Mein allererstes Mal ...

Hier kommt alles rein, was woanders keinen Platz hat.
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Franke1703
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Mein allererstes Mal ...

#1

Beitrag von Franke1703 » Montag 19. November 2018, 13:25

Ein Hallo ins Forum,

ein Franke in Oberbayern startet in die Welt des Hobbybrauens. Eine Vorstellung meinerseits steht noch aus, kommt aber demnächst.
Ich will euch `mal kurz beschreiben, wie mein erstes Abenteuer „Bier brauen“ gelaufen ist, meine Irrungen und Wirrungen beschreiben und dann gerne von euch hören, wie blöd ich mich angestellt habe und was dringend zu verbessern ist. Und natürlich hat die ganze Geschichte auch ein paar Fragen aufgeworfen, die aus den diversen Brauanleitungen für mich (als Anfänger) so nicht herauszulesen waren. Da brauchts Erfahrung dazu … . Und die fehlt mir (noch … :-)).

Der erste Sud war jetzt am Samstag, erstmal mit gaaanz einfacher Ausrüstung:
Ein 20 Ltr.-Topf, platziert auf einem Induktionsherd zum Maischen und Würzekochen.
Ein Bratenthermometer, das in der Maische hängt zur Temperaturkontrolle.
Ein langer Holzkochlöffel zum Umrühren.
Eine mit einem Edelstahl-Lochblech und einem Auslaufhahn (Edelstahl) zur Läuterbox umgebauten Kühlbox.
Ein 12-Speidel-Fass, das ich noch von der Weinaufbewahrung hatte, mit einem Gährspund zum Gärfass umfunktioniert.

Beginnen wollte ich erstmal mit einem kleinen Sud, wer weiß, was ‚rauskommt :-). Also 10 Ltr. in den Topf, 2,6 Kg. Malz, 8 Liter für die Nachgüsse.

Samstag um 14:00 Uhr gings los mit Aufheizen.
Eigentlich hat alles problemlos funktioniert bis zur Verzuckerungsrast bei 67°, die sollten 60 Minuten gehalten werden. Also Herdplatte abgestellt. Thermometer zeigt brav gleichbleibende Temperatur. Ich wundere mich schon, dass die Temperatur nicht fällt und ich nicht nachheizen muss. Plötzlich fällt die Temperaturanzeige schlagartig auf 57°. Scheisse, also Power auf die Induktion und fleissig gerührt. Nach kurzer Zeit schiesst das Thermometer auf 80. Panik steigt, das kann doch alles nicht sein … . Nach 10 Minuten ‚rauf und ‚runter hatte ich wieder meine passenden Grade.
Kann es sein, dass das Thermometer gesponnen hat, weil sich Feuchtigkeit zwischen die Messsonde und das Kabel zwischen Sonde und Thermometer geschlichen hat?

Nach der Rast hoch auf 76° und abläutern. Da ich in meinem Topf keinen Hahn habe wird umgeschöpft in die „Läuterbox“.
So, kurz zur Box. Das Lochblech ist ungefähr 8 cm über dem Boden (kann ich tiefer stellen, war nur so ein 1. Versuch), der Ablaufhahn ist ca. 2 cm über dem Boden.

Das Läutern hat eigentlich gut funktioniert, allerdings bleiben unter dem Hahn in der Waagrechten eben 2 cm Flüssigkeit stehen.
1. Frage: Die müssen komplett mit in die Würze, oder? Was da unten steht ist ziemlich weiß/cremefarben, aber ohne Malzreste. Also mit reinkippen? Muss mein Sieb tiefer gestellt werden?

Jetzt zum Würzekochen. Alles gut bis zum „bitteren“ Ende ;-)
Ich stehe eigentlich nicht so sehr auf bittere Biere (meine Frau auch nicht …). Die letzte Hopfengabe, die eigentlich in der Whirlpool sollte, habe ich in meiner Euphorie zu früh reingeworfen, nämlich nachdem die Würze aufgehöhrt hat zu kochen, weil ich gedacht habe, o.k., jetzt kommt eh der Whirlpool. Nochmal kurz nachgelesen – shit, der Whirlpool kommt erst nach Ende der Konvektionsbewegung- aber die dauert, und dauert, und dauert. Da denke ich noch, egal, macht ja nix.

