. Februar 2016, 15:23

Hallo Enfield (Wie ist denn dein richtiger Name? Die meisten hier nutzen in den Threads ihre Vornamen :) ),

Als absolutes Anfängerbier, dass auch Fehler verzeihen kann, würde ich mal das Weizenbier nennen. Vor allem, wenn du nicht kühlen kannst.
Ein Weizen verzeiht auch mal 2 Grad mehr im Gärfass (oder belohnt sogar mit fruchtigen Esternoten). Vor allem kann es auch sehr vollmundig sein und auch ein Weizen kann man mit diversen Aroma-Hopfen mit teils auch untypischen, aber interessanten Geschmäckern variieren.

Einzig: Eine richtig gute Weizen-Trockenhefe scheint es nicht zu geben. Hier solltest du also am besten in eine Flüssighefe investieren. Da fällt mir die Weihenstephan 3068 ein, die auch gerne Bananen-Aroma produziert.
Beim Weizen hat man an der Stelle aber auch das Glück, dass in vielen Kaufbieren noch lebende Hefen drin sind, die man strippen kann.

Von Kölsch würde ich persönlich an der Stelle abraten, vor allem weil du nicht kühlen kannst. Kölsch und Alt sind zwar obergärig, aber verlangen für ein astreines Aroma auch eine strikte Gärführung bei 15-16 °C.

LG Florian

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Re: Bierstil für Anfänger

#5

Beitrag von 1stBaseMaik » Freitag 5. Februar 2016, 15:25

Nach meinen ersten Versuchen - die auch sehr gemischt waren :Wink - habe ich zuletzt folgendes Rezept probiert:
http://www.maischemalzundmehr.de/index. ... rtype=DESC
Finde ich eigentlich ziemlich gut (gerade auch für "Einheitsbiertrinker") und es war meiner Meinung nach auch Anfängergeeignet. Kann ich empfehlen. Im Prinzip funktionieren vermutlich alle Biersorten die man gemeinhin "Ale" nennt, wenn du dem ganzen schon 'n Namen geben willst :Smile

Als nächstes werde ich Altbierrezepte probieren (zuerst das Schumacher-Klon-Rezept von tauroplu auf MMuM) - ich liebe Altbier (und vor allem Schumacher und Uerige) wirklich sehr - das ist für mich persönlich die Krönung der obergärigen Biersorten :Bigsmile Generell richte ich mich in den "Sorten" erstmal danach was obergärig geht, gerade weil ich Anfänger bin und mir das nötige Equipment für untergärige Bierstile (noch) fehlt.

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Re: Bierstil für Anfänger

#6

Beitrag von El Gordo » Freitag 5. Februar 2016, 15:28

Samba Pale Ale wird eigentlich auch immer was.

Stefan

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Re: Bierstil für Anfänger

#7

Beitrag von omitz » Freitag 5. Februar 2016, 15:38

Willkommen im Forum!

Viel spannender als Bierstile finde ich es ja, die verschiedenen Malze, Hefen und Hopfen kennen zu lernen.
Dh Single Hop Biere mit den je unterschiedlichen Hefen und ggf. einem anderen Cara finde ich sehr reizvoll.
So lernt man die Zutaten gut kennen und kann dann verfeinern und experimentieren.

Nur meine 5c dazu! :)

Gut Sud!
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Re: Bierstil für Anfänger

#8

Beitrag von Wombat-Brewing » Freitag 5. Februar 2016, 15:55

Ich schließ mich meinen Vorrednern an, wobei ich als erstes Bier kein Weizen empfehlen würde. Auf jeden Fall sollte es ein obergäriges Bier sein. Hefe könntest du die S04 nehmen, die tut ihre Arbeit solide und liefert gute Ergebnisse ohne groß rumzuzicken, wobei die Hefe deutlich schmeckbare fruchtige Aromen produziert.
Wenn du lieber ein Bier brauen willst bei welchem die Hefe weniger deutlich schmeckbar ist, würde ich die Nottingham empfehlen. Die kann man auch locker bei 15 °C vergären lassen.

Noch was zur Hefe: Für das erste Bier würde ich dir wirklich raten eine Trockenhefe zu verwenden. Man kann übrigens (fast) jedes Rezept auch mit einer anderen Hefe vergären als der angegebenen.

