WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

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Johnny H
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WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#1

Beitrag von Johnny H » Samstag 25. Januar 2020, 13:27

Seit der Wiedervereinigung ist der Bierabsatz in Deutschland um fast ein Viertel eingebrochen. Das liegt an der Demografie, der Tatsache, dass Bier aus Alltagssituationen verschwindet – und Fehlern der Getränkehersteller.
https://www.welt.de/wirtschaft/article2 ... Leben.html

Wenn ich diesen Artikel lese, habe ich trotz einiger sicher valider Punkte das Gefühl, dass sich die Brauindustrie Deutschlands immer noch ihres m.E. großen strategischen Irrwegs nicht mal ansatzweise bewusst ist: die zunehmende geschmackliche Neutralisierung des Produkts, gleichzeitig Preiskampf, und Differenzierung vom Wettbewerber erfolgt (fast) nur noch über die Verpackung!
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#2

Beitrag von fg100 » Samstag 25. Januar 2020, 13:45

Johnny H hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 13:27
Wenn ich diesen Artikel lese, habe ich trotz einiger sicher valider Punkte das Gefühl, dass sich die Brauindustrie Deutschlands immer noch ihres m.E. großen strategischen Irrwegs nicht mal ansatzweise bewusst ist: .....
Falsch. Der Verbraucher bestimmt was produziert wird.
Schau dich in den Supermärkten um. Die ganzen in letzter Zeit angeboten "Craftbiere" sind mehr oder weniger wieder aus den Regalen verschwunden. Ganz bestimmt nicht weil die "böse" Brauindustrie das wollte.

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#3

Beitrag von Bilbobreu » Samstag 25. Januar 2020, 14:01

fg100 hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 13:45
Johnny H hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 13:27
Wenn ich diesen Artikel lese, habe ich trotz einiger sicher valider Punkte das Gefühl, dass sich die Brauindustrie Deutschlands immer noch ihres m.E. großen strategischen Irrwegs nicht mal ansatzweise bewusst ist: .....
Falsch. Der Verbraucher bestimmt was produziert wird.
Schau dich in den Supermärkten um. Die ganzen in letzter Zeit angeboten "Craftbiere" sind mehr oder weniger wieder aus den Regalen verschwunden. Ganz bestimmt nicht weil die "böse" Brauindustrie das wollte.
Auch falsch. Die Produzenten bestimmen, was produziert wird. Und sie bestimmen mit ihrer Werbung, was die Verbraucher glauben sollen, haben zu wollen.

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Sura
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#4

Beitrag von Sura » Samstag 25. Januar 2020, 14:10

Alles falsch, Alkohol konsumieren wird allgemein weniger aus dem Leben.
Familienfeste wo die Väter duselig in der Ecke streite und rauchen? Kenn ich nur noch als Kind.
Treffen unter Freunden wo die erste Frage ist wer fährt? Kaum.

"Damals" war es normal das man auf der Baustelle ein Bier zur Brotzeit getrunken hat. Selbst bei Airbus war für die Schicht am Samstag Brötchen, Wurst und ein Bier normales Zubehör. Das fällt einfach weg.
Und das Craftbier aus den Regalen verschwunden ist, wundert mich kaum. Ehrlich gesagt gab es da ganz schön viel Trittbrettfahrer deren Bier einfach nicht geschmeckt hat. Und ansonsten ist ein Bier für 3€ die Flasche einfach schwierig zu vermarkten, bzw. wird dann vielleicht weniger getrunken.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#5

Beitrag von Johnny H » Samstag 25. Januar 2020, 14:21

fg100 hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 13:45
Falsch. Der Verbraucher bestimmt was produziert wird.
Schau dich in den Supermärkten um. Die ganzen in letzter Zeit angeboten "Craftbiere" sind mehr oder weniger wieder aus den Regalen verschwunden. Ganz bestimmt nicht weil die "böse" Brauindustrie das wollte.
Das ist m.E. ein logischer Fehlschluss: die Tatsache, dass "Craftbiere" nicht gekauft werden, ist kein Beweis für die Überlegenheit der bisherigen Strategie (die ja ganz explizit in dem Artikel als erfolglos beschrieben wird)!

Was man aus meiner Sicht verstärkt machen sollte, wäre gar nicht mal so sehr "Craftbier" (was auch immer man darunter verstehen will), sondern eine Rückbesinnung auf heimische Bierstile, die man aber weniger austauschbar und charaktervoller herstellt bzw. braut. Das macht man ein bisschen in Ansätzen mit den "Naturtrüben" (Grevensteiner z.B. wird ja explizit als erfolgreich beschrieben) oder einzelnen Marken.

Man sollte sich also aus meiner Sicht eher was bei den deutschen Weinherstellern abschauen, die sich irgendwann eher auf die eigene Identität und Tradition besonnen haben, als bei den internationalen Biersorten und -marken abzuschauen, die (zumindest was "Craftbier" betrifft) preislich in einer ganz anderen Liga spielen, vor allem als Frischeprodukt vertrieben werden müssen und nicht monatelang im Regal Staub ansetzen dürfen.

Das hier finde ich z.B. auch komisch:
Von der Kernmarke Veltins setzt sich das Unternehmen mit dem Pülleken und mit Grevensteiner dabei bewusst ab. Denn auch das fordern Branchenexperten: „Um unterschiedliche Zielgruppen und insbesondere die jungen Generationen anzusprechen, muss man weg von der Tradition und neue Zweit- oder Drittmarken aufbauen“, sagt OC&C-Berater Treiber.
Grevensteiner spielt doch genau und offenbar erfolgreich mit dem Bild von Tradition und handwerklichem Produkt. Tolle "Branchenexperten"! Solche "Experten" würde ich sofort rausschmeißen, aber was weiß ich schon?

Aber Sura hat natürlich auch einen validen Punkt: die Bedeutung von Alkohol und vor allem von Schüttbier hat stark abgenommen!
Zuletzt geändert von Johnny H am Samstag 25. Januar 2020, 14:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#6

Beitrag von §11 » Samstag 25. Januar 2020, 14:29

Was mir bei den Statistiken immer fehlt ist neben dem Ausstoß der Umsatz. Wir haben in USA das selbe Phänomen, sinkender pro Kopf Verbrauch. Allerdings bei steigendem Umsatz. Also kurz gesagt, die Leute trinken weniger, zahlen aber mehr dafür.
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#7

Beitrag von hkpdererste » Samstag 25. Januar 2020, 14:36

Soweit ich weiss ist aber auch das Preisniveau einfach höher da drüben. Hier ist einfach der Sprung vom Standardbier für 30 Cent, das ja neutral betrachtet nicht mal schlecht sein muss hin zum Spezialitätenbier für 2,50 aufwärts viel größer.

