Weisse Flocken im Kaufbier

Hier kommt alles rein, was woanders keinen Platz hat.
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uli74
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Weisse Flocken im Kaufbier

#1

Beitrag von uli74 » Mittwoch 17. August 2016, 15:21

Hallo Gemeinde,

woran liegt es, wenn das Bier einer kleinen gewerblichen Brauerei nach 6 - 8 Wochen anfängt auszuflocken? Das Bier ist filtriert und "ab Werk" völlig unauffällig, geschmacklich (auch nachdem es anfängt auszuflocken, soweit ich das beurteilen kann) absolut ok. Keine Infektion oder sonstige komischen Geschmäcker.

Woraus bestehen die weissen Flocken und wie kommt dieses Phänomen zustande?

Ach ja, das Bier um das es geht ist ein Export.
Gruss

Uli

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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#2

Beitrag von Fe2O3 » Mittwoch 17. August 2016, 15:32

Vielleicht Kältetrübung?
Oder geschieht das schon bei Kellertemperaturen?

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tauroplu
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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#3

Beitrag von tauroplu » Mittwoch 17. August 2016, 15:48

Flocken sprechen jetzt nicht für Kältetrübung (Chill-haze), der ist deutlich feinstpartikelig. Ich würd auf Eiweiß tippen.
Beste Grüße
Michael

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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#4

Beitrag von §11 » Mittwoch 17. August 2016, 16:02

tauroplu hat geschrieben:Flocken sprechen jetzt nicht für Kältetrübung (Chill-haze), der ist deutlich feinstpartikelig. Ich würd auf Eiweiß tippen.
Ich auch. Was fuer ein Bier? Sind es so richtige flaechige Schuppen, die eher harte Umrisse und Kanten haben? Also nicht so wie Hefe.
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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#5

Beitrag von uli74 » Mittwoch 17. August 2016, 16:44

Die Flocken entstehen entstehen bei ganz normalen Lagertemperaturen im Keller, und wenn mans provozieren will innerhalb kurzer Zeit (6 Wochen) bei Lagerung mit Zimmertemperatur.

Kalttrub ist es mit Sicherheit nicht. Ausserdem: Kalttrub bei filtrierten Bieren?

Das Bier ist als "Spezial" deklariert, ich würde sagen es ist ein ganz normales Export.

Die Flocken sind flächig/schlierig, Hefe ist absolut auszuschliessen. Dieselbe Brauerei braut auch einen verdammt starken Bock (eigentlich einen Doppelbock mit 19° P. Bei dem tritt dasselbe Phänomen auf.

Wir haben ne Art Stammtisch, wo man sich abends öfters mal zum Feierabendbier trifft und sich dann halt auch übers Bier unterhält. In dieser Runde haben wir schon öfters über die ominösen Flocken gesprochen (das Bier das wir trinken stammt übrigens nicht von der o. g. Brauerei, die ist hier in der Gegend halt für das flockige Bier bekannt und deshalb immer mal wieder Gesprächsthema). Dann werde üblicherweise ich als Hobbybrauer gefragt was der Grund für die Flocken sein könnte, als Hobbybrauer ist man für Nicht-Hobbybrauer ja sowieso allwissend wenns um Bier geht, auch wenn man nichts weiss.
Gruss

Uli

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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#6

Beitrag von §11 » Mittwoch 17. August 2016, 16:55

Das klingt doch exakt wie Eiweiss. Je waermer die Lagerung desto schneller tritt es auf. Weisst du wie alt das Bier ist/ war? Koennte sich das Betriebslabor unter umstaenden dafuer interessieren, wenn es deutlich vor erreichen des MHDs auftritt.

Spricht zumindest dafuer das sie das Bier nicht stabilisieren.

Jan
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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#7

Beitrag von tauroplu » Mittwoch 17. August 2016, 17:42

Mmm..."Spezial" könnte vielleicht darauf hindeuten, dass es nicht so scharf filtriert ist wie üblich. Beim Uerige und bei Schumacher wird diese Art der Filtration auch so durchgeführt.
Beste Grüße
Michael

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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#8

Beitrag von uli74 » Mittwoch 17. August 2016, 20:14

§11 hat geschrieben:Das klingt doch exakt wie Eiweiss. Je waermer die Lagerung desto schneller tritt es auf. Weisst du wie alt das Bier ist/ war? Koennte sich das Betriebslabor unter umstaenden dafuer interessieren, wenn es deutlich vor erreichen des MHDs auftritt.

Spricht zumindest dafuer das sie das Bier nicht stabilisieren.

