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Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Freitag 28. Dezember 2018, 22:06
von mobilat
Hallo zusammen,
ich arbeite immer noch an meinem perfekten Cider und benötige bisschen Hilfe.
Kein Äppelwoi, kein Cidre, .. es soll die zuckersüße Plörre aus England werden.

Hier mein Basis-Rezept:

10 Liter Apfelsaft vom Discounter (leider nicht gespindelt)
1 Packung Fermentis Safcider 5 g
--- 7 Tage Hauptgärung (0,5° Plato) ---
20g/L Birkenzucker
6g/L Traubenzicker
Umschlauchen in einen anderen Behälter mit der aufgelösten Zuckerlösung
--- 7 Tage Nachgärung ---
Danach in Flaschen und in den Kühlschrank.

Ergebnis ist nach paar Tagen trinkbar, aber leider bisschen zu wenig Kohlensäure, die Süße ist ok, könnte sogar etwas weniger süß sein ;)

Meine Frage, war meine Hauptgärung zu lange oder muss ich noch mehr Zucker in die Flaschen für die Nachgärung geben? Ich finde 6g/L schon sehr viel?! Könnte ich einen Fehler beim Schlauchen gemacht haben? Wie sind Eure Erfahrungen mit Cider?

Viele Grüße
Stefan

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Freitag 28. Dezember 2018, 22:15
von hyper472
Hallo Stefan,
Fehler beim Schlauchen passieren nahezu zwangsläufig, wenn Du mit Zuckerlösung arbeitest. Das Zeug hat ein ganz anderes Gewicht als Deine "Würze" und verteilt sich schlecht. Leg lieber den Zucker mit der Dosierhilfe in die Flasche vor. Mit 6gr. Haushaltszucker/l wird alles vergoren, Du bekommst also weniger Traubenzuckergeschmack (denn der Traubenzucker wird nicht vollkommen weg-vergoren, verfälscht also den Apfelgeschmack) und mehr CO2.
Gegen die Süße nimmst Du etwas weniger Birkenzucker.
Aber mit dem Thema bist Du wahrscheinlich im Fruchtweinforum besser aufgehoben.
Viele Grüße, Henning

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Freitag 28. Dezember 2018, 23:27
von Max_L
Hallo Stefan,

letztes Jahr wollte ich den "leerstand" des Gärfasses auch mal mit einem Cidre, allerdings eher bretonisch geprägt, ausprobieren. Und da ich von zusätzlicher Süße im Cidre nichts halte habe ich es mit 100% Apfelsaft und der Gozdiva Cider Hefe ausprobiert.

Nach 6 Monaten war der Trank schön klar aber doch eher (schön hessisch :Bigsmile ) sauer.

Ich würde beim nächsten Mal mit diversen anderen Fruchtsäften experimentieren. 10% Birnensaft zum Beispiel. Das bringt etwas gefühlte Süße rein.
Vllt kann man an der Hefe etwas drehen. Ich vermute das richtige Verhältnis klappt nicht auf anhieb.

Die Bretonen und Normannen stellen den Geschmack ihres Cidres durch die auswahl der Apfelsorten ein. Vllt ist auch das eine Stellschraube für Dich?

Gruß
Max

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Samstag 29. Dezember 2018, 00:36
von mobilat
Hallo,
danke erstmal für Eure Tipps.

Beim nächsten Versuch also Haushaltszucker + weniger Birkenzucker direkt in die Flaschen.10L ist ne Menge, wo man auch gerne mal probieren kann.

@max - hatte auch schonmal nach der Hauptgärung meines Bieres einfach Apfelsaft auf die Hefe geschüttet und es kam auch Apfelwein raus, ohne etwas hinzuzugeben .. aber der Hefegeschmack war doch sehr dominant.

Bin immer am testen, Äppler bekomm ich auch im Supermarkt, der eigene Cider reizt mich halt. ...

Danke.

