Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

Alles, was mit dem Thema Historische Biere, Grut- bzw. Kräuterbiere, Gewürzbiere, aber auch mit Sake Brauen oder Brauen mit ungewöhnlichen Fermentationsarten zu tun hat
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Max_L
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Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#1

Beitrag von Max_L » Donnerstag 8. März 2018, 22:39

Neulich hat mich ein Bekannter angesprochen und wollte mit mir ein Nesselbier brauen. Das Rezept hat er aus einem Buch von Wolf-Dieter Storl " Heilkräuter und Zauberpflanzen"
Hier das Rezept so wie es im Buch steht:

"Ein Eimer junger Brennnesselblätter
2-4 Hand voll Löwenzahn
3 Hand voll Kletterlabkraut
1 Ingwerzehe
2 Tassen brauner Zucker.
Die Kräuter langsam 45 Minuten lang in 8 Liter Wasser kochen.
Lauwarm abkühlen lassen. Den Zucker und etwa 30g Brauereihefe hineinrühren.
Sieben Stunden warm halten, dann den Schaum abschöpfen. Einen Teelöffel Weinstein hineinrühren. In Flaschen abfüllen und fest verschließen."

Bis zu dem Punkt wo die Hefe hineingerührt wird komme ich noch mit. Aber nach 7 Stunden Schaum abschöpfen und in Flaschen füllen kommt mir Spanisch vor :Grübel

Hat da einer eine Vorstellung was das soll? Oder hat der Autor nur Stunden mit Tagen verwechselt? Ach ja und welche Hefe? Brauereihefe, suggeriert ja in so einem Zusammenhang eher UG? Was meint Ihr welche Hefe könnte passen? Wenn Brennesselsaison kann ich eher OG vergären.

Danke
Max

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Bierwisch
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Re: Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#2

Beitrag von Bierwisch » Freitag 9. März 2018, 06:32

Hallo Max,
eine Flaschenbombe wird das wohl nicht, aber auch kein Bier. Es fehlt die stärkehaltige Zutat. So ist es eher etwas weinartiges.
Brauereihefe mag es, wie eigentlich alle anderen Hefen auch, schön warm - also OG.
Angaben wie "zwei Tassen" sind natürlich gefährlich - ich habe von der Espresso- bis zur badewannengroßen Milchkaffeetasse alle möglichen davon im Schrank stehen. Besser wäre es, das Ganze durchgären zu lassen und dann mit einer definierten Menge Zucker abzufüllen.

Worin soll denn die Heilwirkung dieses Getränks bestehen? Oder ist das den Zaubertränken zuzuordnen?
Berichte doch mal, wie es geworden ist.

Gruß
Bierwisch
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Re: Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#3

Beitrag von KCSteevo » Freitag 9. März 2018, 07:29

Ich find die "Tassen" angaben eigentlich garnicht so problematisch, solange alle Angaben in "Tassen" dastehen. In Brasilien hatten die Familien nicht mal eine Waage im Haus als wir n Kuchen backen wollten, dort gibts nur Cups als Einheit. Hier hast du aber auch mal ne "Hand voll" dabei was es problematisch macht.
Sind die Hühner flach wie Teller, war der Traktor wieder schneller. Prost!
:Drink

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Bierwisch
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Re: Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#4

Beitrag von Bierwisch » Freitag 9. März 2018, 08:24

Ja, in Amerika ist "cups" eine gebräuchliche Mengeneinheit, in Deutschland aber eher nicht. Und wenn es um Karbonisierung geht, ist das eine Ungenauigkeit, die ganz schnell ins Auge gehen kann.
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Re: Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#5

Beitrag von Max_L » Freitag 9. März 2018, 10:08

Leute vielen Dank schon mal.
Die Geschichte mit "Handvoll Löwenzahn" und "Eimer voll Brennnessel" bekomme ich in den Griff. Da kommts nicht aufs Gramm an.
Eine Tasse / Cup sind laut Tante Google 225gramm. Auch das bereitet mir keine Probleme. Wenn ich grob überschlage komme ich dann bei 450gramm Zucker auf 8 Liter auf ca 6°Plato Stammwürze. (bissie wenig nach meinem Geschmack)

Was mich stutzig macht ist die Angabe zur Vergärung. Hefe soll nach 7 Stunden schon abschöpfbaren Schaum haben?
Ich wäre gefühlt so vorgegangen wie bei der Biervergärung und hätte 1-2 Wochen vergoren, geschlaucht und nachgespeist um Bläschen und Schaum im Nesselbier/Schaumwein zu haben.

