Verständnisfrage zur Flaschengärung

Hier kommt alles rein, was woanders keinen Platz hat.
Antworten
DerKleineHopfit
Posting Junior
Posting Junior
Beiträge: 25
Registriert: Samstag 10. Februar 2018, 14:25
Wohnort: Marburg

Verständnisfrage zur Flaschengärung

#1

Beitrag von DerKleineHopfit » Sonntag 14. Oktober 2018, 11:50

Hallo zusammen
Da ich gerne etwas genauer wissen wollte was bei der Flaschengärung so in meinen Flaschen passiert besonders was den Druck angeht habe ich mir ein Flaschenmanometer von Malt Miller besorgt.
Als ich es beim nächsten Sud eingesetzt habe bin ich fast verzweifelt.
Der Reihe nach:
Ich habe ein Mandarina Weizen gebraut.
Menge knapp 21l.
Darin enthalten sind bereits 2,5l Speise die ich vorher abgefüllt und nach der Hauptgärung in den Fermentierer geschüttet habe bevor ich abgefüllt habe.
Die Speise hatte ich morgens bereits aus dem Kühlschrank geholt damit die Hefe keinen Kälteschock bekommt.
Am Nachmittag habe ich dann die 2,5l Speise in den Fermentierer geschüttet.
Während ich die Flaschen gespült und desinfiziert habe hatte die Speise Zeit sich mit dem Jungbier im Fermentierer zu vermischen.
Dann habe ich die Flaschen abgefüllt und auf die 3. oder 4. abgefüllte Flasche das Manometer montiert.
Nach 5 Tagen hatte ich erst wieder die Chance nach dem Druck zu schauen.
Auf dem Manometer wurde 3,5 bar angezeigt.
Das erschien mir doch sehr viel und ich habe die Flasche auf 3 bar entlüftet.
Ebenso habe ich alle anderen Flaschen entlüftet.
Ein Tag später war der Druck wieder auf 3,5 bar angestiegen und ich habe erneut alle Flaschen entlüftet (das Manometer zeigte wieder3 bar.
Nach 3 Tagen hatte ich erst wieder die Gelegeheit erneut den Druck zu kontrollieren und dieser Stand nun bei knapp unter 4 bar.
Wieder habe ich den Druck auf 3 bar abgelassen und einen Teil der Flaschen ebenfalls entlüftet.
Das Ganze kam mir sehr merkwürdig vor, zumal ich den Eindruck hatte,
dass beim Entlüften der Flaschen der Druck auf den Flaschen unterschiedlich war.
Da das Entlüften ja nie exakt gleich durchgeführt werden kann, dachte ich mir schon, dass es hier mit Sicherheit Schwankungen geben würde.
Einen Tag später zeigte das Manometer wieder 3,5 bar an.
Jetzt wurde mir die Sache doch unheimlich und ich habe die Flasche mit dem Manometer wieder entlüftet und das Manometer entfernt.
Ein permanenter Schaumschwall kam aus der Flasche über einen längeren Zeitraum.
Zum Kontrollieren habe ich 2 andere Flaschen geöffnet und zu meiner Verwunderung hatten diese viel zu wenig CO2 und schmeckten schal.
Dann habe ich 2 weitere Flaschen in den Kühlschrank gestellt und am nächsten Tag erneut probiert, aber auch diese Flaschen hatten zu wenig CO2.
Habt Ihr eine Erklärung dafür wieso der Druck in den Flaschen so unterschiedlich ist?
Die Flasche mit dem Manometer hatte offensichtlich sehr viel Druck, aber die anderen Flaschen so gut wie garnicht.
War es ein Fehler die Speise auf Zimmertemperatur zu bringen bevor ich sie dem Jungbier zugeführt habe?
Habe ich damit vielleicht die Durchmischung verhindert?
Gibt es eine "ideale" Flasche an der man das Manometer montiert, also eine Flasche eher zu Beginn der Abfüllung oder eher am Schluß oder mittendrin? Ich dachte das wäre egal.
Bin gerade etwas ratlos.
Anstatt mein Brauergebnis zu verbessern hat das Manometer jetzt mein Brauergebis verschlechtert (schales Bier).
Was habe ich falsch gemacht?
Freue mich über Tipps und Erklärungen.
Danke und Gruß
Jens
Zuletzt geändert von DerKleineHopfit am Sonntag 14. Oktober 2018, 11:56, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Boludo
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 17941
Registriert: Mittwoch 12. November 2008, 20:55

