Meine Erfahrungen mit dem Klarstein Brauheld Pro 45L

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Mick74
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Meine Erfahrungen mit dem Klarstein Brauheld Pro 45L

#1

Beitrag von Mick74 » Freitag 12. März 2021, 14:39

Hallo,

ich möchte hier einmal von meinen Erfahrungen mit dem Klarstein Brauheld Pro und der Chal-Tec GmbH berichten.

nach meinem Einstieg in das Brauen mit dem Einweckkocher sollte ein größeres Gerät her. Das mit dem Malzrohrsystem schien mir ganz gut zu sein und der Klarstein Brauheld Pro passte noch in mein Budget und meiner Wunschgröße 40L. Auch bei verschiedenen Youtube Videos sah das ja alles ganz gut aus.

Die Kernfunktionen des Gerätes sind das Malzrohr mit einer Umwälzpumpe sowie mit Anti-Burn Funktion, d.h. einem zweiten Einlass über dem Topfboden, der das Anbrennen verhindern soll. Dazu kann man den Fluss oben für das Maischen und Anti-Burn getrennt Regeln. Beim Auslass, aus dem die Pumpe die Flüssigkeit herauspumpt, ist im Topf ein einfacher Filter aus Drahtgitter aufgeschraubt.

Ich habe bis heute vier Brautage mit dem Gerät durchgeführt.

1. Brautag
Beim ersten Versuch stellte sich heraus, dass der Filter sich nach der Hopfengabe sehr schnell zusetzt und die Pumpe keine Flüssigkeit mehr ansaugen kann. Das habe ich erst sehr spät bemerkt, daher die Pumpe sehr lange im Leerlauf was sicherlich nicht gut ist für diesen Pumpentyp. Dadurch fiel natürlich auch die Anti-Burn Funktion aus und im Heizbereich des Bodens ist einiges angesetzt und leicht angebrannt. Die Reinigung war nicht einfach.

2. Brautag
Für den zweiten Versuch hatte ich mir ein 200er Hopfenkorb besorgt. Der hat eine Menge aufgefangen - jedoch noch genug durchgelassen, um das Sieb des Gerätes erneut zu verstopfen. Gleiches Ergebnis, am Boden wieder angebrannt.

3. Brautag
Den dritten Versuch habe ich ständig mit dem Kochlöffel am Filter gekratzt um ihn etwas frei zu bekommen. Ich hatte die obere Pumpe dabei an um zu sehen, ob noch was kommt. Immer wenn der Fluss versiegte wurde wieder unten am Sieb geschabt. Damit ließ sich die ZEit deutlich verlängern, aber auch da ging irgendwann nichts mehr. Ziemlich nervig diese ständige Kochlöffelaktion. Immerhin hatte sich diesmal nur weng festgesetzt und war kaum angebrannt.

4. Brautag
Nach etwas Recherche fand ich Nutzer Feedbacks bei denen berichtet wurde, dass man am Besten das Sieb einfach weg lassen sollte. Hey, was für eine einfache und gleichzeitig geniale Lösung! Somit kommen wir zum...
Vierten Versuch. Ich ließ den Filter weg und achtete beim Einmaischen genau darauf, dass nichts am Malzrohr vorbei ins Brauwasser gefallen ist. Alles gut. Dann zum Hopfenkochen, wieder mit Einsatz des Hopfenkochens. Irgenwann mittdendrin in diesen 90 Minuten gab die Pumpe dann komplett den Geist auf. Bei der Reiniung habe ich alle Metallleitungen ausgebaut und kontrolliert - alle waren frei. Die Pumpe selbst habe ich nicht ausgebaut, das Gerät war ja noch in der Garantiezeit.

Daher meldete ich mich bei der Firma Chal-Tec GmbH, Inhaber der Marke "Klarstein" und Vertrieb des Gerätes auf dem deutschen Markt. War die Geschichte bisher eher unbefriedigend was Gerät betraf, ging der "Spaß" jetzt erst richtig los:

Auf meine Anfrage zum Serviceantrag kam zunächst eine automatische Mail mit der Nachricht, dass Serviceanfragen zurzeit leider etwas länger dauern und bat um Geduld. Nach einer Woche kam dann eine weitere Nachricht, dass man sich für die Wartezeit entschuldige aber nach einer Woche davon ausgehe, dass das Problem wohl gelöst sei - und das Ticket damit schließe. Es hat dann am Ende vier Wochen gedauert, bis man endlich reagierte. Ich erhielt dann einen Retourenschein für DHL.

