Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

Alles, was mit dem Thema Historische Biere, Grut- bzw. Kräuterbiere, Gewürzbiere, aber auch mit Sake Brauen oder Brauen mit ungewöhnlichen Fermentationsarten zu tun hat
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Clarissima
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Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#1

Beitrag von Clarissima » Sonntag 4. Juni 2017, 11:39

Ich möchte heute einen Weißbierbock brauen und mit Holunderblüten verfeinern. Hier im Forum hab ich nur einen Verweis auf folgendes Rezept gefunden:
https://brauerei.mueggelland.de/rezeptd ... s/371.html

Darin wird mit frischen Blüten gestopft. Ich frage mich: warum stopfen und nicht mitkochen? Beim Holunderblütensaft/sirup kochen, wird der Holunder ja auch mitgekocht. Erscheint mir hygienisch auch sicherer...

Habt ihr Erfahrungen? :Drink
Danke!

inem
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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#2

Beitrag von inem » Sonntag 4. Juni 2017, 11:46

Blüten mitkochen auf keinen Fall. Wenn es dir zu unsicher ist, dann würde ich den Saft nehmen und mitvergären.
Ich selbst stopfe und das funktioniert eigentlich ganz gut. Dazu ernte ich die Blüten ein paar Stunden nach einem Regen und lege sie für einen Tag auf, damit sich die Tierchen davon verziehen. Dann kommen sie einfach ins Bier. Gewaschen wird nicht, da das Aroma vom Blütenstaub kommt, der sonst weggespült würde (deshalb ein paar Stunden nach dem Regen).

Clarissima
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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#3

Beitrag von Clarissima » Sonntag 4. Juni 2017, 11:50

inem hat geschrieben:Blüten mitkochen auf keinen Fall. Wenn es dir zu unsicher ist, dann würde ich den Saft nehmen und mitvergären.
Aber warum nicht? Ich würde gerne den Grund verstehen...

Es hat auf jeden Fall gerade geregnet - guter Zeitpunkt!

robsta2209
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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#4

Beitrag von robsta2209 » Sonntag 4. Juni 2017, 11:56

Wenn ihr es mit Sirup macht, wieviel Sirup auf 20l Würze würdet ihr nehmen? Bzw. was wäre das Minimum um den Geschmack erkennen zu können?

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Braurudi
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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#5

Beitrag von Braurudi » Sonntag 4. Juni 2017, 12:07

Die Aromen sind im Blütenstaub. Daher nicht mitkochen, sondern stopfen. Am besten in die abklingende HG geben...wenn die Kräusen ziemlich weg sind.
Der beste Zeitpunkt für die Ernte ist bei Sonnenschein...nicht bei Regen, wie oben erwähnt.
Holunder passt perfekt ins Weizenbier und gibt ein herrlich intensives Aroma. Meiner Meinung nach braucht's keinen Sirup.

wünsche gutes Gelingen!
Rudi
Ich glaub, ich brauch' ein Bier. Ich bin unterhopft!

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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#6

Beitrag von chaos-black » Sonntag 4. Juni 2017, 12:13

Ich hatte eigentlich auch schon 2016 ein Holunderblütenale geplant, Aber dann leider nicht rechtzeitig geerntet. Auch dieses Jahr werde ich das Ale nicht rechtzeitig ansetzen können. Meint ihr pflücken, trocknen, vakuumieren und kühl lagern wäre auch in Ordnung? Oder geht da zuviel Aroma bei flöten?

Beste Grüße,
Alex
Meine Hobbybrauerei: http://brauerei-flaschenpost.de/ (gerade offline)

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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#7

Beitrag von Maex » Sonntag 4. Juni 2017, 12:22

Ich vakuumiere die Blüten ein und dann kommen sie in den Gefrierschrank.
Auch bei Blüten die 2 Jahre eingefroren waren, habe ich im Bier keinerlei Geschmackseinbußen bei immer gleicher Menge gehabt, im Vergleich zu frischen Blüten.
Ernten würde ich immer bei praller Sonne Mittags, wenn es mindestens 24 Stunden vorher NICHT geregnet hat.