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Samstag 29. Dezember 2018, 14:25
von Alt-Phex
ich habe sehr gute Erfahrungen mit der Arauner / Kitzinger Weinhefe "Burgund" gemacht. Die lässt etwas mehr Restextrakt übrig, bei mir waren das ~2%. Der letzte "Cider" wurde aus einer Mischung aus Apfel- und Birnensaft gemacht. Den Saft gab es mal bei Lidl in 3L Packungen. Zusätzlich Xylit mit der 0,5er Dosierhilfe auf 0,33L Flasche gesüsst. Das Ergebnis ist richtig lecker geworden. Nicht zu sauer, schöne Restsüße und man schmeckt sowohl Apfel als auch Birne noch heraus. Kurz gesagt: Birne bringts.

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Samstag 29. Dezember 2018, 17:05
von flying
Ich verstehe jetzt nicht warum du die 6 g Traubenzucker pro Liter nochmal für 7 Tage zur Nachgärung in einen anderen Behälter umschlauchst bevor du es in Flaschen füllst? Ich bin verwirrt??

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Samstag 29. Dezember 2018, 17:16
von Seed7
Es gibt doch in Deutschland (Mosel?) diesen suessen jungwein, fast noch most, der im keg gaert wobei der druck so hoch wirdt (7+ bar?) dass die gaerung fruehrzeitig anhaelt. Geht auch mit apfelsaft als basis. Allerdings, faellt der druck durch zapfen geht die gaerung wieder weiter.

Kurze suche Speidel Mostquell fass, und der 'wein' heisst suessmost.

http://www.ogv-neckarhausen.de/media/fi ... V-2016.pdf

Ingo

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Sonntag 30. Dezember 2018, 13:05
von irrwisch
Perfekter Cider mit gekauften Apfelsaft aus dem Discounter?

Dazu sag ich jetzt mal lieber nix.
Gekaufter Apfelsaft ist geschmacklich gar nicht vergleichbar mit frisch gepresstem Apfelmost. Da merkt man erst mal wieviel vom Apfelgeschmack durchs erhitzen des Apfelsafts weg geht.

Ich karbonisiere meinen Cider im NC Keg. Da kann man nach belieben Kohlensäure drauf drücken.
Habe dieses Jahr 5 oder 6 NC Kegs voll Cider aus selbst gekelterten Äpfeln gemacht.

Flaschengärung beim Cider finde ich geht gar nicht. Außer man macht es vllt wie beim Sekt und bekommt den Bodensatz irgendwie wieder los. Dieser Hefe Bodensatzgeschmack steht einem Cider überhaupt nicht (hatte auch mal testweise 2-3 Flaschen in der Flasche nachvergoren)

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Montag 31. Dezember 2018, 10:00
von mobilat
Hallo zusammen,
wenn man weder Kegs, noch eigene Apfelbäume hat, nimmt man eben was man gerade da hat. Finde das jetzt nicht schlimm, es muss ja nicht bei jedem Beitrag oder Frage nach einem Rezept eine Grundsatzdiskussion losgetreten werden.

Danke für eure Tipps, werde es weiter probieren und mit einer Dosierhilfe arbeiten.

@alt-phex - mit Birnensaft versuch ich mal, habe auch noch selbstgemachten Quittensaft, das könnte auch gut klappen.

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 9. Januar 2019, 11:35
von Beerserker
mobilat hat geschrieben:
Montag 31. Dezember 2018, 10:00
Hallo zusammen,
wenn man weder Kegs, noch eigene Apfelbäume hat, nimmt man eben was man gerade da hat. Finde das jetzt nicht schlimm, es muss ja nicht bei jedem Beitrag oder Frage nach einem Rezept eine Grundsatzdiskussion losgetreten werden.

Danke für eure Tipps, werde es weiter probieren und mit einer Dosierhilfe arbeiten.

