Fehlaromenseminare- so überflüssig wie ein Kropf?

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Aeppler
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Re: Fehlaromenseminare- so überflüssig wie ein Kropf?

#51

Beitrag von Aeppler » Mittwoch 31. Juli 2019, 15:17

flying hat geschrieben:
Mittwoch 31. Juli 2019, 15:04
Wer sich das zu Weiterbildungszwecken antut, von mir aus gerne. Wenn ich mir vorstelle irgendwelche Thiole oder Buttersäure ins Bier zu geben, damit es nach Gulli oder Kotze schmeckt...da müsste ich wohl kotzen?
Gulli kennt jeder von uns denke ich aber ..

wie soll jemand wissen wie Babykotze riecht, dem nie welche nach dem ersehnten Bäuerchen lauwarm den Rücken runtergelaufen ist? Ist also gewissermaßen eine Fortbildung für den jungmännlichen Rüssel in noch nie erlebten Aromen. René, dir scheint es ja mehrspurig den Rücken runtergelaufen zu sein, alle Achtung. Ich habe echte Schwierigkeiten, den Duft nach 25 Jahren wieder zu erkennen. Aber ja, ekelig ist er schon.

Viel wichtiger finde ich das "woher kommt es" und "wie kann ich es vermeiden".
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Re: Fehlaromenseminare- so überflüssig wie ein Kropf?

#52

Beitrag von flying » Mittwoch 31. Juli 2019, 16:24

Aeppler hat geschrieben:
Mittwoch 31. Juli 2019, 15:17
flying hat geschrieben:
Mittwoch 31. Juli 2019, 15:04
Wer sich das zu Weiterbildungszwecken antut, von mir aus gerne. Wenn ich mir vorstelle irgendwelche Thiole oder Buttersäure ins Bier zu geben, damit es nach Gulli oder Kotze schmeckt...da müsste ich wohl kotzen?
Gulli kennt jeder von uns denke ich aber ..

wie soll jemand wissen wie Babykotze riecht, dem nie welche nach dem ersehnten Bäuerchen lauwarm den Rücken runtergelaufen ist? Ist also gewissermaßen eine Fortbildung für den jungmännlichen Rüssel in noch nie erlebten Aromen. René, dir scheint es ja mehrspurig den Rücken runtergelaufen zu sein, alle Achtung. Ich habe echte Schwierigkeiten, den Duft nach 25 Jahren wieder zu erkennen. Aber ja, ekelig ist er schon.

Viel wichtiger finde ich das "woher kommt es" und "wie kann ich es vermeiden".
Gutes Beispiel! Bei einer Verkostung einer 30 Jahre alten Berliner Weissen sagten mehrere Männer in besten Jahren mit Erfahrungen in der Kindeserziehung übereinstimmend, "das schmeckt nach Babykotze". Ein paar Jünglinge hingegen konnten mit dem Aromaeindruck nichts anfangen.
Da frage ich mich was die Aromaleitsubstanz dieser speziellen Art Kotze ist und ob man ihn bei einem Fehlaromenseminar erlernen kann?
Gibt man z. B. in meiner Gegend einer Person meines Alters ein Orval o. ä. zu kosten, kann diese mit "Pferdedecke, nasser Hund, Stallaroma usw." nix anfangen. Sagt man aber "denke mal an die alte, rote DDR- Holzfassbrause so heißt es umgehend "Bingo".

Aromaeindrücke sind immer schwer subjektiv und von persönlichen Erfahrungen und Assoziation abhängig. Außerdem sind sie immer komplex. Ich denke eben, dass diese Tastingrunden mit Chemiecocktails eher schaden als nutzen.
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Re: Fehlaromenseminare- so überflüssig wie ein Kropf?

#53

Beitrag von Bierjunge » Mittwoch 31. Juli 2019, 16:47

§11 hat geschrieben:
Mittwoch 31. Juli 2019, 12:45
Genauso Diacetyl. Ja Butter geht in die richtige Richtung. Wer allerdings gebutterte Popcorn aus den USA kennt, der kennt den Geruch von Diacetyl.
Guter Punkt!
Das geht so weit, dass die sog. "Popcorn Worker's Lung" (durch Diacetyl-Dämpfe ausgelöste Bronchiolitis obliterans) einer anerkannte Berufskrankheit von Arbeitern in Popcorn-Fabriken ist.

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Re: Fehlaromenseminare- so überflüssig wie ein Kropf?

#54

Beitrag von Aeppler » Mittwoch 31. Juli 2019, 17:02

flying hat geschrieben:
Mittwoch 31. Juli 2019, 16:24
... Männer in besten Jahren mit Erfahrungen ...

