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Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 11:50
von DerKleineHopfit
Hallo zusammen
Da ich gerne etwas genauer wissen wollte was bei der Flaschengärung so in meinen Flaschen passiert besonders was den Druck angeht habe ich mir ein Flaschenmanometer von Malt Miller besorgt.
Als ich es beim nächsten Sud eingesetzt habe bin ich fast verzweifelt.
Der Reihe nach:
Ich habe ein Mandarina Weizen gebraut.
Menge knapp 21l.
Darin enthalten sind bereits 2,5l Speise die ich vorher abgefüllt und nach der Hauptgärung in den Fermentierer geschüttet habe bevor ich abgefüllt habe.
Die Speise hatte ich morgens bereits aus dem Kühlschrank geholt damit die Hefe keinen Kälteschock bekommt.
Am Nachmittag habe ich dann die 2,5l Speise in den Fermentierer geschüttet.
Während ich die Flaschen gespült und desinfiziert habe hatte die Speise Zeit sich mit dem Jungbier im Fermentierer zu vermischen.
Dann habe ich die Flaschen abgefüllt und auf die 3. oder 4. abgefüllte Flasche das Manometer montiert.
Nach 5 Tagen hatte ich erst wieder die Chance nach dem Druck zu schauen.
Auf dem Manometer wurde 3,5 bar angezeigt.
Das erschien mir doch sehr viel und ich habe die Flasche auf 3 bar entlüftet.
Ebenso habe ich alle anderen Flaschen entlüftet.
Ein Tag später war der Druck wieder auf 3,5 bar angestiegen und ich habe erneut alle Flaschen entlüftet (das Manometer zeigte wieder3 bar.
Nach 3 Tagen hatte ich erst wieder die Gelegeheit erneut den Druck zu kontrollieren und dieser Stand nun bei knapp unter 4 bar.
Wieder habe ich den Druck auf 3 bar abgelassen und einen Teil der Flaschen ebenfalls entlüftet.
Das Ganze kam mir sehr merkwürdig vor, zumal ich den Eindruck hatte,
dass beim Entlüften der Flaschen der Druck auf den Flaschen unterschiedlich war.
Da das Entlüften ja nie exakt gleich durchgeführt werden kann, dachte ich mir schon, dass es hier mit Sicherheit Schwankungen geben würde.
Einen Tag später zeigte das Manometer wieder 3,5 bar an.
Jetzt wurde mir die Sache doch unheimlich und ich habe die Flasche mit dem Manometer wieder entlüftet und das Manometer entfernt.
Ein permanenter Schaumschwall kam aus der Flasche über einen längeren Zeitraum.
Zum Kontrollieren habe ich 2 andere Flaschen geöffnet und zu meiner Verwunderung hatten diese viel zu wenig CO2 und schmeckten schal.
Dann habe ich 2 weitere Flaschen in den Kühlschrank gestellt und am nächsten Tag erneut probiert, aber auch diese Flaschen hatten zu wenig CO2.
Habt Ihr eine Erklärung dafür wieso der Druck in den Flaschen so unterschiedlich ist?
Die Flasche mit dem Manometer hatte offensichtlich sehr viel Druck, aber die anderen Flaschen so gut wie garnicht.
War es ein Fehler die Speise auf Zimmertemperatur zu bringen bevor ich sie dem Jungbier zugeführt habe?
Habe ich damit vielleicht die Durchmischung verhindert?
Gibt es eine "ideale" Flasche an der man das Manometer montiert, also eine Flasche eher zu Beginn der Abfüllung oder eher am Schluß oder mittendrin? Ich dachte das wäre egal.
Bin gerade etwas ratlos.
Anstatt mein Brauergebnis zu verbessern hat das Manometer jetzt mein Brauergebis verschlechtert (schales Bier).
Was habe ich falsch gemacht?
Freue mich über Tipps und Erklärungen.
Danke und Gruß
Jens

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 11:54
von Boludo
Hast Du die Speisemenge irgendwie berechnet?
War das Bier wirklich voll ausgegoren?
Hast Du irgendwas gemessen?
Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass sich die Speise bei deiner Methode vollständig vermischt.

