Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

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Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#1

Beitrag von chaos-black » Sonntag 22. Dezember 2019, 11:10

Hey Leute,
ich wollte mal mit euch über Extrakte diskutieren. Ich bin neulich im Mead House Podcast über die Extracts und "Natural Artisan Flavors" von Amoretti gestolpert und neugierig geworden. Die haben wohl als Hersteller für Back- und Eiscremearomen begonnen, werden aber auch immer mehr in Met und Bier genutzt. Und das Sortiment sieht entsprechend aus, es gibt z.B: Oreo und Chocolate Fudge Brownie Aroma. Das klang für mich super spannend für pastry Stouts beispielsweise.

Man bekommt die ganzen interessanten Sachen eh nicht diesseits des Teichs, daher ist es eh eher eine theoretische Diskussion. Aber ganz allgemein, was ist eure Position zu solchen Extrakten?

Beste Grüße,
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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#2

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Sonntag 22. Dezember 2019, 11:38

Situationsabhängig.
Bei Wettbewerben möchte ich nicht gegen Biere antreten, die mit stilfremden oder "künstlichen" Aromen aufgepeppt wurden.
Bei experimentellen Bieren wiederum, die nur zum trinken und genießen gebraut wurden, finde ich alles OK.

Rein natürliche Zutaten (Früchte, Cacao Nibs, Fichtennadeln, Wacholderzweige, Kaffee, Cacao, Holz(-chips), Fruchtmus etc.) wären in jedem Fall total OK. Auch bei Wettbewerben, insofern der Bierstil dies nicht ausschließt.
Zuletzt geändert von DerDerDasBierBraut am Sonntag 22. Dezember 2019, 11:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#3

Beitrag von Ladeberger » Sonntag 22. Dezember 2019, 11:39

Ich habe damit kein Problem, solange mit offenen Karten gespielt wird. Abgesehen von der Zutatenliste (wo eine Nennung sowieso Pflicht sein sollte), auch in der gut sichtbaren Kommunikation rund ums Produkt. Ich möchte das als Vebraucher nicht erst im Fließtext der Pflichtangaben in 6-Punkt-Schrift erkennen, sondern den Umstand zum Teil meiner Kaufentscheidung machen.

Meine letzte Flasche Ominpollo Pecan Mud Cake wies die Aromastoffe z.B. schon im ersten Absatz auf dem Rückenetikett aus. Und das Bier schmeckt genial. Meines Erachtens alles richtig gemacht.

Gruß
Andy

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#4

Beitrag von integrator » Montag 23. Dezember 2019, 13:15

Kann mich den beiden Vorredner anschliessen. Es sollte aber nicht das Bier dominieren sondern im Experimentierstil nur unterstützen.
Letzendlich arbeiten auch viele schon mit Kalt-, Heiss- oder Alkoholauszüge mit diversen Zutaten.
Ich :Drink du ... läuft.

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#5

Beitrag von §11 » Montag 23. Dezember 2019, 14:18

Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust.

Auf der einen Seite bin ich da eher Purist und seh die Arbeit die sich zum Beispiel ein Brauer macht wenn er, als Beispiel, ein Coffee Stout braut ohne Kaffee zu verwenden, sondern dieses Aroma nur mit Malz erzeugt. Ähnliches gilt auch für Schokolade oder Vanille.

Abgestuft gibt es dann den Brauer der eben frische Kaffebohnen oder Kakao Nips verwendet. Auch hier sehe ich das Handwerk und das sich der Brauer mit der Materie beschäftigt.

Ein Stout zu brauen und dann das fertige Bier mit einem Schuss des entsprechenden Aromas zu pimpen, empfinde ich dabei als „Abkürzung“, aber im negativen Sinn. Es ist, für mich, der falsche Weg.

Mich haben, zum Beispiel, die Biere von Sudden Death geärgert. Nicht so sehr das Aromen verwendet wurden, sondern das aus einem Grundbier zwei verschiedene Biere ausgemischt wurden. Das sind Methoden der Groß- und Industriebrauereien (außerhalb des Geltungsbereichs der Nachfolgeregelungen der Landordnung von 1516) wo zum Beispiel die Bittere über Iso- Alpha Extrakt eingestellt wird und das Bier farblich angepasst wird und so aus einem Grundbier 4-6 Verkaufsbiere zu machen.