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#2

Beitrag von Boludo » Sonntag 14. Oktober 2018, 11:54

Hast Du die Speisemenge irgendwie berechnet?
War das Bier wirklich voll ausgegoren?
Hast Du irgendwas gemessen?
Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass sich die Speise bei deiner Methode vollständig vermischt.

Stefan

DerKleineHopfit
Posting Junior
Posting Junior
Beiträge: 25
Registriert: Samstag 10. Februar 2018, 14:25
Wohnort: Marburg

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#3

Beitrag von DerKleineHopfit » Sonntag 14. Oktober 2018, 12:02

Hallo Stefan
Sorry der Post wurde veröffentlicht bevor ich fertig war.
Das Bier hatte 12 Tage Zeit zu gären und der Gärspund lag zu dem Zeitpunkt komplett still und ganz unten auf dem Gärspund.
Was die Speisemenge angeht habe ich mich an der Faustregel 10-15% von der Gesamtmenge orientiert.
Bei knapp 21L Gesammenge sollte 2,5l Speise doch passen.
Genau berechnet habe ich nichts.
Gruß
Jens

Benutzeravatar
Boludo
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 17941
Registriert: Mittwoch 12. November 2008, 20:55

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#4

Beitrag von Boludo » Sonntag 14. Oktober 2018, 12:09

Das hört sich alles sehr verdächtig nach Hagen Rudolf an. Das sind ziemlich veraltete Methoden.
Und ob der Gärspund blubbert oder nicht, sagt nichts aus.
Schau mal da:
https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?f=7&t=212

Stefan

Benutzeravatar
hyper472
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 2387
Registriert: Freitag 2. Oktober 2015, 22:33
Wohnort: Nürnberg

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#5

Beitrag von hyper472 » Sonntag 14. Oktober 2018, 12:14

Das hört sich für mich so an, dass die Speise sich nicht vernünftig mit der Bier vermischt hat.
Wenn der Schaumschwall nicht aufhört, kann das auch ein Hinweis auf einen Infekt sein, der sich dann aber bei allen Flaschen zeigen würde.
Zur Nachgärung mit Speise kann ich sonst leider nichts beitragen, weil ich seit dem ersten Sud mit Zucker beziehungsweise TME karbonisiere.
Viele Grüße, Henning
"Das Bier aber macht das Fleisch des Menschen fett und gibt seinem Antlitz eine schöne Farbe durch die Kraft und den guten Saft des Getreides."
Hildegard von Bingen (1098-1179)

DerKleineHopfit
Posting Junior
Posting Junior
Beiträge: 25
Registriert: Samstag 10. Februar 2018, 14:25
Wohnort: Marburg

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#6

Beitrag von DerKleineHopfit » Sonntag 14. Oktober 2018, 12:26

@Stefan
Danke für den Link.
Da war sehr viel neues für mich drin.
Einiges was ich bisher gelesen habe ist scheinbar überholt, wie die Faustregel für die Speise.
Auch dass die Gärung nach 2 Wochen durch sein soll habe ich schon gehört.

@Henning
Ich vermute auch dass sich die Speise nicht gleichmäßig vermischt hat.
Wahrscheinlich wäre es besser gewesen die Speise aus dem Kühlschrank zu nehmen um die Durchmischung zu fördern
auch wenn dadurch die Hefe gestört worden wäre.

Aus Euren Antworten schliesse ich aber dass es im Normalfall egal ist
auf welcher Flasche man das Manometer montiert, da zumindest in der Theorie der Druck auf allen Flaschen gleich sein sollte.