Stefan

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 12:02
von DerKleineHopfit
Hallo Stefan
Sorry der Post wurde veröffentlicht bevor ich fertig war.
Das Bier hatte 12 Tage Zeit zu gären und der Gärspund lag zu dem Zeitpunkt komplett still und ganz unten auf dem Gärspund.
Was die Speisemenge angeht habe ich mich an der Faustregel 10-15% von der Gesamtmenge orientiert.
Bei knapp 21L Gesammenge sollte 2,5l Speise doch passen.
Genau berechnet habe ich nichts.
Gruß
Jens

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 12:09
von Boludo
Das hört sich alles sehr verdächtig nach Hagen Rudolf an. Das sind ziemlich veraltete Methoden.
Und ob der Gärspund blubbert oder nicht, sagt nichts aus.
Schau mal da:
https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?f=7&t=212

Stefan

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 12:14
von hyper472
Das hört sich für mich so an, dass die Speise sich nicht vernünftig mit der Bier vermischt hat.
Wenn der Schaumschwall nicht aufhört, kann das auch ein Hinweis auf einen Infekt sein, der sich dann aber bei allen Flaschen zeigen würde.
Zur Nachgärung mit Speise kann ich sonst leider nichts beitragen, weil ich seit dem ersten Sud mit Zucker beziehungsweise TME karbonisiere.
Viele Grüße, Henning

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 12:26
von DerKleineHopfit
@Stefan
Danke für den Link.
Da war sehr viel neues für mich drin.
Einiges was ich bisher gelesen habe ist scheinbar überholt, wie die Faustregel für die Speise.
Auch dass die Gärung nach 2 Wochen durch sein soll habe ich schon gehört.

@Henning
Ich vermute auch dass sich die Speise nicht gleichmäßig vermischt hat.
Wahrscheinlich wäre es besser gewesen die Speise aus dem Kühlschrank zu nehmen um die Durchmischung zu fördern
auch wenn dadurch die Hefe gestört worden wäre.

Aus Euren Antworten schliesse ich aber dass es im Normalfall egal ist
auf welcher Flasche man das Manometer montiert, da zumindest in der Theorie der Druck auf allen Flaschen gleich sein sollte.

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 12:34
von Matze
Hallo Jens,

vermutlich hast du zu viel Speise verwendet. Ich nehme grundsätzlich Traubenzuckerlösung. Da kannst du dir bei MMum schön den gewünschten CO2 Gehalt ausrechnen.
Hat bisher immer 1a funktioniert. Vorraussetzung ist aber, daß die Hauptgärung durch ist.

Grüße

Matthias

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 12:36
von Boludo
Du solltest entweder die Speise bzw Zucker durch Rühren mit dem Jungbier vermischen, was allerdings voraussetzt, dass Du von der Hefe runter schlauchst. Oder du legst einzeln in die Flaschen die richtige Menge vor. Alles andere ist Lotterie.
Und falls du wirklich nach Hagen Rudolf braust, dann rate ich dir unbedingt andere Rezepte zu suchen, zb bei maischemalzundmehr.de

Stefan

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 12:53
von DerKleineHopfit
Hallo Stefan
Den Namen Hagen Rudolf habe ich heute das erste Mal von Dir gehört.
Ich habe den Palmer"Howto" hier und Jan's "Bier brauen".
Der Tipp 10-15% Speise in den Fermentierer zu schütten hatte mir ein befreundeter Braumeister gegeben.
Ich sehe gerade auch in Jan's Buch ist von grobem Anhaltspunkt 10-15% Speise die Rede.
Dass es besser ist alles genau zu berechnen ist schon klar, steht ja auch so in Jans Buch.
Ich hatte die Hoffnung der Einfachheithalber käme ich mit den Faustregeln zurecht.
Das war scheinbar ein Trugschluss.

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 12:56
von DerKleineHopfit
@Matthias
Dank Dir für den Link.
Der Rechner ist super.