Solche Praktiken waren es, die meiner Meinung nach, die die Craftbier Welle ins Rollen gebracht haben.
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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#6

Beitrag von applican » Montag 23. Dezember 2019, 15:18

Ich bin da doch eher auf der kritischen Seite.

Kleine Anekdote: Ich habe mal ein (Craft-) Bier gekauft (irgendein IPA, weiss nicht mehr wie es hiess oder welche Brauerei), den ersten Schluck probiert und so gedacht: boah, diese Hopfen-Citrus-Frische ist jetzt wirklich stark (soweit noch im positiven Sinn) und dann das Etikett abgesucht um herauszufinden, welcher Hopfen das ist. Es stellte sich heraus, dass noch Aromen (Fruchtaromen, und nein, gemäss Deklaration kein Fruchtsaft oder so) enthalten waren. Das fühlte sich schon etwas nach Beschiss an, ich war dann etwas enttäuscht. -> seither achte ich vermehrt auf die Inhaltsstoffe ;-)

Zudem verwende ich auch beim Kochen keine (Industrie-)Aromen, sondern halt "natürliche" Zutaten (klar, irgendwo ist eine schleichende Grenze, was zählt noch wo dazu; wie z.B. die oben erwähnte Alkoholauszüge, sind die "besser" wenn selbst gemacht bzw. schlimmer wenn hier etwas eingekauft wird? Nicht alles fertig ist ist zwingend schlecht und kann trotzdem auch "natürlich" sein).
Hier bin ich aber für möglichst wenig Verarbeitungsschritte, selbst wenns nur fürs gute Gefühl ist...

Womit ich gar kein Problem habe, sind nicht-Reinheitsgebotskonforme Inhaltsstoffe. Gewürze, Früchte, etc können durchaus spannend sein und eine Bereicherung bzw. Abwechslung.
Ich wage aber auch stark zu bezweifeln, dass diese Zusätze immer nötig sind. Ich finde es sehr spannend, was nur schon für Aromen mit den üblichen Zutaten erreicht werden können (IPA das nur durch Hopfen und Hefe eher nach Fruchtsaft als nach Bier schmeckte; Imperial Stout bei dem ich vermutlich wetten würde, es habe Kaffee und Schokolade darin, wenn ich's nicht selbst gebraut hätte; ein einfaches belgisches Blondes das nur durch die Hefe intensive Gewürzgeschmäcker hervorbringt; etc)

Verbieten würde ich's niemandem wollen, aber für mich lieber nicht (zumindest im Normalfall, vielleicht wenn sich irgendein Sonderfall zeigt...).

Gruss Dave

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#7

Beitrag von hkpdererste » Montag 23. Dezember 2019, 17:02

Ist es nicht irgendwie Teil der handwerklichen Herausforderung, dass man den gewünschten Geschmack mit natürlichen Zutaten ins Bier bringt? Ich zumindest würde mir beim Verwenden von zugekauften reinen Aromensets vorkommen als ob ich mich selbst bescheissen würde.

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#8

Beitrag von Malzwein » Montag 23. Dezember 2019, 19:01

Aber was ist denn der sensorische Unterschied (und damit der Unterschied im Genuss) , ob Aromen verwendet werden oder (teure) Handwerkskunst? Ich vermeide Aromen in Lebensmitteln wo es geht, aber die Frage muss trotzdem gestellt werden. Objektiv schwierig wird es, wenn Kinder keine Erdbeere mehr mögen, weil die nicht nach Erdbeere schmecken. Aber sonst?

Kennzeichnungspflicht setze ich mal voraus und wünsche mir die auch bei Likören, Whisky und Rum.
Gruß Matthias

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#9

Beitrag von hkpdererste » Montag 23. Dezember 2019, 19:16

Naja der gleiche Unterschied als ob man z.B. Suppe kocht mit normalen natürlichen Zutaten oder mit Maggi Fix. Das eine ist Handwerk und das andre kannst n dressierten Schimpansen machen lassen.

