Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

Alles, was mit dem Thema Historische Biere, Grut- bzw. Kräuterbiere, Gewürzbiere, aber auch mit Sake Brauen oder Brauen mit ungewöhnlichen Fermentationsarten zu tun hat
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flying
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Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

#1

Beitrag von flying » Dienstag 12. Februar 2019, 17:49

Hi Leute,

der Frühling naht und ein Steinbier reizt mich schon lange. Ich habe allerdings nicht vor ein historisch korrektes Steinbier z. B. nach Kärtner-Art usw. zu brauen. Ich verspreche mir vom Einsatz der heißen Steine ein gewisses karamelliges und mineralisches Aroma? Deshalb soll die Würze auch nicht nur mittels heißer Steine gekocht werden, sondern ganz normal. Die Steine sind nur zum "stacheln" gedacht.
Verwenden möchte ich eine regional gut verfügbare Steinsorte:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hallescher_Porphyrkomplex

Ich sammle erst mal nur Ideen und hoffe ihr habt welche. Inbesondere wie viele Steine (kg) auf ca. 30 L Würze und wie lange soll man sie drin lassen? Mit den Steinen vergären möchte ich nicht...

m.f.g
René
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Re: Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

#2

Beitrag von Plöpp » Dienstag 12. Februar 2019, 18:20

"Hopfen ist als Hecke nicht gut geeignet."
"betrunken im Festzelt von der Bierbank fallen.....ist zwar Hingabe zum Bier aber keine Qualifikation."

Gruß vom Niederrhein! :Drink

Christian

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Re: Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

#3

Beitrag von Bilbobreu » Dienstag 12. Februar 2019, 20:43

Moin René,
mit dem Steinbiergedanken spiele ich auch schon eine Weile rum, bin aber noch nicht zur Vollendung gekommen. Aber angefangen hatten wir beim Mecklenburger Hobbybrauertreffen letztes Jahr schon. Ich hatte mich für die historisch erwähnte Grauwacke entschieden, um sicher zu gehen, dass die Steine nicht splittern. Kurz nachdem wir die Grauwackewürfel ins Feuer geworfen haben, sind heiße messerschafe Grauwackesplitter in Kniehöhe meterweit durch die Gegend geflogen :Shocked . Es war blanker Zufall, dass niemand verletzt wurde. Wir haben uns dann im Schutz einer Palette an die Feuerschale rangerobbt und die Steine aus dem Feuer geangelt, um den Spuk zu beenden.
Daher wäre mein Ratschlag: Egal welcher Stein und was irgendjemand darüber gesagt oder geschrieben hat, erstmal unter geschützten Bedingungen testen, ob der die Temperaturen und vor allem die Temperaturschwankungen überhaupt vertragen kann.
Zu den Mengen an Steinen, kann ich mangels Erfahrung leider noch nichts sagen.
Gutes Gelingen
Stefan

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Re: Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

#4

Beitrag von flying » Dienstag 12. Februar 2019, 21:23

Der Wikipedia-Artikel über Steinbier redet nicht von Grauwacke, sondern einer speziellen Granitart (Mikrodiorit). Porphyr gehört zu den granitartigen Gestein, hat aber im Gegensatz zu Mikrodiorit größere Einsprengsel. Grauwacke dagegen ist nichtvulkanischen Ursprungs. Es ist ein Sedimentgestein.

https://de.wikipedia.org/wiki/Steinbier
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Re: Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