Lg
Michael

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Re: Bierstil für Anfänger

#9

Beitrag von Griller76 » Freitag 5. Februar 2016, 16:25

Hallo Enfield,

also meiner Meinung nach verzeiht ein Weizen viele Anfängerfehler.
Ich empfehle Dir dieses Rezept weil es:
- einfach zu brauen ist
- bombastisch gut schmeckt
- Du nur drei gängige Malzsorten brauchst
- Du nur mit einem Hopfen (Saphir) zum Bittern und Aromatisieren auskommst
- die obergärige Gärung ohne Probleme bei Zimmertemperatur in Deiner Wohnung stattfinden kann
Mein TIp: nimm unbedingt die Hefe Wyeast 3068 - dann hast Du herrliche bananinge und nelkige Aromen, die für ein vollmundiges Weizen so typisch sind.

http://www.maischemalzundmehr.de/index. ... rtype=DESC

freundliche Grüße

Alexander
Iss was gar ist, trink was klar ist und sag was wahr ist. (Luther)

Ich bin: Der Seelenbräu – Himmlisches Bier vereint Herz und Seele!

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Re: Bierstil für Anfänger

#10

Beitrag von Enfield » Freitag 5. Februar 2016, 16:55

Wow, erstmal danke für den vielen Input!!!

Tut, mir leid, war unhöflich von mir, meinen Namen nicht zu nennen. Ich bin der Max.

Also... da kommen mir gleich noch ein paar Fragen :Smile

Zu den Rezepten:
Besten Dank! Das Urhell klingt schonmal sehr gut, da hab ich witziger Weise sogar alle Zutaten zuhause, inkl. dem Hallertauer MF.
Das Samba Pale Ale klingt auch sehr interessant. Kann ich statt den Flocken und der Polenta auch Mais schroten und vorverkleistern?
Das Triticum Wormatia hab ich mir auch schon angesehen, leider gibt es grade nirgends wirklich Saphir zu kaufen, geht da auch ein anderer?
Da bekommt man direkt Lust, ein paar Kleinsude zu machen, hab eh noch ein paar leere 5 l Gärballons... :Bigsmile

Zur Hefe:
Für meine bisherigen Sude habe ich die Fermentis US-05 verwendet. Die soll ja relativ neutral vergären und einen mittleren Endvergärungsgrad haben (EVG). Mit der Sedimentation hatte ich bisher keine Probleme.
Ist der Geschmacksunterschied zwischen den einzelnen OG Hefen wirklich so groß? Als Anfänger kann man sich das irgendwie gar nicht vorstellen. Wie austauschbar sind zb. Ale-Hefen in den Rezepten (Notti, US-05, S-04, Brewferm Top, etc.)? Ist da wirklich ein derartiger Unterschied zw. zb. der Notti und der Top, dass das eine Bier "trocken" wird und das andere süßer, nur wegen dem unterschiedlichen EVG? Ich hab nämlich noch die Top zuhause und dachte mir, die könnte ich für den nächsten Sud verwenden.

An Flüssighefen weiß ich noch nicht, ob ich mich rantrauen soll. Kann ich die Brewferm Blanche auch nehmen für ein Weizenbier? Habe hier schon viele verschiedene Meinungen dazu gelesen und bin nun etwas verwirrt. Sonst werd ich wohl wirklich aufs Strippen zurückgreifen müssen.

Zum Hopfen:
Wie beliebig ist der austauschbar? Kann ich Bitterhopfen zb. durch Aromahopfen ersetzen (die Menge natürlich angepasst an die Alpha-Säure Gehalt)?

Tut mir leid wegen der vielen Fragen...

Max

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Flothe
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Re: Bierstil für Anfänger

#11

Beitrag von Flothe » Freitag 5. Februar 2016, 17:16

Griller76 hat geschrieben:Hallo Enfield,

also meiner Meinung nach verzeiht ein Weizen viele Anfängerfehler.
Ich empfehle Dir dieses Rezept weil es:
- einfach zu brauen ist
- bombastisch gut schmeckt
- Du nur drei gängige Malzsorten brauchst
- Du nur mit einem Hopfen (Saphir) zum Bittern und Aromatisieren auskommst
- die obergärige Gärung ohne Probleme bei Zimmertemperatur in Deiner Wohnung stattfinden kann
Mein TIp: nimm unbedingt die Hefe Wyeast 3068 - dann hast Du herrliche bananinge und nelkige Aromen, die für ein vollmundiges Weizen so typisch sind.

http://www.maischemalzundmehr.de/index. ... rtype=DESC

freundliche Grüße

Alexander
:Bigsmile Tatsächich hatte ich auch genau dieses Rezept im Hinterkopf, als ich ein Weizen empfohlen habe!