Zwei Wochen dauerte es dann, bis ich ein Paket zurückerhielt. Die Zeit ist für einen Service akzeptabel dachte ich vor Paketöffnung. Nach der Öffnung dann die Ernüchterung - oder eher blankes Entsetzen. Die Styroporformen waren durch mehrfachen Gebrauch schon komplett zerbröselt und hingen überall am und auch im Gerät, nämlich durch die Lüftungsschlitze auch im Kocher. Das Gehäuse vom Steuergerät war gebrochen. Und um das alles noch zu toppen: der Topf war ungepflegt und nicht vernünftig gereinigt, die Silikonschläuche braun versifft - man hat mir ein Gerät eines anderen Kunden gesendet, welcher es mit der Pflege nicht allzu genau nahm. Deswegen auch die zerbröselte Verpackung, bei meinr war beim Versand die Verpackung noch völlig in Ordnung.

Ob es sich jetzt um eine unglückliche Vertauschung im Service handelt, oder ob dort instandgesetzte Geräte willkürlich an Kunden verschickt werden, kann ich nicht beurteilen. Dennoch wollte ich nun dieses Gerät natürlich nicht behalten und eigentlich auch nichts mehr mit diesem Unternehmen zu tun haben.

Es war dann nochmals etwas zäh, aber letztendlich hat man mir nun endlich zugesagt den Kaufpreis zu erstatten. Somit ist das nun endlich durchgestanden und das Budget wird in anderes Equipment investiert.

Mein persönliches Fazit:
- das Bier ist an allen vier Brautagen gut geworden, Bierbrauen kann man mit dem Gerät grundsätzlich
- das Malzrohr bzgl. Abläutern funktionierte wirklich gut, die Umwälzung bis zum Kochvorgang hat funktioniert, genauso die Programmierung zur Steuerung
- mit dem Hopfen kommt dieses System nicht klar, da verstopft die Pumpe bzw. der Filter immer, damit versagt auch die Anti-Burn Funktion
- ob ich einfach nur Pech mit der Pumpe hatte oder ob dies im Zusammenhang mit dem weggelassenen Filter steht kann ich nicht sagen
- der Service dieser Firma ist so ziemlich das schlechteste, was ich bisher erlabt habe

Alles in allem mag es womöglich trotzdem eine unglückliche Anhäufung von Pech bei mir gewesen sein, das muss ja nicht bei jedem so sein. Insgesamt würde ich aber von diesem Gerät eher abraten, da das Gerätekonzept nicht wirklich funktioniert und damit ist es mit knapp unter 500 EUR zu teuer. Letztendlich kauft die Chal-Tec GmbH als reines Handelsunternehmen und Rechteinhaber des wohlklingendem Namens "Klarstein" das Gerät bei entsprechender Stückzahl für nur $130 (ab 300 Geräte) beim Hersteller Zhongshan Guangrong Electrical, inklusive Branding. Siehe https://www.alibaba.com/product-detail/ ... 7a1cLKTR1Q
Da der Hersteller sicherlich auch noch etwas verdienen möchte, kann da eigentlich nicht viel Luft für hochwertiges am Gerät bleiben.

Vielleicht hilft mein Erfahrungsbericht ja dem ein- oder anderen bei der Kaufentscheidung.

Viele Grüße
Mick :Drink

metaler143
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Re: Meine Erfahrungen mit dem Klarstein Brauheld Pro 45L

#2

Beitrag von metaler143 » Freitag 12. März 2021, 17:52

Servus Mick!
Ich habe deinen Bericht (noch) nicht ganz gelesen, möchte aber jetzt schon mal anmerken, dass die Pumpe vermutlich nicht dazu gedacht ist, während des Kochens zu laufen. Sie soll während des Maischens verhindern, dass feiner Malzstaub während der Heizphasen anbrennt - Mal dahingestellt, ob das Konzept des Geräts dafür funktioniert.

Während des Kochens muss nichts gepumpt werden, allerhöchstens mal etwas umgerührt.