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#10

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Montag 23. Dezember 2019, 20:06

hkpdererste hat geschrieben:
Montag 23. Dezember 2019, 17:02
Ich zumindest würde mir beim Verwenden von zugekauften reinen Aromensets vorkommen als ob ich mich selbst bescheissen würde.
Kann man nachvollziehen. Aber wo fangen Aromensets an und wo hören sie auf?
Wären die 4,8% Gewürzspekulatius im Spekulatius Winterbier genau genommen nicht auch schon ein "Aromenset"?
Mit welchem Hopfen und welchem Malz bekommt man alternativ auf "natürliche Weise" Spekulatiusaromen ins Bier? Fertiges Spekulatiusgewürz (ohne Kekse) am Kochende hinzugeben wäre auch wieder nur Kleinkunst, weil das Spekulatiusgewürz an sich auch wieder nur eine Gewürzmischung ist, die man als Erschaffer von "natürlichen" Bieren einzeln aufdröseln müsste.

Die drei Aromenhopfenöle von HuM habe ich mir damals als Hilfe bei der Rezeptentwicklung geholt, weil ich mit floral und herbal nicht viel anfangen konnte und wissen wollte, welche Eigenschaften die echten Hopfen haben müssen, mit denen ich ein Rezept weiterentwickle. Dazu habe ich die Aromenöle vorher in verschiedenen Kombinationen in einem Glas Bier ausprobiert.
Selbstbetrug oder Hilfsmittel?
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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#11

Beitrag von hkpdererste » Montag 23. Dezember 2019, 20:28

Ich nehm an du richtest das als Frage an mich.

Den Spekulatius würde ich jetzt als Zutat durchgehen lassen, den isst man schließlich auch so. Dass jetzt jemand hergeht und n halben liter Schokoaromakonzentrat säuft möchte ich zumindest Ausschließen. Und ja, mir ist klar, dass auch das keine endgültige, abschließende Definition darstellt.

Die Hopfenöle zur Rezeptentewicklung vergleiche ich jetzt eher mit Stützrädern am Fahrrad ... Zum lernen okay aber auf Dauer auch keine Lösung.

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#12

Beitrag von Barney Gumble » Dienstag 24. Dezember 2019, 04:21

Also meine Meinung zu dem Thema ist, dass es im Hobbybrauerbereich eigentlich keine Aromen als Zusätze braucht, wir haben eine Fülle von Malzen, eine Fülle von Hopfen und von den Hefen ganz zu schweigen, was allesamt ein sehr großes Spektrum an Aromastoffen (vergleichbar mit der von Käse und anderen Milchprodukten) nur durch die Auswahl der Zutaten mit sich bringt, was bei anderen Lebensmitteln, bei verarbeiteten vor allem nicht der Fall ist und der Grund ist, warum diese fast gar nicht mehr unaromatisiert erhältlich sind.

Ich möchte auch auf den Unterschied von Aromstoffen und Aromaextrakten hinweisen. Oftmals ist nur das Zusammenspiel einer Vielzahl von Aromen in bestimmten Konzentrationen förderlich für die Ausprägung eines runden Aromaprofils, einzelne Aromastoffe (dann aber egal ob natürlichen bzw. chemisch-synthetischen Ursprungs, solange gleiche Struktur (Stichwort R/S-Enantiomerie)) können dagegen oft dahinter zurück bleiben bzgl. der Aromaqualität.

Besonders kritisch würde ich Aromen gegenüberstehen, die bestimmte Herstellungsprozesse imitieren sollen, weiß nicht ob es sowas gibt, aber z. B. Reaktionsaromen für mehr Malzigkeit (Maillardprodukte z. B. Furaneol?) als Ersatz für ein Dreimaischverfahren.