Ich glaub nicht dass es dort sowas wie ein Betriebslabor gibt, die Brauerei ist uralt und eher ein Museum. Trotzdem der Laden so urig alt ist verwenden sie dort Hopfenextrakt.

@Micha: Unter "Spezial" wird hier in der Gegend Bier verkauft das man woanders als Export oder Lager bekommt. Dass nicht ganz so penibel filtriert wird kann schon sein, aber wenn dann machen die das nicht absichtlich sondern weil die Technik es nicht hergibt.

Edit: Das Bier wird als "Spezial Hell" verkauft, ist also kein Export sondern ein Helles.
Gruss

Uli

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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#9

Beitrag von maxifranke » Freitag 19. August 2016, 11:47

Es handelt sich genau genommen nicht um Eiweiss, sondern um Eiweiß-Gerbstoff-Komplexe.
Die agglomerieren im Verlauf der Bieralterung und verursachen Bodensätze und Trübungen.
Besonders trübungsaktiv sind prolinhaltige, mittelmolekulare Einweisskörper und kondensierte Polyphenole.
Durch die Filtration werden sie nicht erfasst, da sie zum Zeitpunkt der Filtration noch feindispers vorliegen
und somit nicht abgeschieden werden können. Um diesen Effekt zu verhindern werden Stabilisierungsmittel
eingesetzt, die entweder die Eiweisskomponente (Kieselgel) oder die Gerbstoffkomponente (PVPP) adsorbieren.

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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#10

Beitrag von uli74 » Freitag 19. August 2016, 13:44

Ok, aber nach 6 oder 8 Wochen sollte das Bier noch nicht so stark altern können?
Gruss

Uli

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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#11

Beitrag von maxifranke » Freitag 19. August 2016, 14:13

Doch schon. Wenn die Brauerei z.B. gar nicht stabilisiert,
kann es sogar schon nach 2-3 Wochen zu Ausfällungen kommen.

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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#12

Beitrag von Enfield » Freitag 19. August 2016, 15:35

Würde das dann nicht auch Hobbybrauerbier regelmäßig betreffen?

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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#13

Beitrag von maxifranke » Freitag 19. August 2016, 15:55

Natürlich. Aber da fällt es i.d.R. nicht auf, da Hobbybrauerbier ja normalerweise unfiltriert ist
und sowieso Bodensatz hat.

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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#14

Beitrag von uli74 » Freitag 19. August 2016, 17:06

Ich muss dann doch nochmal was zu den Flocken im o. g. Bier sagen: Das Zeug sieht aus wie Eiweissbruch zu Beginn des Hopfenkochens und löst sich vom Flaschenboden wenn man die Flaschen leicht bewegt. Wenn sowas auch bei meinen Bieren der Fall wäre könnt ich das ja noch verstehen, aber nicht bei einem filtrierten Bier aus einer gewerblichen Brauerei.

Ich füll mit der Beergun ab und hab noch nicht mal nach einem oder zwei Jahren irgendwelche Flocken in meinem Bier beobachten können, und ich bin mir relativ sicher dass das bei den allermeisten Hobbybrauern die keine Flaschengärung machen ähnlich sein wird. In meinen Flaschen befindet sich ein ganz dünner Hauch von Hefe am Flaschenboden, der sich aber nicht bei der kleinsten Bewegung löst und in der Flasche herumschwimmt. Wenn ich vorsichtig einschenke würde ich mein Bier als glanzfein bezeichnen, davon ist das o. g. Kaufbier nach einigen Wochen aber meilenweit entfernt.

Die fehlende Stabilisierung mag einer der Gründe für das starke Ausflocken sein, aber sie ist ganz sicher nicht der Hauptgrund. Ausflockung in dem Ausmass hab ich bisher nur bei extrem alten Kaufbieren gesehen die man über Jahre im Keller vergessen hat und die irgendwann beim Entrümpeln irgendwann wieder zum Vorschein gekommen sind.
Gruss

Uli

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Re: Weisse Flocken im Kaufbier

#15

Beitrag von Nico P. » Dienstag 25. Dezember 2018, 18:59

Ich habe ein Hagebutten-Bier als IPA gebraut. Abgefüllt habe ich es am 9. Dezember. Jetzt nach zwei Wochen bildet sich ganz deutlicher Trub, wie auf den Fotos zu sehen ist.

Das Einschänken ins Glas funktioniert ganz gut. Erst beim letzten Drittel des Bieres wird es flockig.

Die Hefe ist es aber jedenfalls nicht. Die sieht man noch deutlich am Flaschenboden.

Auch geruchlich oder geschmacklich scheint es nichts zu verändern. Aber eklig sind die Flocken schon…

Das ist mein 36. Sud - dieses Phänomen hatte ich aber bisher noch nie.
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