Dann endlich Whirlpool. Ob der etwas gebracht hätte weiß ich nicht, weil ich mangels Ablasshahn aus dem Topf eh‘ wieder abschöpfen muss und der ganze Inhalt dadurch wieder schön durchgemischt wird.

2. Frage: Mit der Ausrüstung kann ich mir den Whirlpool komplett sparen, oder?

Ein Problem war das „nicht funktionieren“ des Whirlpools nicht, da ich glücklicherweise einen Hopfenfilter hatte, durch den ich die Würze ins Gärfass gekippt habe. Natürlich habe ich davon noch eine Probe genommen und beiseite gestellt, damit ich nach der Abkühlung die Stammwürze messen kann.
Die brachte dann 14° Plato und ich habe die Würze natürlich gekostet. Und habe mir gedacht, so bitter war das Rezept eigentlich doch nicht gedacht. Also im Internet ‚rumgesucht, IBU-Rechner gefunden. Es kam 45 'raus, 35 waren geplant. Und da kam das Problem dann zum Vorschein, Hopfengabe vor Ende der Konvektion, warten auf Konvektionsende, Warten bis der (unnötige?) Whirlpool ausgedreht hat, alles zählt noch mit in die Bitterung.

3. Frage: Warten bis Konvektionsbewegung beendet ist, Whirlpool. Wie ist denn der korrekte Umgang mit diesen Dingen, damit ich meine Bitterung künftig korrekt abschätzen kann?

Aus dem ganzen Brauvorgang konnte ich letztendlich ca. 10 Ltr. Würze gewinnen, so gegen 20:00 Uhr war wieder alles sauber und verräumt. Die Würze hat über Nacht abgekühlt, die Hefe ist seit gestern Vormittag drauf und arbeitet auch schon fleißig. Es scheint also (fast) alles nach Plan zu laufen. Wovor ich noch ein wenig Schiss habe, das ist die korrekte Karbonisierung.

4. Frage: Mit dem Wasser und dem Malz, das ich reingekippt habe und dem, was am Ende übriggeblieben ist, komme ich auf eine „Sudhausausbeute“ von unter 58%. Das erscheint mir sehr wenig. Wo liegt mein Fehler? Ich habe während des Würzekochens absichtlich nicht nachgegossen, weil ich zu niedrige Stammwürze nicht riskieren wollte. Liegt das daran?

Spaß gemacht hat das auf jeden Fall, und eigentlich ging es doch problemloser als ich dachte. Und da ich und meine Frau sehr gerne Bier trinken, wird das nicht der letzte Sud bleiben. Da denkt man dann natürlich auch über eine Ausweitung der Ausrüstung nach, allerdings in Maßen, da Platz nicht im Überfluss vorhanden ist. Entweder ein Einkocher oder ein Teilautomat (Beerfest, Mundschenck o.ä.), damit das Ganze auch finanziell in einem von der Dame des Hauses akzeptierten Rahmen bleibt.

So, wer es bis hierher geschafft hat, dem Danke ich für seine Geduld. Wenn Jemand eine Antwort auf meine Fragen hat, dann würde ich mich sehr freuen wenn ihr euch de Mühe macht, und mir ein paar Zeilen antwortet.

Ich werde hier fleißig weiterlesen und versuchen, zu lernen. Mein nächster Versuch wird ein Schwarzbier. Kennt jemand Kathi-Bräu in Heckenhof (in der Fränkischen Schweiz)? So wie das geschmeckt hat (allerdings vor 30 Jahren, als die Kathi noch selbst gebraut hat), das wäre mein Ziel. Mal sehen, wie viele Versuche das braucht :-).

Bis dahin viele Grüße aus Erding vom Franken. :Drink
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Re: Mein allererstes Mal ...