@alt-phex - mit Birnensaft versuch ich mal, habe auch noch selbstgemachten Quittensaft, das könnte auch gut klappen.
Frag doch vieleicht mal bei einem Obst- und Gartenbauverein in deiner Nähe nach, ob sie dir etwas selbst gekelterten, pasteurisierten Apfelsaft verkaufen. Ich besorge mir im Herbst immer welchen von Bekannten, die selbst keltern und kann bestätigen, dass das Aroma nicht vergleichbar ist mit dem des Saftes aus dem Supermarkt. Das habe ich ebenfalls schon versucht - in dem konkreten Fall mit Supermarktsaft aus Pink Lady. Das Ergebnis war gegenüber dem aus dem Selbstgekelterten enttäuschend aromaschwach. Die Safcider finde ich persönlich super als Hefe und ich süsse mit 400g Xylit auf 10 Liter. Karbonisiert wird mit in der Flasche mit Dosierhilfe vorgelegtem Zucker.

Gruss Andreas

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Freitag 11. Januar 2019, 10:04
von irrwisch
Beerserker hat geschrieben:
Mittwoch 9. Januar 2019, 11:35
Frag doch vieleicht mal bei einem Obst- und Gartenbauverein in deiner Nähe nach, ob sie dir etwas selbst gekelterten, pasteurisierten Apfelsaft verkaufen.
Selbst das pasteurisieren kann man sich sparen wenn man den frisch gekelterten Saft gleich anstellt.
Ggf den Süßmost schwefeln damit der nicht gleich anfängt wild zu gären und durchoxidiert.
Das Pasteurisieren an sich bringt ja auch schon eine Geschmacksänderung mit sich.

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Freitag 11. Januar 2019, 10:15
von Bierbert
Nicht vor der Gärung Schwefeln! Das hemmt die Hefe und verschafft dem Kroppzeug Vorsprung

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Freitag 11. Januar 2019, 10:47
von chaos-black
Bierbert hat geschrieben:
Freitag 11. Januar 2019, 10:15
Nicht vor der Gärung Schwefeln! Das hemmt die Hefe und verschafft dem Kroppzeug Vorsprung
Das muss man differenzieren, man kann da mit verschiedenen Stoffen arbeiten. Es gibt zum Beispiel potassium metabisulfite (auch als Campden erhältlich), das Oxidation und unerwünschte Mikroorganismen mit Ausnahme von Hefen hemmt. Möchte man die Vermehrung von Hefen stoppen, benutzt man potassium sorbate, worauf sich Bierbert hier wahrscheinlich bezieht.
Es ist beispielsweise in den USA Gang und Gäbe bei Met nach der Gärung mit beiden zu arbeiten um den Met nachträglich süßen zu können.

Beste Grüße,
Alex

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Freitag 11. Januar 2019, 15:14
von flying
..und ich süsse mit 400g Xylit auf 10 Liter. Karbonisiert wird mit in der Flasche mit Dosierhilfe
Das macht 40 g Xylit pro Liter. Empfindlichen Personen könnte ein so hoher Anteil des Zuckeralkohols auf den Magen bzw. Darm schlagen..?

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Freitag 11. Januar 2019, 19:49
von irrwisch
chaos-black hat geschrieben:
Freitag 11. Januar 2019, 10:47
Bierbert hat geschrieben:
Freitag 11. Januar 2019, 10:15
Nicht vor der Gärung Schwefeln! Das hemmt die Hefe und verschafft dem Kroppzeug Vorsprung
Das muss man differenzieren, man kann da mit verschiedenen Stoffen arbeiten. Es gibt zum Beispiel potassium metabisulfite (auch als Campden erhältlich), das Oxidation und unerwünschte Mikroorganismen mit Ausnahme von Hefen hemmt. Möchte man die Vermehrung von Hefen stoppen, benutzt man potassium sorbate, worauf sich Bierbert hier wahrscheinlich bezieht.
Es ist beispielsweise in den USA Gang und Gäbe bei Met nach der Gärung mit beiden zu arbeiten um den Met nachträglich süßen zu können.

