Ingwerbier (Ginger Beer) mit Ginger Bug

Alles, was mit dem Thema Historische Biere, Grut- bzw. Kräuterbiere, Gewürzbiere, aber auch mit Sake Brauen oder Brauen mit ungewöhnlichen Fermentationsarten zu tun hat
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laureen
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Ingwerbier (Ginger Beer) mit Ginger Bug

#1

Beitrag von laureen » Samstag 2. Juni 2018, 14:54

Hallo alle zusammen und danke für die Aufnahme in diesem tollen Forum!

Ich bin seid einigen Monaten dabei Ingwerbier mit einem selbst angezüchteten "Ginger Bug" herzustellen.

Dabei habe ich folgende Fragen:
  • Dürfen die Flaschen während der Fermentation geschüttelt werden um den Bodensatz zu vermischen? (Aufschäumgefahr)
  • Darf der Bodensatz mit getrunken werden?
  • Soll der Bodensatz herausgefiltert werden?
  • Bei manchen Flaschen habe ich einen schmierigen transparenten bis weisslichen Film (kein Schimmel) auf der Oberfläsche bemerkt, ist das normal? (Ich dachte die Bakterien befinden sich unten im Bodensatz?)
  • Soll dieser Film vermischt werden oder später abgetragen werden?
Mein momentanes Rezept für ca 4,5 Liter:

Ginger Bug:
feingewürfeltes ungeschältes Ingwer (ca. 2 EL) mit Rohrzucker (ca. 2 EL) in ein Marmeladenglas mit Wasser geben und mit einem Kaffefilter an einen warmen Ort gären lassen. Jeden Tag mit ca. 1 EL Zucker und 1 EL Ingwer füttern bis es anfängt zu blubbern/schäumen.

Ginger Beer:
ca. 230 g Ingwer
ca. 300 g Zucker
ca. 300-400 ml Ginger Bug mit einigen Ingwerstücken (ungefähr 3/4 damit der Bug am Leben erhalten wird)
Saft von 3 Zitronen oder Limetten
Wasser: 1l gekocht, ca.3l kalt

Ingwer wird mit Schale geraspelt und in einen Topf gegeben. Es wird ca. 1l gekochtes Wasser und den Zucker hinzugegeben. Alles wird 15 min geköchelt und gewartet bis es abgekühlt ist (handwarm). Dann kann mit ca. 3 L kaltes Wasser, dem Zitronensaft und dem Ginger Bug aufgefüllt werden. Eventuell noch etwas abkühlen lassen bevor alles abgesiebt in Flaschen abgefüllt wird. Jetzt werden die Flaschen einige Tage bis Wochen an einem warmen Ort zum 2. Fermentieren gebracht. Da bei Glasflaschen Explositonsgefahr besteht, muss aufgepasst werden oder PET-Flaschen benutzen. Ich benutze nur eine zusätzliche PET-Flasche deren Druck ich jeden Tag kontrolliere. Wenn diese hart ist, dürfen sie in den Kühlschrank verlagert werden. Ich gehe immer auf Nummer sicher und lasse dann vorher etwas Druck ab mit vorsichtigem Öffnen.

Ich experimentiere jedesmal mit verschiedenen Mengen an Zucker und Ingwer, bis es mir am besten schmeckt, da ich es schärfer und weniger süss mag.

Vielen Dank fürs Lesen und für eventuelle Hilfestellungen und Tipps!

DarkUtopia
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Re: Ingwerbier (Ginger Beer) mit Ginger Bug

#2

Beitrag von DarkUtopia » Samstag 2. Juni 2018, 15:25

Hallo, für den Bug ist aber nicht jeder Ingwer geeignet, suche nach unbehandeltem!

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Re: Ingwerbier (Ginger Beer) mit Ginger Bug

#3

Beitrag von flying » Samstag 2. Juni 2018, 17:14

Hi laureen,

der transparente, schmierige Film könnte eine leichte Essigmutter sein. Mit dem Ingwerstarter züchtet man halt alles was auf dem rohen Ingwer irgendwie lebt und Säure ab kann.
Hier im Forum gibt/gab es m. W. einige die sich eine Ingwerbier- Pflanze halten. Bei der Ginger Beer Plant handelt es sich um Tibicos. So was Ähnliches wie Wasserkefirkristalle, nur speziell für Ingwer. Da bilden verschiedene Hefen, Milch- und Essigsäurebakterien eine Lebensgemeinschaft in einer Polydextranmatrix.
Ich hab auch schon gelesen, dass sich aus gewissen Ingwerstartern die Ginger Beer Plant spontan gebildet hat..? Ansonsten kann man die aber auch käuflich erwerben.

m.f.g
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Re: Ingwerbier (Ginger Beer) mit Ginger Bug

