Low Oxygen Brewing (LOB) mit (altem) BM50 ohne Set

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Low Oxygen Brewing (LOB) mit (altem) BM50 ohne Set

#1

Beitrag von branch » Donnerstag 14. Februar 2019, 15:59

Hallo zusammen

Ich verfolge mit Interesse die Tuning Tipps für den Braumeister (https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?f=22&t=313). Interessiert für LOB und angeregt unter anderem durch Tozzi, wollte ich das Speidel LOB-Set kaufen und ausprobieren. Leider war das in meinem Shop des Vertrauens (und einzigem Lieferanten in der Schweiz) grad nicht an Lager. Also habe ich zu basteln begonnen. Hier nun ein kurzer Erfahrungsbericht auf meinem alten Braumeister 50 (ca. 5 Jahre alt, keine Plus-Variante).

Ich habe versucht, mich möglichst an die LOB-Anleitung von Speidel zu halten. Da ich kein LOB-Set hatte, habe ich zwei Anpassungen gemacht:
  • Das Distanzrohr verwendet, damit ich den Platz für die Querstange, die das Malzrohr festhält, sparen konnte. Das Distanzrohr ist ein 336mm langes Edelstahlrohr (1.4523 Stahl, 18mm x 1mm).
  • Anstatt des Schwimmtellers habe ich eine Silikonmatte (IKEA, zum Ausstechen von Keksen) in Kreisform (Durchmesser 436mm, mit 14mm Loch in der Mitte) zurechtgeschnitten. Zur Erinnerung: Silikon schwimmt.
Heute Morgen habe ich mit dem Sud begonnen:
  1. Speidel meint, man brauche 55-60l Hauptguss. Das funktioniert zumindest bei meinem BM50 nicht. Der braucht mindestens 65 Liter, damit die Schwimmmatte frei schwimmen kann und nirgends aufliegt.
  2. Man bringe diese 65 Liter zum Kochen. Damit das nicht ewig dauert, habe ich noch einen 2kW-Tauchsieder verwendet. Hat dann trotzdem 2 Stunden gebraucht.
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  3. Nachdem der Sauerstoff (hoffentlich) entwichen ist, kühle ich mit der Spirale in 15 Minuten auf Einmaisch-Temparatur (43°C).
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  4. Jetzt wird das Malzrohr in die Abläuterposition gebracht und das Malz eingefüllt. Das untere Feinsieb lasse ich dabei immer weg. Dafür ist das Distanzrohr schon auf das Grobsieb aufgesteckt.
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  5. Jetzt wird das Rohr langsam abgelassen. Dazu habe ich schon mal das Feinsieb über das Malz gelegt und dann relativ schnell das Grobsieb drübergelegt (mit dem Stutzen nach unten), weil sonst das Malz davon schwimmt. Am Schluss mit der normalen Flügelmutter befestigt. Die Querstange braucht's nicht, weil die Mutter über das Distanzrohr das untere Grobsieb arretiert. Rühren geht in diesem Schritt nicht wirklich, ausser man lässt erst mal ein paar Liter Wasser weg und fügt sie erst danach dazu.
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  6. Nun die Silikonmatte drüber gelegt. Damit ist wirklich Schluss mit dem hausfüllenden Malzgeruch. Ob der wirklich im Bier landet, sehe ich in ein paar Tagen. Aber im Haus riecht man definitiv nichts mehr. Nur in der Umgebung des BM merkt man noch, dass da wohl gemaischt wird.
    Die Matte ist etwas dünn. Daher ist die Handhabung nicht so toll. Dafür hat sie auch nicht 100€ gekostet :Smile
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  7. Danach ganz normal maischen ... halt ohne Ausbeute steigernde Rühraktionen. Ich habe den Nachguss weggelassen, da Speidel das ja zu empfehlen scheint, und ich sowieso schon genug Flüssigkeit in der Pfanne hatte (ca. 56 Liter). Danach also Malzrohr rausziehen, abtropfen lassen (ja, da steht noch ein rechter Teil des Rohrs in der Flüssigkeit) und dann mit dem Hopfenkochen beginnen.
    Das Bier scheint heller als üblich, dafür ist die Ausbeute nicht wie gewohnt. Ich habe aber dennoch knapp 11°P (56 Liter) erreicht.
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  8. Danach wird normal gekocht, danach auf unter 80°C gekühlt und Whirlpool gemacht. Mir ist aufgefallen, dass beim Würzebruch viel mehr Eiweiss in grossen Flocken ausgefällt wurde als sonst üblich. Ausserdem ist die Würze am Ende des Kochens trüber als sonst. Keine Ahnung, woran das liegen mag.
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  9. Zum Schluss kommt die Würze ins ZKG, wo es demnächst auf unter 20°C ankommen wird. Habe eine Ausschlagmenge von knapp 48 Litern mit 12.3°P erzielt.
Vorläufiges Fazit:
  • Der Brautag ist mehr als 2 Stunden länger geworden. Zugegeben: beim Aufkochen war ich nicht die ganze Zeit dabei.
  • Die Silikonmatte funktioniert einigermassen, das Handling ist nicht optimal. Ausserdem habe ich jenseits von 60°C einen leichten Silikongeruch wahrgenommen. In der Würze habe ich bislang davon nichts gerochen.
  • Übliche Möglichkeiten (z.B. Vorgang stoppen und rühren) während des Maischens fallen buchstäblich ins Wasser.
  • Das Handling von Flügelmutter und Sieben vor dem Läutern ist suboptimal. Das Sieb habe ich zuvor mit zwei M3-Schrauben präpariert, damit ich das wieder rauskriege, aber heiss war's trotzdem. Auch hier wäre es vermutlich besser, erst etwas Würze abzulassen.
  • Der BM schafft's nicht, das Mehr an Flüssigkeit innert 70 Minuten zu verdampfen. Länger (oder heftiger) sollte man ja nicht kochen (LOB).
Ich hoffe jetzt mal, dass man dem fertigen Bier dann irgendwas anmerken wird. Ich werde zu gegebener Zeit hier berichten.

