Erste Brauanlage, Meinungen, Tipps und Ratschläge

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IonEye13
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Erste Brauanlage, Meinungen, Tipps und Ratschläge

#1

Beitrag von IonEye13 » Dienstag 21. August 2018, 17:19

Guten Tag,

Zu meiner Person, ich bin 25 Jahre, studieren in Paderborn Wirtschaftsingenieurwesen im Master und habe großes Interesse an einer eigenen Brauanlage, da mir Biere von der Stange nicht wirklich schmecken :thumbsup

Ich würde gerne wissen was ihr von den ausgewählten Komponenten haltet und was ich austauschen kann. Natürlich möchte ich preisgünstig dabei wegkommen, Qualität liegt mir jedoch am Herzen :redhead
Mit dem System sollte ich über lange Zeit hinweg auskommen können und sowohl große Sude sowie kleinere Experimente fahren können, richtig? Das Equipment steht im kühlen Keller.
  • HLT/Kessel: Ss Brewtech Brew Wasserkocher 20 Gallonen (75 Liter)
(ggf. Alternative?)
  • Induktionsplatte: Hendi 3500 Watt
  • Läuterbottich: Schengler 70 Liter
  • Läuterhexe: MattMilll Läuterhexe 1800
  • Mühle: MattMill Klassik Komplett Malzmühle, Walzenmühle
(gibt es günstigere Alternativen?)
  • Gärtank: Ss Brewtech BREWMASTER EDITION CHROM 17 GAL
(kann ich auch die Variante ohne Kühlspirale nehmen oder werde ich sie über kurz oder lang sowieso benötigen?)
  • Pumpe: Rover Elektropumpe Novax 20-B Edelstahl
(überdimensioniert?)
  • Kühler: Würzekühler / Plattenkühler - 36 Platten
(überdimensioniert?)
  • Refraktometer: Refraktometer 0-18% BRIX ATC
Habe ich noch etwas vergessen? :redhead

Als erstes Bier habe ich mir dieses Rezept ausgeguckt https://www.maischemalzundmehr.de/index ... actorha1=7

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Re: Erste Brauanlage, Meinungen, Tipps und Ratschläge

#2

Beitrag von Brauwolf » Dienstag 21. August 2018, 19:56

Von den aufgezählten Komponenten her machst du qualitätsmäßig keine Kompromisse. Ob du für den Einstieg soviel Geld investieren willst und kannst, musst du selbst beurteilen.
Bei den Größenkombinationen habe ich ein paar Einwände. Als Faustregel kann man sagen, dass die Größe des Läutergefäßes in etwa die maximale Ausschlagmenge darstellt, mit dem 70 Liter Schengler könntest du dann maximal 70 Liter Bier brauen, die Minimummenge wäre etwa die Hälfte davon. Das Kochgefäß und der Gärbehälter sollten etwa 50% größer sein, also je etwa 100 Liter fassen - 20/17 Gallonen sind da definitiv zu klein. Andersrum gerechnet wärst du mit einem 50 Liter Schengler zum Läutern besser bedient.
Die Kühlspirale im Gärbehälter nützt dir nichts, wenn du keine Möglichkeit hast, sie zu "befeuern".
Ich vermisse eine Möglichkeit, Nachgusswasser vorzuhalten.

Mehr zu den idealen Größenverhältnissen findest du hier: https://braumagazin.de/article/klassengesellschaft/

Bei der Größe an sich solltest du überlegen, ob du immer 35 bis 70 Liter brauen willst. Das von dir ausgesuchte Rezept ist zwar anders als die von dir verpönten Kaufbiere, muss dir deswegen trotzdem nicht schmecken - du hast dann aber so 50 Liter davon im Keller. Mit 1 Gärtank kannst du erst wieder einen neuen Sud ansetzen, wenn er nicht mehr belegt ist. Das folgende Bier muss dann auch nicht der Jahrhundertsud werden, usw.
Sinnvoller halte ich es, erst mal mit 20 Liter Ausschlagmenge anzufangen und dafür fünf Gärbehälter á 30 Liter vorzuhalten. So kannst du schon den nächsten Sud angehen, während die vorigen noch am werden sind. Bei fünf Bieren ist die Chance größer, dass ein wirklicher Treffer dabei ist und wenn eins davon in die Hose geht, tut das nicht so weh.

