Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

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der-watz
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Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

#1

Beitrag von der-watz » Samstag 27. Oktober 2018, 01:55

Moin, Moin!

Ich bin Ole, wohne in der Nähe von Itzehoe, zwischen Hamburg und Kiel
.
Lese schon lange im Forum mit, plane nach mehrjähriger Brauabstinenz den Neubau einer elektrischen Brauerei in der Ausschlage-Grössenordnung um 50l pro Sud...


Anfangs hatte ich geplant ein 2 Topf-System im Sinne von Brutus 20 mit Gasbrennern ( http://www.alenuts.com/alenuts/brutus20.html ) zu bauen, habe ich jedoch verworfen...

1. möchte ich die Anlage im Keller installieren, da habe ich Bedenken mit den Gasbrennern (wären zwar elektronisch gesteuert, bleibt aber Gas).

2. finde ich ein klassisches System mit 3 Töpfen einfach flexibler...


Mein Plan geht trotzdem in Richtung eines HERMS Systems nach US Vorbild.

Topf 1 wäre Heisswasserbehälter für den Nachguss, welcher mit einer 3,5 kw Patrone beheizt wird. In diesen befindet sich eine Edelstahlspirale, durch die die Maisch gepumpt wird. D. h., die Maischetemperatur wird über den Nachgusstopf temperaturreguliert.

Topf 2 wäre der Maische / Läutertopf mit Rührwerk und Läuterhexe. Die Maische wird zur Erwärmung wie beschrieben über die Läuterhexe gefilter, durch die Spirale im Nachgusstopf gepumpt und in den Maische /Läutertopf zurückgepumpt.

Nach der Läuterruhe wird dann (wahrscheinlich per Schwerkraft) in die Sudpfanne abgeläutert.

Topf 3 wäre die Sudpfanne (alter Bundeswehr ca 67l WMF Kochtopf). Auch dieser soll zum kochen elektrisch beheizt werden.

Hier wäre ich dankbar über Heizstabempfehlungen. 3-Phasenbetrieb über SSR wäre mein Gedanke.

Gesteuert werden soll das Ganze über eine CraftbeerPi Steuerung.

Anbei ein Bild eines ähnlichen Heisswasser / Nachgusstopfes...


Was haltet ihr davon?

Grüsse,

Ole
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Re: Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

#2

Beitrag von Brauwolf » Samstag 27. Oktober 2018, 04:40

In diesen befindet sich eine Edelstahlspirale, durch die die Maisch gepumpt wird.
Maische durch die Spirale zu pumpen, klingt nicht so praktikabel - eher Würze.

Hier kannst du dir eventuell ein paar Inspirationen holen:

http://www.theelectricbrewery.com

Cheers, Ruthard
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Mein Blog: Brew24.com

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Re: Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

#3

Beitrag von der-watz » Samstag 27. Oktober 2018, 17:01

Natürlich meine ich die Würze, welche durch die Läuterhexe abgepumpt und über die Spirale wieder in den Maischetopf zirkuliert. Über deinen Link bin ich auf die Idee gekommen...

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Re: Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

#4

Beitrag von ppuetz » Samstag 27. Oktober 2018, 21:51

Es gibt ganz gute Heizelemente bei brewpi.
Habe ein rundes 3500W 230V in meinem HLT. Wird über nen SSR und Craftbeerpi gesteuert.
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894D1F0D-1BA9-43EC-9EF4-F0B25BAC86AC.jpeg

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Re: Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

#5

Beitrag von der-watz » Sonntag 28. Oktober 2018, 00:38

Hi ppuetz,

Wie beheizt Du deine würzepfanne ?

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Re: Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

#6

Beitrag von ppuetz » Sonntag 28. Oktober 2018, 09:00

Die steht auf einer 3,5kW Induktionsplatte (Hendi)
Für den MLT hab ich nen Thermoport mit Läuterhexe

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Re: Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

#7

Beitrag von der-watz » Sonntag 28. Oktober 2018, 17:52

Wieviel Liter bringst Du mit der Hendi zum kochen? Hatte ich auch dran gedacht.... :Drink

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Re: Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

#8

Beitrag von Wintermuffel » Sonntag 28. Oktober 2018, 18:17

Was ist denn der Vorteil des Maische/Würzepumpens durch einen weitern Topf an Stelle von den Maischekessel einfach mit einer Hendi heizen? Ist doch viel mehr Zeugs zum putzen?

Gruß
Heiner
Man ist nie zweimal durch den selben Wind.

Gruß
Heiner

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Re: Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

#9

Beitrag von ppuetz » Sonntag 28. Oktober 2018, 20:02

Der HLT fasst 36L, der MLT 38,5L und Boil sind 50L. Ist für 40L gedacht das ganze.

Naja einen Maischetopf und einen Läuterbottich hat man ja eh meist. Wenn man dann einen für Nachguss hat ist man auch bei 3 Töpfen. Wenn man den Maischekessel heizt und nicht per Hand rührt braucht man auch ein Rührwerk was sauber zu machen ist.