Beste Grüße,
Alex
Ja, ich benutze ersteres (Kaliumdisulfit). Das ist ja primär auch gegen Mikroben die aus dem Most/Wein Essig machen würde. (Essigstich)
Der Unterschied ob man den frisch gepressten Most nicht schwefelt oder schwefelt ist rein farblich enorm. Ungeschwefelter Most ist binnen einer Stunde braun. Da gehts mir dann primär wirklich um die Antioxidative Wirkung.
Ich stelle dann meistens einen Tag später an, die Reinzuchthefe hat kein Problem anzukommen und in 1-2 Wochen ist der Wein dann meist durch.

Die einzige Gärstockung die ich mal beim Apfelwein hatte war ironischerweise sogar ein Most den ich nicht geschwefelt hatte.

Mit Kaliumsorbat (welches tatsächlich Hefe hemmen soll) hatte ich auch mal experimentiert um einen Cider mit natürlicher Restsüße zu machen, hatte aber nicht so ganz geklappt (vllt wars zu Unterdosiert)

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Freitag 11. Januar 2019, 23:01
von Bierbert
chaos-black hat geschrieben:
Freitag 11. Januar 2019, 10:47
Bierbert hat geschrieben:
Freitag 11. Januar 2019, 10:15
Nicht vor der Gärung Schwefeln! Das hemmt die Hefe und verschafft dem Kroppzeug Vorsprung
Das muss man differenzieren, man kann da mit verschiedenen Stoffen arbeiten. Es gibt zum Beispiel potassium metabisulfite (auch als Campden erhältlich), das Oxidation und unerwünschte Mikroorganismen mit Ausnahme von Hefen hemmt. Möchte man die Vermehrung von Hefen stoppen, benutzt man potassium sorbate, worauf sich Bierbert hier wahrscheinlich bezieht.
Es ist beispielsweise in den USA Gang und Gäbe bei Met nach der Gärung mit beiden zu arbeiten um den Met nachträglich süßen zu können.

Beste Grüße,
Alex
Sorry Alex, ich bin niemand dem es wichtig ist Recht zu haben, aber hier muss ich antworten. Kaliumpyrosulfit oder Campden hemmt auch Hefen. Sorbat ist primär zur Süßung.

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Samstag 12. Januar 2019, 02:37
von chaos-black
Bierbert hat geschrieben:
Freitag 11. Januar 2019, 23:01
Sorry Alex, ich bin niemand dem es wichtig ist Recht zu haben, aber hier muss ich antworten. Kaliumpyrosulfit oder Campden hemmt auch Hefen. Sorbat ist primär zur Süßung.
Hey Bierbert,
ich stimme dir zu, das Sorbat wird tatsächlich primär zur Süßung verwendet. Dies ermöglicht es allerdings dadurch, dass es Hefen daran hindert sich zu vermehren. Sie können dementsprechend nachträglich hinzugegebene Zucker nicht mehr in relevanten Mengen verstoffwechseln. Also ja, Sorbat ist zur Süßung durch Hefehemmung und Zugabe weiterer Zucker (vgl. Compleat Meadmaker S. 69).

Ich hab bezüglich Campden auch nochmal in meinem Metbüchlein (Ken Schramm - The Compleat Meadmaker) nachgelesen. Dort wird der Einsatz von Campden zum Verhindern des Vergammeln eines Mostes genannt, bevor man die Hefe beigibt (vgl. S. 42). Es wird dort auch empfohlen nachdem man Campden verwendet hat erst 24 Stunden mit der Hefe zu warten. Dies könnte darauf hinweisen, dass du in dieser Frage zumindest in Teilen Recht hast. Andererseits wird danach ja auch erst die Hefe für die Gärung dazugegeben. Und dass die Gärung danach noch stattfindet hab ich so nicht nur in diesem Buch (dessen Author renommierter Met Brauer auf kommerzieller Basis ist https://www.schrammsmead.com/ ) sondern auch in unzähligen Onlinequellen bei meiner Recherche zu Met und Cider gefunden und Irrwisch lässt seinen ja auch so gären. Womöglich hat Campden kurzfristig (24 Stunden) die Möglichkeit Hefe zu hemmen?