Cheers, Ruthard
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Re: Erste Brauanlage, Meinungen, Tipps und Ratschläge

#3

Beitrag von bobeye » Dienstag 21. August 2018, 20:07

Dir fehlt noch ein Nachguss Bereiter und entweder ein Rührwerk, oder du besorgst dir einen Thermobehälter und baust die Läuferspirale dort direkt ein und fährst über eine Kombirast, bzw. machst ein mehrstufiges Infusionsverfahren über Zubrühen oder Dekoktion. Es gibt ja auch die Ss-Brewtech Mash Tun, die ist zwar nicht gerade die preiswerteste Option, aber ich glaube damit wirst du sicher deinen Spaß haben.

Solltest du in naher Zukunft nicht daran denken dir eine Kühlung zur Kühlspirale zu besorgen ist es wohl nicht gerade sinnvoll, da du dann jedes mal die Spirale grundlos reinigen musst, und das ist leider sehr mühsam.

Ansonsten kann ich brauwolf definitiv zustimmen, besonders zum Anfangen ist das schon eine ordentlich dimensionierte Anlage, die es dir nicht wirklich erlaubt kleine Test-Sude unter 30 Liter zu machen, was besonders zu Beginn sicher die bessere Wahl wäre um herauszufinden in welche Richtung du mit deinen Bieren gehen willst.

LG
Bob

edit: der Klassengesellschaft Artikel ist wirklich sehr empfehlenswert, um sich mit der Dimensionierung der verschiedenen Gerätschaften vertraut zu machen und diente auch mir als Vorlage bei meiner Anlagen-Konzeptionierung. Insbesondere wenn du unterschiedliche Stammwürze einbrauen willst, ergeben sich da doch einige Unterschiede in den Dimensionierung en.

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Re: Erste Brauanlage, Meinungen, Tipps und Ratschläge

#4

Beitrag von Tozzi » Dienstag 21. August 2018, 21:13

Ich schließe mich weitgehend meinen Vorrednern an.
Qualitativ nimmst Du keine Gefangenen, das finde ich schon mal gut. Gutes Werkzeug ist wichtig.
In dem Zusammenhang: Statt der Novax Pumpe könntest Du Dir noch die "Riptide" von Blichmann ansehen.
Die arbeitet ruhiger, ist leichter zu säubern und lässt sich besser regulieren.
Die Ss Brewtech Sachen sind absolut Top, ebenso Blichmann.

Du hast Dir offensichtlich bereits viele Gedanken gemacht und sehr gut recherchiert.
Daher wirst Du sicherlich am besten selber wissen, ob Du wirklich gleich mit 50+ Litern einsteigen willst.

Ich selbst habe mit 25 Litern angefangen (Grainfather) und dann auf 50-60 Liter vergrößert (Braumeister).
Es ist schon toll, so eine Menge Bier auf einen Schlag herstellen zu können.
Die vermeintliche Zeitersparnis relativiert sich aber recht schnell durch den restlichen Aufwand, den man treiben muss, von der Entsorgung des Trebers über die Hygiene bis hin zur Abfüllung.
Und im schlimmsten Fall hat man dann 50 Liter eines mittelprächtigen Bieres im Keller stehen.

Inzwischen ertappe ich mich oft bei dem Gedanken, ich hätte mir lieber einen BM10 zulegen sollen.
Jede Woche ein anderes Bier zu brauen, einfach in der Küche unter der Abzugshaube, Malzkorb zur Not einhändig oder mit dem kleinen Finger rausheben, Treber in den Mülleimer, Utensilien danach einfach in die Spülmaschine, das hätte schon was.
Dazu kommt der Lerneffekt und dass man im schlimmsten Fall mal ein Tragerl Bier produziert hat, das nicht so toll geworden ist.