Irgendwie hab ich so meine Zweifel an den Vergärungshinweisen.

Max

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Re: Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#6

Beitrag von chaos-black » Freitag 9. März 2018, 10:21

Ja, in diesen "Kraut-und Zauberbier" Büchern sind die Anleitungen manchmal etwas merkwürdig. Und zu manchen Rezepten gehört auch ne ordentliche Portion Aberglaube. Aber ungeachtet dessen kann man das ja trotzdem für den Geschmack brauen.
ich würde es so machen wie du vorschlägst. Ausgären lassen und dann kontrolliert karbonisieren. Diese Grünschlaucherei mit einer "Brauereihefe" (als wären die alle gleich schnell) klingt für mich auch potenziell gefährlich. Die Kräusen hab ich noch nie abgeschöpft, Hab aber schon öfter gelesen dass das Leute tun. Wozu das gut is kann ich dir aber nicht beantworten, vlt entfernt der Rezeptersteller damit die Pflanzenteile die oben schwimmen?

Beste Grüße,
Alex
Zuletzt geändert von chaos-black am Freitag 9. März 2018, 11:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#7

Beitrag von Bierwisch » Freitag 9. März 2018, 10:27

Ich vermute mal, daß das Abschöpfen einfach nur eine Aktivität vorgaukeln soll. Wer kann bei sowas schon die Füsse still halten und abwarten, bis die Gärung durch ist (außer ein erfahrener Hobbybrauer natürlich).
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Re: Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#8

Beitrag von monsti88 » Freitag 9. März 2018, 10:32

Muss für das Rezept denn nicht auch der Stand des Mondes und das aktuelle Tierkreiszeichen berücksichtigt werden?

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Re: Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#9

Beitrag von Max_L » Freitag 9. März 2018, 10:56

Leute, bleibt bitte sachlich. Natürlich werden die Nesseln bei Vollmond gepflückt. :P

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Re: Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#10

Beitrag von tbln » Freitag 9. März 2018, 11:24

Das gleiche Rezept gibt es auch in Buhners Sacred and Herbal Healing Beers "Maude Grieve's Nettle Beer 1931". Das Original findest du in "A Modern Herbal" von Maud Grieve bzw. Online Version. Da ist nicht die Rede von "Schaum abschöpfen" sondern von "remove the scum". Also halt alles was so aufschwimmt... wenn ich richtig lese, soll man zur Hefe eine Scheibe getoastetes Brot unterrühren. Frag mich warum das in englischer Literatur als Beer bezeichnet wird und nicht als Ale. Aber das ist ein anderes Thema.

Kleiner Tipp 28g Presshefe ist extrem viel für die Menge. Wahrscheinlich reicht auch 1/16 - 1/8 Würfel.

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Re: Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#11

Beitrag von Max_L » Freitag 9. März 2018, 12:27

Ahh danke,
in der Online variante stehen auch die 7 stunden. Brot und Hefe und Tartar Creme, da kommt der Weinstein wieder ins Spiel. Da das Rezept wohl aus dem englischen kommt wird wohl ne Ale Hefe die richtige sein.

Ich hänge da echt daran welche Hefe ich wie einsetze.
Traut ihr z.B. der S-04 zu die nach 7 Stunden schon in Flaschen abzufüllen?
Muss das Brot dazu?
Weinstein?

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Re: Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#12

Beitrag von Fe2O3 » Freitag 9. März 2018, 12:30

Max_L hat geschrieben:
Freitag 9. März 2018, 12:27
Muss das Brot dazu?
Weinstein?
Wird Brot vielleicht verwendet, um der Hefe auch andere Nährstoffe außer reinem Zucker zu bieten?
Gleiches könnte für den Weinstein gelten - oder vllt zur pH-Regulierung?

lG
Martin

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Re: Nesselbier II oder DiY Flaschenbombe

#13

Beitrag von Max_L » Samstag 10. März 2018, 20:50

Wieder etwas weiter...
Brot nur in Zusammenhang mit der Bäckerhefe. Bierhefe braucht kein Brot.

Leider noch ungeklärt:
7 Stunden gären und wofür auch immer Weinstein. Backtriebmittel?? :Grübel

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