Beste Grüße,
Alex

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Samstag 12. Januar 2019, 09:42
von irrwisch
Hier gibt es auch noch was zu dem Thema zu lesen
https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... 5&p=286623

Vor allem ab dem Beitrag von Neubierig.
Also Kaliumdisulfit hemmt die Hefe zwar aber verhindert keine Gärung.
Deshalb gibts auch keine Probleme wenn man den Süßmost schwefelt.

Auch der Fruchtweinkeller sagt dass man den Süßmost schwefeln kann aber nicht muss
https://fruchtweinkeller.de/apfelmost/herstellung.htm

Die Antioxidative Wirkung sollte unbestritten sein.
Den Süßmost schwefeln ich mit ca 400mg Kaliumdisulfit auf 10L, was dann etwa zu 200mg freiem SO2 wird.
Mit nur 200mg KPS ist der Most trotzdem durchoxiditert.
Vllt würde auch 300mg reichen, teste ich dieses Jahr nach der Apfeleernte mal.

Ich sperre mich gegen solche allgemeinen Behauptungen, dass man den Süßmost nicht schwefelt.
Die Antioxidative Wirkung ist enorm, und wenn man Reinzuchthefe verwendet hatte ich bisher keine Schwierigkeiten mit der Angärung.

Wenn man den Most wild vergären lässt sollte man aber wohl auf das KPS verzichten. Aber davon halte ich nicht soviel (machen in Hessen viele so und wundern sich dann am Ende wieso auf dem Jungwein eine Kahmhaut schwimmt..)

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Samstag 12. Januar 2019, 18:11
von Bierbert
Ja, Du musst Dich halt nur nicht wundern, wenn er nicht angärt. Den Rest kann ich ungefähr so mitgehen. Sorbat im Most kenne ich so, dass es von den Hefen nicht verstoffwechselt wird und deswegen süß schmeckt ohne eine Nahrung für Hefe zu sein, die den Zucker ja wieder abbauen würde und CO2 produzierte. Aber das Ergebnis ist, dass es am geplanten Ende der Gärung gegeben wird.

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Dienstag 15. Januar 2019, 21:34
von Fronzi
Hallo
Bin relativ neu hier im Forum und bis jetzt hab ich nur „genommen“.
Bei dem Thema kann ich jedoch auch mal was beisteuern😀.

Ich komme aus Österreich und mache seit ca 9 Jahren Äpfel und Birnen Most in den verschiedensten Variationen .
Seit 4 Jahren mach ich auch Äpfel und Birnen Cider (meinen Champagner 😃).
Nach einigen Versuchen kann ich gewiss sagen:
Kein Birkenzucker! (Schmeckt ekelhaft).
Ich verwende Standard Mosthefe aus dem Raiffeisenmarkt.
Ich mache meinen „opflcider“ as 7 verschiedenen Sorten alter mostäpfel, meinen „Birndlcider“ aus 10 alten mostbirnensorten.
Prozedere: Pressen — vollständig vergären — grob filtern — aufzuckern mir pasteurisierter süßmostreserve — fein filtern — sterilfiltern ins sterile druckfass — co2 drauf (ich geh auf 6,5 g/l. Das mögen die Mädels) — mit GDA in 0,5er Bierflaschen — trinken!
Fazit: ohne Schichtenfilter , Druckfässer und vorallem guten Mostobst wird das nix richtig gutes wenn du süßen cider willst.
Glaub mir ich hab’s am Anfang mit wenig Aufwand versucht.
Aber! Mein vorzüglicher glanzklarer cider mit angenehmer süße entschädigt mich für die viele Arbeit die ca 300 Liter zu machen. 😁
Ich hoffe ich konnte ein wenig weiterhelfen.