Matze
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 274
Registriert: Dienstag 16. Juni 2015, 19:57
Wohnort: Mittelbaden (Oberkirch)

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#7

Beitrag von Matze » Sonntag 14. Oktober 2018, 12:34

Hallo Jens,

vermutlich hast du zu viel Speise verwendet. Ich nehme grundsätzlich Traubenzuckerlösung. Da kannst du dir bei MMum schön den gewünschten CO2 Gehalt ausrechnen.
Hat bisher immer 1a funktioniert. Vorraussetzung ist aber, daß die Hauptgärung durch ist.

Grüße

Matthias

Benutzeravatar
Boludo
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 17941
Registriert: Mittwoch 12. November 2008, 20:55

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#8

Beitrag von Boludo » Sonntag 14. Oktober 2018, 12:36

Du solltest entweder die Speise bzw Zucker durch Rühren mit dem Jungbier vermischen, was allerdings voraussetzt, dass Du von der Hefe runter schlauchst. Oder du legst einzeln in die Flaschen die richtige Menge vor. Alles andere ist Lotterie.
Und falls du wirklich nach Hagen Rudolf braust, dann rate ich dir unbedingt andere Rezepte zu suchen, zb bei maischemalzundmehr.de

Stefan

DerKleineHopfit
Posting Junior
Posting Junior
Beiträge: 25
Registriert: Samstag 10. Februar 2018, 14:25
Wohnort: Marburg

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#9

Beitrag von DerKleineHopfit » Sonntag 14. Oktober 2018, 12:53

Hallo Stefan
Den Namen Hagen Rudolf habe ich heute das erste Mal von Dir gehört.
Ich habe den Palmer"Howto" hier und Jan's "Bier brauen".
Der Tipp 10-15% Speise in den Fermentierer zu schütten hatte mir ein befreundeter Braumeister gegeben.
Ich sehe gerade auch in Jan's Buch ist von grobem Anhaltspunkt 10-15% Speise die Rede.
Dass es besser ist alles genau zu berechnen ist schon klar, steht ja auch so in Jans Buch.
Ich hatte die Hoffnung der Einfachheithalber käme ich mit den Faustregeln zurecht.
Das war scheinbar ein Trugschluss.

DerKleineHopfit
Posting Junior
Posting Junior
Beiträge: 25
Registriert: Samstag 10. Februar 2018, 14:25
Wohnort: Marburg

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#10

Beitrag von DerKleineHopfit » Sonntag 14. Oktober 2018, 12:56

@Matthias
Dank Dir für den Link.
Der Rechner ist super.

NiCoSt
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 378
Registriert: Donnerstag 20. Januar 2011, 07:21

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#11

Beitrag von NiCoSt » Sonntag 14. Oktober 2018, 14:16

Ich verwende im wesentlichen auch Speise, die ich, falls zu wenig Speise vorhanden, mit Zucker "Auffülle". Die korrekten Berechnungen werden dazu im kBH angezeigt.
Zur Vermischung: ich habe mir von Braun in der Apotheke eine 50ml "Spritze" besorgt. Im kBH wird die genaue Menge in ml angezeigt, die pro Flasche benötigt wird. Diese lege ich dann in jede Flasche vor. 100% Schutz vor Problemen mit der Durchmischung.
Man darf nur nicht ausversehen in eine Flasche doppelt vorlegen ;)
~~~Bier wird's immer!~~~
~~~Der Brauer macht die Würze, die Hefe macht das Bier~~~

Benutzeravatar
afri
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 4218
Registriert: Donnerstag 17. Januar 2013, 21:19
Wohnort: 31840 Hessisch Oldendorf

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#12

Beitrag von afri » Sonntag 14. Oktober 2018, 21:50

Ich tippe ebenfalls auf unzureichende Mischung zwischen Speise und Jungbier. Meine Speisemenge hat sich mit 7% als ideal für ca. 5,5g/l CO2 herausgestellt, 10-15% sind sicher ein bisschen zuviel des Guten.