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contraste
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Was ist denn der Vorteil bei HERMS

#10

Beitrag von contraste » Montag 29. Oktober 2018, 11:26

Wintermuffel hat geschrieben:
Sonntag 28. Oktober 2018, 18:17
Was ist denn der Vorteil des Maische/Würzepumpens durch einen weitern Topf an Stelle von den Maischekessel einfach mit einer Hendi heizen? Ist doch viel mehr Zeugs zum putzen?

Gruß
Heiner

@ Wintermuffel, das ist eine Steilvorlage, die einfach dazu zwingt, versenkt zu werden. Leider ist ppuetz zu lieb, und nimmt den Ball nicht auf. Es gibt nämlich nur Vorteile. Daher von mir:


Lieber Heiner,

ich glaube, du hast dich mit dem HERMS-Sytem noch kaum auseinandergesetzt.

Mal auf die Schnelle: HERMS funktioniert so, daß der Maischebottich (genannt MLT, Mash/Lauter Tun) gleichzeitig der Läutertopf ist – UNBEHEIZT, jedoch bereits mit Läutersieb/Spirale/Vorrichtung (Bei mir ein Thermotopf mit MM-Blech, den du vielleicht auch zum Läutern nimmst). In einem zweiten Topf (bei dir der Nachgußbereiter) wird das Nachgußwasser stufenweise bereits erhitzt (genannt HLT, Hot Liquor Tank), in diesem liegt im Prinzip deine Kühlspirale und wird hier jedoch als Heizspirale mißbraucht. Die Rasten werden gefahren, indem die Dünnmaische aus dem MLT durch die ehemalige Kühlspirale (im auf vorgelegter Rasttemperatur gehaltenen Wasser) gepumpt wird und damit mit Rasttemperatur der Dickmaische im MLT wieder zugeführt wird.

Bild

Ich gehe davon aus, daß du klassische Bottichmaische fährst: Zum einen Hendi und darauf Maischetopf mit Rührwerk. Zum anderen Nachgußwasserbereiter oder eine zweite Hendi mit Topf. Zum dritten einen Läutertopf mit Hexe oder false Boden. Nun lassen wir das Würze-Kochen bei beiden Systemen einmal beiseite – bei dir also drei Töpfe, zwei Kochplatten, ein Rührwerk. Zudem ein Ständerwerk für Schwerkraftanlage.

Da das HERMS-System aber (ohne Würzekochen) ein 2-Topf-System ist, ist hier ist der erste Vorteil sichtbar, du sparst bereits jetzt materiell einen Topf, ein Rührwerk, eine Herdplatte und ein Ständerwerk ein.

Als zweiten Vorteil sehe ich damit, daß du somit einen Topf weniger reinigen mußt (bei dir 3 Teile: Maische-Topf, Läutertopf und zudem noch das Rührwerk– beim HERMS lediglich den MLT)

Beim HERMS-System brauchst du aber zusätzlich eine Pumpe und zwei Schläuche (und eine Kühlspirale, doch die hast du ja bestimmt eh schon fürs Kühlen). Preislich liegt eine Pumpe zwischen 20 und 60€ plus 20-40€ Schlauchmaterial – somit unterhalb der Größenordnung eines motorisierten Rührwerkes. Der dritte Vorteil ist somit die „finanzielle Einsparung“ zuzüglich eines Topfes und eines Kochers.

Über den vierten Vorteil mag man streiten, doch ebenes Arbeiten ist klasse! Leitern steigen, um Nachgußwasser aufzufüllen, oder gefüllte Töpfe heben – ist halt Ansichtsache. Ich find Pumpen statt Schwerkraft klasse.

Als fünften Vorteil (aber eigentlich doch eher weiter oben als ersten Vorteil) sehe ich, die Tatsache, der weitverbreitete Fehler des Anbrennen des Malzmehles durch schlechtes Rühren, oder zu starkes Heizen (auch gegenüber RIMS-Systemen) nicht auftauchen kann!
Nun haben die Kölner Bottichmaischer gerade einen Threat am laufen: „Korn brennt an“. Dieses kann bei HERMS-System prinzipbedingt nicht pasieren, da die Dünnmaische ja maximal auf Rastemperatur erhöht wird – ja, niemals mit Heizelementen direkt in Berührung kommt. Das einzige Medium, welches mit der Heizung (egal ob Gas, Induktion oder Elektro) in Kontakt kommt, ist Wasser – und das kann nicht brennen!

Sechstens: Die Maximal-Temperatur-Begrenzung innerhalb der Maische sehe ich ebenfalls als entscheidenden Vorteil: Alle Heizspiralen und Heizmittel arbeiten mit hohen Temperaturen, die an der Kontaktfläche schnell abgeführt werden müssen. Da die Enzyme in einem geringen Temperaturfenster arbeiten und außerhalb degenerieren, kann es bei schlechtem Rühren zu stellenweisen Temperaturüberhöhungen in der Maische kommen. Bei Heat-Exchange-Systemen kann die Dünnmaische maximal die Vorlauftemperatur annehmen. Überhitzung ausgeschlossen.
Außerdem haben 20 Liter Wasser eine gesunde Temperaturträgheit. Eine Hysterese (Heizabschaltung vor Erreichen der Temperatur durch Heiz-Nachlauf) scheint mir bei den gängigen HERMS-Systemen nicht nötig.

