Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

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Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#1

Beitrag von chaos-black » Montag 23. Oktober 2017, 11:15

Hallo liebe Leute,
ich habe mich gestern mal mit meiner Mitbewohnerin, die aus Bayern kommt, über bayrische Bierkultur unterhalten. Dabei sind wir auf Fragen gestoßen, die wir uns so nicht beantworten konnten. Zum einen ist es das Ausmaß an Bierverbundenheit, das mindestens für Außenstehende konstitutiv für bayrische Identität zu sein scheint und die starke Fokussierung bayrischer Kultur auf Bier. Insbesondere, wenn man mal einbezieht, dass Bier in Bayern ja quasi erst seit gestern relevanter geworden ist, da die letzte kleine Eiszeit vor ~500 Jahren (genaues Jahr jetzt nicht recherchiert) einen Strich durch den Weinanbau gemacht hat und angeblich Braumeister scharenweise aus der erfolgreichen Bier- und Hansestadt Einbeck nach Bayern geholt wurden (letzteres behauptet zumindest das Einbecker Brauhaus).
Da frage ich mich, wie in so vergleichsweise kurzer Zeit dieses Getränk eine so hohe identitäre und kulturelle Relevanz erlangen konnte. Es gibt ja haufenweise Rituale um den Gerstensaft, die oft auch regionalspezifisch sind. Hatte Bayern vielleicht vor der kleinen Eiszeit, als der Weinanbau dort erfolgreicher war als das Bier, eine ähnliche Weinkultur, auf der die Bierkultur und -Rituale aufbauen konnten?

Bin gespannt auf die Diskussion und neuen Erkenntnisse :)

Beste Grüße,
Alex
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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#2

Beitrag von Boludo » Montag 23. Oktober 2017, 11:23

Also ich finde 500 Jahre sind eine sehr lange Zeit.

Stefan

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#3

Beitrag von muldengold » Montag 23. Oktober 2017, 11:24

Geschätztes Forumsmitglied gulp bringt es m.E. gut auf den Punkt: "Ein Bayer ohne Bier ist ein gefährlich Thier!" :Greets
Ich finde die Bierkultur in Bayern, insbesondere in Franken, wirklich klasse! Die Biergärten locken mit moderaten Preisen und meist kann man auch sein Essen mitbringen. Da kann man schon mal mit der ganzen Familie hingehen ohne arm zu werden. Warum es solche Biergärten nicht auch außerhalb Bayerns gibt, z.B. bei mir in Sachsen - keine Ahnung. Hier in Dresden wäre der Biergarten sicher ab 3 Uhr voll mit Studenten und jungen Familien. Ich finde das eine totale Marktlücke.

Sandro

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#4

Beitrag von chaos-black » Montag 23. Oktober 2017, 11:33

Ja, 500 Jahre sind für dich und mich als Individuen eine lange Zeit. Aber man muss nur innerhalb Deutschlands nördlich der Weinbaugebieten schauen um Orte zu finden, an denen Bier wahrscheinlich schon erheblich länger das vorherrschende alkoholische Getränk ist. Warum aber ist das größte Bierfest der Welt ein bayrisches (um jetzt das prominenteste Beispiel zu nehmen)? Warum ist das Bier gerade in Bayern so wichtig? Was ist das spezifische an Bayern oder seiner Geschichte, das zu einer solchen Bierkultur geführt hat, wie man sie anderswo nicht findet.
Ich bin jetzt nicht unbedingt der größte Fan bayrischer Bierkultur, aber das Warum interessiert mich schon sehr.
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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#5

Beitrag von Doemensianer » Montag 23. Oktober 2017, 12:04

also nach meinem Wissenstand, wurde das Einbecker-Bier erst zum Export-Schlager für die Hansestadt, nach dem sie einen Böhmischen Braumeister verpflichtet hatten.
der Weinanbau ist erst richtig eingebrochen, nachdem ende des 19. Jahrh. die Reblaus eingeschleppt wurde.

Vielleicht hat der Bierkultur geholfen, dass Bayern erzkatholisch blieb ??
Aber ob die Bajuwaren im 7. Jahrhundert schon zum Christentum bekehrt waren ?
612 hat der heilige St. Gallus seine Einsiedelei bezogen, 719 wurde das Kloster gegründet und ab 762 gab es sicher eine Brauerei.
Das war aber allemannisches Siedlungsgebiet !
In der Stiftsbibliothek des Klosters St.Gallen liegt der Klosterplan von 825 auf, der als Vorlage für alle Benediktinerkloster galt.
825 gilt die St.Galler Klosterbrauerei als grösste Brauerei auf europäischem Boden.