Vg
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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#13

Beitrag von chaos-black » Dienstag 24. Dezember 2019, 09:22

Barney Gumble hat geschrieben:
Dienstag 24. Dezember 2019, 04:21

Besonders kritisch würde ich Aromen gegenüberstehen, die bestimmte Herstellungsprozesse imitieren sollen, weiß nicht ob es sowas gibt, aber z. B. Reaktionsaromen für mehr Malzigkeit (Maillardprodukte z. B. Furaneol?) als Ersatz für ein Dreimaischverfahren.
Wobei es doch schon Zutaten gibt um bestimmte Prozesse zu ersetzen oder zumindest zu imitieren. Da wäre ja das Melanoidinmalz, das angeblich die Dekoktion ersetzen könnte. Und wenn man noch etwas weiter zurückschaut, das Black Malt, das gemeinsam mit den (damals) neuen hellen Basismalzen ähnliche Ergebnisse versprachen wie das alte enzymatische Brown Malt und dabei die Effizienz drastisch steigerte.

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#14

Beitrag von Malzwein » Dienstag 24. Dezember 2019, 11:14

hkpdererste hat geschrieben:
Montag 23. Dezember 2019, 19:16
Naja der gleiche Unterschied als ob man z.B. Suppe kocht mit normalen natürlichen Zutaten oder mit Maggi Fix. Das eine ist Handwerk und das andre kannst n dressierten Schimpansen machen lassen.
Da wird doch niemand Tütenfix mit einem gekochten Mahl vergleichen? Den unterschied schmeckt man (das ist mein Einwand mit dem Erdbeeraroma, wenn Verbraucher das echte gar nicht mehr kennen und sogar nicht mehr mögen).

Es geht mir um Aromen, deren Verwendungsergebnis sich praktisch nicht von dem natürlicher Zutaten unterscheidet. Abgesehen von einem "nur Handwerk ist wahres" und "ich will das nicht", fällt mir ehrlich gesagt nichts ein (vielleicht noch ungeklärte Gesundheitsrisiken, die aber vermutlich geringer sind als die des Alkohols) und das sind doch keine objektiven Gründe?

Für meinen Teil bleibe ich ganz bei dem erwachsenem "ich will das nicht", aber wer es mag? Dann aber bitte mit Kennzeichnung. Mein Stout schmeckt auch ohne Kaffee nach Kaffee.
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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#15

Beitrag von Roger » Dienstag 24. Dezember 2019, 11:23

Wenn man den Gästen ein selbstgebrautes NEIPA einschenkt und diese dann mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen, dass der Mangogeschmack „nur“ durch den Hopfen zustande kommt, ist das eine wunderbare Bestätigung (wenn möglich) keine Extrakte zu nehmen.
Klar versuche auch ich immer mal was neues, so kommt z.Bsp. Ovomaltine in mein Ovo-Stout „Länger & Besser“, Johannis- und Himbeeren in‘s „Süsses Früchtchen“ oder ganz banal Honig in‘s Honigbier. Solche Zutaten nahm ich bisher aber immer nur „wenn‘s anders nicht geht“. Was ich auch beibehalten möchte.

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#16

Beitrag von VolT Bräu » Samstag 28. Dezember 2019, 18:49

Die Abgrenzung ist im Detail schon schwierig. Klar findet man leicht schwarz/weiß Beispiele, aber es gibt auch viele Graubereiche. Ich bin da ganz bei Andy. Erlaubt ist, was sauber deklariert wird.
Holzchips sind irgendwie auch eine Abkürzung - da wird man ja hoffentlich nicht "fassgereift" drauf schreiben. Kakao Nibs als Zutat ok, was ist mit selbstgemachte Auszug oder gekaufte natürlichem Aromaauszug? Was ist mit Fruchtkonzentrat? Trockenmalz? Tüten-Hefe? :Waa :Wink Die Liste kann man beliebig verlängern.

Sofern etwas im Hobby Maßstab nicht vernünftig anders zu machen ist (Fasslagerung ist z. B. für viele eine Nummer zu groß und relativ teuer), finde ich es absolut legitim Abkürzungen zu nehmen. Aber auch sonst ist alles erlaubt, was als Lebensmittel durch geht. "Natürlichkeit" ist schön, aber Geschmackssache.