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 07:02
von metaler143
Bierbert hat geschrieben:
Samstag 12. Januar 2019, 18:11
Ja, Du musst Dich halt nur nicht wundern, wenn er nicht angärt. Den Rest kann ich ungefähr so mitgehen. Sorbat im Most kenne ich so, dass es von den Hefen nicht verstoffwechselt wird und deswegen süß schmeckt ohne eine Nahrung für Hefe zu sein, die den Zucker ja wieder abbauen würde und CO2 produzierte. Aber das Ergebnis ist, dass es am geplanten Ende der Gärung gegeben wird.
Hier liegt glaube ich ein Missverständnis vor. Was du, Bierbert, meinst, ist Sorbit (Sorbitol), ein Zuckeralkohol, welcher süß schmeckt und bspw. oft in zuckerfreien Kaugummis verwendet wird, wovon aber eigentlich die Rede war ist Kaliumsorbat, ein Konservierungsmittel, welches Hefen hemmen soll, um somit eine Nachgärung zu verhindern.

Grüße
Jakob

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 10:18
von irrwisch
@Fronzi: Klingt sehr interessant! Wie filterst du genau bzw was für Gerätschaften verwendest du?
Was ich bisher gelesen habe, sind solche Schichtenfilter ja ziemlich preisintensiv. Oder gibts eine (einigermaßen) günstige Alternative, ohne dass man gleich nen 4 stelligen Betrag investieren muss?

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 11:17
von ubu
Fronzi hat geschrieben:
Dienstag 15. Januar 2019, 21:34
..............
Prozedere: Pressen — vollständig vergären — grob filtern — aufzuckern mir pasteurisierter süßmostreserve — fein filtern — sterilfiltern ins sterile druckfass — co2 drauf (ich geh auf 6,5 g/l. Das mögen die Mädels) — mit GDA in 0,5er Bierflaschen — trinken!
Fazit: ohne Schichtenfilter , Druckfässer und vorallem guten Mostobst wird das nix richtig gutes wenn du süßen cider willst.
Glaub mir ich hab’s am Anfang mit wenig Aufwand versucht.
Aber! Mein vorzüglicher glanzklarer cider mit angenehmer süße entschädigt mich für die viele Arbeit die ca 300 Liter zu machen. 😁
Ich hoffe ich konnte ein wenig weiterhelfen.
Vorab, ich selbst bin noch blutiger Anfänger, es könnte also sein das die Antwort auf meine Frage ganz einfach ist.


Wenn der erste Ansatz vollständig vergärt ist, dann ist kein Zucker mehr vorhanden, aber immer noch Hefezellen.
Die pasteurisierte süßmostreserve bringt dann doch wieder vergärbare Zucker rein die von denn noch vorhandenen Hefezellen verarbeitet werden.

Oder werden die Hefezellen alle durch fein filtern — sterilfiltern entfernt?

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 17:42
von metaler143
Das Thema Sterilfiltern ist im Fruchtweinkeller recht ausführlich beschrieben. Der Filter soll alle Hefezellen entfernen und somit eine Nachgärung trotz vergärbarer Zucker zuverlässig verhindern. Nach eigener Erfahrungen kann ich sagen, dass das sehr gut klappt, jedoch ist meine Aussage mit Vorsicht zu genießen, da meine Stichprobe sehr klein (n<5) ist.

@irrwisch: Einen günstigen Filter, wie er auch im Fruchtweinkeller verwendet wird, findest du z. B. hier.

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 20:40
von irrwisch
Hab mich auch nochmal mit dem Thema beschäftigt und im Fruchtweinkeller viel gelesen.
Dort scheinen als Schichtfilter der Rover Colombo und der Rover Pulcino 10-OIL (eigentlich für Olivenöl gemacht) sehr beliebt.
Den Pulcino kriegt man schon für knapp 150 EUR.