Grüessli Roli
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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#6

Beitrag von muldengold » Montag 23. Oktober 2017, 12:19

Doemensianer hat geschrieben:
Montag 23. Oktober 2017, 12:04
Vielleicht hat der Bierkultur geholfen, dass Bayern erzkatholisch blieb ??
Das ist m.E. ein guter Punkt. Neben verschiedenen positiven Aspekten der Reformation ist der mit dem Verschwinden der Klöster verbundene Niedergang der klösterlichen Brauereien natürlich zu beklagen! Der Protestantismus neigt auch eher zu Abstinenz weshalb ein kirchlich-klösterlich gefördertes Brauwesen (die Einnahmen für die Klöster waren und sind nicht zu verachten) in den reformierten Gebieten Deutschlands natürlich keinen Bestand hatte.

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#7

Beitrag von Bierokrat » Montag 23. Oktober 2017, 12:26

muldengold hat geschrieben:
Montag 23. Oktober 2017, 12:19
Der Protestantismus neigt auch eher zu Abstinenz weshalb ein kirchlich-klösterlich gefördertes Brauwesen (die Einnahmen für die Klöster waren und sind nicht zu verachten) in den reformierten Gebieten Deutschlands natürlich keinen Bestand hatte.
Sicher?
Luthers Frau soll ne sehr gute Brauerin gewesen sein. :thumbsup
Prost!

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#8

Beitrag von Fe2O3 » Montag 23. Oktober 2017, 12:57

Ich finde es eine wirklich interessante Frage: "Warum aber ist das größte Bierfest der Welt ein bayrisches?"
Wenn man bedenkt, dass das Oktoberfest mit sicherheit eher zu den "Newcomern" unter den Volksfesten gehört... gut 210 Jahre sind nicht all zu viel, und wenn ich mich richtig erinnere, wurde das Fest auch nicht dauerhaft im großen Stil gefeiert. Zudem ist es TRADITIONELL primär eine große Hochzeitsfeier fürs Volk, und sekundär eine große Landwirtschaftsmesse. Aber diese beiden Punkte wissen sicher die wenigsten, die sich in Discounter-Lederhose und Polyester-Dirndl verkleiden und sich das Bier in den Hals schütten.

Ich bin nun mal ganz ketzerisch (und lenke diesen Diskussionsstrang in Richtung "RHG-Diskussion" :P ) und stelle folgende These auf:
Die Bayern sagten Ende des 19. Jahrhunderts "MIMIMIMIII wir sind ein armer Agrarstaat - wir haben Landwirtschaft und Bier, und das wars auch.... Und jetzt kommen die bösen Preußen (= auch Deutscher Bund, was auch immer...), wollen ein gemeinsames Kaiserreich aufmachen, Zollbarrieren und Einführbeschränktungen abschaffen, dann ist unsere 'Bierindustrie' am Arsch! Weil die ist doch auf dem Stand von vor 100 Jahren, währen alle anderen sich weiterentwickelt haben! Wir müssen jetzt dringend auf unsere 'lange Tradition' pochen, um wenigstens diesen Wirtschaftszweig zu retten..."

Meines Wissens nach ist vieles, was heute zur "traditionellen bayerischen Bierkultur" zählt, keine 200 Jahre alt. Biergarten, Bierfeste (Oktoberfest), Sommerfrische und Schunkeln in Trachten, ... Vieles davon hat sicher erst zur Biedermeierzeit zur Mitte des 18. Jahrhunderts ihren Ursprung.

lG
Martin

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#9

Beitrag von Bernstein » Montag 23. Oktober 2017, 13:19

Nun.. ich glaube Bierkultur und Bierverbundenheit ist nicht nur in Bayern vorhanden. Nur haben es die Bayern verstanden, dies geschickt zu vermarkten.
Das Wort "Reinheitsgebot" wurde 1918 vom Angeordneten Hans Rauch im bayerischen Landtag "in den Ring geworfen". Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
Gruss, Matthias
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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#10