#2

Beitrag von Bierjunge » Montag 19. November 2018, 13:43

Herzlich Willkommen! Hast Du auch einen Vornamen?
Franke1703 hat geschrieben:
Montag 19. November 2018, 13:25
Das Läutern hat eigentlich gut funktioniert, allerdings bleiben unter dem Hahn in der Waagrechten eben 2 cm Flüssigkeit stehen.
1. Frage: Die müssen komplett mit in die Würze, oder? Was da unten steht ist ziemlich weiß/cremefarben, aber ohne Malzreste. Also mit reinkippen? Muss mein Sieb tiefer gestellt werden?
Ich zitiere mich mal selber, was ich in einem anderen, zeitgleichen Thread (Dritter Sud und viele Fragen) vor ca. einer Stunde geschrieben habe:
Bierjunge hat geschrieben:
Montag 19. November 2018, 12:29
(...) Das wich­tigs­te Kri­te­ri­um für uns ist das Errei­chen der Ziel‐​Stammwürze. Hier soll­te jeder genug Erfah­rungs­wer­te besit­zen, wie­viel Was­ser beim Kochen noch ver­damp­fen wird (z.B. 10%), so dass dann z.B. für ein Bier von 12 Grad Pla­to eine Pfan­ne­voll­wür­ze von 10,8 Grad Pla­to rich­tig wäre. Habe ich dann noch eine Glatt­was­ser­kon­zen­tra­ti­on von z.B. 5 Grad Pla­to, ärge­re ich mich nicht über den ver­schenk­ten Extrakt, son­dern freue ich mich, alles rich­tig gemacht zu haben. Ist sie aber schon vor­her bei­spiels­wei­se unter 3 Grad Pla­to gefal­len, bre­che ich das Läu­tern ab und ver­dün­ne lie­ber mit Was­ser auf Ziel­stär­ke.

Dann stellt sich auch gar nicht erst die Fra­ge, was man mit der u.U. wie­der trü­ben Rest­flüs­sig­keit macht, die man bei Bot­ti­chen mit seit­li­chem Ablauf am Ende noch durch Kip­pen des Bot­tichs gewin­nen könn­te.
Franke1703 hat geschrieben:
Montag 19. November 2018, 13:25
4. Frage: Mit dem Wasser und dem Malz, das ich reingekippt habe und dem, was am Ende übriggeblieben ist, komme ich auf eine „Sudhausausbeute“ von unter 58%. Das erscheint mir sehr wenig. Wo liegt mein Fehler? Ich habe während des Würzekochens absichtlich nicht nachgegossen, weil ich zu niedrige Stammwürze nicht riskieren wollte. Liegt das daran?
Nein. Durch Wasser-Nachgießen während des Kochens änderst Du am Extrakt (am gewonnenen Zucker) überhaupt nichts. Und Ausbeute ist ja die gewonnene Extraktmasse im Verhältnis zur eingesetzten Malzmasse. In wieviel Wasser der Extrakt gelöst ist, ist dafür unerheblich.
Aber "knapp 60%" sind für den Anfang und vor allem bei derart kleinen Suden doch gar nicht einmal so schlecht!
Mit etwas mehr Erfahrung insbes. beim Läutern (Gussführung, u.U. Aufhacken) wird das noch etwas besser werden.
Und dann hast Du ja bereits selber auf den Totraum unter dem Läuterboden hingewiesen, wo tatsächlich einiger Extrakt im Vergleich zu Deiner eher kleinen Würzemenge liegengeblieben sein dürfte. Die andere Frage ist, ob Du das trübe Zeug da unten überhaupt hättest haben wollen.
Ausbeute wird meiner Meinung nach unter Hobbybrauern eh hoffnungslos überbewertet. Wobei eine gewisse Konstanz, mehr als hohe Absolutwerte, einem künftige Planung erleichtert. Unter Deinen Bedingungen ist das aber meiner Meinung nach wie gesagt ganz passabel.

Moritz

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Re: Mein allererstes Mal ...

#3

Beitrag von Franke1703 » Donnerstag 22. November 2018, 07:40

Hallo Moritz,

vielen Dank für Deine Antwort. Ich bin zur Zeit etwas im „Familienstress“, deshalb die späte Antwort.
Klar habe ich auch einen Vornamen, Thomas :Smile

Beim meinem ersten Sud war ich froh, dass ich den Gesamtablauf einigermaßen hinbekommen habe, nix vergessen wurde, das Läutern funktioniert hat. Und weil eben noch jede Erfahrung fehlt, habe ich beim Kochen noch nicht „reingepfuscht“. Außerdem liest man schon in verschiedenen Texten (auch bei Brauanleitungen hier im Forum (verlinkt?), das ein Nachgießen (oder eben nicht) Einfluss auf die Stammwürze hat. Über meine „Zielstammwürze“ versuche ich mir vor dem nächsten Sud Gedanken zu machen.

Was die Brühe im Läuterbottich angeht, da wusste ich eben auch nicht, was da drin ist. Enthält die viel gelösten Zucker und das wegkippen wäre fatal, oder brauch ich das nicht. Wie schon gesagt, eben keine Erfahrung. Brauch ich also nicht, Deiner Meinung nach?