Vorteil bei zuviel Speise: man kann NiCoSts Vorschlag anwenden und hat auf jeden Fall genug für jede Flasche, insofern ergäben 10% bei mir schon Sinn, aber ich bin geizig...

Außerdem würde ich Speise nicht im Kühli aufbewahren, angesichts gelegentlich sehr lange dauernder Gärverläufe. Bei mir dauert's meist nicht unter zwei Wochen, das wäre mir zu kitzlig und so friere ich sie in PET-Flaschen ein. Man muss dann halt zeitig wieder tauen lassen, eine Literflasche auftauen zu lassen dauert im Kühli erstaunlich lange.
Achim
Bier ist ein Stück Lebenskraft!

Benutzeravatar
Braubart
Posting Junior
Posting Junior
Beiträge: 79
Registriert: Samstag 20. Januar 2018, 14:59
Wohnort: Linden (Hessen)

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#13

Beitrag von Braubart » Sonntag 14. Oktober 2018, 22:49

Ich mit meiner bescheidenen Erfahrung würde dir raten auf Zucker umzusteigen. Habe am Anfang auch viel mit Speise gemacht, weil´s mir am naürlichsten vorkam, allerdings war das auch jedesmal ziemlich ungenau. Eine gute Durchmischung zu erreichen habe ich zumindest nie geschafft.
Für den Zucker gibts Portionierer, damit kann man die gewünschte Menge in jede Flasche vorlegen (am Besten mit nem Trichter). Wie groß die ist kannst auf diversen Rechnern im Netz oder mit dem "kleinen Brauhelfer" prima ausrechnen. Letzteren kann ich im Übrigen nur empfehlen, da dort neben der Breechnung der Zucker-/Speisemenge zahlreiche äußerst nützliche Funktionen implementiert sind!
Beste Grüße, Jörg

_____________________________________________________

Wer gut trinkt, lebt gut. Wer gut lebt, kommt in den Himmel. :Drink

Benutzeravatar
Boludo
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 17941
Registriert: Mittwoch 12. November 2008, 20:55

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#14

Beitrag von Boludo » Montag 15. Oktober 2018, 06:54

Ich tippe ebenfalls auf unzureichende Mischung zwischen Speise und Jungbier. Meine Speisemenge hat sich mit 7% als ideal für ca. 5,5g/l CO2 herausgestellt, 10-15% sind sicher ein bisschen zuviel des Guten.
Wenn 7% Speise immer genau 5,5g CO2/Liter ergeben, dann hat jede deiner Würzen gleich viel vergärbare Zucker, egal welche Sorte und welches Rezept :Grübel

reib
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 202
Registriert: Sonntag 18. November 2012, 08:34

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#15

Beitrag von reib » Montag 15. Oktober 2018, 08:36

Die Stammwürze hast du vermutlich auch nicht gemessen ?

Benutzeravatar
afri
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 4218
Registriert: Donnerstag 17. Januar 2013, 21:19
Wohnort: 31840 Hessisch Oldendorf

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#16

Beitrag von afri » Montag 15. Oktober 2018, 11:03

Boludo hat geschrieben:
Montag 15. Oktober 2018, 06:54
Wenn 7% Speise immer genau 5,5g CO2/Liter ergeben, dann hat jede deiner Würzen gleich viel vergärbare Zucker, egal welche Sorte und welches Rezept :Grübel
Nein, ich schrub "ca." und nicht "genau". Aber ja, meine Würzen haben meist den gleichen Extraktgehalt und sind aus Grundmalzen gemacht. In Einzelfällen habe ich weniger als 7% Speise genommen, kam vor, aber das ist hier ja auch nicht das Thema.
Achim
Bier ist ein Stück Lebenskraft!

DerKleineHopfit
Posting Junior
Posting Junior
Beiträge: 25
Registriert: Samstag 10. Februar 2018, 14:25
Wohnort: Marburg

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

#17

Beitrag von DerKleineHopfit » Mittwoch 17. Oktober 2018, 07:04

@reib
Doch, gemessen habe ich.
Ich hatte 13,5 Plato vor der Hauptgärung und 4,14 danach.

Antworten