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#8

Beitrag von §11 » Samstag 25. Januar 2020, 14:41

hkpdererste hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 14:36
Soweit ich weiss ist aber auch das Preisniveau einfach höher da drüben. Hier ist einfach der Sprung vom Standardbier für 30 Cent, das ja neutral betrachtet nicht mal schlecht sein muss hin zum Spezialitätenbier für 2,50 aufwärts viel größer.
Das schon, aber insgesamt sieht man das die pro Kopf Ausgaben für Bier steigen. Vereinfacht gesagt, Leute trinken weniger Bier, geben aber mehr dafür aus und das ist es ja eigentlich was gewünscht ist, eben nicht nur über den Preis zu entscheiden
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#9

Beitrag von Johnny H » Samstag 25. Januar 2020, 14:52

§11 hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 14:41
[...] Vereinfacht gesagt, Leute trinken weniger Bier, geben aber mehr dafür aus und das ist es ja eigentlich was gewünscht ist, eben nicht nur über den Preis zu entscheiden
Das wäre eigentlich der Weg, den die deutschen Brauer aus meiner Sicht auch gehen sollten!!

Allerdings wirft das einen fast unauflösbaren Konflikt auf: gegenwärtig werden die meisten "Fernsehbiere" zwar als "wertig" und "traditionsverbunden" angepriesen, sind aber geschmacklich eher fad und werden i.d.R. billigst verscherbelt. Wie will man da also ein "noch" wertigeres und traditionsverbundeneres Bier bewerben, ohne gleichzeitig zuzugeben, dass das bisherige Produkt eben genau das nicht ist?
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#10

Beitrag von §11 » Samstag 25. Januar 2020, 15:08

Johnny H hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 14:52
§11 hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 14:41
[...] Vereinfacht gesagt, Leute trinken weniger Bier, geben aber mehr dafür aus und das ist es ja eigentlich was gewünscht ist, eben nicht nur über den Preis zu entscheiden
Das wäre eigentlich der Weg, den die deutschen Brauer aus meiner Sicht auch gehen sollten!!

Allerdings wirft das einen fast unauflösbaren Konflikt auf: gegenwärtig werden die meisten "Fernsehbiere" zwar als "wertig" und "traditionsverbunden" angepriesen, sind aber geschmacklich eher fad und werden i.d.R. billigst verscherbelt. Wie will man da also ein "noch" wertigeres und traditionsverbundeneres Bier bewerben, ohne gleichzeitig zuzugeben, dass das bisherige Produkt eben genau das nicht ist?
Ja klar, die Grube haben sich viele Brauereien über die Jahre mit der Abwärtsspirale des Preises, selbst gegraben.
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#11

Beitrag von Johnny H » Samstag 25. Januar 2020, 15:23

§11 hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 15:08
Ja klar, die Grube haben sich viele Brauereien über die Jahre mit der Abwärtsspirale des Preises, selbst gegraben.
...und das vermutlich nicht zuletzt aufgrund der Ratschläge von teuer bezahlten "Branchenexperten", dank derer wir vermutlich auch die ca. 1500 verschiedenen Mehrwegflaschenformate haben, und die die Brauereien jetzt (siehe Artikel) wieder heranziehen... :Waa
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#12

Beitrag von hkpdererste » Samstag 25. Januar 2020, 15:26

Johnny H hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 14:52
Wie will man da also ein "noch" wertigeres und traditionsverbundeneres Bier bewerberben
Da stellt sich doch die Frage, ist es das überhaupt. Um bei dem Beispiel aus dem Artikel zu bleiben, wenn jetzt Veltins sein super innovatives Bier im "hellen Pülleken" rausbringt ist das doch auch nur innovativ wenn man in einer Gegend mit maximal 3 verschiedenen Pilssorten wohnt. Der Durchschnittliche Süddeutsche Biertrinker lacht sich da doch schlapp.

Mit den wirklichen Brauspezialitäten wie sie Jan hier immer wieder vorstellt hat das doch nicht mal ansatzweise was zu tun.

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#13

Beitrag von AxelS » Samstag 25. Januar 2020, 15:27

Ich denke, es liegt tatsächlich am fehlenden Nachwuchs. Zu meiner Jugendzeit gab es Fudschi, Whiskey-Cola und Bier. Heute trinkt die Jugend RedBull-Vodka, Jägermeister-Tonic, Captain-Cola, Gin-Tonic, ... und wenn gar nix anderes da ist, Bier. Oder ein hippes Craft-Bier, direkt in der Brauerei (ich wohne in Berlin, da gibt es BRLO, Brewdog, BerlinerBerg und diverse Taprooms).
Die Menge, die man als Jugendlicher an Alkohol zu sich nehmen kann, ist nach wie vor begrenzt, sodass zwar sicherlich die Menge an reinem Alkohol die selbe geblieben ist, sich die Getränke aber verändert haben.
Meine Generation trinkt nach wie vor ihr Fernsehbier. Einige davon haben entdeckt, dass Bier auch lecker schmecken kann. Ganz wenige wagen sich ans Selbermachen (die trinken gerne Bier, fallen aber als offizielle Konsumenten weg!).
Bier wird es in Deutschland immer geben, aber die goldenen 80er sind halt vorbei. Wie beim Rauchen, Autofahren und Fernreisen. Die Jugend/nächste Generation braucht das nicht. Die haben anderes...
:Drink
Axel
Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Menschen.
(John Ruskin 1819-1900)

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#14

Beitrag von hkpdererste » Samstag 25. Januar 2020, 15:30

Johnny H hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 15:23
dank derer wir vermutlich auch die ca. 1500 verschiedenen Mehrwegflaschenformate haben, und die die Brauereien jetzt (siehe Artikel) wieder heranziehen..
Die Experten, die den Blödsinn mal angefangen habe gehören mit ihren Designflaschen erschlagen. Langfristig wirds halt auf Einwegflaschen und Dosen rauslaufen wie sie weitestgehend alle anderen Länder auch haben. Schade um ein einstmals gutes System.

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#15

Beitrag von Johnny H » Samstag 25. Januar 2020, 15:46

hkpdererste hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 15:26
[...] Um bei dem Beispiel aus dem Artikel zu bleiben, wenn jetzt Veltins sein super innovatives Bier im "hellen Pülleken" rausbringt ist das doch auch nur innovativ wenn man in einer Gegend mit maximal 3 verschiedenen Pilssorten wohnt. [...]
Ich habe mir das jetzt angeschaut: 0,33l-Flaschen, kleines Euroformat!

https://www.meininger.de/de/getraenke-z ... rodukt-vor
„Wir glauben, dass Spezialitäten ein eigenes Produkt- / Markenkonzept brauchen. Wir denken, das haben wir hier entwickelt“, erklärt Marketingdirektor Herbert Sollich der GETRÄNKE ZEITUNG.[...]Das Etikett an sich ist angelehnt an eine Veltins-Kampagne aus den 1970er-Jahren. „Der Markt der Hellbiere wächst, daran wollen wir partizipieren“, sagt Sollich, der den Erfolg dieses Produktes fest einplant – immerhin sei es in Bochum, Düsseldorf, Berlin und Hannover mit großem Erfolg auf Optik und Geschmack getestet worden. „Ein unkompliziertes, mild-süffiges Hellbier mit einem humorvollen Charakter“, so beschreibt der Marketingdirektor das neue Produkt.
Also ein weiteres Flaschenformat, ein weiteres helles Bier und nur eine kleine 0,33l-Flasche... aber "humorvoll" muss es offenbar sein?!