Bin noch nicht sicher, was ich mir zum Maischen/Würzekochen besorge. Einen Einkocher oder den Klarstein Beerfest.

Der nächste Sud (Schwarzbier) wird auf jeden Fall noch mit der vorhandenen Ausrüstung angesetzt :-)

Falls noch Jemand Tipps zu meinen Punkten 2) und 3) hat wäre ich sehr dankbar!

Viele Grüße aus Erding :Drink
Thomas
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Re: Mein allererstes Mal ...

#4

Beitrag von Bierwisch » Donnerstag 22. November 2018, 08:02

Hallo Thomas,
auch der Whirlpool wird maßlos überschätzt...

Das ist halt ein Hilfsmittel/Trick, um am Ende so wenig Hopfen- und Eiweißschmodder im Gärfaß zu haben, wie möglich. Wenn ich mit Doldenhopfen arbeite, laß ich ihn komplett weg.

Es gibt hier ein paar Dinge zu trennen - die Isomerisierung des Hopfens (die "Entstehung" der Bittere) passiert über 80°C und ist außerdem abhängig von der Zeit. So lange Du also über dieser Temperatur bist und neuen Hopfen gibst, wird Dein Bier immer bitterer.
Alternativ kannst Du die Würze auf 80°C runterkühlen und dann Aromahopfen geben. Daraus resultiert keine zusätzliche Bittere, es entstehen aber schöne Hopfenaromen (je nach Hopfensorte).

Auf Mueggelland.de gibt es einen sehr komfortablen Hopfenrechner, mit dem Du mal spielen könntest, um die Abhängigkeit der Bittere von Zeit und Temperatur zu sehen.

Gruß
Bierwisch
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Re: Mein allererstes Mal ...

#5

Beitrag von Sura » Donnerstag 22. November 2018, 08:09

zu 2)
Whirlpool würde ich immer machen. Die Aussage das der überschätzt wird kann ich kaum nachvollziehen. Mit ordentlichem Whirlpool brauchst du nichtmal nen Filtersack für den Schmodder und den Heisstrub. Du kannst übrigens auch von oben abziehen. Würde ich in dem Fall sowieso empfehlen: Silikonschlauch mit (abgekochten) Wasser füllen, zuhalten, reintauchen und am Rand(!) runterlassen (und loslassen, nicht mit der Hand reintauchen!!), anderes Ende in den Gäreimer, loslassen. Braucht eventuell etwas Übung, probier das erstmal mit Wassereimern.

zu 3)
Zum ausrechnen gibts Rechner bei maischemalzundmehr.de ... Die Zeit die vergeht, bis es nach dem bis af 80°C ist, nennt man Nachisomerisierungszeit, und die kann man angeben. Whirlpool würde ich bei 80°C machen.

Zum Topf:
Beerfest rein zum kochen ist ok. Aber die tendieren dazu undicht zu werden, und die Klarsteinverarbeitung grade im elektrischen Bereich..... naja. Da wäre mir das Geld zu schade, bzw. mag ich es nicht, wenn ich ein Gerät in Betrieb habe mit 25kg kochendem Zuckerwasser und ich weiss, das irgendwann an der Stelle wo die Elektrik sitzt die Suppe unten rausläuft... (das hatten viele mit dem Teil!)
Ein Einkocher ist da besser, der Biggie soll ja ganz gut sein. Das ist aber ungefähr so, als wenn du vorhast einen Offroadausflug mit einem VW-SUV zu machen. Geht in begrenztem Maßstab, aber so richtig glücklich wird man aufgrund von Kompromissen nie sein. Hendi und ne ordentlicher Topf ist da dann im gewählten Beispiel der Landrover. Alles funktioniert, und beim saubermachen muss man auch nicht aufpassen wo der Wasserschlauch hinspritzt.(Vergleich Topf ohne Elektrik / Topf mit eingebauter Elektrik (Enkocher, Beerfest))

Hendi mit Topf kostet das doppelte wie ein Einkocher, aber der Unterschied im Handling und vor allem in der Hitzeübertragung (Geschwindigkeit, Übertragung, Anbrenngefahr) ist schlichtweg nicht ernsthaft vergleichbar.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)

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Re: Mein allererstes Mal ...