Den Saphir könnte man z.B. mit einem Cascade ersetzen.
Einfield hat geschrieben:An Flüssighefen weiß ich noch nicht, ob ich mich rantrauen soll. Kann ich die Brewferm Blanche auch nehmen für ein Weizenbier? Habe hier schon viele verschiedene Meinungen dazu gelesen und bin nun etwas verwirrt. Sonst werd ich wohl wirklich aufs Strippen zurückgreifen müssen.
Also eine Flüssighefe ist wirklich nichts komliziertes. Du musst nur darauf achten, dass du ein Activator Pack bestellst. Darin sind schon genug Zellen zum Anstellen und du musst keinen Starter propagieren. Halt dich an die Gebrauchsanweisung bzw. den richtigen Zeitpunkt zum smacken des Activators und die Handhabung ist nicht wirklich komplizierter als bei Trockenhefe.
Vor allem, wenn du alternativ strippen möchtest, sollte Flüssighefe kein Problem sein. Denn ob du nun eine Strip-Hefe propagierst oder eine Flüssighefe, wo ist der Unterschied? Die Gefahren sind die selben. Und wie gesagt, für ein Activator Pack musst du keinen Starter machen (bis ca. 20 Liter Würze).

Dass das Bier bei einem niedrigen EVG "süßer" bleibt, sollte an sich klar sein. Hefen mit hohem EVG führen also zu einem trockenerem Ergebnis. Allerdings entscheidet nicht nur die Hefe über den EVG, die grundlegende Richtung wird schon beim Maischen über die Rasten vorgegeben.

LG Florian

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Re: Bierstil für Anfänger

#12

Beitrag von Flothe » Freitag 5. Februar 2016, 17:25

Einfield hat geschrieben:Zum Hopfen:
Wie beliebig ist der austauschbar? Kann ich Bitterhopfen zb. durch Aromahopfen ersetzen (die Menge natürlich angepasst an die Alpha-Säure Gehalt)?
Grundsätzlich kann Bitterhopfen immer durch Aromahopfen ausgetauscht werden. Die Frage ist nur: Macht das Sinn. Vom Aroma bleibt nach 90 Minuten kochen nicht viel übrig, sodass du nur eine ziemlich teure Bitterhopfung hättest. Allerdings kannst du mit Aroma-Sorten gut eine Vorderwürzehopfung machen. D.h. du gibst den Hopfen schon während oder nach dem Läutern zu, noch bevor du kochst. Dadurch entstehen temperaturstabile Aromen, die das Kochen überleben.

Umgekehrt einen Aromahopfen durch Bitterhopfen zu ersetzen, macht für mich eigentlich nur dann Sinn, wenn laut Rezept (warum auch immer), ein AH für 60-90 Minuten gekocht werden soll. Da habe ich auch schon zu einfachen Bitterhopfen wie Magnum oder Northern Brewer gegriffen, und das Ergebnis hat mir sehr gut geschmeckt.

LG Florian

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Enfield
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Re: Bierstil für Anfänger

#13

Beitrag von Enfield » Freitag 5. Februar 2016, 20:39

Danke für die Infos, jetzt freu ich mich auf den nächsten Sud! Jetzt weiß ich auch, warum es solche Preisunterschiede gibt beim Hopfen. Hat ein Bitterhopfen eigentlich gar kein Aroma und ist nur bitter?

Nochmal zum Bierstil: Ist ein Ale nur ein Überbegriff oder eine eigene Gattung? Die "Mild Ales" auf maischemalzundmehr.de sind auch keine "richtigen" Mild Ales im Sinne dieser Gattung, oder?

Habt Ihr noch irgendeinen Literaturtipp für den tieferen Einstieg in die Materie? Ich habe die Bücher von Hanghofer und Hagen, das ist ein super Einstieg, aber teils sehr oberflächlich.

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Re: Bierstil für Anfänger

#14

Beitrag von hoggel1 » Freitag 5. Februar 2016, 23:31

Hallo und willkommen,


Das Ale ist ein Überbegriff. Heutzutage versteht man darunter ein Obergäriges Bier. Früher wurde in England zwischen:
Beer > mit Hopfen und
Ale > ohne Hopfen unterschieden.

In Amerika z.B. wird das Kölsch und unser Alt auch in die Kategorie Ale eingeordnet.