Für die ganze RHG Diskussion wäre es vielleicht auch die Lösung, wenn alle erlaubten Tricks und Zusätze mit E-Nummern (o. Ä.) deklariert werden müssten - den Rest regelt der Markt.
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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#17

Beitrag von §11 » Samstag 28. Dezember 2019, 18:54

Ich finde der Vergleich mit Holzchips hinkt etwas. Für mich wäre der Vergleich mit Extrakten wenn jemand ein fertiges Holzaroma ins Bier gibt oder statt Rauchmalz diesen liquid Smoke
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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#18

Beitrag von afri » Samstag 28. Dezember 2019, 22:01

VolT Bräu hat geschrieben:
Samstag 28. Dezember 2019, 18:49
Für die ganze RHG Diskussion wäre es vielleicht auch die Lösung, wenn alle erlaubten Tricks und Zusätze mit E-Nummern (o. Ä.) deklariert werden müssten - den Rest regelt der Markt.
Dem stimme ich gänzlich zu, aber für den Hobbyisten bedeutet das genau gar nix. Der muss nämlich so ehrlich sein, die Zutaten denen zu verraten, die sein Gebräu trinken und da geht das Dilemma los.

Daher die Frage, Alex, meinst du das allgemein oder nur auf die Industriebiere bezogen? Bei letzterem hat VoIT Bräu alles geschrieben, bei ersterem wird's schwierig, weil Hobbybrauer keine Deklarationspflicht haben. Wenn ich einem Gast Essen koche und er/sie fragt, was denn da drin sei, kann und werde ich erschöpfend Auskunft geben. Beim Selbstbräu ebenfalls. Würde ich Aromaöle in mein Bier kippen, ich würde sie als solche deklarieren, ebenso wie "natürliche" Zutaten, etwa Holz oder auch Steviapräparate (die ich für Snakebite einsetze). Mein Lemongrasbier z.B. wurde stets als solches bezeichnet, der Trinker weiß also, dass neben Malz und Hopfen auch besagter Tee drin ist. Offenbar habe ich eine aufgeschlossene "Kundschaft", denn keiner hatte jemals Probleme mit der unreinen Zutat.
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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#19

Beitrag von DerDallmann » Sonntag 29. Dezember 2019, 09:41

Ich würde keine fertigen Extrakte verwenden.
Selbst gemachte Auszüge oä verwende ich aber regelmäßig. Da kann man klar abgrenzen mmn.
Mit freundlichen Grüßen,

Johst

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#20

Beitrag von Bergbock » Sonntag 29. Dezember 2019, 10:37

Ein Aromaextrakt, das aus einem alkoholfreien Bier geschmacklich ein "vollwertiges" Bier machen würde, wäre vielleicht noch eine Marktlücke. :Bigsmile

Beim Thema Extrakte bin ich völlig offen. Solange alles sauber deklariert wird, ist es für mich in Ordnung. Die Übergänge zwischen natürlichen und naturidentischen Zusätzen sind, wie hier mehrfach geschrieben, ohnehin fliessend.

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#21

Beitrag von Malzwein » Sonntag 29. Dezember 2019, 10:48

Nur mal am Rande: Der Markt regelt (fast) gar nichts, wenn, dann nur Gewinne. Diese können durch eine Verschlankung von Prozessn und Materialeinsparung gesteigert werden. Siehe Hopfenextrakte und das Beispiel mit den Erdbeeren, die Kinder nicht mehr mögen, weil die - dank des intensiven Einsatzes von Aromen - nicht nach Erdbeere schmecken. Das stammt übrigens aus dem Schulaltag einer Lehrerin und ist nicht das einzige.

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#22

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Sonntag 29. Dezember 2019, 11:12

Bergbock hat geschrieben:
Sonntag 29. Dezember 2019, 10:37
Ein Aromaextrakt, das aus einem alkoholfreien Bier geschmacklich ein "vollwertiges" Bier machen würde, wäre vielleicht noch eine Marktlücke. :Bigsmile
Gibt es schon. Dieser Extrakt nennt sich Ethanol. :Bigsmile
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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#23

Beitrag von Gimplbrauer » Sonntag 29. Dezember 2019, 12:03

Meine Meinung zum Thema „Schummelei oder nützliches Werkzeug“ ist, dass es sich bei allem was den Verbraucher bewusst in die Irre führt, um Schummelei handelt. Ein Gummibärchenbier wäre demnach, sofern es entsprechend deklariert ist, in Ordnung. Das durch Färbemalz maskierte Helle, das als Dunkles ohne den entsprechenden Hinweis verkauft wird, eben nicht.
Transparenz für den Verbraucher über vom Standard abweichende Inhaltsstoffe/Produktionsweisen ist imho das Kriterium.