Als siebtes mag man sich darüber streiten, ob Rührsysteme, oder Durchlaugungs-Systeme (wie der Braumeister, Grainfather, die diversen Mundschenks, Braueulen) die bessere Ausnutzung des Malzes haben. Bei Rühr-/Läutersystemen findet jedenfalls erst später der Klarlauf statt.

Als achtes Argument führst du an, daß man die zusätzliche Pumpe, als auch die Schläuche reinigen muß. Sehe ich anders: Nachdem ich die Würze gut eine Stunde durch die Heiz/Kühl-Spirale gepumpt habe, tue ich im Nachgußwasser-Prozess die kompletten 16l Nachgußwasser mit 72°C durch Pumpe und Schläuche spülen. Die sind damit bereits sauber gespült. (Nun gut – die Kühlpirale kommt dann noch von außen in die zu kühlende Würze, aber auch bei dir.) Ich sehe hier eher weniger Reinigung gegenüber dem klassischen System.

Natürlich gibt es auch Nachteile, aber nach denen hast du ja nicht gefragt. Ich mag sie dennoch einmal nennen: Zum einen kann bei Pumpsystemen durch den starken Unterdruck das Malz sich zusammenziehen, das Blech sich verbiegen oder durchgerutschte Malzkrümel die Pumpe verstopfen. Da gibt es aber Wege, dieses zu umgehen. Zum anderen ermöglicht ein hoher Temperaturkoeffizient theoretisch eine schnellere Aufheizung der Maische. HERMS-Systeme müßten also systembedingt langsamer sein. Dieses ließe sich aber durch eine hohe Wärmekapazität relativieren, wie ich in meinem Versuch zu Ostern feststellte.

Heiner, ich mag nicht feststellen, welches System das bessere sei, dieses mag jeder für sich selber (und seine Mittel und Möglichkeiten) herausfinden. Doch halte ich es für wichtig, als Hobbybrauer sich auch einmal mit den anderen Systemen wie HERMS, RIMS, DampfInfusion, Unterdruck-Brauen, zu beschäftigen – und sie nicht nur federstrichartig schnell unwissend zu deklassifizieren. Deswegen mußte ich das HERMS hier einmal in Schutz nehmen. Ole, ich finde deine Entscheidung für HERMS gut. Willkommen.

Jedwedes System hat seine ureigenen Vorteile, Eigenheiten und Stärken.

Insofern wünsche ich uns allen
allzeit gut Sud :Drink

joerch
Zuletzt geändert von contraste am Montag 29. Oktober 2018, 13:23, insgesamt 3-mal geändert.
Lehrling in der 20l-Klasse: 2 doppelwandige 30l Edelstahl-Pfannen als e-BIAB-HERMS + NC-Keg/GDA

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Re: Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

#11

Beitrag von matschie » Montag 29. Oktober 2018, 11:36

Hallo Joerch,

ich gebe dir zu 99% recht - nur in einer Sache irrst du: Du brauchst auch bei HERMS 3 Töpfe. Nicht zum Maischen, richtig, aber da in einem die Maische und im anderen der Nachguss ist brauchst du einen dritten als Sudpfanne zum Kochen, in den man auch rein läutert. Oder man muss z.B. den Gärtank als Puffer nehmen und anschließend im HLT kochen.

Bei der Bottichmaische kann man die Pfanne für beides nutzen, hier gibt es also keinen nennenswerten Unterschied.

Ich persönlich mag das HERMS System - allerdings braucht man durch viele Rohre, Schläuche, Fittinge am Anfang doch eher etwas mehr Material.
GGM Induktionskochfeld via Serielle Schnittstelle über CBPi per Serielle Kommunikation oder drahtlos über MQTT angesteuert: Link
MQTT Device für CBPi: Link
Vorstellung meiner Anlage: Klick
GitHub: https://github.com/matschie1

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Re: Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

#12

Beitrag von Wintermuffel » Montag 29. Oktober 2018, 14:23

Hallo Joerch,

vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Ich hatte mich tatsächlich noch nicht mit dem System befasst.
Werde ich nun machen, da ich meine Ausschlagsmenge auf 40L erhöhen möchte.

Gruß
Heiner
Man ist nie zweimal durch den selben Wind.

Gruß
Heiner

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Re: Planung einer neuen Elektro Brauerei, 50l Klasse

#13

Beitrag von der-watz » Dienstag 30. Oktober 2018, 03:08

Danke Joerch, klasse Erklärung!!!

Bin jetzt am Überlegen, ob ich ein Heizelement (3-Phasen) in meinen 67l Topf (Würze kochen) oder eine Hendi verwende.... Wollte bis 50l kochen...

Gruss,

Ole

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