#4

Beitrag von laureen » Samstag 2. Juni 2018, 21:13

DarkUtopia hat geschrieben:
Samstag 2. Juni 2018, 15:25
Hallo, für den Bug ist aber nicht jeder Ingwer geeignet, suche nach unbehandeltem!
Danke, das wusste ich allerdings schon :)
flying hat geschrieben:
Samstag 2. Juni 2018, 17:14
Hi laureen,

der transparente, schmierige Film könnte eine leichte Essigmutter sein. Mit dem Ingwerstarter züchtet man halt alles was auf dem rohen Ingwer irgendwie lebt und Säure ab kann.
Interessant, also nicht schlimm?
flying hat geschrieben:
Samstag 2. Juni 2018, 17:14
Hier im Forum gibt/gab es m. W. einige die sich eine Ingwerbier- Pflanze halten. Bei der Ginger Beer Plant handelt es sich um Tibicos. So was Ähnliches wie Wasserkefirkristalle, nur speziell für Ingwer. Da bilden verschiedene Hefen, Milch- und Essigsäurebakterien eine Lebensgemeinschaft in einer Polydextranmatrix.
Ich hab auch schon gelesen, dass sich aus gewissen Ingwerstartern die Ginger Beer Plant spontan gebildet hat..? Ansonsten kann man die aber auch käuflich erwerben.

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Danke für die Info! Ich bevorzuge allerdings den Bug selbst herzustellen und weder Hefe noch irgendwelche Bakterien zu kaufen.
Wo liegt der Vorteil bei gekaufter Ginger Plant? Gibt es einen geschmacklichen Unterschied?

Danke für die bisherigen Antworten!

Gerne würde ich noch wissen wie es mit dem Schütteln steht? Darf ich die Flasche während der Fermentation und vor dem Trinken kurz schütteln oder nicht? Wird Kohlensäure verloren? Wird der Geschmack verändert wenn sich der Bodensatz mit dem Rest vermischt?

Danke im Voraus!

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Re: Ingwerbier (Ginger Beer) mit Ginger Bug

#5

Beitrag von flying » Samstag 2. Juni 2018, 21:39

Danke für die Info! Ich bevorzuge allerdings den Bug selbst herzustellen und weder Hefe noch irgendwelche Bakterien zu kaufen.
Wo liegt der Vorteil bei gekaufter Ginger Plant? Gibt es einen geschmacklichen Unterschied?
Die Gingerbier- Pflanze war im 19. Jahrhundert ein "gepäppeltes Haustier" und stand fast in jedem englischen Haushalt auf dem Fensterbrett...
Die Vorteile liegen auf der Hand. Diese symbiotische Lebensgemeinschaft aus Hefen (Saccharomyces florentinus) und Laktobacillen (Lactobacillus hilgardii) erzeugte ein alkoholhaltiges und erfrischend säuerliches Getränk auch ohne Zitronen. Solche Südfrüchte waren im 19. Jahrhundert vermutlich eher unerschwinglich bzw. nicht immer verfügbar.
Also teilte man die GBP, gab sie weiter, vererbte sie usw..Die gelatinösen Körner wurde gehegt und gepflegt. Gaben sie doch den typischen, immer gleichen Geschmack den man vermutlich über Jahrzehnte halten konnte. Solche symbiotischen Lebensgemeinschaften gibt es natürlich vorkommend auf der ganzen Welt. Die Namen sind z. B. Wasserkefir, Balsam von Gilead, Wein- Bienen, Kalifornische Bienen, Palästina Bienen oder Tibicos.
Eine echte GBP zu bekommen ist nicht ganz einfach. Oft werden einem einfache Wasserkefirkristalle angedreht.

Einem Forscher soll es schon mal gelungen sein, eine "neue" GBP zu züchten, da die alten quasi ausgestorben sind. Dabei soll sie sich spontan aus Roh-Rohrzucker und den Ingwerbakterien gebildet haben..?

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Re: Ingwerbier (Ginger Beer) mit Ginger Bug

#6

Beitrag von laureen » Sonntag 3. Juni 2018, 16:03

Danke für die Infos!
Ich habe jetzt trotzdem Ginger Beer Plant gekauft. Hoffentlich ist es kein Fake.
Bin zu neugierig auf den Unterschied.

Trotzdem würde ich immer noch gerne wissen wies mit dem Schütteln steht. Wenn es sich beim Film um eine Essigmutter handelt, kann man die dann mittrinken? Oder soll ich sie lieber absaugen?

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Re: Ingwerbier (Ginger Beer) mit Ginger Bug

#7

Beitrag von flying » Sonntag 3. Juni 2018, 19:47

Den Film auf aller Fällen abgiessen/entfernen. Den Bodensatz schön sedimentieren lassen. Den muss man nicht mitrinken.
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