Beitrag von hyper472 » Montag 23. Oktober 2017, 13:43

Die Frage wird dadurch nicht einfacher zu beantworten, aber momentan werden hier noch zwei grundverschiedene Dinge in einen Topf geworfen: Bayern und Franken.
Franken wurde erst vor etwas mehr als 200 Jahren Dank Napoleons Gnaden von Bayern annektiert - als Dank an Bayern für den Verrat am Heiligen römischen Reich Deutscher Nation. Franken ist in weiten Teilen sehr protestantisch geprägt und hat auch in diesen Teilen eine langjährige Bierkultur, anders als zum Beispiel in Unterfranken, wo es die Leute mehr zum Wein zieht.
Ich glaube, dass sich die Ausgangsfrage für Franken und Bayern nicht unbedingt gemeinsam beantworten lässt.
Wenn man etwas positiv oder negativ auslegen kann, meine ich es positiv.
Es ist möglich, dass sich meine Meinung nicht mit der Meinung anderer deckt.
Wer will, ist herzlich eingeladen, mir in Anwendung von Boardregel Nr. 6 eine PN zu senden.

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#11

Beitrag von muldengold » Montag 23. Oktober 2017, 13:57

Bernstein hat geschrieben:
Montag 23. Oktober 2017, 13:19
Das Wort "Reinheitsgebot" wurde 1918 vom Angeordneten Hans Rauch im bayerischen Landtag "in den Ring geworfen".
Cool - dann können wir ja nach dem 500-jährigen Jubiläum letztes Jahr dann nächstes Jahr das 100-jährige feiern! :Bigsmile

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#12

Beitrag von §11 » Montag 23. Oktober 2017, 14:36

Das mit den 500 Jahren ist so sehr einfach dargestellt. Es kam naemlich ein weiteres wichtiges Ereignis dazu das zum einen den Weinabau schwer gamcht hat, zum anderen geholfen hat das bayrische Bier bekannt zu Machen. Der 30 jaehrige Krieg. Selbst in Gegenden wo wir noch Weinanbau hatten wurden die Weinberge abgefackelt. Zur damaligen Zeit war vor allem die Hanse der Bierlieferant. Allerdings haben die Schweden im Norden vor allem auch Brauereien zerstoert. In Bayern war damals Bier vor allem ein Getraenk der Armen und wurde in grossen Mengen eben auch in Kloestern gebraut. Es war also kein Wein mehr da, die Hanse konnte nicht mehr liefern, aber Kloester hatten Bier und konnte damit auch die Versorgung der armen Bevoelkerung mit trinbarem Wasser (Bier) sicherstellen.

Ein weiterer Grund ist sicherlich darin zu suchen das die Bayern schon sehr frueh die Untergaerung im Griff hatten, waehrend in den moisten Gegenden obergaerig gebraut wurde. Die Einbecker erzaehlen hier also nicht ganz die Wahrheit. Es ist zwar ueberliefert das ein Einbecker Brauer ans Hofbrauhaus nach Muenchen abgeworben wurde, aber es sind eben auch Bayern die in die ganze Welt zogen um die Untergaerung zu verbreiten. So war es mit Joseph Groll ein Niederbayer der in Pilsen das erste Pils braute.

Im Grunde war in frueheren Zeiten die Brauereidichte in den Staedten der Hanse sogar viel grosser und auch die Menge die ausdiesen Brauereien kam war bei weitem mehr als was aus Bayern kam. In Bayern gab es vor allem, nach den Kloestern, kleine Agrarbrauereien, also Hoefe die auch brauten. In den Hansen wurden die Brauereien immer grosser und es wurden eben (Konsolidierung) dafuer weniger an der Zahl. Das hat sich in Bayern langezeit aber nicht geaendert. Jedes bayrische Dorf hatte bis lange ins 20 Jahrhundert noch mindestens eine Brauerei. Bier wurde dabei als Nahrungsmittel verstanden. Das hat sich in Bayern noch sehr lange gehalten so galt in Bayern lange der halbe MwSt. Satz auf Bier (wie eben auf Lebensmittel uebelich)

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Die Seite zum Buch "Bier brauen" https://www.jan-bruecklmeier.com/
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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#13

Beitrag von Fe2O3 » Montag 23. Oktober 2017, 14:40

Bernstein hat geschrieben:
Montag 23. Oktober 2017, 13:19
Das Wort "Reinheitsgebot" wurde 1918 vom Angeordneten Hans Rauch im bayerischen Landtag "in den Ring geworfen".
Nicht nur existiert der “Reinheits-“begriff für Bier erst seit 1918 (vor war im Bezug auf Lebensmittel der Begriff “Reinheit“ gleichzusetzen mit “koscher“) - im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich das “Reinheitsgebot“ erst in den 1950er Jahren etabliert.