MfG
Thomas

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Re: Bierstil für Anfänger

#15

Beitrag von DanyCode » Dienstag 27. Juni 2017, 18:36

Hallo,
ich will das Thema mal kurz nach oben holen... Ich war lange nicht hier, war im alten Forum früher schon ein bisschen unterwegs, aber nun ist es nach Jahren endlich so weit, Utensilien sind besorgt, Zeit hab ich auch - der Brautermin steht, am 04.07 soll es losgehen und ich möchte ein Weizen nach dem hier im Thread erwähnten Rezept brauen, ca. 20 Liter sollen dabei am Ende in den Bügelflaschen landen.
Hierzu noch kurz ein paar Fragen:

1. Wenn ich ca. 20 Liter in den Flaschen haben möchte, gebe ich dann etwa 22, 21 oder 20 Liter als Ausschlagwürze an - oder sollte ich das nicht sooo genau nehmen?

Und die Sache mit der Hefe ist mir noch nicht ganz klar. Bestellen möchte ich beim hobbybrauversand , wenn ich dort die Wyeast 3068 eingebe, finde ich lediglich einen Aktivator.
Also dachte ich. ich nehme diese hier "WLP300 Hefeweizen Ale Yeast".

2. Muss ich nachdem meine Würze abgekühlt ist dann alle 3 Päckchen in die Würze geben? Bzw. wie viel Hefe überhaupt für 20 Liter?
3. Brauche ich hier einen Aktivator?
4. Wenn ja, welchen Aktivator? :Waa

Ansonsten habe ich den Brauprozess schon einige Male gedanklich durchgespielt. Aber gerade bei der Hefe hakt es irgendwie noch.
Equipment habe ich mir nach dieser Anleitung besorgt , mein selbstgebautes Rührwerk muss sich dann noch beweisen, sonst wird mit dem Löffel gerührt. Brautermin wird morgen beim HZA angemeldet.

Danke für eure Hilfe!
LG Daniel

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Re: Bierstil für Anfänger

#16

Beitrag von Ladeberger » Dienstag 27. Juni 2017, 19:26

Hallo Daniel, willkommen (zurück)!

Ist das Weizenbier als Stil schon gesetzt? Dann gehe ich gerne auf die Fragen ein.

Grundsätzlich gehöre ich aber zur offensichtlichen Minderheit im Forum, die Weißbier für keinen guten Anfängerstil hält. Er ist aufgrund der geringen Hopfengaben mikrobiologisch heikel. Da hat man sich schnell die erste Hausfauna gezüchtet, die einem dann nicht nur diesen Sud, sondern womöglich noch weitere Sude begleitet. Ebenso kann die Läuterarbeit aufgrund des geringen Spelzenanteils in der Schüttung sehr schnell zur Läuterkatastrophe mutieren und häufig genug liest man hier von schwefelnden und steckengebliebenden Gärungen. Das sind alles Stolperfallen, die man als Anfänger/Wiedereinsteiger nicht braucht.

Typisches Anfängerbier ist in meinen Augen eher ein Pale Ale, zum Beispiel das SNPA: http://maischemalzundmehr.de/index.php? ... tte=recipe

Der Sudtermin ist bei diesen Bierstilen sehr entspannt und das Erfolgserlebnis ob der Hopfenwucht und zuverlässigen "Arbeitstiere" wie der Fermentis US-05 quasi garantiert.

Gruß
Andy

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Re: Bierstil für Anfänger

#17

Beitrag von Sura » Dienstag 27. Juni 2017, 21:00

Ich schliesse mich Andy in allen Punkten an, und füge noch Wasserproblematik hinzu.

Ansonsten:
Wenn du obergärig ein normales Bier (also kein Bock oder ähnliches) braust, dann reicht ein Tütchen Trockenhefe auf 20l. Ich werde gleich Prügel beziehen, aber da du im allgemeinen noch unsicher bist, mach das was auf der Packung steht und streue die Hefe auf. Wenn du dich sicher fühlst und sauber arbeitest, kann du sie auch vorher in ca. 100ml, 27°C warmen Wasser einschütten und nach 20min umrühren bevor du sie zugibst. (Rehydrieren nennt sich das dann.)
Einen Aktivator brauchst du bei Trockenhefe (empfehle ich dir für den Anfang dringend) nicht. Belüften im Prinzip auch nicht.