#6

Beitrag von Franke1703 » Donnerstag 22. November 2018, 09:05

Vielen Dank für die Antworten,

so langsam fügt sich eins ins andere. Meinen nächsten Sud werde ich ein bisschen besser vorbereiten können ... :thumbsup
Ich nehme gerne noch weitere Meinungen/Tipps :Drink

Grüße aus Erding
Thomas
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Re: Mein allererstes Mal ...

#7

Beitrag von Bierwisch » Donnerstag 22. November 2018, 09:32

@Sura
Sag ich doch: überbewertet, nicht überflüssig. Je nach Setting spart einem der WP das Reinigen des Filters. Wenn bei mir aber 300g Doldenhopfen im 100l Topf rumschwimmen, kann ich whirlpoolen soviel ich möchte...

@Thomas
zwei Worte zur Karbonisierung - das ist einfache Mathematik: wieviel CO2 ist aktuell im Jungbier und wieviel CO2 soll im fertigen Bier sein? Die Differenz muß ich hinzufügen.
Am Anfang bietet sich Haushaltszucker an. Die Faustformel besagt, daß eine Hälfte des Zuckers zu CO2 und die andere zu Alkohol wird. Dann berechnet man die nötige Zuckermenge pro Liter oder pro Flasche (bitte nicht verwechseln) und stellt die Flaschen zur Nachgärung wieder etwas wärmer.
Im Wiki findest Du alle Details und wenn dann immer noch was unklar sein sollte, helfen wir gerne weiter.

Gruß
Bierwisch
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Re: Mein allererstes Mal ...

#8

Beitrag von irrwisch » Donnerstag 29. November 2018, 22:30

Franke1703 hat geschrieben:
Montag 19. November 2018, 13:25
Kann es sein, dass das Thermometer gesponnen hat, weil sich Feuchtigkeit zwischen die Messsonde und das Kabel zwischen Sonde und Thermometer geschlichen hat?
Das mit dem Bratenthermometer hast du selber ganz richtig erkannt.
Die sind nicht für Flüssigkeiten gemacht. Kommt Flüssigkeit (auch in Form von Dampf) in die Hülse fangen sie an Unfug zu messen.

Um das Thermometer zu "reparieren" einfach mal bei höherer Temperatur in den Backofen legen bis es wieder richtig misst.

Ich hab das Thema selber durch mit zwei verschiedenen Bratenthermometern, eines davon war das von Hobbybrauern gern genommene Fantast von Ikea.

Seitdem habe ich mir aus dünnen Kupferrohren ein paar sehr lange Tauchhülsen gebastelt in die keine Feuchtigkeit mehr reinkommt (das untere Ende zugequetscht und mit Kupferlot zugelötet). Damit hat man das Problem dann nicht mehr.
Für Festinstallationen im Topf gibts dann auch noch Edelstahl Tauchhülsen zum reinschrauben.

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Re: Mein allererstes Mal ...

#9

Beitrag von Franke1703 » Freitag 30. November 2018, 21:28

Schönen guten Abend zusammen,

nochmal vielen Dank für die hilfreichen Antworten.
Heute Abend habe ich meinen ersten Sud abgefüllt. Ein gutes Gefühl :Wink . Ich habe es endlich geschafft, den kleinen Brauhelfer anständig zum Laufen zu kriegen und meinen Sud und meine Messergebnisse brav eingetragen. Die Zuckermenge, die dort ausgerechnet wurde, auf die habe ich mich jetzt einfach 'mal verlassen und so karbonisiert.

Meine letzte Spindelmessung habe ich dann natürlich nicht weggekippt sondern direkt verkostet :Bigsmile .Schmeckt eigentlich gar nicht schlecht, fast schon lecker, der Geschmack wird aber leider gleich von der für mich zu hohen Bitterung überdeckt (wie schon oben beschrieben). Mal sehen, was am Ende 'rauskommt. Für den ersten Versuch wars, denke ich, ganz o.k. Gut ist, dass ich meinen Fehler kenne, also lässt er sich morgen beim Schwarzbier, wenn alles klappt, vermeiden :Bigsmile . Dann werde ich auch mein Bratenthermometer nicht mehr so tief in den Sud hängen ... .

Eine Frage noch zum Ablauf der Flaschengärung. Ich würde meine Kiste mit den Flaschen jetzt erstmal eine Woche bei der Temperatur stehen lassen, bei der der Sud auch gegärt hat (ca. 19,5°C), und dann kühler stellen. Passt das so?