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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#8

Beitrag von hb9cjs » Sonntag 4. Juni 2017, 12:31

Ich koche die Blüten 10 Minuten mit. So hast Du keine Risiken mit wilden Hefen oder ähnlichen Dingen.
Rezept findest Du auf http://www.uelus-homebrew.ch
Gruss Üelu

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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#9

Beitrag von Svensemilla » Sonntag 4. Juni 2017, 14:11

Ich würde nicht nach dem Regen ernten, da wie ihr selber erkannt habt, das Aroma im Blütenstaub ist, der ja sonst ausgespült wird.

inem
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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#10

Beitrag von inem » Sonntag 4. Juni 2017, 14:53

Svensemilla hat geschrieben:Ich würde nicht nach dem Regen ernten, da wie ihr selber erkannt habt, das Aroma im Blütenstaub ist, der ja sonst ausgespült wird.
Deshalb ja einige Stunden später. Ich möchte jedenfalls nicht sonst allerlei Staub darauf haben und die bisherigen Ergebnisse sprechen für sich.
Clarissima hat geschrieben:
inem hat geschrieben:Blüten mitkochen auf keinen Fall. Wenn es dir zu unsicher ist, dann würde ich den Saft nehmen und mitvergären.
Aber warum nicht? Ich würde gerne den Grund verstehen...

Es hat auf jeden Fall gerade geregnet - guter Zeitpunkt!
Es ist kaum möglich die Blüten mitsamt Staub von den Stängeln zu trennen und letztere würde ich nicht auskochen wollen.

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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#11

Beitrag von Griller76 » Sonntag 4. Juni 2017, 18:17

Ich würde die Holunderblüten unbedingt mitkochen um wilde Hefen zu vermeiden. Für Sirup werden die Holunderblüten ja auch gekocht und trotzdem ist noch genug Geschmack darin.
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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#12

Beitrag von flying » Sonntag 4. Juni 2017, 18:37

Warum habt ihr denn Angst vor dem Stopfen mit frischen Holunderblüten? Mit Hopfen stopft ihr doch auch..?

Den zarten, frisch-frühlingshaften und blumigen Ton bekommt man nur mit frischen Dolden zum optimalen Erntezeitpunkt hin. Die dänischen Hollerbier-Profis machen das beim Ørbæk Fynsk Forår auch so. Ein super Gesöff..
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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#13

Beitrag von Neubierig » Sonntag 4. Juni 2017, 19:07

Ich mache auch gerne Holunderblütenwein, und es ist im Weinfach bekannt, die Dolden sind Vormittags in trockenen Zustand zu ernten. Nicht bei prallenendem Sonnenschein und auch nicht nach Regen. Dann ist der Aroma am maximal.

Kochen ist nicht nötig. Ich schwefele aber, mit Kaliumpyrosulfitlösung

Cheers,

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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#14

Beitrag von hutschpferd » Sonntag 4. Juni 2017, 20:18

Stopfen, 1 Dolde pro Liter nehme ich

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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#15

Beitrag von katzlbt » Sonntag 4. Juni 2017, 20:29

Ich hab sie einmal mitgekocht und ein grausliges grünes chlorophylliges Aroma bekommen.
Das hat hach grünen Hollunderstengeln geschmeckt. War nicht zu trinken.
Maximal heiss übergießen, wie beim Sirup würde ich nächstes mal probieren, oder eben stopfen.