Aromaeindrücke sind immer schwer subjektiv und von persönlichen Erfahrungen und Assoziation abhängig. Außerdem sind sie immer komplex. Ich denke eben, dass diese Tastingrunden mit Chemiecocktails eher schaden als nutzen.
Ich dampfe das mal ein bischen ein. Erfahrung. Ich bekenne mich zu denen zugehörend, die erst vor wenigen Jahren angefangen haben selbst zu brauen, weil sie das Einheitsbier einfach nicht mehr sehen konnten. Letzteres niedere Motivation, zugegeben. Folglich kann ich auch nicht mit der Erfahrung aufwarten, die langjähriger Brauer hat.

Mein täglicher Bierkonsum hält sich auch in Grenzen, insofern siehe oben, trinkfeste oder feste trinkende sind mir gegenüber durchaus im Vorteil, was Vielfalt und sensorische Erfahrung angeht.

Nochmal Erfahrung. Eine Idee zu bekommen, wie Gammelbier riechen und schmecken kann halte ich durchaus für nicht verkehrt. Hilft eben beim Sammeln von Erfahrung. Bei den beiden FG-Runden an denen ich teilgenommen habe war keiner von denen zugegen, die sich hier als Erfahrene outen, der sein mißglücktes Getränk ausgeschenkt hat und exakt sagen konnte was der merkwürdige Geruch / Geschmack war, woher es kommt und wie man es verhindern kann. Da müssen wir halt zum Chemiecocktail greifen, wenn die Erfahrenen uns nicht weiter helfen, weil sie ja nur guten Stoff produzieren.

Rückblickend kann ich mich sogar nur an Ruthard mit seinem Pacific in Zwönitz erinnern.... und jetzt höre ich auf mit dem bösen E-Wort.
Beste Grüße aus Mengelse.
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Re: Fehlaromenseminare- so überflüssig wie ein Kropf?

#55

Beitrag von Sura » Mittwoch 31. Juli 2019, 17:14

flying hat geschrieben:
Mittwoch 31. Juli 2019, 16:24
Aeppler hat geschrieben:
Mittwoch 31. Juli 2019, 15:17
flying hat geschrieben:
Mittwoch 31. Juli 2019, 15:04
Wer sich das zu Weiterbildungszwecken antut, von mir aus gerne. Wenn ich mir vorstelle irgendwelche Thiole oder Buttersäure ins Bier zu geben, damit es nach Gulli oder Kotze schmeckt...da müsste ich wohl kotzen?
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Viel wichtiger finde ich das "woher kommt es" und "wie kann ich es vermeiden".
Gutes Beispiel! Bei einer Verkostung einer 30 Jahre alten Berliner Weissen sagten mehrere Männer in besten Jahren mit Erfahrungen in der Kindeserziehung übereinstimmend, "das schmeckt nach Babykotze". Ein paar Jünglinge hingegen konnten mit dem Aromaeindruck nichts anfangen.
Da frage ich mich was die Aromaleitsubstanz dieser speziellen Art Kotze ist und ob man ihn bei einem Fehlaromenseminar erlernen kann?
Gibt man z. B. in meiner Gegend einer Person meines Alters ein Orval o. ä. zu kosten, kann diese mit "Pferdedecke, nasser Hund, Stallaroma usw." nix anfangen. Sagt man aber "denke mal an die alte, rote DDR- Holzfassbrause so heißt es umgehend "Bingo".

Aromaeindrücke sind immer schwer subjektiv und von persönlichen Erfahrungen und Assoziation abhängig. Außerdem sind sie immer komplex. Ich denke eben, dass diese Tastingrunden mit Chemiecocktails eher schaden als nutzen.
Das zu kennen muss aber kein Vorteil sein. Ein Flaschen-Beck´s schmeckt für mich vollkommen normal. Ich bin damit aufgewachsen.
Ich habe auch mit einigen "dörflichen" Aromen meine Probleme, weil mein Hirn die größtenteils automatisch ausblendet. Ich bin als Kind regelmässig an gejauchten Feldern mit dem Rad vorbei gefahren, und während des Studiums mit dem Auto. Da entwickelt sich das ausblenden schon aus Gründen des Selbstschutzes. Bevor ich das "einfach so" rieche, muss ich das schon wollen und erwarten.

Und wann will ich das schon? ;)
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Re: Fehlaromenseminare- so überflüssig wie ein Kropf?

#56

Beitrag von Aeppler » Mittwoch 31. Juli 2019, 17:21

Gerade den HBCon Film angeschaut. Tilo bringt es doch wirklich auf den Punkt.
Beste Grüße aus Mengelse.
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Re: Fehlaromenseminare- so überflüssig wie ein Kropf?

#57

Beitrag von flying » Mittwoch 31. Juli 2019, 17:52

Hab mir den Film gerade eben auch angeschaut. Der ist wirklich super. Um so schöner ist es doch über das Für und Wieder von Fehlaromenseminaren zu diskutieren.
Erfahrungsvorteile durch jahrzehntelanges, reichliches Querbeet- Gebechere will ich natürlich keinem absprechen. Die sind unersetzlich.. :Smile
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Re: Fehlaromenseminare- so überflüssig wie ein Kropf?