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#24

Beitrag von Blancblue » Sonntag 29. Dezember 2019, 12:22

Die Debatte über böse Inhaltsstoffe der Industrie kann man hier immer nur so lange ernst nehmen, bis 5 Threads später bei einem vermeintlichen Wundermittel zur Oxidationsvermeidung hemmungslos zugegriffen wird. :Bigsmile #nooffense
Brauen ist zu 50% Kunst und zu 50% Handwerk. Dazu kommen noch mal 100% Erfahrung.

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#25

Beitrag von DerDallmann » Sonntag 29. Dezember 2019, 20:12

Blancblue hat geschrieben:
Sonntag 29. Dezember 2019, 12:22
Die Debatte über böse Inhaltsstoffe der Industrie kann man hier immer nur so lange ernst nehmen, bis 5 Threads später bei einem vermeintlichen Wundermittel zur Oxidationsvermeidung hemmungslos zugegriffen wird. :Bigsmile #nooffense
Ich weiß nicht... Das ist mmn nicht so recht vergleichbar
Mit freundlichen Grüßen,

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Re: Extrakte - unzulässige Schummelei oder nützliches Werkzeug

#26

Beitrag von Commander8x » Montag 30. Dezember 2019, 14:26

Erlaubt ist, was gefällt - würde ich sagen. Wenn das Bier Deinen Abnehmern (und Dir) schmeckt, ist doch alles in Ordnung. Ich persönlich sehe das nicht so verklemmt. Man kann ruhig mal was ausprobieren, sollte sich aber doch ein ehrlich zugeben, wenn man mal danebengegriffen hat.

Stopfen mit Früchten fände ich z.B. okay, ich würde das auch mal probieren. Oder man kann sich durch die "Experimente" von anderen eine Meinung bilden, ob einem das selbst schmecken würde. Ein Bier mit Zusatz von solchen neumodischen Extrakten würd ich erst mal scheel ansehen. Wenn ich Bier trinken will, will ich ein Bier. Will ich was Fruchtiges, dann lieber einen Fruchtsaftcocktail.

Die Frage ist doch eher, ob ich so ein Bier mit Extrakt-Aromen selbst auch brauen würde. Das Extraktzusetzen ist wohl eher grade eine Mode.
Ich tu mich schon mit Hopfenextrakt schwer. Die rein mechanische Verarbeitung zu Pellets ist mMn okay, aber ob die Extraktion unter den üblichen "derben" Bedingungen nur gute Sachen aus dem Hopfen löst, ist nicht ausgemacht. Hopfenextrakt ist in meinen Augen ein Convenience-Produkt allein für Industriebrauereien, und kommt mir so selten wie möglich in die Flasche.

Man darf auch nicht vergessen, dass Pflanzen nicht nur gute, gesundheitsfördernde und ungefährliche Stoffe beinhalten. Und weil die besagten Aromen und Extrakte "rein pflanzlich" sind, sind sie nicht schon per se gesund und bekömmlich.
Roger hat geschrieben:
Dienstag 24. Dezember 2019, 11:23
Wenn man den Gästen ein selbstgebrautes NEIPA einschenkt und diese dann mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen, dass der Mangogeschmack „nur“ durch den Hopfen zustande kommt, ist das eine wunderbare Bestätigung (wenn möglich) keine Extrakte zu nehmen.
Das ist auch so eine seltsame Blüte in unserem Land. Schon komisch, dass man den Mangogeschmack in den Hopfen züchten muss, weil man keine Mangos einbrauen darf.... :Bigsmile
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Illegitimis non carborundum.

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