Review: Speidel Konus-Gärtank 30 Liter + Kühlaggregat

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whatwouldjesusbrew
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Review: Speidel Konus-Gärtank 30 Liter + Kühlaggregat

#1

Beitrag von whatwouldjesusbrew » Sonntag 5. Mai 2019, 14:05

Liebe Braugemeinde,

ich habe hier schon länger kein Review mehr gelesen, und da ich mir neulich endlich einen temperaturgesteuerten Gärtank gegönnt habe, möchte ich euch ein bisschen darüber berichten :YLType

Prinzipiell war ich mit meinem Brewbucket zufrieden, aber eine Temperatursteuerung war damit nicht möglich, und so etwas wie „untergärig brauen“ war für mich nur im Januar/Februar möglich. Die letzten zwei Stellschrauben, die ich für mich in meinem Brauprozess noch optimieren möchte, sind zum einen ein besseres Oxidationsmanagement mit Vergärung unter Druck und Abfüllung in Kegs etc., zum anderen die kontrollierte Gärführung. Es musste also mal wieder entsprechendes Equipment angeschafft werden :thumbsup

Zunächst war die Frage, welcher es denn sein darf. Prinzipiell bin ich ein großer Freund der SSBrewtech-Produkte, und ich war zunächst drauf und dran, mir einen Unitank mit Glycol-Chiller zu kaufen. Letztlich habe ich mich aber, auch nach Lektüre des entsprechenden Unitank-Threads hier, etwas überfordert gefühlt. Als Alternativprodukt habe ich den 30-Liter-Edelstahl-Konusgärtank und das passende Kühlaggregat von Speidel ausgemacht. Da ich mit meinem Braumeister 20 Liter plus wirklich mehr als zufrieden bin, fiel die Entscheidung auf genau dieses Gerät.

1. Anschaffung, Lieferung, Lieferumfang

Bestellt wurde direkt über Speidel, die Lieferung hat sich etwas hingezogen, kam dann dafür aber sicher verpackt per Spedition an. Als ich nach der Arbeit eine komplett vollgestapelte Palette in der Einfahrt vorfand, habe ich mich mal wieder gewundert, ob das wirklich noch als Hobby gilt :puzz
Zum Glück hatte ich vorher bereits in der Produktbeschreibung entdeckt, dass der Gärtank komplett „nackig“ kommt, sprich ohne Hähne und dementsprechend nicht „out-of-the-box“ benutzbar. Auch die Gardena-Anschlüsse sind nicht im Lieferumfang enthalten, sodass ich die von meinem Braumeister anschließen musste. Beim Kühler sind auch keine Schläuche mit im Lieferumfang enthalten. Wenn man sich den eh schon nicht günstigen Anschaffungspreis anschaut, sollten die Geräte doch wenigstens komplett nutzbar geliefert werden..

2. Verarbeitung

Wie schon beim Braumeister ist die Verarbeitung überzeugend. Alles ist komplett aus Edelstahl und sauber verschweißt. Nichts wackelt, alles passt und fühlt sich wertig an. Der Verschlussmechanismus des Deckels ist elegant gelöst und funktioniert tadellos. Auch das Speidel-Cool-Aggregat ist top verarbeitet, alles fühlt sich nach Industriequalität an und sieht auch so aus, da gibt’s nur Lob und nichts zu meckern!