Edit: Typo gefixt, diese Smartphone-Tastatur ist einfach zu klein für meine dicken Finger...

Mick74
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Re: Meine Erfahrungen mit dem Klarstein Brauheld Pro 45L

#3

Beitrag von Mick74 » Freitag 12. März 2021, 21:03

Hi metaler143,

das ist natürlich eine spannende Frage. Habe gerade daraufhin nochmal die online verfügbare Bedienungsanleitung durchgelesen. Aus der geht es leider nicht hervor.

Der Filter wurde durch den Hopfen verstopft (Pellets) und es war am Ende Hopfen festgebrannt. Da sehe ich jetzt zwei Möglichkeiten:

1. Hopfen brennt auch fest => dann würde die Pumpe auch beim Kochen benötigt werden für den Betrieb der Anti-Burn Funktion
2. Hopfen brennt nicht fest, sondern setzt sich nur auf dem vorher festgebrannten Malzstaub an => Anti-Burn Funktion verhindert auch mit funktionierender Pumpe kein Anbrennen

Für 2. würde auch sprechen, dass der Hauptansatz am Topfboden die Form eines Hufeisens hatte, mit der offenen Seite zu Eingang der Anti-Burn Düse.

Viele Grüße
Mick :Drink

metaler143
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Re: Meine Erfahrungen mit dem Klarstein Brauheld Pro 45L

#4

Beitrag von metaler143 » Freitag 12. März 2021, 21:13

Angebrannten Hopfen hatte ich noch bei keinem meiner Sude (>40), auch bei Null rühren während des Kochens.
Dabei hatte ich als Pfanne schon Einkocher, Topf+Hendi und den Grainfather im Einsatz.

Nichtsdestotrotz kann ich deine Erfahrungen mit Klarstein nachvollziehen, mir ging es vor längerer Zeit ganz ähnlich, zu meinem Glück/Unglück. Bin dadurch zunächst bei der Hendi+Topf gelandet, anschließend beim Grainfather und nun mit beidem sehr zufrieden.

Gruß Jakob

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renzbräu
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Re: Meine Erfahrungen mit dem Klarstein Brauheld Pro 45L

#5

Beitrag von renzbräu » Freitag 12. März 2021, 21:16

Mick74 hat geschrieben:
Freitag 12. März 2021, 21:03
dass der Hauptansatz am Topfboden die Form eines Hufeisens hatte
Dies kann aber auch von der typischen Form von Heizspiralen kommen. Hab das bei Einkochern mit kalkhaltigem Wasser schon gesehen.
Gott gebe Glück und Segen drein!
Johannes

Bottichmaischer und Spaß dabei!

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Re: Meine Erfahrungen mit dem Klarstein Brauheld Pro 45L

#6

Beitrag von Lui006 » Freitag 12. März 2021, 21:24

Moin, hatte auch Stress mit angebrannten Sud bei Klarstein Malzrohrsystem.
Umgestiegen auf Induktion mit 36 l Topf und Rührwerk. Seitdem keine Probleme !
LG

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Re: Meine Erfahrungen mit dem Klarstein Brauheld Pro 45L

#7

Beitrag von sebschilling » Freitag 12. März 2021, 22:56

Ich hatte bei meinem Brauheld 45 noch nie Probleme mit Anbrennen. Ich koche allerdings auch nie mit voller Leistung, sondern nur mit 2800 W. Das reicht für ein rollendes Kochen völlig aus. Die Rasttemperaturen kann man auch mit reduzierter Leistung ansteuern, dauert vielleicht ein paar Minuten länger, aber wenn dafür nix anbrennt...

Edit: Die Pumpe gehört beim Kochen ausgeschaltet.

Mick74
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Re: Meine Erfahrungen mit dem Klarstein Brauheld Pro 45L

#8

Beitrag von Mick74 » Samstag 13. März 2021, 00:15

Ich hatte in meinem letzten Protokoll vom Brautag 4 folgende Werte notiert:

- Aufheizen Brauwasser - 3000 W
- 1. Rast - 1500 W
- 2. Rast - 1500 W
- 3. Rast - 1500 W
- Abmaischen 1500 W
- Hopfenkochen 2500 W (reichte auch für wallendes Kochen aus bei Umgebungstemperatur nahe dem Gefrierpunkt.)

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