Da es dein erster Sud ist, musst du garnichts so genau nehmen. Es ist auch relativ egal ob du hier ein Plato mehr und da einen Liter weniger hast. Auch der Nachguss ist in der Menge kein Pflichtprogramm, das ist ein Wert mit dem der Author glücklich wurde. Kann sein das du schon vorher oder erst später die Stammwürze erreichst, die du haben möchtest. Das ist vor dem kochen ca. 15% weniger als im Rezept als Ziel angegeben ist!
Bitte auch die Alpha-Werte des Hopfens anpassen. Der ist jedes Jahr anders, und schwankt bei einigen Sorten ganz ordentlich.

Viel Spass!
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)

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Re: Bierstil für Anfänger

#18

Beitrag von DanyCode » Dienstag 27. Juni 2017, 23:21

Ok, vielen Dank für die Antworten!
eigentlich sollte es schon ein Weizen werden - ich braue zusammen mit meiner Schwägerin (Kräuterhexe - die noch weniger in der Materie steckt als ich) und sie freut sich auch sehr auf Weizen, aber in Stein ist es nun auch nicht gemeißelt. Bisher war ich der Annahme (weil häufig im Forum gelesen), dass ein Weizen ein Anfänger-Bier ist, jetzt schreibst du ja
Grundsätzlich gehöre ich aber zur offensichtlichen Minderheit im Forum, die Weißbier für keinen guten Anfängerstil hält
und deine Ausführungen dazu sind auch einleuchtend - ich persönlich möchte es trotzdem gerne mit einem Weizen versuchen... mal sehen, spreche morgen nochmal mit der Kräuterhexe.
Gut, Trockenhefe probieren wir dann auch, ist mir auch lieber für den Anfang, das Handling liest sich irgendwie leichter. Dann muss ich nur gucken, dass die Hefe zum Bierstil und der mir möglichen Gärtemperatur passt, richtig?

Achso - ja obergärig soll es sein, wegen der Gärtemperatur, das kann ich leichter gewährleisten und es soll auf jeden Fall ein "normales" Bier/Weizen werden (ca. 5% Vol) kein Starkbier kein Bock usw.

Beste GRüße
Daniel

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Re: Bierstil für Anfänger

#19

Beitrag von Boludo » Mittwoch 28. Juni 2017, 05:38

Bitte nehm eine der wenigen guten Trockenhefen für Hefeweizen, die es gibt.
Viele taugen wirklich nichts.

Stefan

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Re: Bierstil für Anfänger

#20

Beitrag von Enfield » Mittwoch 28. Juni 2017, 06:11

Aus eigener Erfahrung kann ich dir bei den Weizentrockenhefen die Mauribrew Weiss empfehlen. Eine wenig bekannte aber gute Trockenhefe. Ich habe grade einen Sud damit hinter mir. In der Nase Banane und am Gaumen perfekte Mischung aus phenolisch (Nelke) und Banane, sehr schön ausbalanciert. Und das bei einer Gärtemperatur von 20°C.
Die Gozdawa BW11 ist auch gut.
Finger weg von der der WB-06.

LG

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Re: Bierstil für Anfänger

#21

Beitrag von Bierjunge » Mittwoch 28. Juni 2017, 08:46

DanyCode hat geschrieben:
Dienstag 27. Juni 2017, 18:36
Und die Sache mit der Hefe ist mir noch nicht ganz klar. Bestellen möchte ich beim hobbybrauversand , wenn ich dort die Wyeast 3068 eingebe, finde ich lediglich einen Aktivator.(...)
3. Brauche ich hier einen Aktivator?
4. Wenn ja, welchen Aktivator? :Waa
Ich frage mich gerade, ob da nicht eh ein Missverständnis vorliegt:
Es handelt sich nicht etwa um einen zusätzlichen "Aktivator", wie man ihn etwa von Kunstharzen her kennt, um eine Reaktion auszulösen.
Nein, der Activator Pack IST die Hefepackung, die von Wyeast halt bloß "Activator" getauft wurde, weil man die Flüssighefe darin durch "Knacken" eines Nährstoffbeutelchens anfüttern und aufwecken kann. Kannst Du bedenkenlos so hernehmen.

Gerade für einen Anfänger sind aber Trockenhefen deutlich einfacher im Handling:
Boludo hat geschrieben:
Mittwoch 28. Juni 2017, 05:38
Bitte nehm eine der wenigen guten Trockenhefen für Hefeweizen, die es gibt.
Viele taugen wirklich nichts.
Das stimmt!
Eine der wenigen empfehlenswerten, die tatsächlich ein als Weißbier erkennbares Resultat hervorbringt, ist die Danstar Munich Classic. Nicht zu verwechseln mit der Munich Wheat (ohne Classic), die ist fast genauso übel wie die WB-06.

Moritz

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