Grüße aus Erding
Thomas
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Re: Mein allererstes Mal ...

#10

Beitrag von afri » Freitag 30. November 2018, 22:51

Franke1703 hat geschrieben:
Freitag 30. November 2018, 21:28
Eine Frage noch zum Ablauf der Flaschengärung. Ich würde meine Kiste mit den Flaschen jetzt erstmal eine Woche bei der Temperatur stehen lassen, bei der der Sud auch gegärt hat (ca. 19,5°C), und dann kühler stellen. Passt das so?
Ja, das passt. Du kannst es sogar wärmer stellen, bei der NG kommt's nicht so auf die Temperatur an. Danach dann in die Kälte, das ist richtig.
Achim (eine Woche lang sogar bis an 0° gehend, damit sich das CO2 besser bindet)
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Re: Mein allererstes Mal ...

#11

Beitrag von Alt-Phex » Samstag 1. Dezember 2018, 01:09

Ohne Flaschenmanometer solltest du nach einer Woche erstmal eine Flasche probieren. Passt die Karbonisierung kann das Bier in den Kühlschrank. Passt die noch nicht den Vorgang eine Woche später wiederholen. Das kann in einer Woche durch sein, muss es aber nicht. Meistens sind es eher zwei Wochen. Kann auch mal 3-4 Wochen dauern. Das hängt von vielen Parametern ab.
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Re: Mein allererstes Mal ...

#12

Beitrag von Beerkenauer » Samstag 1. Dezember 2018, 07:13

irrwisch hat geschrieben:
Donnerstag 29. November 2018, 22:30
Franke1703 hat geschrieben:
Montag 19. November 2018, 13:25
Kann es sein, dass das Thermometer gesponnen hat, weil sich Feuchtigkeit zwischen die Messsonde und das Kabel zwischen Sonde und Thermometer geschlichen hat?
Das mit dem Bratenthermometer hast du selber ganz richtig erkannt.
Die sind nicht für Flüssigkeiten gemacht. Kommt Flüssigkeit (auch in Form von Dampf) in die Hülse fangen sie an Unfug zu messen.

Um das Thermometer zu "reparieren" einfach mal bei höherer Temperatur in den Backofen legen bis es wieder richtig misst.

Ich hab das Thema selber durch mit zwei verschiedenen Bratenthermometern, eines davon war das von Hobbybrauern gern genommene Fantast von Ikea.

Seitdem habe ich mir aus dünnen Kupferrohren ein paar sehr lange Tauchhülsen gebastelt in die keine Feuchtigkeit mehr reinkommt (das untere Ende zugequetscht und mit Kupferlot zugelötet). Damit hat man das Problem dann nicht mehr.
Für Festinstallationen im Topf gibts dann auch noch Edelstahl Tauchhülsen zum reinschrauben.
Zudem kann die Induktionskochplatte das Thermometer „verwirren“.Habe festgestellt ,
Dass der Unterschied Hendi an/aus etwa 2 Grad ausmacht. Aber in diesem Fall liegt es wohl eher daran, dass Bratenthermometer nicht für Feuchtigkeit ausgelegt sind.

Stefan, der auch mit Bratenthermometer angefangen hat :Greets

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Re: Mein allererstes Mal ...

#13

Beitrag von Chrissi_Chris » Samstag 1. Dezember 2018, 08:46

Sura hat geschrieben:
Donnerstag 22. November 2018, 08:09
zu 2)
Whirlpool würde ich immer machen. Die Aussage das der überschätzt wird kann ich kaum nachvollziehen
Habe ich auch eine ganze Zeit gemacht, das ganze macht nur kaum Sinn wenn man in der Pfanne auf Anstelltemperatur kühlt und den abgesetzten Trub und Schnodder dann wieder mit dem Whirlpool aufwirbelt. Dann ist ein WP kontra produktiv.

Klar laufen tut es dann genauso, was nicht heißt das ein WP keinen Sinn macht aber Ebend halt nur wenn im Gäreimer gekühlt wird.

LG Chris
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Re: Mein allererstes Mal ...