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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#16

Beitrag von flying » Sonntag 4. Juni 2017, 20:44

Noch ein kleiner Tipp. Das man den Holunder nicht vom Straßenrand nimmt versteht sich. Fahrt ins Grüne zum Sammeln. Bestenfalls in Waldnähe oder Naturschutzgebiete. Auch nicht das frischeste Grün aussuchen. Schwarzer Holunder wächst unglaublich schnell und bildet in kürzester Zeit gewaltige, strauchartige Gebüsche mit riesigen, schneeweißen Dolden aus. Optisch sind die ein Highlight aber nicht geschmacklich. Wenn schwarzer Holunder ein gewisses Alter erreicht, können recht ansehnliche Bäume mit dicken Stamm und Krone entstehen. An solchen alten Holunderbäumen sind die Dolden oft kleiner, dichter und gelber. Die strotzen vor Blütenpollen und haben einen irre intensiven Duft.
Mit solchen Dolden hab ich auch das im Eingangspost verlinkte Holunderblütenale gemacht und das war wirklich spitze.
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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#17

Beitrag von marsabba » Sonntag 4. Juni 2017, 23:31

Ich kann auch nur dringend raten, die DOlden *nicht* mitzukochen sondern am Ende der Gärung zu stopfen. Nur dann bekommt man das echte, feine Holunderaroma.
Gegen potentielle Infektionen habe ich folgende drei Strategien:
1. Einfach etwas stärker einbrauen. Ein Bock ist robuster als ein 10 °P Limonädchen
2. Mit einer Saisonhefe hoch vergären. Wo nix vergärbares mehr ist kann sich auch keine Wildhefe breit machen.
3. Den Bock zum Gärtner machen: Kippt das Bier dann doch etwas ins (Milch-)Saure : Sich freuen, das einem so ein leckeres Sommergetränk gelungen ist.

Viele Grüße
Martin...
... der gerade seinen diesjährigen Holunder/Waldmeister-Sud abgefüllt hat. Arbeitstitel ist "Beetlejuice" :-)

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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#18

Beitrag von 420 » Montag 5. Juni 2017, 11:04

Selber verwende ich die Holunderblüten auch für Wein. Da man die Blüten sehr schlecht von der Dolde bekommt, kannst Du ja mal folgendes probieren:

Nehme ein Drahtgitter (Kaninchendraht) und reibe die Dolde darüber. Die Blüten fallen dann sehr schnell ab. Was bei Holunderbeeren sehr gut funktioniert(siehe auch hier), klappt sicherlich auch bei Holunderblüten. Und verwende dann nur die Blüten. Sollten die Blüten zu frisch sein, könnte man es mal mit anfrieren probieren, ob dann die Blüten leicher abfallen. Einzeln abziehen ist für mich keine Lösung und mit Dolden wird der Geschmack nicht unbedingt besser. Am Ende dann die Blüten auf einen Tisch geben und die Tierchen können bequem selektiert werden. Fleischbier ist nicht so mein Ding. :Bigsmile

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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#19

Beitrag von katzlbt » Donnerstag 22. Juni 2017, 16:12

Hmmm, eigentlich sollte eine kalte Extraktion mittels Alkohol das sicherste sein.
Danach zum Bier zugeben und man hat ein Bockbier :-)
Die Idee kommt aus "Das Parfüm" Film/Buch.
Das wäre auzuprobieren.
http://www.kostbarenatur.net/rezepte/ti ... ndheilung/

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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#20

Beitrag von flying » Donnerstag 22. Juni 2017, 17:20

Fleischbier ist nicht so mein Ding. :Bigsmile
Das bisschen Fleisch im Bier ist überhaupt kein Problem. Da gibt es noch viel leckere Sachen. Katzen sollen auch ganz gut kommen...


https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?f=24&t=6058
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Re: Holunderblüten im Bier - mitkochen oder stopfen?

#21

Beitrag von nacron » Montag 26. Juni 2017, 16:39

Noch ein paar tips von Raf von Bokkereyder:
- In den morgenstunden sammeln da ist das aroma am intensivsten
- Kaltauszug für 24 stunden machen da sonst die vegetalen aromen der stiele mit reinkommen (schmeckt hart nach grüner paprika)
- Danach das Bier gerne noch ein bisschen reifen lassen (er drückt in ein anderes lambic fass um).
Ich finde es passt extrem gut zu Bieren die nicht viel restzucker haben also saison, sauerbier, cider, da muss man sich auch keine sorgen um ne zweite gärung machen :)

Cheers
Benedikt
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