Längerer Nachtrag: genaugenommen fasst dieser Artikel bei Meininger (unfreiwillig) genau das zusammen, was mich an der deutschen Bierindustrie stört, und wo sie sich m.E. auf einem schweren Irrweg befindet:

Zum einen sollte die Brauindustrie m.E. wieder dahin kommen, dass bei der Neuvorstellung nicht irgendein "Marketingdirektor" (womöglich noch in Schlips und Kragen) ein "humorvolles" Bier mit neuem Etikett und in neuem Flaschenformat vorstellt, sondern es sollte der Braumeister selbst sein, der erzählt, was dieses neue Bier jetzt auszeichnet und abhebt. Bei vielen heute als "wertig" vertriebenen Produkten geht es auch beim Marketing um das Produkt selbst, seinen Ursprung, die Rohstoffe etc. - ein gutes Beispiel dafür ist z.B. Pilsner Urquell, bei der der Chefbraumeister Vaclav Berka (oder mittlerweile vielleicht auch jemand anders) als Gesicht in der Öffentlichkeit sehr präsent ist. Oder hat z.B. schon mal jemand den regionalen Biofleischer oder Weinhersteller seine neueste Sorte als "humorvoll" beschreiben hören mit einem zusätzlichen Vortrag über die Flaschenform bzw. das Etikett?

Bestimmt ist auch bei "wertigen" Biofleischern oder Weinherstellern immer mal wieder Chi-Chi dabei (in Berlin gibt es da viele Beispiele), und natürlich ist auch gutes Marketing sehr, sehr wichtig, aber dass in der deutschen Bierindustrie das Produkt selbst nicht in den Mittelpunkt gestellt wird (oder wenn, dann oft genug "fake" wie z.B. über das RHG, "Felsquellwasser" oder weizentrübe Zwickelbiere), und dass man offenbar auch weiterhin wenig Anlass sieht, das zu tun, ist aus meiner Sicht ein schwerer Fehler!!

Und noch ein Nachtrag:
Ich war neulich in "Carls Brauhaus" in Stuttgart am Schlossplatz und muss sagen, dass mir das Dinkelacker CD-Pils vom Fass zum Essen richtig gut geschmeckt hat: weich, schöne dezente Hopfenblume und stilsicher im Sinne von "süddeutschem Pils". Auch das Essen war lecker! Dinkelacker aus der Flasche fand ich früher eigentlich eher mies, aber offenbar geht es doch, wenn das Gesamtpaket stimmt und auf Wertigkeit und Authentizität abzielt.
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#16

Beitrag von §11 » Samstag 25. Januar 2020, 18:05

Gut gebrüllt Löwe!

Allein der Begriff Hellbier sagt, finde ich, viel aus. Das Marketing entwickelt ein Konzept, kein neues Bier
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#17

Beitrag von §11 » Samstag 25. Januar 2020, 18:12

Erinnert mich an meine Erfahrung in einer Brauerei die auch viel „private Label“ abgefüllt hat.

Der Braumeister hat mir von einem Gespräch mit dem Einkäufer einer großen deutschen Supermarktketten erzählt. Der wollte ein helles Bier in seiner Dose. Auf die Frage:“ welches helle Bier, wie haben Münchner Hell, Export, Pils, ein extra herbes Pils, ein Edelhell und hellen Bock.“

Die Antwort war:“ das ist egal, es muss in diese Dose und im Laden für 39 Pfennige stehen“
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#18

Beitrag von flying » Samstag 25. Januar 2020, 18:32

Die Antwort darauf sitzt viel tiefer. Es geht nicht nur um Geschmäcker, Alternativgetränke und Alkoholverzicht. Es geht um Gemeinschaft und auch Social Media man so will. Das Kneipensterben haben nicht nur die Brauereien mit ihren mächtigen Verbänden sondern auch die Politik, welche die Rahmenbedingungen bestimmt zu verantworten. Bei ca. dem 10 -fachen Preis für Bier in den Gaststätten fielen diese als Absatzmarkt in vielen Fällen einfach aus. Auch andere Länder habe dieses Problem (Pubsterben)

Der Literaturnobelpreisträger Paul Heyse schrieb mal über (Bock)Bier..

..Hier finden sich auf brüderlichen Bänken
Hoch und Gering in traulichem Gemische:
Den Knechten nah, die seine Pferde lenken,
Der Staatenlenker vom Ministertische;
Pedell, Professor, Famulus, Student! –
Du spülst hinweg die Schranke, die sie trennt.
Held im Schaumgelock

"Fermentation und Zivilisation sind untrennbar verbunden"
(John Ciardi)

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#19

Beitrag von Johnny H » Samstag 25. Januar 2020, 22:01

Sura hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 14:10
Alles falsch, Alkohol konsumieren wird allgemein weniger aus dem Leben.
[...]
Stimmt übrigens auch nur teilweise: seit den 70er Jahen ist der Konsum gesunken, aber seit ca. 2010 ist der Alkoholkonsum in Deutschland mehr oder weniger unverändert:

https://de.statista.com/statistik/daten ... m-alkohol/
(leider wird das bei wiederholtem Aufruf ausgeblendet, die letzten vier Säulen seit 2010 sind auf dem Niveau 10-11l pro Kopf, die ersten vier Säulen beziehen sich auf 1970, 1980, 1990 und 2000)
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#20

Beitrag von Johnny H » Dienstag 28. Januar 2020, 13:52

Hat zwar nur indirekt mit dem Thema zu tun, spielt aber auch mit hinein:

(Youtube) Warum verschwinden so viele Bierflaschen? Dem Pfand auf der Spur || PULS Reportage

Die Ergebnisse decken sich voll mit meinem Eindruck, dass das deutsche Pfandflaschensystem eigentlich schon kaputt ist!