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#14

Beitrag von Ursus007 » Montag 23. Oktober 2017, 15:34

muldengold hat geschrieben:
Montag 23. Oktober 2017, 11:24
Warum es solche Biergärten nicht auch außerhalb Bayerns gibt, z.B. bei mir in Sachsen - keine Ahnung. Hier in Dresden wäre der Biergarten sicher ab 3 Uhr voll mit Studenten und jungen Familien.
Gleich um die Ecke von Dir behauptet ja ein Biergarten, "Deutschlands wohl ältester Biergarten" zu sein: die Schloßschänke mit ihrem Biergarten in Pirna geht auf Quellen bis kurz nach dem 30-jährigen Krieg zurück. Bin zwar einmal im Jahr dort, aber persönlich kenne ich den Biergarten da nicht, ob man Essen selbst mitbringen kann, weiß ich auch nicht.

Aber warum Bayern? Denke auch, dass es mit den Klöstern und brauenden Mönchen zu tun hat. Bin aber kein Historiker ...

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#15

Beitrag von Bierokrat » Montag 23. Oktober 2017, 15:54

hyper472 hat geschrieben:
Montag 23. Oktober 2017, 13:43
Die Frage wird dadurch nicht einfacher zu beantworten, aber momentan werden hier noch zwei grundverschiedene Dinge in einen Topf geworfen: Bayern und Franken.
Franken wurde erst vor etwas mehr als 200 Jahren Dank Napoleons Gnaden von Bayern annektiert - als Dank an Bayern für den Verrat am Heiligen römischen Reich Deutscher Nation. Franken ist in weiten Teilen sehr protestantisch geprägt und hat auch in diesen Teilen eine langjährige Bierkultur, anders als zum Beispiel in Unterfranken, wo es die Leute mehr zum Wein zieht.
Ich glaube, dass sich die Ausgangsfrage für Franken und Bayern nicht unbedingt gemeinsam beantworten lässt.
:thumbsup
Abersowasvon!
Prost!

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#16

Beitrag von gulp » Montag 23. Oktober 2017, 18:42

Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

-bayerische in der Überschrift kann man beliebig austauschen, etwa

-fränkische
-tschechische
-belgische
-US amerikanische
-englische
usw. usw.

Gruß
Peter
Ein Bayer ohne Bier ist ein gefährlich Thier!

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#17

Beitrag von hyper472 » Montag 23. Oktober 2017, 22:57

gulp hat geschrieben:
Montag 23. Oktober 2017, 18:42
Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

-bayerische in der Überschrift kann man beliebig austauschen, etwa

-fränkische
-tschechische
-belgische
-US amerikanische
-englische
usw. usw.

Gruß
Peter
Auch wieder richtig. Vielleicht liegt es daran, dass Bier als geselliges Getränk etwas verbindendes und damit auch Identitätsstiftendes hat.
Das kann man beim Wein ja ähnlich beobachten.
Möglicherweise liegt es daran, dass der Mensch als soziales Tier immer versucht, etwas verbindendes zu finden (um sich dann, als Wolf der anderen, gegen die anderen zu verbünden...). An Gemeinsamkeiten orientiert man sich halt - von der Maas bis an die Memel - und wenn es nur die gemeinsame Sprache ist.
Da taugt Bier als kleinster gemeinsamer Nenner doch ganz gut.
Viele Grüße, Henning
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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#18