#5

Beitrag von Gimplbrauer » Dienstag 12. Februar 2019, 22:15

Vor 2 Jahren habe ich mal ca. 30L untergäriges Dunkel "gestachelt".
4 Stck je 10x10 x10 cm große Granitsteine wurden jeweils mit Edelstahldraht wie ein Paket verschnürt und nebeneinander an einer Eisenstange aufgehängt so das sie nach unten baumelten. Das Gesamtgewicht der Steine hat knappe 4 kg betragen (geschätzt).
Danach ist dieses 4er-Pack mit einem großen Gasbrenner glühend erhitzt und in die kochende Würze versenkt worden. Das Ganze wurde 3 mal wiederholt. Der Edelstahldraht hat zu meinem Erstaunen standgehalten und die Steine waren danach dunkelbraun gefärbt.
Einige kleine Steinsplitter verblieben in der Würze.
Geschmacklich hat sich wenig getan. Man musste es schon wissen dass mit glühenden Steinen gearbeitet worden ist, sonst hätte man es nicht herausgeschmeckt.
Ich werde den Versuch nicht mehr wiederholen weil mir einfach der Aufwand zu groß war und vor allem weil mir der Umgang mit den glühenden Steinen zu riskant erscheint.
Zuletzt geändert von Gimplbrauer am Mittwoch 13. Februar 2019, 09:06, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

#6

Beitrag von Bilbobreu » Mittwoch 13. Februar 2019, 00:27

flying hat geschrieben:
Dienstag 12. Februar 2019, 21:23
Der Wikipedia-Artikel über Steinbier redet nicht von Grauwacke, sondern einer speziellen Granitart (Mikrodiorit). Porphyr gehört zu den granitartigen Gestein, hat aber im Gegensatz zu Mikrodiorit größere Einsprengsel. Grauwacke dagegen ist nichtvulkanischen Ursprungs. Es ist ein Sedimentgestein.

https://de.wikipedia.org/wiki/Steinbier
Ja schon, aber der im Braumagazin zitierte Museumstext spricht von Grauwacke. Jetzt bin ich natürlich auch schlauer und glaub nicht mehr alles, was auf Museumsschautafeln steht :redhead . Ich hab mich dann hinterher mal ein bisschen mit Saunasteinen beschäftigt, die ja zumindest ähnlichen Anforderungen ausgesetzt sind. Da ist Granit aber offenbar auch nicht gleich Granit. Ich bin da auf jeden Fall in Zukunft sehr vorsichtig.
Helm auf zum Brauen!
Gruß
Stefan

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Re: Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

#7

Beitrag von tauroplu » Mittwoch 13. Februar 2019, 08:02

Hallo, es ist geschmacklich natürlich schon ein Unterschied, ob man die Steine einfach mit einem Gasbrenner erhitzt, oder die Steine in einem Korb in ein schönes Holzfeuer stellt, so wie hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Steinbier ... eikeim.jpg
Beste Grüße
Michael

„Lass die anderen mit Fichten- und Tannensprossen würzen, der Hopfen ist das Beste, was die Natur uns bietet.“
Aus "Das Erbe des Bierzauberers" von Günther Thömmes, Gmeiner Verlag

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Re: Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

#8

Beitrag von Erftbrauer » Mittwoch 13. Februar 2019, 08:42

Hallo zusammen!

Zum Thema Steinbier kenne ich die folgenden Berichte auf Youtube.

Im ersten braut der Andreas Seufert von Pax-Bräu ein Steinbier mit Basaltsteinen.

https://www.youtube.com/watch?v=fKiL4Ijkpn4

Im zweiten ist Conrad Seidl mit "Bier on Tour" bei der Landbrauerei Hofstetten und schaut zu wie ein Granit-Bock gebraut wird.

https://www.youtube.com/watch?v=rLG1FwrcZF8

Vielleicht hilft das weiter.

LG
Robert

Edith: Habe noch einen kleinen Beitrag über die Landbrauerei Hofstetten gefunden.

https://www.youtube.com/watch?v=ZceGyDRjQ70
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(Heiko Schotte, Tatortreiniger) :Grübel

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Re: Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

#9

Beitrag von flying » Donnerstag 14. Februar 2019, 17:56

Hi Leute,

vielen Dank für die Infos, vor allem Gimpelbrauer und Bilbobräu mit ihren eigenen Versuchen. Das bringt mich weiter!

Fazit:

- Porphyr wird auch als Saunastein empfohlen und ist somit wohl geeignet. Ideal wohl Diorit und Mikrodiorit.
- Einfach nur stacheln und wieder raus bringt wohl geschmacklich nicht viel.
- Steine im Holzfeuer erhitzen ist besser als Gasbrenner, wegen der Raucharomen.
- Splitterschutz beim Erhitzen und beim Stacheln ist logo.

