Holzfass (erneut) pichen

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Taim
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Holzfass (erneut) pichen

#1

Beitrag von Taim » Montag 22. Januar 2018, 14:46

Moin zusammen,

ich habe hier ein schönes, bereits gepichtes 5L Holzfass rumstehen. Ich würde als "Partygag" darin gerne auch mal versuchen ein Bier (Märzen, Festbier, sowas in der Art) zu vergären. Leider ist das Fass nicht mehr 100%ig dicht und ich würde es deshalb gerne versuchen neu zu pichen.
Hat hier jemand sowas evtl. schon gemacht, bzw. damit Erfahrung?

Ich hatte vor mich für's Erste an dieser "Anleitung" zu orientieren.

Nach ein paar Recherchen, habe ich allerdings gesehen, dass die alten Fässer zunächst einmal "ausgebrannt" werden. Ich fürchte, das bekomme ich mit meinen Mitteln nicht hin, zumal das Spundloch auch recht schmal ist.

Reicht es daher vielleicht auch nur das neue 180°C heiße Brauerpech einzubringen und zu verteilen? Dass danach das Fassvolumen evtl. abnimmt, wäre mir egal.

Vielen Dank und Gruß,

Taim
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Re: Holzfass (erneut) pichen

#2

Beitrag von Skaari » Montag 22. Januar 2018, 15:23

Genügend gewässert hast Du das Fass aber schon? Das Holz quillt ja auf und dadurch wird es in der Regel wieder dicht.

Gruß,

Max

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Re: Holzfass (erneut) pichen

#3

Beitrag von Taim » Montag 22. Januar 2018, 17:04

Moin Max,

danke für den Tip! Und ja, gewässert habe ich jetzt seit ca 2 Tagen. Es ist dadurch auch wesentlich dichter geworden, aber halt (noch) nicht komplett. Vielleicht wird es ja noch.
Später käme ja auch noch der Spunddruck dazu, vielleicht teste ich das dann mal mit Backhefe und Zucker (oder Natron und Citronensäure)?!
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Re: Holzfass (erneut) pichen

#4

Beitrag von rakader » Montag 13. Juli 2020, 09:56

Pichen ist v.a. in der süddeutschen Tradition verbreitet. Zum einen dichtet das Pech Ritzen ab, zum anderen verhindert es den Schwund von Kohlensäure, der beim Holzfass größer ist. Ein weiterer Grund war früher, dass dadurch der Holzgeschmack im Bier vermieden wurde. Wollen wir das heute noch?

Heute kaufen wir uns Holzfässer, um genau diesen Holzgeschmack einzutragen. Pichen ist also die falsche Methode für ein holzgereiftes Bier. Wegen der fehlenden Kohlensäure spunde ich holzgereiftes Bier vor dem Genuss im Keg.

Ein Fass bekommt man wie beschrieben mit Wässerung dicht, im Fachhandel gibt es daneben Dichtpasten. Reinigung und Desinfizierung am besten mit Schwefelschnitten, gibt es im Baumarkt, größeren Supermärkten und Gartencentern.
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Re: Holzfass (erneut) pichen

#5

Beitrag von riegelbrau » Donnerstag 16. Juli 2020, 23:34

Frag doch mal bei Meinel in Hof, die haben eine Picherei. Wir haben sie beim Brauereifest im April 2018 in Aktion erlebt.
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Re: Holzfass (erneut) pichen

#6

Beitrag von tinoquell » Freitag 17. Juli 2020, 06:17

Moin,

soweit ich weiß, werden die gepichten Fässer mit frischem, heißen Pech solange durchgespült, biss das alte Pech im Fass sich durch die Temperatur auch mit herauslöst. Am Ende hat man dann wieder einen weitestgehend homogenen Film von (noch fast) frischem Pech. Auch das Innenvolumen nimmt durch dieses Ausspülen nicht wirklich viel ab. In professionellen Anlagen wie im vorhergehenden Post müßte dazu eine Pech - Düse von unten durch das Spundloch in das Fass ragen, die das Pech da hinein spritzt. Das überschüssige Pech läuft durch das Spundloch wieder nach unten ins Reservoir.
Ohne Technik kann ich mir vorstellen, das Fass mehrfach mit frischem Pech zu füllen und zu rollen, um den gleichen Effekt zu erreichen.
Das Ausbrennen könnte das vielleicht beschleunigen, ich kenne das aber so nicht. In unserer alten Brauerei, aus der ich die Geschichten kenne, kam man wohl ohne offenes Feuer aus.

Ich habe etwas gegoogled, hier sieht man auf Bild 36 und 37 was ich meine.

Schönes Projekt, wobei ich vor heißem Pech einen sehr großen Respekt hätte.

Viel Erfolg!

Tino

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