Beitrag von chaos-black » Dienstag 24. Oktober 2017, 00:52

Vielleicht liegt es auch nur in meiner subjektiven Wahrnehmung von Bayern, aber mein Eindruck der von Peter genannten Länder ist deutlich weniger auf Bier reduziert. Sicher, Bier spielt dort auch eine große Rolle und hat auch international einen entsprechenden Ruf. Wenn ich diese Länder höre ist meine erste Assoziation aber nicht unbedingt Bier (das käme vlt als zweites oder drittes ;) und auch da würde ich es eher darauf schieben, dass Bier ein mir sehr wichtiges Thema ist und ich mich mittlerweile entsprechend informiert habe, vorm Hobbybrauen waren z.B. Belgien oder USA für mich definitiv nicht mit Bier verbunden), wohingegen das bei Bayern schon der Fall ist. Und ist die kulturelle Fokussierung auf Bier dort wirklich vergleichbar?
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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#19

Beitrag von Tozzi » Dienstag 24. Oktober 2017, 01:02

Im Burgund ist es halt dann der Wein.
Da poschieren die sogar Eier drin (Œeufs mollets).
Und singen dann den Ban Bourguignon. Auch nicht viel anders als "Oans, Zwoa, Gsuffa", aber halt außerhalb der Region weitgehend unbekannt. :P
Viele Grüße aus München
Stephan

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#20

Beitrag von gulp » Dienstag 24. Oktober 2017, 08:39

Warum aber ist das größte Bierfest der Welt ein bayrisches
Doa is nimmer vui bayrisch, des is ja des traurige. https://www.youtube.com/watch?v=NRHWoVn7T0k

Aber zur Sache:
Da war sich halt das Königshaus mit den Rosstäuschern einig, dass sie zusammen ein Fest feiern wollen. Bei der brisanten Konstellation konnte das ja nur gut gehen.

Unterm Strich schadet d,Wiesn aber mehr dem Bier Image als es ihm gut tut. :P

Gruß
Peter
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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#21

Beitrag von Bierokrat » Dienstag 24. Oktober 2017, 09:37

gulp hat geschrieben:
Dienstag 24. Oktober 2017, 08:39
Unterm Strich schadet d,Wiesn aber mehr dem Bier Image als es ihm gut tut. :P

Gruß
Peter
Wieso das? Wird doch kaum Bier ausgeschenkt. So im schnitt nur 0,8 Liter pro Maß. :Ahh :Bigsmile
Prost!

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#22

Beitrag von flying » Dienstag 24. Oktober 2017, 11:53

Der "Baierwein" hatte einen historisch schlechten Ruf, meine ich? Bier haben die Bayern wohl schon seit mindestens 1000 Jahren gerne gebraut und getrunken. So gab es im 13- und 14. Jahrhundert immer wieder komplette Verbote Bier zu brauen für ein ganzes Jahr. Z. B. auch von Ludwig dem Bayern (1282- 1347). Das sollte das Brotgetreide schützen. Solche Gebote fanden allerdings nur Gehör wenn der Baierwein reichlich und günstig verfügbar war. Dem Volk sein bezahlbares, alkoholisches Getränk wegzunehmen konnte für die Obrigkeit möglicherweise tödlich enden.

Das Bier war schön obergärig, hauptsächlich aus Hafer aber auch mit allen anderen verfügbaren Cerealien. Gewürzt mit Kräuter. Der Gagel spielte wohl weniger eine Rolle aber Koriander, Wermut, Lor(beeren), Wacholder, Kümmel und co. Das kann frisch getrunken durchaus ein Hochgenuss gewesen sein, der dem sauren Baierwein vorzuziehen war.

Die heutige Dominanz und Glorifizierung des Lager- Bieres in Bayern ist nachvollziehbar. Bier dieser (bayrischen) Machart hat die Weltherrschaft errungen...

...man schaue auch mal nur in bayrische Telefonbücher wie oft der Name "Weinzierl" vorkommt. Das ist der altbayrische Name für Winzer.
Brasserie de la sécheresse montagne

"Fermentation und Zivilisation sind untrennbar verbunden"
(John Ciardi)

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Re: Warum ist bayrische Identität so bierverbunden?

#23

Beitrag von quasarmin » Dienstag 24. Oktober 2017, 19:03

Das Bier kam in Bayern erst nach dem dreissigjährigen Krieg in Mode, ist also mehr oder weniger eine junge Biernation, daher ist dort Bier so hype.
In Norddeutschland, etwa in Hamburg, geht man damit halt schon etwas gelassener um, weil dort schon zur Hansezeit über 600 Brauereien aktiv waren.
Nicht ernst gemein, aber auch nicht ganz falsch ;-)

Gruß
Armin

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