Auf jeden Fall ein sehr interessantes Thema! Ich überlege echt gerade SEHR stark mir einen Schichtenfilter für die nächste Apfelsaison anzuschaffen! Ich hab zwar selber keine Apfelbäume, helfe aber Freunden die einige Bäume haben jedes Jahr beim keltern und werde in Naturalien "bezahlt". Dieses Jahr sind dabei 5 NC Kegs Apfelwein/Cider rausgekommen (knapp 100l) und einiges an Süßem zum direkten trinken.
Der selbstgemachte Cider schmeckt zwar schon sehr gut, aber mit natürlicher Restsüße aus dem Süßmost wär das noch die Krönung!
Meine Experimente mit Kaliumsorbat waren eher.. naja nicht so toll.

Eine Frage an dich, Fronzi: Im Fruchtweinkeller hab ich gelesen, dass nach der Grobfiltration die Süßung gemacht wird und danach die Sterilfiltration.
Wenn ich den Post richtig verstanden habe machst du es andersrum oder? Erst Sterilfiltern und dann (pasteurisierte) Süßmostreserve. Filter du dann nochmal?
Hat das einen Grund wieso du das so machst?
Wenn ich vor der Sterilfiltration den Wein mit Süßmost aufsüße und danach Sterilfiltere, könnte man sich dann nicht das pasteurisieren sparen?

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 20:43
von Fronzi
Schichtenfilteranlagen sind schon sehr günstig zu haben.
Ich hab einen 20x20 Filter mit guter edelstahlpumpe um ca 700 €, arbeite aber immer noch am liebsten mit meiner kleinen Pulcino 10 (wichtig nicht die Messing sondern novax Variante wählen wegen fruchtsäure).
Das Ding kostet unter 150€, man kann bis zu 10 stk 20x10er Filter einlegen und schafft pro eingelegten Filter ca 10 Liter.
Spartip: 40x40 Filter kaufen und selber schneiden spart Mengen an Euros 😁.
Ich filtere je nach trübegrad grob (80 micron), fein (12 micron) und steril (0,20 micron).
Wenn der Most schon sehr klar ist (meist) lass ich die 80er weg.
Das wichtigste ist alle Gerätschaften die beim Oder nach dem sterilfiltern mit dem Getränk in Berührung kommen penibel mit schwefellösung zu sterilisieren.(Pumpe, Schläuche, Fässer, GDA, Flaschen, einweghandschuhe tragen!)
Ich hatte noch nie eine nachgärung und ich habe schon ca. 2000l an diversen“Säften“ mit restzucker gemacht.
Achja nach dem sterilfiltern darf natürlich nichts mehr in den cider (direkt in die sterilen druckfässer filtern).

Gruß
Fronzi

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 20:45
von Fronzi
Mist zu spät...😂
Ach und Man nimmt kaliumpyrosulfit für Most nicht sorbat.
Süssmostreserve wird nur pasteurisiert weil ich sie ja erst ca 4 Wochen nach dem pressen brauche und sie sonst auch gären würde😁

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 20:48
von irrwisch
Danke für die Info!
Die Pulcino würde mir für die knapp 100l die ich im Jahr mach mache wahrscheinlich reichen!

Kannst du nochmal auf meine Fragen wegen der Süßung vor oder nach der Sterilfiltration was sagen? Das ist mir momentan noch ein wenig unklar. Danke! :Smile

edit: Ja klar, für den Most/Jungwein nehm ich Kaliumpyrosulfit.
Aber das ist ja (wie bereits hier im Thread vorher diskutiert) primär gegen Baktieren die Essigsäure machen.
Das Kaliumsorbat soll angeblich die Hefe hemen. Da hatte ich ein Experiment bei dem ich den Jungwein bevor er Endvergoren war gecoldcrashed habe, abgezogen habe und dann mit Kaliumsorbat versetzt habe um die Restsüße zu erhalten, hat aber die weitere Vergärung nicht gestoppt.
Im US Heimbrauer Forum hatte da wohl manche schon erfolg damit, bei mir hats aber nicht geklappt.
Ist auch murks, das mit dem Filter gefällt mir besser :thumbsup

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 20:50
von Fronzi
Alles vorher!
Nach dem sterilfiltern kommt nichts mehr rein!