Ein paar Anmerkungen:

1) Nach meinen Infos und einem Artikel in der Brauwelt ("Wie haltet ihr es mit dem Leergut?", 2019, leider mittlerweile hinter der Bezahlschranke) sind es nicht nur 120 verschiedene Pfandflaschenformate, sondern über 1500! Ich habe gerade nochmal nachgelesen: mglw. meint man aber mit der Zahl 1500 im Brauwelt-Artikel alle Getränkeflaschenformate in D, nicht nur Bier. Es muss aber trotzdem jedem einleuchten, wenn man darüber nachdenkt, dass hier unglaublicher Sortieraufwand und damit Kosten verursacht werden.

Das Problem mit dem Sortieraufwand wurde übrigens auch schon mal vom Spiegel aufgegriffen, 2011 und 2013:
https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-82612682.html
https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-92079482.html

2) Die Information, dass ein kleiner Brauer wie z.B. Mahrs 4,80€ für die Rücknahme seiner Kästen bezahlen muss (aber bei Verkauf nur 3,10€ Pfand bekommt), wenn sie von einem Sortierbetrieb kommen, ist neu für mich, ist aber ein weiteres interessantes Mosaiksteinchen. Ich habe auch gehört, dass diese Sortierbetriebe von den "Großen" finanziert werden, und die bestimmen dann natürlich auch, welche "Kleinen" wann (oder überhaupt!!) ihre Kästen zurückbekommen.

3) Dass der Deutsche Brauerbund e.V. zu der Angelegenheit nur zu sagen hat, dass es "kompliziert" sei, deckt sich mit meinem Eindruck, dass man es sich, wie z.B. beim Reinheitsgebot oder auch bei zulässigen Klär- und Schönungsmitteln, auf keinen Fall mit den "Großen" verscherzen will. Da passiert nämlich auch seit Jahren überhaupt nichts!!

4) Es gäbe m.E. eine ganz einfache Lösung: zum Stichtag X wird nur noch eine kleine und vor allem radikal verkleinerte Anzahl an Flaschenformaten zugelassen. Alles, was darüber hinausgeht, wird bis dahin ausgeschlichen. Da wäre aus meiner Sicht der Gesetzgeber gefordert. Beim Zeitpunkt kann man ja die Großbrauereien mit einbeziehen, denn diese kennen ja vermutlich ihre Umlaufzahlen. Auch aus ökologischen Gründen würde eine radikale Verkleinerung Sinn ergeben, denn das aufwändige Herumgefahre und Sortieren von leeren Flaschen wirkt sich natürlich auch auf deren Ökobilanz aus. Das einzige, was daran "kompliziert" ist, ist die Interessenlage der "Großen", die das (m.E. größtenteils aus Marketinggründen) nicht wollen!

5) Das Flaschenpfand zu erhöhen ergibt m.E. nur bis zu einem bestimmten Punkt Sinn! Wenn nämlich das Flaschenpfand über den Preis von Neuflaschen ansteigt, wird sich keine Brauerei das Theater mehr antun, dreckige und zusehends abgenutzte Flaschen aus dem Pfandsystem "zurückzukaufen" und aufwändig zu reinigen, sondern wird Neuware beziehen. Leider habe ich keine Infos, wie viel Brauereien heute für Neuflaschen bezahlen, und das kommt ja auch auf die Stückzahlen an, aber mit Sicherheit weniger als 0,25€.
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#21

Beitrag von Boludo » Dienstag 28. Januar 2020, 14:14

Ganz ehrlich, ich finde es positiv, wenn weniger Bier getrunken wird. Alkohol ist und bleibt nach Tabak immer noch die Droge mit den meisten Todesopfern, von den anderen gesellschaftlichen Auswirkungen des Alkoholismus mal ganz zu schweigen.
Ich habe noch nie verstanden, wozu ein großer Bierabsatz gut sein soll.
Man kann doch gute Biere genießen, ohne dass um einen herum viel gesoffen wird.
Viel schlimmer als ein sinkender Absatz würde ich zb eine sinkende Qualität sehen.
§11 hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 14:29
Was mir bei den Statistiken immer fehlt ist neben dem Ausstoß der Umsatz. Wir haben in USA das selbe Phänomen, sinkender pro Kopf Verbrauch. Allerdings bei steigendem Umsatz. Also kurz gesagt, die Leute trinken weniger, zahlen aber mehr dafür.
:thumbup

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#22

Beitrag von Johnny H » Dienstag 28. Januar 2020, 14:25

Jein, denn der Alkoholkonsum ist zwar seit den 70er Jahren stark gesunken, ist aber in den letzten zehn Jahren zumindest in Deutschland relativ konstant geblieben:

https://de.statista.com/statistik/daten ... m-alkohol/

Von daher sollten die Leute aus meiner persönlichen Sicht und vermutlich auch aus gesundheitlichen Gründen lieber Bier trinken (oder wenigstens Wein) als stärkere Sachen.

Ansonsten wäre es sicher auch besser, wie Jan schon angemerkt hat, wenn die Brauereien mehr einnähmen pro Liter, also eine höhere Gewinnspanne fahren würden. Da läuft aber, bis auf statistisch eher weniger bedeutsame Effekte im Craftbier-Bereich, eher ein Preiskampf und Entwertung. Das sagt ja auch der Artikel ganz oben.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#23

Beitrag von bierhistoriker.org » Dienstag 28. Januar 2020, 14:56

Johnny H hat geschrieben:
Dienstag 28. Januar 2020, 13:52
3) Dass der Deutsche Brauerbund e.V. zu der Angelegenheit nur zu sagen hat, dass es "kompliziert" sei, deckt sich mit meinem Eindruck, dass man es sich, wie z.B. beim Reinheitsgebot oder auch bei zulässigen Klär- und Schönungsmitteln, auf keinen Fall mit den "Großen" verscherzen will. Da passiert nämlich auch seit Jahren überhaupt nichts!!
Genauso ist es!
Der grosse deutsche Brauerbund ist mit dem Versuch, das Reinheitsgebot zu glorifizieren ( = Unesco-Weltkulturerbe) erbärmlich gescheitert, während die "kleinen" Belgier es - mit intelligenterer Argumentation - auf Anhieb geschafft haben. Chapeau!

Für unsere Biernation, die an sich über eine genauso große "Sortenvielfalt" verfügt, leider dumm gelaufen. Schade, schade!

cheers

Jürgen
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#24

Beitrag von emjay2812 » Mittwoch 29. Januar 2020, 07:13

Leider grenzen die Großen Marken die kleinen aus. Wo ich bin darfst du nicht sein. Es gibt neben der in meiner Region verwurzelten Bitburger, noch Kirner, Koblenzer, Karlsberg oder Gemünden. Karlsberg findet man noch häufig, Gemünden gibt es in zwei Märkten, Kirner und Koblenzer kann man im Großraum Trier nicht mehr finden.

Immerhin hat sich jetzt ein Getränkemarkt vergrößert, der auch viele bayrische Sorten im Angebot hat. Ein kleiner Lichtblick.