3. Anwendung

Speidel schreibt zwar, dass alle Gärtanks auf Dichtigkeit getestet sind, dennoch erfolgte zunächst ein Test in der Badewanne „just in case“: alles dicht. Den Kühler in Betrieb zu nehmen, war auch kein Problem: ca. 12 Liter Aqua dest. einfüllen und fertig. So konnte der erste geführt untergärige Sud kommen. Gebraut wurde mit dem Braumeister ein einfaches Märzen (13°P, Tettnanger), mit dem Braumeister-Kühlmantel habe ich zunächst auf < 80°C gekühlt, danach in den Speidel-Tank umgeschlaucht, alles verkabelt und die Wassertemperatur auf 8°C eingestellt.
Zunächst das Positive: der Kühler tut genau das, was er tun soll. Die ca. 8°C im Inneren (über Temperaturhülse gemessen) waren nach weniger als 2 h erreicht. Im Anschluss waren die Temperaturen meistens um etwa 0,1 – 0,3°C höher als eingestellt, aber vor allem: stabil. Die Hefe kam schnell an, sodass ich nach ein paar Tagen vorsichtig mit der Temperatur nach oben gehen konnte. Zum Abschluss der Gärung habe ich mich vor allem gefreut, endlich mal einen vernünftigen cold crash durchführen zu können. Auch ohne Glykol konnte ich auf 1°C herunterkühlen, dort blieb das Märzen ein paar Tage bis zum Abfüllen. Schon beim Abfüllen sah das Bier richtig klar aus – Pluspunkt.
Kommen zu den meiner Meinung nach negativen Aspekten. Ich braue in der heimischen Küche, dort wird in der Regel auch vergoren. Den Brewbucket habe ich auch schonmal in den Keller tragen können, wenn dort bessere Temperaturbedingungen herrschten. Der Speidel-Gärtank hat (und das ist mir leider erst nach dem Umfüllen aufgefallen...) keine Griffe! Alleine das Umhertragen innerhalb der Küche war schon eine Qual, da ich nicht wusste, wo ich den Tank sinnvoll hätte anpacken sollen. Das macht bei > 30 kg keinen Spaß und wäre durch das Anbringen von zwei Griffen leicht vermeidbar!
Der Sud wurde also in der Küche vergoren. Leider ist das Kühlaggregat gefühlt deutlich lauter, als auf der Homepage angegeben. Im Ruhezustand vergleichbar mit einer laufenden Mikrowelle, was eigentlich schon zu laut wäre, wenn die Lüftung anspringt, klingt es allerdings eher Richtung Staubsauger. Dass man sich da bei der häuslichen Regierung keine Freunde macht, können sich die meisten hier sicher vorstellen :thumbdown Ursprünglich war mein Plan, die Hefe über den unteren Kugelhahn abzulassen und das Bier noch etwas länger kalt reifen zu lassen; der Lüftungslärm hat mich von diesem Plan abgebracht.
Nochmal ein positiver Aspekt zum Abschluss: dank des großen Ablass-Kugelhahns war das Reinigen des Tanks ein Kinderspiel und nochmal einfacher als beim Brewbucket.

4. Fazit

Prinzipiell bin ich sehr zufrieden, was Funktionalität und Verarbeitung angeht. Die Kühlleistung ist beeindruckend, ich bin mir sicher, dass mit dem Speidel-Kühlaggregat auch locker deutlich größere Tanks gekühlt werden könnten. Auch, als es in der Küche durch direkte Sonneneinstrahlung während der warmen April-Tage mal richtig warm wurde, blieb die Temperatur im Tank wunderbar stabil. Untergärig im Sommer? Kein Problem! :Drink
Schade finde ich, dass nicht alle benötigten Teile im Lieferumfang enthalten waren, das treibt den ohnehin nicht günstigen Preis nochmals nach oben (auch wenn ich denke, dass das Preis-Leistungsverhältnis definitiv in Ordnung geht!).
Als sehr störend finde ich den Lärm, den das Kühlaggregat produziert. Für den Einsatz in der Wohnung ist es meiner Meinung definitiv nicht geeignet. Wer hingegen in Keller/Hobbyraum/Scheune/Garage etc. vergärt: zuschlagen, die Funktionalität ist 1a! Ab jetzt werkelt der Gärtank im Keller - da fällt dieses Manko komplett weg :Smile

Bei Fragen meldet euch gerne! :Greets
cheers, Bene

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hyper472
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Re: Review: Speidel Konus-Gärtank 30 Liter + Kühlaggregat

#2

Beitrag von hyper472 » Sonntag 5. Mai 2019, 14:29

Tolle Beschreibung, danke!
Preise, insbesondere für die zusätzliche Ausrüstung (was fehlt alles?) wären auch noch interessant.
Viele Grüße, Henning
"Das Bier aber macht das Fleisch des Menschen fett und gibt seinem Antlitz eine schöne Farbe durch die Kraft und den guten Saft des Getreides."
Hildegard von Bingen (1098-1179)

whatwouldjesusbrew
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Re: Review: Speidel Konus-Gärtank 30 Liter + Kühlaggregat

#3

Beitrag von whatwouldjesusbrew » Sonntag 5. Mai 2019, 15:21

hyper472 hat geschrieben:
Sonntag 5. Mai 2019, 14:29
Tolle Beschreibung, danke!
Preise, insbesondere für die zusätzliche Ausrüstung (was fehlt alles?) wären auch noch interessant.
Viele Grüße, Henning
Hallo Henning,

zusätzlich gebraucht habe ich:
Einschraubhülse Thermometer, ca. 30€
Gärspund + Stopfen ca. 5€
Ablasshahn ca. 35€
Kugelhahn ca. 55€
2x Gardena-Anschluss + 2x Schlauch mit Gardena-Kuppel (aus dem Baumarkt, insg. ca. 15€)

insgesamt waren es dann knapp über 1500€

Cheers :Drink
cheers, Bene

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