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 20:54
von irrwisch
Danke!
Wie pasteurisiert du den Süßen? Welche Temperatur und wie lange?

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 20:59
von Fronzi
Aufgeschnittenes (Achtung!😂) 100l bierfass auf hockerkocher.
Aufheizen auf ca.76 grad 10 min warten und dann fülle ich in 10l bang in Box ab (machen auch ca 300l Apfelsaft für die kids so).
Nicht über 78 Grad!
Ab 80 gibts den typischen kochgeschmack mit Garantie!

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 21:09
von irrwisch
Danke :thumbsup

Noch ne Frage. Du schreibst, dass man pro eingelegtem Filte 10l schafft. Was genau meinst du damit? Sind danach die Filter dicht und man muss nen neuen reinpacken?

Und noch was: Nach der Grob/Feinfiltration: Säuberst und desinizifierst du die Filter dann vor der Sterilfiltration oder nimmst du direkt neue?

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 21:22
von Fronzi
Ja, pro filterschicht schaffst du ca. 10 Liter.
Wenn du also 50 l filtern willst gibst du 5 filterplatten hinein.
Nach dem filtern wirfst du die Dinger natürlich weg (sind ja pappfilter).
Vor dem sterilfiltern wird die Pumpe mit schwefellösung im Kreis gespült und dann 15 min warten.
10 Liter Wasser durch und es kann losgehen.
Du musst generell jede neu eingelegte filterschicht vorher mit Wasser Spühlen um den pappgeschmack rauszubekommen.

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 21:25
von irrwisch
Oki Danke.
Das heißt, da gehen dann schon ein paar Filter am Ende der Saison durch.
Sollte man sich also gleich nen ordentlichen Vorrat mitbestellen :Bigsmile

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 21:34
von Fronzi
Ja aber nicht schrecken...
Hab letztes Jahr mal wieder sterilfilter (die teuersten von den 3) gekauft.
25 stk 40x40 74€😳.
Aber! Das sind sterilfilter für ca 2000l.
Also 0,037€ pro Liter.
Klingt also nicht so tragisch. 😁

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2019, 21:49
von irrwisch
Ah ok
Das heißt die Sterilfilter halten länger wie die normalen (10l?)
Oder hab ich was nicht kapiert?

Badest du die Filter dann am Ende in schwefellösung zum desinfizieren?

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Donnerstag 17. Januar 2019, 05:36
von KCSteevo
Wie er oben. Schrieb schneidet er die 40x40 klein und bekommt 8 aus einer Platte. 8x 25 sindv200 und 10 Liter pro macht 2000.
Einmal benutzt und nix wieder ve4wenden..

Klingt aber echt interessant.. muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen.

Wie Viel hättest du bisher auf einmal im Einsatz? 5 scheinen ja problemlos zu klappen. Gehen dann auch 10 für 100 Liter oder ist da dann irgendwann das Gewinde zu m spannen fertig?

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Donnerstag 17. Januar 2019, 07:58
von irrwisch
@KCSteevo: Danke, jetzt hab ichs auch kapiert. Da hatte ich wohl ein Brett vorm Kopf :Smile

Fronzi, wo kaufst du deine Filterkartons?
Bei AgriEuro, die auch die Rover Schichtenfilter verkaufen, scheint es z.B. keine 40x40 Filter in 0,2 Micron zu geben. Nur 20x20.

Re: Cider Rezept verfeinern

Verfasst: Donnerstag 17. Januar 2019, 21:02
von Fronzi
Bei uns in Österreich im „Lagerhaus“ (Raiffeisenmarkt).
Preziso tiefenfilterschichten.