Wenn ich nur das Standardsortiment hätte müsste ich entweder weniger trinken oder mehr selbst Brauen.
In meiner Jugend wurde auch kaum reines Bier getrunken, dafür mehr Biermischgetränke. Wenn man sich eine neue Zielgruppe heranziehen möchte muss eine Brauerei schon sehr kreativ sein, auf dem Land ist Bier schon lange nicht mehr hip.

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#25

Beitrag von Sura » Mittwoch 29. Januar 2020, 08:04

Johnny H hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 22:01
Sura hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 14:10
Alles falsch, Alkohol konsumieren wird allgemein weniger aus dem Leben.
[...]
Stimmt übrigens auch nur teilweise: seit den 70er Jahen ist der Konsum gesunken, aber seit ca. 2010 ist der Alkoholkonsum in Deutschland mehr oder weniger unverändert:

https://de.statista.com/statistik/daten ... m-alkohol/
(leider wird das bei wiederholtem Aufruf ausgeblendet, die letzten vier Säulen seit 2010 sind auf dem Niveau 10-11l pro Kopf, die ersten vier Säulen beziehen sich auf 1970, 1980, 1990 und 2000)
Ja, aber drunter steht, das Bier, Schaumwein und Spirituosen rückläufig ist. Dann bleibt ja nur noch Mischgetränke und Hustensaft zum steigern übrig :)
§11 hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 14:29
Was mir bei den Statistiken immer fehlt ist neben dem Ausstoß der Umsatz. Wir haben in USA das selbe Phänomen, sinkender pro Kopf Verbrauch. Allerdings bei steigendem Umsatz. Also kurz gesagt, die Leute trinken weniger, zahlen aber mehr dafür.
Das kann man auch andersrum deuten: Weil es teurer ist, wird weniger getrunken.
(Und der Rausch andersweitig besorgt.)
Boludo hat geschrieben:
Dienstag 28. Januar 2020, 14:14
Ganz ehrlich, ich finde es positiv, wenn weniger Bier getrunken wird. Alkohol ist und bleibt nach Tabak immer noch die Droge mit den meisten Todesopfern, von den anderen gesellschaftlichen Auswirkungen des Alkoholismus mal ganz zu schweigen.
Ich habe noch nie verstanden, wozu ein großer Bierabsatz gut sein soll.
Man kann doch gute Biere genießen, ohne dass um einen herum viel gesoffen wird.
Viel schlimmer als ein sinkender Absatz würde ich zb eine sinkende Qualität sehen.
Mit dem saufen und dem Alkoholmissbrauch stimme ich dir irgendwo zu. Bei der Qualität nicht so, die sinkt insgesamt gesehen schon sehr.
Ganz ehrlich finde ich, daß mehr Craftbier keinesfalls automatisch mehr Qualität bedeutet. Das Fernsehbier ist jetzt geschmacklich keine Offenbarung, aber qualitativ gibts da eher wenig zu meckern.
Wenn ich mir dagegen irgendwo eine Craftbier-Probierkiste bestelle, dann bekomme ich mit guter Chance ein kleines Fehlaromenseminar kostenlos dazu. Es gibt z.b. sehr, sehr wenige Craftbier-Pilse die wirklich so schmecken, das ich davon auch drei trinken würde. Durch klassische, europäische Biere kann ich mich hingegen nen ganzen Abend durchtrinken.
Johnny H hat geschrieben:
Dienstag 28. Januar 2020, 13:52
Hat zwar nur indirekt mit dem Thema zu tun, spielt aber auch mit hinein:

(Youtube) Warum verschwinden so viele Bierflaschen? Dem Pfand auf der Spur || PULS Reportage

Die Ergebnisse decken sich voll mit meinem Eindruck, dass das deutsche Pfandflaschensystem eigentlich schon kaputt ist!
Ich finde hier, das den Vogel die Inselbrauerei abschiesst, mit ihren eingewickelten Flaschen. Vom Bier mal abgesehen, darf ich jede Flasche hinterher von Papiermüll befreien, damit der Pfandautomat diese Flasche annimmt. Was soll so ein Scheiss? Gottseidank schmeckt der Kram nicht, so daß ich eher selten das Problem habe.
flying hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 18:32
Die Antwort darauf sitzt viel tiefer. Es geht nicht nur um Geschmäcker, Alternativgetränke und Alkoholverzicht. Es geht um Gemeinschaft und auch Social Media man so will. Das Kneipensterben haben nicht nur die Brauereien mit ihren mächtigen Verbänden sondern auch die Politik, welche die Rahmenbedingungen bestimmt zu verantworten. Bei ca. dem 10 -fachen Preis für Bier in den Gaststätten fielen diese als Absatzmarkt in vielen Fällen einfach aus. Auch andere Länder habe dieses Problem (Pubsterben)

Der Literaturnobelpreisträger Paul Heyse schrieb mal über (Bock)Bier..

..Hier finden sich auf brüderlichen Bänken
Hoch und Gering in traulichem Gemische:
Den Knechten nah, die seine Pferde lenken,
Der Staatenlenker vom Ministertische;
Pedell, Professor, Famulus, Student! –
Du spülst hinweg die Schranke, die sie trennt.
Letztendlich triffst du (wie so oft) das Problem im Kern: Das Bier ist nicht mehr der soziale Klebstoff der es mal war. Selbst auf den Dorf steht kaum noch jemand mit dem Nachbarn am Gartenzaun und hält nen kurzen Plausch beim Bierchen.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#26

Beitrag von Johnny H » Mittwoch 29. Januar 2020, 10:24

Sura hat geschrieben:
Mittwoch 29. Januar 2020, 08:04
Johnny H hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 22:01
Stimmt übrigens auch nur teilweise: seit den 70er Jahen ist der Konsum gesunken, aber seit ca. 2010 ist der Alkoholkonsum in Deutschland mehr oder weniger unverändert:

https://de.statista.com/statistik/daten ... m-alkohol/
(leider wird das bei wiederholtem Aufruf ausgeblendet, die letzten vier Säulen seit 2010 sind auf dem Niveau 10-11l pro Kopf, die ersten vier Säulen beziehen sich auf 1970, 1980, 1990 und 2000)
Ja, aber drunter steht, das Bier, Schaumwein und Spirituosen rückläufig ist. Dann bleibt ja nur noch Mischgetränke und Hustensaft zum steigern übrig :)
Irgendwo muss ja das, was bei Bier verloren geht, herkommen. Dann bleibt nur eigentlich noch Wein übrig. Da hat sich, zumindest was deutsche Weine betrifft, m.E. auch qualitativ einiges getan in den letzten Jahrzehnten.
flying hat geschrieben:
Samstag 25. Januar 2020, 18:32
Die Antwort darauf sitzt viel tiefer. Es geht nicht nur um Geschmäcker, Alternativgetränke und Alkoholverzicht. Es geht um Gemeinschaft und auch Social Media man so will. Das Kneipensterben haben nicht nur die Brauereien mit ihren mächtigen Verbänden sondern auch die Politik, welche die Rahmenbedingungen bestimmt zu verantworten. Bei ca. dem 10 -fachen Preis für Bier in den Gaststätten fielen diese als Absatzmarkt in vielen Fällen einfach aus. Auch andere Länder habe dieses Problem (Pubsterben)
[...]
Letztendlich triffst du (wie so oft) das Problem im Kern: Das Bier ist nicht mehr der soziale Klebstoff der es mal war. [...]
Da ist auf jeden Fall was dran. Die Dorfkneipen und -feste, wo der Alkohol in Strömen fließt, gibt es nicht mehr im gleichen Ausmaß. In Deutschland ist es vermutlich eher der Wein vor dem Fernseher oder dem PC, der fließt, und nicht mehr das regional hergestellte Bier.