Gruss, Bruno

Strongbow
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Re: Low Oxygen Brewing (LOB) mit (altem) BM50 ohne Set

#2

Beitrag von Strongbow » Donnerstag 14. Februar 2019, 20:36

Toller Bericht, ich bin gespannt auf das Ergebnis :Smile
Gruss Dominik

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Re: Low Oxygen Brewing (LOB) mit (altem) BM50 ohne Set

#3

Beitrag von branch » Montag 18. Februar 2019, 20:28

Die Gärung ist noch nicht abgeschlossen, da ich bei 16°C vergäre (von anfangs 12.3°P nun bei 4.7°P). Aber der Geschmack ist definitiv anders ... ob positiv oder negativ verändert kann ich noch nicht entscheiden. Aber der Hopfen tritt signifikant deutlicher hervor und hebt sich ab, das Jungbier schmeckt bitterer und aktuell sehr unausgewogen.

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Re: Low Oxygen Brewing (LOB) mit (altem) BM50 ohne Set

#4

Beitrag von branch » Dienstag 19. März 2019, 21:46

So, das Bier ist jetzt trinkreif. Obwohl es gut geglückt ist, kann ich nicht beurteilen, ob es "besser" geworden ist, als ohne LOB. Es ist definitiv anders, als die bisherigen Sude: der Hopfen tritt stärker hervor und die sonst übliche durch die Kölsch-Hefe verursachte Fruchtigkeit fehlt.

Da ich nun das Speidel-LOB-Set habe, werde ich auch damit mal ein paar Versuche machen. Mal schauen, ob ich dann auch was Positiveres berichten kann.

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Re: Low Oxygen Brewing (LOB) mit (altem) BM50 ohne Set

#5

Beitrag von Indiana_Horscht » Mittwoch 20. März 2019, 12:50

Hallo,

danke für den Bericht. Was mich interessieren würde.
Wie füllst du ins ZKG ab?

Pumpst du die Würze ab, oder läufts über den Auslasshahn mit Schlauch ohne Filter in den Gärtank?
Wir füllen immer vom BM Hahn mit Monofilamentfilter ins Fass ab - plätschernd. Sollte man ja vermeiden. Wie kann man das besser lösen, ohne dass Zubehör für die BM-Pumpen zu kaufen? Über den Monofilamentfilter geht's ja dann nicht mehr.

Danke und Gruß

konkret
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Re: Low Oxygen Brewing (LOB) mit (altem) BM50 ohne Set

#6

Beitrag von konkret » Mittwoch 20. März 2019, 12:54

Ich denke nach dem Kochen und Kühlen kannst du ohne weiteres direkt ins Gärfass abfüllen. Der Sauerstoff wird ja dann bei der Gärung schnell aufgebraucht. Außerdem ist eine gewisse Belüftung zu Gärbeginn ja erwünscht.

Tomalz
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Re: Low Oxygen Brewing (LOB) mit (altem) BM50 ohne Set

#7

Beitrag von Tomalz » Mittwoch 20. März 2019, 13:17

Filter bis auf den Boden des Gärfasses bringen und mittels Schlauch, der am Auslaufhahn befestigt und auch bis auf den Boden des Fasses reicht, abfüllen. Kein geplätschere.
Gruß Thomas

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Re: Low Oxygen Brewing (LOB) mit (altem) BM50 ohne Set

#8

Beitrag von branch » Mittwoch 20. März 2019, 19:55

Ich hab‘s bislang wie Thomas gemacht.

Seit Kurzem habe ich nun das Speidel-Set. Filtern erübrigt sich damit. Es gelangt zwar etwas Schmodder ins ZKG. Den kann ich aber nach kurzer Ruhephase unten ablassen.

Mit den BM-Pumpen hat sich das Umfüllen in knapp 5 Minuten erledigt.

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