#14

Beitrag von Franke1703 » Samstag 1. Dezember 2018, 20:10

Die Idee mit der Indutionsplatte hatte ich heute auch. Ich habe extra auf das Thermometer aufgepasst, trotzdem macht es nach dem Abschalten der Induktionsplatte, weil die Temperatur erreicht war, plötzlich einen Sprung um 2-3 °C nach oben. Ich weiß aber, ob das Ding nicht grundsätzlich spinnt. Solche Sprünge um 2-3 Grad am Stück nach oben oder unten kommen während des Maischens öfter vor.

Noch eine Frage zur Flachengärung: Erkennt man irgendwie, das die gerade stattfindet (oder eben nicht) oder kann man nur hoffen, das das alles seinen korrekten Ablauf nimmt. Bei meinen gestern Abend abgefüllten Flaschen tut sich garnix, etwas Klärung vielleicht und ein zu erkennender Satz am Boden :Grübel .

Viele Grüße aus Erding
Thomas
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Re: Mein allererstes Mal ...

#15

Beitrag von afri » Samstag 1. Dezember 2018, 23:15

Franke1703 hat geschrieben:
Samstag 1. Dezember 2018, 20:10
Noch eine Frage zur Flachengärung: Erkennt man irgendwie, das die gerade stattfindet (oder eben nicht) oder kann man nur hoffen, das das alles seinen korrekten Ablauf nimmt. Bei meinen gestern Abend abgefüllten Flaschen tut sich garnix, etwas Klärung vielleicht und ein zu erkennender Satz am Boden
Na, ein paar kleine Indizien gibt es schon: leichter Schaum auf der Oberfläche, Klärung und zunehmender Bodensatz. Die NG sollte nicht länger dauern als die HG, ansonsten musst du glauben oder hoffen, dass es jetzt fertig vergoren ist. Ein Flaschenmanometer gibt auch Auskunft, nützliches kleines Utensil, das. Ich habe mir außerdem angewöhnt, mindestens eine Flasche mit Klarglas zu befüllen, so kann man die Klärung oder generell die Farbe gut beurteilen im Reifeprozess.

Andererseits, was willst du bei nachgärendem Bier in Flaschen schon tun? Da bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als auf korrektes Verhalten zu hoffen. Vorausgesetzt, dass man alles richtig gemacht hat, ist diese Hoffnung völlig berechtigt. Und nach nur einem Tag sollte man auch nicht allzu ungeduldig sein, denn Geduld ist die höchste aller Tugenden des Hobbybrauers. Bier wird's immer, gut meistens auch.
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Re: Mein allererstes Mal ...

#16

Beitrag von Franke1703 » Sonntag 2. Dezember 2018, 12:27

So, gestern habe ich meine Kiste noch neben den Heizkörper im "Gärraum" gestellt (nicht voll aufgedreht :-), und schon heute Vormittag gibts ganz feine Bläschen/Schaumbildung in den Flaschen.

Grüße aus Erding
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Re: Mein allererstes Mal ...

#17

Beitrag von Alt-Phex » Montag 3. Dezember 2018, 15:31

Ohne Flaschenmanometer lässt du dem Bierchen jetzt erstmal 14 Tage zeit für die Nachgärung. Dann eine klat stellen und probieren. Passt die Karbonisierung kann der Rest auch in den Kühlschrank. Wenn nicht dann eine weitere Woche warten.

Die Flaschen in der ersten Woche hin und wieder mal aufschütteln, damit die Hefe in schwebe bleibt.
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Re: Mein allererstes Mal ...

#18

Beitrag von Franke1703 » Freitag 4. Januar 2019, 23:18

Hallo zusammen,
von meinem ersten selbstgebrauten Bier sind noch 4 Flaschen übrig. Ich selbst habe nur wenig davon abgekriegt. Im Glas macht es eine wirklich gute Figur, schön bernsteinfarben mit einem tollen, stabilen Schaum. Allen Verkostern hat es ausgezeichnet geschmeckt. Auch der wichtigste von allen, meine Frau, war begeistert. Ich habe jetzt die endgültige Freigabe zum Weiterbrauen (200 Ltr. sind frei? Das wird nicht reichen ...) :thumbsup .
Von der von mir erwarteten zu betonten Bittere ist wenig geblieben, ist absolut im Rahmen, auch für meinen Geschmack. Jetzt habe ich aber wenigstens eine Vorstellung, was ich mir unter berechneten 43 IBU vorzustellen habe :redhead.
Beim nächsten Versuch werde ich trotzdem anstreben, bei den im Rezept angegebenen 34 zu landen :Bigsmile

Grüße aus Erding
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