In Tschechien z.B. ist der gesamte Umgang mit Bier anders, wie wir erst letztes Jahr in Zatec wieder mal feststellen durften. Dort ist aber auch nicht die gleiche "Aufmotzung" bei Etiketten und Verpackung festzustellen wie bei uns, sondern man lässt einfach das Bier für sich sprechen und reicht auch die passenden, bodenständigen Speisen dazu. Wenn man das bei uns ähnlich macht, läuft es auch - so zumindest mein Eindruck!
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#27

Beitrag von Malzwein » Mittwoch 29. Januar 2020, 19:03

Also über Bier schwadroniert und die Welt erklärt habe ich früher im Wochenrythmus quasi am Stammtisch bei einem oder auch fünf Bieren in geselliger Runde. Heute mache ich das z. B. hier online, ohne Bier. Wer merkt was?

:Drink
Gruß Matthias

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#28

Beitrag von Barney Gumble » Mittwoch 29. Januar 2020, 23:10

Malzwein hat geschrieben:
Mittwoch 29. Januar 2020, 19:03
Also über Bier schwadroniert und die Welt erklärt habe ich früher im Wochenrythmus quasi am Stammtisch bei einem oder auch fünf Bieren in geselliger Runde. Heute mache ich das z. B. hier online, ohne Bier. Wer merkt was?

:thumbsup
Zuletzt geändert von Barney Gumble am Donnerstag 30. Januar 2020, 12:29, insgesamt 1-mal geändert.
Als ich von den schlimmen Folgen des Trinkens las, gab ich es sofort auf - das Lesen! (frei nach Henry Youngman)
Wenn ich nicht gleich antworte, liege ich unterm Zapfhahn :Bigsmile

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#29

Beitrag von DevilsHole82 » Donnerstag 30. Januar 2020, 09:11

Johnny H hat geschrieben:
Mittwoch 29. Januar 2020, 10:24
In Tschechien z.B. ist der gesamte Umgang mit Bier anders, wie wir erst letztes Jahr in Zatec wieder mal feststellen durften. Dort ist aber auch nicht die gleiche "Aufmotzung" bei Etiketten und Verpackung festzustellen wie bei uns, sondern man lässt einfach das Bier für sich sprechen und reicht auch die passenden, bodenständigen Speisen dazu. Wenn man das bei uns ähnlich macht, läuft es auch - so zumindest mein Eindruck!
Da muss ich an die guten alten tschechischen Kinderfilme denken. Volle Eckkneipen und gezapftes Urquell. Und die Kinder werden von Vati mit ner Kanne in die Kneipe geschickt, um Bier zum Abendbrot zu holen :thumbsup

Noch mal grad zu dem Veltins Thema zu kommen: Das Grevensteiner finde ich durchaus ein sehr gelungenes Alltags Landbier. Davon findet sich regelmäßig ein Kasten in meinem Keller wieder.
Warum aber die Produktpalette jetzt um das 1000. Helle ergänzt werden muss erschließt sich mir nicht. Braucht der Markt wirklich ein weiteres Helles, dass im Einheitsbrei der großen Brauereien mitschwimmt? Als wenn es nicht schon genug weich gespülte Pils gibt, kommt ein noch milderes Helles dazu.

Warum besinnen sich die alten Brauereien nicht mal auf das was sie früher gemacht haben? Ein vernünftiges, hopfiges und herbes deutsches Pils. Sollen sie sich mal am Schönramer Pils orientieren mit seinen 45 IBU. Vielleicht ist es das was der Markt braucht.
Gruß, Daniel

Was von Herzen kommt gelingt, weil's einen gibt, der die Kelle schwingt. Heute back ich, morgen brau ich, wer heimlich nascht, den verhau ich.

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#30

Beitrag von Johnny H » Donnerstag 30. Januar 2020, 13:30

Deutschland steckt tief in der Bier-Krise
Die Deutschen kehren ihrem Lieblingsgetränk den Rücken zu: In der Bundesrepublik wird immer weniger Bier getrunken!

Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, sank der Bierabsatz 2019 auf 9,2 Milliarden Liter. Das waren demnach 1,9 Prozent oder knapp 180 Millionen Liter weniger als im Vorjahr.
Neben der demografischen Entwicklung würden „auch der allgemeine Kostendruck und der anhaltende Preisdruck des Handels“ die Branche weiter belasten, dennoch bleibt der deutsche Biermarkt laut Eichele „bei der Produktionsmenge und einer Vielfalt von über 6500 verschiedenen Biermarken mit großem Abstand die Nummer Eins in Europa“.
Ich habe es weiter oben schon geschrieben: am "allgemeinen Kostendruck und anhaltenden Preisdruck des Handels" sind die Brauereien wenigstens teilweise selber Schuld! "Premium" und ähnliche Bezeichnungen vertragen sich, was die Botschaft über Wertigkeit betrifft, schlecht mit permanenten Sonderangeboten. Vermutlich müsste man auch die Braumeister wieder zu den wichtigsten Personen in den Betrieben machen und nicht die Marketing- und Vertriebsexperten.
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#31

Beitrag von flying » Donnerstag 30. Januar 2020, 14:19

..und im letzten Sommer hab ich noch gelesen das die armen Großbrauereien ganz böse an der Kapazitätsgrenze schuften müssen.. :Angel
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#32

Beitrag von Commander8x » Freitag 31. Januar 2020, 12:03

flying hat geschrieben:
Donnerstag 30. Januar 2020, 14:19
..und im letzten Sommer hab ich noch gelesen das die armen Großbrauereien ganz böse an der Kapazitätsgrenze schuften müssen.. :Angel
Da ist ja nichts falsches dran. Nur machen sie jetzt statt Fernseh-Bier in Biermischgetränken, vorzugsweise alkoholfrei, für den gesundheitsbewussten Yuppsie. Der hat obendrein noch mehr Kohle locker, und man kann mit 1/2 Biereinsatz mehr verdienen. Und auch noch den Gärungsalkohol verkaufen.