Den Kompromiss, die 25 Liter Klasse, finde ich persönlich nicht so toll. Irgendwie vereinen sich da die Nachteile beider Extreme für mich.
Das merkt man auch daran, dass ich den Grainfather (den ich vom Handling her eigentlich besser finde) fast nicht mehr benutze und halt dann doch stattdessen den BM50 anwerfe.

Klar, manchmal landet man einen Volltreffer und denkt sich, Mist, davon hätte ich gerne 60 Liter gehabt...

Überleg's Dir gut.
Viele Grüße aus München
Stephan

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Re: Erste Brauanlage, Meinungen, Tipps und Ratschläge

#5

Beitrag von IonEye13 » Mittwoch 22. August 2018, 15:06

Danke für die aufschlussreichen Antworten!
Ich denke, dass die 20l Klasse zu Anfang wohl doch mehr Sinn macht.
Dazu habe ich neue Komponenten herausgesucht:
-Ss Brewtech Brew Wasserkocher 10 Gallonen (38 Liter)
-Läutertopf mit Läuterfreund 1040 und 3/8" Hahn (40l)
-4x Speidel Kunststoff Gärbehälter rund mit Deckel und Auslaufhahn - 30 l

Der Rest bleibt erhalten wie zuvor aufgelistet.
Die Blichmann Pumpe ist mir ein wenig zu teuer, geniales System aber mit 250€ nicht gerade ein Schnapper, vielleicht später.

Kann jemand ein Rührwerk empfehlen?
Für die Nachgüsse würde ich einen 30l Einkocher dazunehmen.

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Re: Erste Brauanlage, Meinungen, Tipps und Ratschläge

#6

Beitrag von bobeye » Mittwoch 22. August 2018, 16:39

Ich habe ein Rührwerk von Brauhardware, und kann es uneingeschränkt empfehlen. Super verarbeitet.

stefan78h
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Re: Erste Brauanlage, Meinungen, Tipps und Ratschläge

#7

Beitrag von stefan78h » Mittwoch 22. August 2018, 21:05

bobeye hat geschrieben:
Mittwoch 22. August 2018, 16:39
Ich habe ein Rührwerk von Brauhardware, und kann es uneingeschränkt empfehlen. Super verarbeitet.
Kann ich bestätigen.
Und mit einer Hendi 3.5kw machst auch nix falsch. Egal ob 34 - 68l Topf.
Gruß
stefan

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Re: Erste Brauanlage, Meinungen, Tipps und Ratschläge

#8

Beitrag von coyote77 » Freitag 24. August 2018, 18:34

Zu deiner Auswahl kann ich leider nichts sagen, hört sich aber gut an. Und schön, dass es in Paderborn noch Menschen gibt, die gutes Bier brauen (wollen). Ich wohne auch in der ostwestfälischen Metropole und braue seit ca. 2 Jahren (Hendi, 34l-Topf von amihopfen, selbst gebautes Rührwerk, Leuterator, 30l- Gäreimer, ..). Das brauen in der 20-25-Liter-Klasse macht mir viel Spaß: ich hab noch kein Rezept zweimal gebraut und hab dich genug, um auch mal ein paar Leute einzuladen oder ein paar Flaschen zu verschenken.
Viel Erfolg beim Aufbau deiner Anlage!
Was ich hier im Forum gelernt habe: Denk an die Kühlmöglichkeit für das fertige Bier...
Grüße, Andreas :Drink

Zum Biere drängt, am Biere hängt doch alles.
(Frei nach J. W. von Goethe)

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Re: Erste Brauanlage, Meinungen, Tipps und Ratschläge

#9

Beitrag von clmnsk » Freitag 24. August 2018, 23:37

4x Speidel Kunststoff Gärbehälter rund mit Deckel und Auslaufhahn - 30 l
Warum?
Die runden Eimer von Auer Packaging aus PP haben weniger Angriffsfläche (Ecken, Biegungen) und sind viel billiger.
Ich benutze die mittlerweile ohne Hahn (Heber bzw. Schlauch) und nur mit einem kleinen Loch im Deckel für den Gärspund.
Grüße, Clemens
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Hendi - 34L Topf - 32L Thermobehälter
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