#58

Beitrag von Tozzi » Mittwoch 31. Juli 2019, 22:48

Die richtig ekligen Fehlaromen sind auch eher selten.
Wenn man die Kits laut Packungsangabe dosiert, sind die meisten davon eher schwierig herauszuschmecken.

Und nach zwei selbst veranstalteten Seminaren kann ich nur sagen, man glaubt gar nicht, wie unterschiedlich teilweise die individuellen Assoziationen ausfallen können.
DMS erinnert manche an Meeresgeruch, andere an Kohlsuppe. Oxidation kann durchaus auch mal mit "Joghurt" assoziiert werden, für mich ist das eher "eingeweichtes Zeitungspapier".

Deshalb halte ich Aromenseminare für extrem wertvoll.
Denn wenn man das (Fehl?) Aroma nicht richtig einsortieren kann, wie will man dann im eigenen Bier die Entstehung vermeiden (oder forcieren)?
Viele Grüße aus München
Stephan

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Re: Fehlaromenseminare- so überflüssig wie ein Kropf?

#59

Beitrag von Johnny H » Sonntag 4. August 2019, 12:38

Johnny H hat geschrieben:
Mittwoch 31. Juli 2019, 13:33
ggansde hat geschrieben:
Mittwoch 31. Juli 2019, 12:59
[...] Was mir aber bislang niemand näher bringen konnte in Worte zu fassen ist Oxidation, die ist leider so diffus. Cardboard beschreibt es für mich nämlich gar nicht.
[...]
Ich kenne definitiv Pappe, Honig, Holz und Sherry aus oxidierten bzw. gealterten Bieren. Dazu dann noch ein sehr unangenehmes Aroma, was ich nicht benennen kann, was aber recht zuverlässig und ziemlich schnell in meiner letzten Flasche beim Abfüllen entsteht, die ich nicht mehr ganz voll bekomme. Ob das "ribes" (schwarze Johannisbeere) bzw. "cat piss" ist, kann ich leider nicht sagen.
[...]
Nochmal zu einem Alterungs- bzw. Oxidationsgeschmack:

Ich hatte gestern ein helles Bier von einem Kleinbrauer hier aus der Gegend, Bierstil Pils. Ich weiß, dass er das unfiltrierte Bier vor der Flaschenabfüllung über einen KZE schickt und die Hefe somit nachfolgend als Sauerstoffkonsument ausfällt. Die Abfüllstation kenne ich nicht, kann mir aber nicht vorstellen, dass dort mehrfach vakuumiert bzw. mit CO2 vorgespannt wird. Das Bier war auch noch recht frisch und durchweg kühl bis kalt gelagert.

Ich konnte eindeutig eine leichte Oxidationsnote rausschmecken. Es war noch nicht schlimm, aber doch für mich klar wahrnehmbar. Das war genau die Geschmacksnote, die ich aus meinen halbvollen Flaschen und auch aus manchen hellen Craftbieren kenne, für die ich aber keine Worte habe. "Pappe" trifft es sicherlich nicht.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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Re: Fehlaromenseminare- so überflüssig wie ein Kropf?

#60

Beitrag von afri » Sonntag 4. August 2019, 21:21

Bei meinen Jährlingen und Zweijährlingen ist mir hin und wieder der Alterungsgeschmack "Sherry" aufgefallen, nie jedoch die Pappe, die andernorts gern als Indikator für Oxidation genommen wird. Auch beim jüngsten Versuch mit den fotografierten und ordentlich oxidierten Bieren ist mir kein Pappdeckel aufgefallen, wohl aber ein gewisses dumpfes Aroma, das im Gegensatz zum wenig oxidierten Vergleichsbier nicht so frisch und blumig roch.

Es ist schwer, sowas in Worte zu fassen, keine Frage, daher finde ich diese Fehlaromenseminare sicher nicht verkehrt, ohne je an einem teilgenommen zu haben.

Ab morgen steht ein neuer Versuch mit Fotostrecke an, es wird (wie hier angeregt) vier Flaschen geben. Zwei davon wie immer sauerstoffarm abgefüllt (eine mit viel und eine mit wenig Kopfraum), zwei davon werden plätschern gelassen, ebenfalls einmal mit viel und einmal mit wenig Kopfraum. An der Zufärbung werden wir also abermals feststellen können, was das (fehlerhafte) Abfüllen für eine Auswirkung haben kann. Leider kommt unser Urlaub dazwischen (den hatte ich nicht kalkuliert), so dass ich nur die ersten sechs Tage Fotos machen kann und dann wieder knapp drei Wochen später. Der Erkenntnisgewinn wird hoffentlich dennoch gegeben sein.
Achim
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