Oder es kommen so innovative Dinge wie "Kellerbier" bei raus, wo dasselbe Brauereibier nicht filtriert und stattdessen pasteurisiert wird. Wenn mans geschickt anstellt, wird aus der Millionen Hektoliter-Brauerei gleich noch eine Craftbeer-Bude... :Ahh

Man darf nicht vergessen, dass der mengenmäßige Biermarkt durch wenige sehr große Brauereien dominiert wird. Zudem sind die meisten noch in Konzernen oder Gruppen zusammengeschlossen, um noch mehr Größe zu erreichen.... Diese Firmen kalkulieren mit Zehntelcents und können eigentlich nur noch über Werbung oder Rabatte an Absatz zulegen, indem sie in einem kleiner werdenden Markt der Konkurrenz Anteile abjagen.

Bei der Größe der Produktionsanlagen stellt ein solcher Großbetrieb auch nicht gern auf eine neue Biersorte um oder wechselt ständig zwischen den Sorten hin und her. Am liebsten also immerzu das Gleiche durchlaufen lassen, und falls nötig das Marketing verstärken...

Gruß Matthias
-----------------------------------------
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#33

Beitrag von heizungsrohr » Freitag 31. Januar 2020, 12:10

Commander8x hat geschrieben:
Freitag 31. Januar 2020, 12:03
Oder es kommen so innovative Dinge wie "Kellerbier" bei raus, wo dasselbe Brauereibier nicht filtriert und stattdessen pasteurisiert wird. Wenn mans geschickt anstellt, wird aus der Millionen Hektoliter-Brauerei gleich noch eine Craftbeer-Bude... :Ahh
Gruß Matthias
Nicht zu vergessen die kürzere Reifezeit damit es schön "kernig" (also unreif) schmeckt.
Gruß
Magnus

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#34

Beitrag von Bjmang » Samstag 1. Februar 2020, 18:43

Ich kenne viele Eckkneipen die das Rauchverbot nicht überlebt haben.
Wenn die 0 Promille Grenze für Autofahrer kommt wirds noch schlechter. Dann geht gar nichts mehr.
In den Schützenhäusern wird auch nur noch Mineralwasser getrunken. 0 Promille beim Waffentransport.
Auch bei den Geselschaftsjagden"Schüsseltreiben" kein Alkohol mehr, was war das früher schön.

Alles kaputgemacht von unseren Volksvertretern.

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#35

Beitrag von schwarzwaldbrauer » Samstag 1. Februar 2020, 19:53

Abe die weltweite Hobbybrau- und Craftbeerwelle zeigt doch eindeutig:
Es geht um Klasse, nicht um Masse.
Ich mache mir keine Sorgen dass gutes Bier aus unserer Kultur verschwindet.
Grüßle Dieter
Brau, schau wem.

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#36

Beitrag von Malzwein » Samstag 1. Februar 2020, 20:04

"Ich kenne viele Eckkneipen die das Rauchverbot nicht überlebt haben."

Ich nicht. Selbst die dehoga hat dazu keine Zahlen. In meiner Heimatstadt Dortmund begann das Kneipensterben weit davor.
Gruß Matthias

Jep, Bier wird´s immer... meist auch trinkbar und manchmal ist es richtig gut!

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#37

Beitrag von Boludo » Samstag 1. Februar 2020, 22:16

Bjmang hat geschrieben:
Samstag 1. Februar 2020, 18:43
Ich kenne viele Eckkneipen die das Rauchverbot nicht überlebt haben.
Wenn die 0 Promille Grenze für Autofahrer kommt wirds noch schlechter. Dann geht gar nichts mehr.
In den Schützenhäusern wird auch nur noch Mineralwasser getrunken. 0 Promille beim Waffentransport.
Auch bei den Geselschaftsjagden"Schüsseltreiben" kein Alkohol mehr, was war das früher schön.

Alles kaputgemacht von unseren Volksvertretern.
Ich kenne viele Kneipen in denen immer noch geraucht wird. Widerlich!
Und wer Waffen transportiert soll bitte nüchtern sein.
Warum bei Null Promille gar nichts mehr gehen soll verstehe ich auch nicht.
Die Schuld den Volksvertretern geben ist doch albern. Es gibt eine breite Mehrheit in der Gesellschaft für das Rauchverbot. Gottseidank. Niemand braucht diesen abartigen Gestank. Selbst viele Raucher finden es gut. Aber auf die Politik schimpfen ist ja so einfach.
Kneipensterben hat ganz andere Ursachen.

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#38

Beitrag von afri » Samstag 1. Februar 2020, 22:31

Bjmang hat geschrieben:
Samstag 1. Februar 2020, 18:43
Alles kaputgemacht von unseren Volksvertretern.
Ich mag dir recht geben, aber politische Diskussionen sind in diesem Rahmen (Forum) eher nicht so gern gesehen bzw. führen zu nichts. Mit den Eckkneipen oder den Schützenfesten magst du recht haben und ich schätze deine Beobachtungen, aber bitte nicht auf die Politik schieben, auch wenn das in den Forenregeln nicht ausdrücklich als unerwünscht erklärt wird.

Zum Thema gebe ich Dieter recht: wann immer man sich als Hobbybrauer zu erkennen gibt, wird man üblicherweise mit höchstem Interesse beäugt. Viele ahnen es, wissen aber nicht, woran es liegt: die herkömmlichen und schon immer gekauften Fabrikbiere schmecken und riechen fast alle gleich. Jetzt kommt da dieses Craftbeer daher und schmeckt/riecht anders. Das gefällt nicht jedem, aber vielen schon. Und so mancher hat sich schon länger gefragt, ob man das nicht selbst auch in "sehr viel besser" hinbekommen könnte, was u.a. der Grund für dieses Forum ist.

Hobbybräu muss nicht zwangsläufig gut oder besser sein, keine Frage. Bei meinen bescheidenen Verkostungen aus vergangenen Tausch- oder Wichtelaktionen bin ich jedoch noch nicht enttäuscht worden, auch wenn mir das Bier manchmal nicht schmeckte (was am Stil lag, nicht am Hobbyisten). Die Vielfalt ist es doch gerade, was wir als Brauer am Leben erhalten können. Der Gegenentwurf sind die Radebitsteiner, ist alles die gleiche Brühe, also kann ich auch gleich das billigste kaufen, wenn es überall gleich gut oder schlecht schmeckt.