Dann werde ich die abgekühlten Steine wohl doch mit in den Gärpott packen? Gut das das 60-iger Speidelfass einen recht hohen Auslauf hat.
Der Brautag wird selbstverständlich ein Outdoorbraugang mit Lagerfeuer. 2 meiner Brauknechte sind ausgebildete Industrieschlosser, erfahren im Umgang mit Azethylenbrenner und Pyrolyseöfen.

Mir schwebt ein Art "Hallescher Porphyr- Stein-Alt" vor... :Smile

Für das kommende MDHT heißt es klotzen nicht kleckern... :Pulpfiction

m.f.g
René

P.S.

ich habe noch ca. ein, zwei Zentner Porphyr- Bruchsteine seit ein paar Jahren auf dem Grundstück rumliegen. Solche habe ich mir mal an die Kellerwand gekloppt.

Bild

Ich hoffe die sind noch gut...? wenn man bedenkt, dass sie erst ca. 300 Millionen Jahre alt sind :Grübel
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Re: Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

#10

Beitrag von LupusLupulus » Donnerstag 14. Februar 2019, 18:41

Hi René,

in dieser Folge von Basic Brewing Video ist James zu Gast bei ein paar Brauern, die Steinbier brauen. Da gibt es auch ein paar Tips zum Handling der Steine.

Eine Audio-Folge mit dem Gastgeber gibt es auch (11. November 2010).
www.kesselbrauer.de - der Stuttgarter Hobbybrauerverein

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Re: Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

#11

Beitrag von Malzwein » Freitag 15. Februar 2019, 19:00

flying hat geschrieben:
Donnerstag 14. Februar 2019, 17:56
Ich hoffe die sind noch gut...? wenn man bedenkt, dass sie erst ca. 300 Millionen Jahre alt sind :Grübel
Ist ein MHD aufgedruckt? Wenn das abgelaufen ist, würde ich die entsorgen. Mache ich ja mit Salz auch.

Mir fällt noch etwas ganz anderes ein:

Wir waren mal in einer Sauna, wo zur Dampferzeugung automatisch immer wieder erhitzte Steine in einen Bottich getaucht wurden. Das gibt ganz neue Perspektiven für ein Brauereikonzept.
:Bigsmile

PS: Kennt jemand einen Wellnestempel, wo es so etwas gibt? Habe leider vergessen, wo das war.
Gruß Matthias

Jep, Bier wird´s immer... meist auch trinkbar und manchmal ist es richtig gut! :P

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Re: Gestacheltes Steinbier- Wer hat Infos?

#12

Beitrag von flying » Freitag 15. Februar 2019, 20:49

Ist ein MHD aufgedruckt? Wenn das abgelaufen ist, würde ich die entsorgen. Mache ich ja mit Salz auch.
Das ist ein gutes Argument, wenn auch von von einer anderen Richtung.. :Grübel Ein paar der Bruchsteine sind mittlerweile bemoost. Ich gehe davon aus, dass der allgegenwertige Dreck in der Atmosphäre mittels Regen sich in den Steinen manifestiert hat und für einen Nährstoffboden für Organismen gesorgt hat. Durch das Erhitzen auf ca. 500° werden natürlich alle organischen Bestandteile pyrolytisch zu Asche zersetzt..Ansonsten ist das MDH bis "End of All", je nach dem ob das Universum in einem Big Crunch, Big Rip oder Big Chill endet oder was die Erosion davon übrig lässt... :Greets

Ansonsten ist der hiesige Porphyr ja noch ein Stein- Jungspund, denn er stammt aus dem Karbon vor rund 300 Mio Jahren. Da wurde Europa durch einen Supervulkan und Faltungen ordentlich durchgenudelt. Granit ist da eher der Großvater aus dem Präkambrium vor 4,5 Milliarden Jahren...MDH läuft auch nicht ab :Angel
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