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 14:16
von NiCoSt
Ich verwende im wesentlichen auch Speise, die ich, falls zu wenig Speise vorhanden, mit Zucker "Auffülle". Die korrekten Berechnungen werden dazu im kBH angezeigt.
Zur Vermischung: ich habe mir von Braun in der Apotheke eine 50ml "Spritze" besorgt. Im kBH wird die genaue Menge in ml angezeigt, die pro Flasche benötigt wird. Diese lege ich dann in jede Flasche vor. 100% Schutz vor Problemen mit der Durchmischung.
Man darf nur nicht ausversehen in eine Flasche doppelt vorlegen ;)

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 21:50
von afri
Ich tippe ebenfalls auf unzureichende Mischung zwischen Speise und Jungbier. Meine Speisemenge hat sich mit 7% als ideal für ca. 5,5g/l CO2 herausgestellt, 10-15% sind sicher ein bisschen zuviel des Guten.

Vorteil bei zuviel Speise: man kann NiCoSts Vorschlag anwenden und hat auf jeden Fall genug für jede Flasche, insofern ergäben 10% bei mir schon Sinn, aber ich bin geizig...

Außerdem würde ich Speise nicht im Kühli aufbewahren, angesichts gelegentlich sehr lange dauernder Gärverläufe. Bei mir dauert's meist nicht unter zwei Wochen, das wäre mir zu kitzlig und so friere ich sie in PET-Flaschen ein. Man muss dann halt zeitig wieder tauen lassen, eine Literflasche auftauen zu lassen dauert im Kühli erstaunlich lange.
Achim

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2018, 22:49
von Braubart
Ich mit meiner bescheidenen Erfahrung würde dir raten auf Zucker umzusteigen. Habe am Anfang auch viel mit Speise gemacht, weil´s mir am naürlichsten vorkam, allerdings war das auch jedesmal ziemlich ungenau. Eine gute Durchmischung zu erreichen habe ich zumindest nie geschafft.
Für den Zucker gibts Portionierer, damit kann man die gewünschte Menge in jede Flasche vorlegen (am Besten mit nem Trichter). Wie groß die ist kannst auf diversen Rechnern im Netz oder mit dem "kleinen Brauhelfer" prima ausrechnen. Letzteren kann ich im Übrigen nur empfehlen, da dort neben der Breechnung der Zucker-/Speisemenge zahlreiche äußerst nützliche Funktionen implementiert sind!

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Montag 15. Oktober 2018, 06:54
von Boludo
Ich tippe ebenfalls auf unzureichende Mischung zwischen Speise und Jungbier. Meine Speisemenge hat sich mit 7% als ideal für ca. 5,5g/l CO2 herausgestellt, 10-15% sind sicher ein bisschen zuviel des Guten.
Wenn 7% Speise immer genau 5,5g CO2/Liter ergeben, dann hat jede deiner Würzen gleich viel vergärbare Zucker, egal welche Sorte und welches Rezept :Grübel

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Montag 15. Oktober 2018, 08:36
von reib
Die Stammwürze hast du vermutlich auch nicht gemessen ?

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Montag 15. Oktober 2018, 11:03
von afri
Boludo hat geschrieben:
Montag 15. Oktober 2018, 06:54
Wenn 7% Speise immer genau 5,5g CO2/Liter ergeben, dann hat jede deiner Würzen gleich viel vergärbare Zucker, egal welche Sorte und welches Rezept :Grübel
Nein, ich schrub "ca." und nicht "genau". Aber ja, meine Würzen haben meist den gleichen Extraktgehalt und sind aus Grundmalzen gemacht. In Einzelfällen habe ich weniger als 7% Speise genommen, kam vor, aber das ist hier ja auch nicht das Thema.
Achim

Re: Verständnisfrage zur Flaschengärung

Verfasst: Mittwoch 17. Oktober 2018, 07:04
von DerKleineHopfit
@reib
Doch, gemessen habe ich.
Ich hatte 13,5 Plato vor der Hauptgärung und 4,14 danach.