Einige gute Beispiele sind in den letzen Jahren zur Marktreife gelangt, beispielsweise das Tusnelda einer eher kleineren unabhängigen Brauerei im lippischen Raum sowie das Grevensteiner eines großen Konzerns. Auch die Craftbeer-Versuche in den Discountern sehe ich durchaus positiv. Ob sich die Bierlandschaft dadurch wesentlich ändern wird? Das wage ich zu bezweifeln, aber wer weiß es schon genau. Vielleicht wird die Landschaft ja kleiner, aber mit mehr Diversität? Das wäre gar nicht mal so schlecht, würde ich behaupten.
Achim
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#39

Beitrag von Bjmang » Samstag 1. Februar 2020, 23:05

Okay wird gemacht. Hab trotzdem noch von keinem gehört der Sonntags nach dem luftgewehrtraining mit zwei Pils im Blut auf dem Nachhauseweg einen Amoklauf gemacht hat. Auch wenn man nur einen Verschluss (kammerstengel, oder ein luftgewehr) transportiert gelten die 0 Promille . Darunter leidet die Gesellschaft und der Umsatz der Wirte in den Vereinen bei uns schon. ÖPNV gibts bei uns im Pfälzerwald nur in Homöopathischen Dosen. Ich bin auch Nichtraucher und begrüße das Rauchverbot in der Gastronomie. So Schluss jetzt war halt die gute alte Zeit.

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#40

Beitrag von Ladeberger » Samstag 1. Februar 2020, 23:56

Ich bin auch Nichtraucher und begrüße das Rauchverbot in der Gastronomie.
Und ich bin als Nicht-Schütze ausgesprochen früh darüber, dass niemand Waffen führen/transportieren darf, der einen im Tee hat :Wink

Gruß
Andy

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#41

Beitrag von flying » Sonntag 2. Februar 2020, 17:51

Ich lese gerade das das Berliner Bierfestival, zu seinen Hochzeiten immerhin 800.000 Besucher dieses Jahr nicht mehr stattfindet..

Passt ja gut zum Thema.

https://www.internationales-berliner-bi ... /home.html
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#42

Beitrag von Fe2O3 » Sonntag 2. Februar 2020, 18:01

flying hat geschrieben:
Sonntag 2. Februar 2020, 17:51
Ich lese gerade das das Berliner Bierfestival, zu seinen Hochzeiten immerhin 800.000 Besucher dieses Jahr nicht mehr stattfindet..

Passt ja gut zum Thema.

https://www.internationales-berliner-bi ... /home.html
Echt jetzt?
und für welchen Grund ziehe ich jetzt nach Berlin? :puzz :crying

lG
Martin

EDIT: Alarm zurück - hatte es mit der Berlin Beer Week verwechselt :Ahh - aber die scheint es ja weiterhin zu geben :thumbsup
Zuletzt geändert von Fe2O3 am Sonntag 2. Februar 2020, 18:06, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#43

Beitrag von HubertBräu » Sonntag 2. Februar 2020, 18:03

Um diese "Saufmeile" einmal im Jahr Anfang August ist es echt nicht schade.

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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#44

Beitrag von Johnny H » Sonntag 2. Februar 2020, 18:12

flying hat geschrieben:
Sonntag 2. Februar 2020, 17:51
Ich lese gerade das das Berliner Bierfestival, zu seinen Hochzeiten immerhin 800.000 Besucher dieses Jahr nicht mehr stattfindet..

Passt ja gut zum Thema.

https://www.internationales-berliner-bi ... /home.html
Ui!
Die Rahmenbedingungen hinsichtlich der finanziellen Aufwendungen, z.B. für Sicherheits-, Sanitäts-, und Absperrmaßnahmen wegen der veränderten Sicherheitslage, sowie der gestiegenen Auflagen seitens der Behörden, z.B. für Sanierungsmaßnahmen der Grünflächen, sind von Jahr zu Jahr erhöht bzw. verschärft worden, so dass wir nun finanziell an unsere Grenzen gelangt sind. Wenn wir die kontinuierlich gestiegenen Kosten weiter auf die Standbetreiber und Besucher umlegen würden, könnten viele Aussteller nicht mehr teilnehmen und der Charakter eines kostenfrei zugänglichen, für alle erschwinglichen Festivals ginge verloren.
Nachvollziehbar, wobei ich dazu sagen muss, dass ich kein einziges Mal dort gewesen bin: das war mir persönlich immer zu viel "Saufmeilen"-Charakter bzw. ich glaube nicht, dass dieser inoffizielle Spitzname unbegründet war/ist!

Schade ist das trotzdem ein bisschen, denn ich weiß, dass auch dort "gutes"* Bier ausgeschenkt wurde, und jeder Bedeutungsverlust von Bier in der Öffentlichkeit dringt m.E. zumindest indirekt auch in die Bereiche vor, die mir am Herzen liegen.

PS: Zum Glück besteht ja weiterhin an Bierfesten kein Mangel: ich muss z.B. schon wieder selektieren bei der Jahresplanung, und bereits im März finden zwei Veranstaltungen statt!
https://hhopcast.de/craft-beer-events-u ... este-2020/

*bitte die Anführungszeichen beachten und mir nicht die Wortwahl krumm nehmen :Wink
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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Johnny H
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Re: WELT: Das Bier verschwindet aus unserem Leben

#45

Beitrag von Johnny H » Montag 3. Februar 2020, 17:39

Soeben habe ich diesen Blogpost, der sich mit der Aktienbrauerei Kaufbeuren und deren Ambitionen beschäfigt, auf Martyn Cornells Webseite gefunden:

A QUICK PLUG FOR MY FRIENDS AT ABK

Offenbar will man mithilfe kräftiger Investitionen das Volumen vervielfachen:
We intend to go from 90,000 hectolitres to a million, and to three million, within the next five years. Our key markets will remain Germany, and in no particular order, the US, China, Britain, Spain.
So wie es klingt, geht es um das Helle (Das Blaue), und das Ganze soll auch ohne Kompromisse bei Geschmack und Rohstoffauswahl ablaufen. Das Bier soll auch so schmecken wie das Original in Kaufbeuren, und die Eigentümer wollen den Brauern da auch nicht hineinreden.

Ich kenne dieses Bier leider nicht, und auch hier im Forum habe ich auf die Schnelle fast nichts gefunden.

So auf den ersten Blick würde ich sagen: das klingt sehr gut! Wenn, dann muss man es genau so machen: das Produkt, d.h. seinen Geschmack, seine Tradition und seine Qualität in den Vordergrund stellen, und eben nicht anfangen mit "geschlechtergerechten" Etiketten und der 125sten Flaschenform! Ich finde es ganz gut, dass man hier ambitioniert ist, sich gegen den Trend zum Marketinggetue stellt und damit eben genau nicht das nachmacht, was alle anderen tun und mir eher eine Spirale nach unten erscheint! Ob es erfolgreich wird, kann ich natürlich nicht sagen!
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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